E-Book, Deutsch, Band 4, 592 Seiten
Reihe: Drachenblut
Kronschnabl Wolfszahn
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7554-6130-2
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 4, 592 Seiten
Reihe: Drachenblut
ISBN: 978-3-7554-6130-2
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In einer Welt in der nicht nur Menschen leben, sondern auch Drachen, Feen und allerlei anderer Übernatürliche, gelten andere Regeln... Als dem jungen und forschen Wolfsmenschen Teal eines Tages von ihren Herrschern aus Dumiah aufgetragen wird, als Spionin in ein anderes Drachenreich zu reisen, kann sie es nicht fassen. Sie soll doch tatsächlich herausfinden, wie es um die Harpye des grünen Drachen Astad bestellt ist! Aber sie, als freche und vorlaute junge Frau ist wohl kaum die Richtige für solch eine riskante Aufgabe. Neugierig wie sie ist, bricht sie dennoch auf. Nur, um in einem Feendorf miten in einem Dschungel zu landen. Noch bevor sie überhaupt begreift, wo sie da hineingeraten ist, steht plötzlich Achar vor ihr, eine Fee die behauptet, die Fürsorge für die Harpye zu tragen. Als Wölfin und Fee dann erfahren, dass sie gemeinsam jene Harpye großziehen sollen, ist das Chaos perfekt. Wird ihnen das gelingen oder wird sie der grüne Drache finden und sie für ihre Dreistigkeit vernichten?
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Prolog
„Zieh den Bauch ein. Brust 'raus. Und streck den Arm richtig durch. Achte auf den korrekten Winkel! Und lass dein Ziel nicht aus den Augen.“ Die Worte des Lehrers klangen streng und klar definiert, doch gerade der ruhige und melodische Klang, der niemals aus der Ruhe zu bringen war, war der Grund dafür, warum sich jeder Schüler, auch Arrow hier, besonders viel Mühe gab. Ihr Lehrer nickte anerkennend, ein stilles Lob, welches die klaren blauen Augen des Mädchens glänzen ließ. Achar, der allwissende Lehrer und Gelehrte ihres Stammes sprach so gut wie nie ein Lob aus, von daher wogen solch kleine Gesten seines Respekts nur umso schwerer. „Achar! Achar!“, ertönte ein aufgeregter Ruf, der der besagten Fee tatsächlich so etwas wie ein genervtes Seufzen entlockte. „Wann bekomme ich endlich die Ruhe, die ich verdiene?“ Er wandte sich von seiner Schülerin ab und wurde fast von River umgerannt, der zwar schon fast das stolze Jugendalter erreicht hatte, aber dennoch besorgniserregend klein gewachsen war. So klein gewachsen, dass man ihn für eine Nymphe gehalten hätte, wären da nicht die hauchfeinen Membran zwischen seinen Schulterblättern, die in allen Farben des Regenbogens schillerten. „River?“, fragte Achar mit seiner ruhigen Stimme, sodass der Jüngling abrupt stehenblieb und mit großen Augen zu ihm aufblickte. Es war einfach seltsam. Feen waren große und anmutige Geschöpfe, denen unerwartet viel Stärke innewohnte, die rau und schlicht atemberaubend war, doch Achar war... anders. Wann immer man in seine Nähe kam, wurde man von einer seltsamen Ruhe erfasst, die einen fast vergessen ließ, was man eigentlich von ihm wollte. So ging es auch River in diesem Moment. Er musste sich sammeln und seine Gedanken sortieren, ehe er fragen konnte: „I-Ich benötige dein... Eure Hilfe, Achar“, stammelte er. „Die ehrenwerte Nimyah hat mich damit beauftragt, einen schwarzen Schilling zu suchen, für die Forschungszwecke der dritten Stufe.“ Es kostete Achar keinerlei Anstrengung seine dichten, dunklen Augenbrauen nicht verwundert zu heben. Er bemerkte eine ruhiger werdende Bewegung aus den Augenwinkeln und sagte deshalb ohne hinzusehen: „Nicht aufhören, Arrow.“ Dann richtete er seine Aufmerksamkeit voll und ganz auf den Jungen vor ihm. „Bist du dir sicher, River? Der schwarze Schilling ist der seltenste aller Käfer, draußen im Dschungel. Selbst ich habe noch nie einen zu Augen bekommen. Ich glaube, Nimyah wollte sich mal wieder nur einen Scherz mit dir erlauben.“ Seine seelenruhige aber dennoch durch und durch plausible Erklärung leuchtete River ein, weshalb er schmollend den Mund verzog und sichtlich beleidigt die Arme vor der noch immer hageren Brust verschränkte. „Das ist wirklich nicht mehr witzig! Nur, weil ich so klein bin, macht sie sich ständig über mich lustig.“ Die Feuchtigkeit in seinen ungewöhnlich warmen braunen Augen verdeutlichte, dass ihm die Sache näher ging als er für gewöhnlich erkennen ließ. River war von Natur aus ein unverwüstlicher Bursche, ihn nun so schwach und verletzlich zu sehen machte Achar betroffen, auch wenn er Nimyah lange genug kannte, um zu wissen, dass sie dem Jungen auf diese Weise nur helfen wollte. Ihre Späße sollten dazu beitragen, dass River über sich hinauswuchs und seinen kleinen Wuchs nicht unnötig als ein Problem oder Hindernis darstellte. Der Lehrer wusste, worauf River in diesem Augenblick abzielte und doch schwieg er erst einmal. Und dann blickte ihn der Junge auch schon flehend an. „Könntet Ihr nicht mit ihr reden? Auf Euch hört sie doch!“ Seine Unschuldsmiene zeigte keine Wirkung, doch Achar gab zu, dass er in Versuchung geriet zu schmunzeln und ihn ebenfalls ein wenig zu foppen. „Du solltest Nimyah lieber einmal selbst darauf ansprechen und sie darum bitten, ein wenig mehr Rücksicht auf dich zu nehmen. Du musst deine Probleme selbst bekämpfen, River, sonst verlierst du den Respekt der Feen.“ River, und selbst Arrow hinter ihm, verdrehte stöhnend die Augen. Einer der Leitsätze des Stammes, bezüglich des Respekts, wurde so oft erwähnt, dass selbst die kleinsten ihrer Sippe ihn im Schlaf aufsagen konnten. Sehr zu ihrem Leidwesen. River hätte damit rechnen müssen, dass Achar keinen Anteil an seinen Kämpfen nahm und so zog er schmollend von dannen. Der Gelehrte verschwendete keinen Gedanken daran und wandte sich abermals an Arrow, um ihr Kampftraining fortsetzen zu können. Es schien jedoch, als würde er heute auf eine harte Probe gestellt werden, denn noch bevor er den Mund aufmachen konnte, vernahm er ein gutes Stück von ihnen entfernt erneut seinen Namen. Stumm bat er eine höhere Macht um mehr Geduld, dabei warf er einen Blick nach oben zum Himmel, der zum Großteil von dichtem und immergrünem Geäst und Laubwerk verdeckt wurde. Blaue Flecken machten deutlich, dass die Sonne schien, doch den Pflanzen bot dies wohl mehr Vorteile, als jenem Stamm der Feen, der sich am Rande des Dschungels niedergelassen hatte. Seit über zehn Generationen lebten sie schon hier, meistens streng an ihren Regeln festhaltend. Irgendwo dort, tief im Dickicht des Dschungels, lebten zwei Drachen namens Vaughn und Kressida, von denen niemand wusste, wer genau sie eigentlich waren. Achar vermochte nicht zu sagen, ob sie eine ganze Stadt oder eine Gefolgschaft besaßen, doch die Umstände gefielen ihm nicht. Nicht die Tatsache, dass sie zwei Drachen als Nachbarn hatten, sondern der Umstand, dass auf der anderen Seite des Regenwaldes, nahe des fruchtbaren Landes, ein dritter Drache regierte, der auf den Namen Astad hörte und, unglücklicher Weise, so manches Mal mit ihnen zusammenarbeitete. Von so vielen Drachen eingekesselt zu sein, setzte den Stamm zu sehr unter Druck, wie Achar fand. Ständig mussten sie darauf achten, dass niemand den unsichtbaren Grenzen zu nahekam. Und dann waren da noch diese Vorfälle, vor einigen Jahrzehnten, bei denen immer mal wieder vereinzelt einige Feen verschwanden. Sie waren nie wieder aufgetaucht und auch Überreste waren nie gefunden worden. Nie waren Anhaltspunkte oder Beweise gefunden worden, doch dieses Kribbeln in Achars Nacken gab ihm zu verstehen, dass nur ein Drache dahinterstecken konnte. Doch um den Frieden zu wahren hatte der Stamm nie Vorwürfe erhoben und dies, obwohl sie sonst keinen Krieg und keine Auseinandersetzung scheuten. Er selbst war der Beweis... „Seit wann ignorierst du mich?“, schnalzte Nimyah, die mit einem Mal neben ihm stand und das so dicht, dass es glatt den Anschein erweckte, als wäre da etwas zwischen ihnen. Du hast mir gerade noch gefehlt, dachte Achar, sprach es aber nicht aus und ließ sich auch nichts dergleichen anmerken. „Was gibt es?“, erwiderte er gelassen, ohne auf ihre Provokation einzugehen. So war es schon immer gewesen. Nimyah versuchte ihn aus der Reserve zu locken und Achar reagierte noch unterkühlter als sonst. Nur einmal hatte sie ihn eiskalt erwischt, doch das war lange her... Achar war sich nicht sicher, ob sie ihn daran erinnern wollte oder welchen Grund es sonst geben sollte, warum sie ihn nun mit der Schulter anstieß und auf den abgelegenen Pfad neben ihnen deutete. „Du wurdest zum Ältesten zitiert. Frag nicht, warum“, raunte sie ihm ins Ohr und zwinkerte dann Arrow zu. „Ab hier übernehme ich dein Training.“ Argwöhnisch, aber ohne das Gesicht zu verziehen, legte Achar den Kopf schief. „Seit wann bist du im Kampftraining bewandert?“, versuchte er Nimyah eines Besseren zu belehren, doch seine Freundin lachte nur. „Hey, ich bin immer noch Lehrerin, so wie du!“ Auf dem Weg zum Ältesten, der von allen nur liebevoll Pom Pom genannt wurde, schlich sich die einen Meter neunzig große Fee vom Pfad und verschwand zwischen zwei riesigen Palmen, um Abseits der Gemeinde etwas von der Ruhe zu bekommen, die Achar sich so sehnlichst wünschte. Selbst am Rande eines Urwalds wohl ein aussichtsloses Unterfangen, denn die Geräuschkulisse um ihn herum verstummte niemals auch nur für eine Sekunde. Vögel krakelten aus vollem Halse, Katzenartige fauchten und brüllten in der Ferne und dank seiner spitzen Ohren konnte er selbst die Insekten auf der feuchten Erde kreuchen und fleuchen hören. Ganz intuitiv trugen ihn seine Füße Richtung Bach, der sich durch mehrere Reiche schlängelte und im Land von Vaughn und Kressida schließlich in einen reißenden Fluss überging. Es würde Pom Pom mit Sicherheit nicht stören, wenn er einen Umweg machte. Sein Name war auf seine rundliche Form und sein ruhiges Gemüt zurückzuführen, beides mehr als ungewöhnlich für eine Fee. Dennoch durfte man sich von seiner äußeren Erscheinung nicht täuschen lassen, denn er trug den Krieg im Herzen. Wenn es um den Stamm und dessen Sicherheit und Regeln ging, dann wurde er zu einer gnadenlosen Bestie, die ein Schwert schneller schwingen konnte, als jeder ausgebildete Krieger. Achar hatte früh gelernt, dass es nie gut ausging, wenn man sich ihm widersetzte. Achar fragte sich, warum Pom Pom nach ihm rufen ließ. Seine Tage waren nun wirklich schon voll genug. Der Unterricht der ersten und zweiten Stufe, in den Morgenstunden, dann folgte der Einzelunterricht in den...




