Krinard | Die dunkle Macht des Mondes | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Krinard Die dunkle Macht des Mondes


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95576-215-5
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-95576-215-5
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



New York, 1926. Ein unheimliches Verbrechen hält die Stadt in Atem. Drei blutleere Leichen wurden gefunden. Das Werk von Vampiren? Bei ihren Recherchen zu dem Fall wird die Reporterin Gwen Murphy am Ufer des East River von einem Unbekannten in die eiskalten Fluten gestoßen. Doch in letzter Sekunde bewahrt sie ein faszinierend schöner Mann vor dem Ertrinken: Dorian Black. Vergeblich versucht er, Gwen von ihren gefährlichen Nachforschungen abzubringen, denn die Vampire töten jeden, der ihrem Geheimnis zu nahe kommt. Bald schon fühlt Gwen sich in der Nähe des seltsamen Fremden in Sicherheit. Sie ahnt nicht, dass Dorian selbst ein Vampir ist - der um sie zu retten, sogar über ihre Leiche gehen würde.



Bereits in der vierten Klasse entdeckte Susan Krinard ihre Liebe für Science Fiction und Fantasy. 1993 begann sie schließlich selbst mit dem Schreiben von Paranormal Romance und Fantasy Kurzgeschichten. Doch erst durch den Rat eines guten Freundes brachte sie den Mut auf, sich an einen Roman zu wagen und ihn zu veröffentlichen. Seither hat sich ihr Werk auf dreiundzwanzig Romane und etliche Kurzgeschichten vergrößert. Einige ihrer Romane standen sogar auf der New York Times Bestsellerliste. Heute lebt Susan gemeinsam mit ihrem Ehemann Serge, den Katzen Rocky und Agatha, sowie den Hunden Nahla, Cagney und Freya glücklich in Albuquerque in New Mexico.

Krinard Die dunkle Macht des Mondes jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1. KAPITEL


Das dumpf glucksende schwarze Wasser schlug über ihrem Kopf zusammen. Sie schlug wild um sich, doch ihre Arme und Beine waren so schwer und unbeweglich wie Baumstämme. Hinter ihren Augenlidern zuckte aggressives rotes Licht, sie konnte nicht denken, konnte nichts tun, außer sich auf ihren Instinkt zu verlassen, der sie davon abhielt, den Mund zu öffnen und die widerliche Brühe zu schlucken, die um sie herum waberte.

Der Gedanke kam und ging in einem kurzen lichten Moment, ehe sie ihn begreifen konnte. Sie sank tiefer. Ihre Muskeln gehorchten nicht länger den schwachen Befehlen ihres Gehirns. Ein Fisch mit Glupschaugen driftete neben sie und sah sie erstaunt an. Dann verschwand er in den tintenschwarzen Tiefen. Ihre Lungen begannen zu brennen.

Ein Strahl aus Luftblasen löste sich von ihren Lippen. Plötzlich kam die Erinnerung zurück. Sie sah hinauf auf den fernen, blassen Schimmer des Mondlichts, das sich auf der Oberfläche des Flusses spiegelte. Es schien Millionen Meilen entfernt.

Aber sie hatte keine Luft mehr. Erlösung schien nicht mehr erreichbar. Sie streckte die Arme aus und klammerte sich an eine Substanz, die ihr durch die Finger glitt. Ein dunkler Vorhang legte sich über ihre Augen. Sie strengte sich ein letztes Mal an und versuchte, ihren schmerzenden Körper ein kleines Stück näher an den Himmel zu schieben.

Etwas griff nach ihrer Hand und packte sie wie das Maul eines Killerhais. Ihr Schrei leerte ihre Lungen völlig. Das Letzte, was sie sah, war ein Gesicht … ein Gesicht, das einem Engel gehören mochte … oder dem attraktivsten Teufel, den die Hölle je hervorgebracht hatte.

“Atmen Sie!”

Die Stimme war rau und doch schön, wie eine Musik aus einer anderen Welt. Sie kam von sehr weit weg, einem Ort außerhalb von Raum und Zeit, und doch zog sie sie aus der verführerischen Dunkelheit, so sanft wie ein Mafiakiller, der sich in einer Gasse über irgendeinen armen Tropf hermacht.

Grobe Hände drehten sie um und bearbeiteten ihren Rücken. Flüssigkeit stieg in ihrem Rachen hoch und ergoss sich aus ihrem Mund. Sie hustete kräftig, und blitzende Funken schwirrten durch ihr Gehirn.

“Atmen!”

Sie keuchte. Gesegneter Sauerstoff strömte in ihre Brust. Die Hände, die sie geschüttelt und bearbeitet hatten, wurden sanfter und hoben sie gegen eine warme, feste Oberfläche. Sie hörte einen Herzschlag, langsam und gleichmäßig, spürte die Umrisse von Muskeln unter einem früher einmal eleganten Hemd aus schwarzem Tuch, roch einen leicht stechenden, aber nicht unangenehmen Duft, als hätte die Person, die sie festhielt, seit Wochen ihre Kleidung nicht gewechselt.

Immer noch benommen und zitternd im kalten Morgenwind, der gegen ihre nasse Haut wehte, ließ sie sich einfach halten. Es war absurd, sich in den Armen eines vollkommen Fremden so sicher zu fühlen, auch wenn der ihr gerade das Leben gerettet hatte. Verrückt, dass es sich so anfühlte, als könne sie für immer dort bleiben.

Sie wand sich, ihre Muskeln immer noch nicht ganz unter Kontrolle, in den Armen ihres Retters. Er ließ sie los und half ihr, nicht hinzufallen, als sie sich auf dem betagten Holz der Mole hinzusetzen versuchte.

Zum ersten Mal konnte sie sein Gesicht erkennen. Es war der teuflische Engel, den sie im Fluss gesehen hatte. Dort hatten das Brackwasser und ihre eigene verschwommene Sicht seine Züge verzerrt. Jetzt, da sie ihn deutlicher erkennen konnte, wusste sie immer noch nicht, ob er nun in den Himmel oder an den anderen Ort gehörte.

Seine Züge waren die eines jungen Mannes in der Blüte seiner Jahre. Er war ansehnlich im wahrsten Sinne des Wortes, und das helle Mondlicht betonte noch die vollkommen symmetrischen Flächen und Winkel seines Gesichts. Seine Haut war glatt und frei von Bartstoppeln, auch wenn alles andere an seinem Aussehen darauf schließen ließ, dass er tagelang keinen Rasierer in die Hand bekommen hatte. Seine Wangenknochen waren hoch, sein Kinn fest und ein wenig eckig, sein Haar war dunkel und musste dringend geschnitten werden, und seine Brauen lagen gerade über tief umschatteten Augen.

Die Augen waren es, die ihre Aufmerksamkeit am stärksten auf sich zogen. Gwen konnte keine Farbe erkennen, aber das war auch nicht wichtig. Sie gehörten einfach nicht ins Gesicht eines guten Samariters, der wahrscheinlich sein Leben riskiert hatte, um eine ihm vollkommen Fremde zu retten. Sie gehörten nicht zu einem Mann Mitte zwanzig, der noch wenigstens vierzig gute Jahre vor sich hatte. Sie waren so gefährlich wie ein Sturm, kurz bevor er losbricht, so grauenvoll wie der blutbefleckte Stahl eines Maschinengewehrs. Wenn je ein Lächeln sie berührt hatte, dann lag das in einer so weit entfernten Vergangenheit, dass sie es sich kaum vorstellen konnte.

Die meisten Frauen – ja, sogar die meisten Männer – hätten sich unter diesem unbarmherzigen Blick gekrümmt. Nicht aber Gwen Murphy. Sie betrachtete ihn weiter, bemerkte die ausgefransten Manschetten seines Hemdes, die Jacke, die schon bessere Tage gesehen hatte, die geflickten Hosen und die abgestoßenen Schuhe. Dieser Kerl hatte es nicht leicht im Leben, wahrscheinlich war er arbeitslos. Menschen wie ihn gab es in New York immer noch, auch wenn die Geschäfte blendend liefen und fast jeder am allgemeinen Wohlstand teilzuhaben schien.

Jeder, bis auf einige Unglückliche: Männer, die im Krieg verkrüppelt worden waren, Witwen, die ihre Kinder ohne Vater aufziehen mussten, Immigranten, die sich im fremden Land noch nicht zurechtgefunden hatten, Alkoholiker, die ihr Geld nicht zusammenhalten konnten.

Ihr Retter sah gesund und unversehrt aus. Er schien ihr nicht betrunken zu sein. Er konnte ein Ausländer sein, der nicht genug Englisch sprach, um einen vernünftigen Job zu bekommen.

Es gab nur einen Weg, das herauszufinden.

“Sie haben mir das Leben gerettet”, sagte sie mit krächzender Stimme, “danke.”

Der Mann legte den Kopf zur Seite. Er sah ihr immer noch direkt in die Augen.

Sie räusperte sich und zog sich den durchnässten Handschuh von ihrer zitternden rechten Hand. “Ich bin Gwen Murphy”, sagte sie und streckte ihm die Hand entgegen.

Er sah hinab auf ihre zitternden Finger, als vermutete er, sie habe eine widerliche und ansteckende Krankheit. Sie wollte ihre Hand gerade wieder fortziehen, als er sie mit dem gleichen bulldoggenstarken Griff packte, mit dem er sie aus ihrem wässrigen Grab gezogen hatte.

“Dorian”, sagte er und erfüllte die Luft wieder mit dieser seltsamen Musik. “Dorian Black.”

Gwen musste fast lachen. Sie merkte, dass unter ihrer erzwungen ruhigen Oberfläche die Hysterie lauerte, und schluckte das Lachen hinunter. Wenn sie erst einmal damit anfing, würde es ihr vielleicht schwerfallen, wieder aufzuhören. Und Mr. Black sah nicht so aus, als würde er so eine Reaktion gutheißen.

“Mr. Black”, sagte sie und erwiderte seinen Händedruck, so fest sie konnte, “ich weiß nicht, wie Sie es geschafft haben, genau dann aufzutauchen, als ich Sie am dringendsten brauchte, aber ich bin Ihnen sehr dankbar.”

Er ließ ihre Hand los und legte seine Finger auf seinen Oberschenkel. “Es war mir keine Mühe”, sagte er. Er betonte jedes Wort sehr genau, als wäre Englisch eine zweite Sprache, die er sich sorgfältig angeeignet hatte. “Benötigen Sie einen Arzt?”

Sie unterdrückte ein Zittern. “Es geht mir gut. Ich bin nur etwas durchgefroren. Und voller Wasser.”

Immer noch durchbrach kein Lächeln sein gemeißeltes Gesicht, aber seine Brauen zogen sich zusammen, sodass sein Gesicht fast sorgenvoll aussah. Er zog seine Jacke aus und legte sie ihr um die Schultern. Sie war nicht ganz sauber, aber Gwen war dankbar für die Wärme und die Geste.

“Danke”, sagte sie.

Er hob eine Schulter und zeigte ihr damit, wie unangenehm ihm die ganze Situation wirklich war. “Wie konnte das passieren?”, fragte er.

Die Frage überraschte Gwen. Black war so wortkarg, dass es leichter schien, ihm einen Zahn zu ziehen, als ihm ein paar Sätze zu entlocken. Vielleicht interessierte es ihn auch gar nicht, aber sie musste es ihm anrechnen, dass er es wenigstens versuchte.

“Ich bin Reporterin für den , sagte sie. “Ich war auf den Docks, weil ich einer Sache auf der Spur war. Und dann haben mich auf einmal ein paar Gangster angesprungen, die mich für leichte Beute hielten.” Plötzlich war ihr die ganze Sache sehr peinlich. Sie befühlte die anschwellende Beule an ihrem Hinterkopf. “Aber so leicht habe ich es denen nicht gemacht. Als ich mich gewehrt habe, hat mir einer von denen eins übergezogen und mich in den Fluss geworfen.”

Black kniff die Augen zusammen. Er sah den Pier hinauf über die Uferpromenade, als könnte er dort noch die jungen Männer finden, die ihr das angetan hatten. Sogar wenn sie geblieben wären, um sicherzugehen, dass ihr Opfer wirklich ertrunken und erledigt war, würde man sie nicht mehr sehen, die nächste Straßenlaterne war fast hundert Meter entfernt, und es gab eine Menge Verstecke. Es war so nahe am Sonnenaufgang, dass die ersten Matrosen und Hafenarbeiter bereits in den Docks auftauchten. Wenn nicht gerade diese Mole einigermaßen verlassen gewesen wäre, wären die Gangster mit ihrem Angriff gar nicht erst so weit gekommen.

“Ist es eine Angewohnheit von Ihnen, sich mitten in der Nacht in Hell’s Kitchen aufzuhalten?”, fragte Black, der sich ihr mit einer gewissen Bedrohlichkeit wieder zuwendete.

Gwen setzte sich aufrechter hin und drückte unter der viel zu großen Jacke ihre Schultern...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.