E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Reihe: Regesta Imperii - Beihefte: Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters
Puccini und Franchetti
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Reihe: Regesta Imperii - Beihefte: Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters
ISBN: 978-3-641-05195-2
Verlag: Verlagsgruppe Random House
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Baron Alberto Franchetti war Giacomo Puccinis größter Rivale. Mit Opern wie »Asrael«, »Cristoforo Colombo« oder »Germania« feierte er internationale Erfolge und galt als Verdis Nachfolger. Was seine Vorliebe für Automobile und seine Erotomanie angeht, übertraf er Puccini noch um ein Vielfaches. Während dieser mittellos geboren wurde, entstammte Franchetti einer der reichsten Familien Italiens. Seine Duelle, Autorennen und skandalösen Ehen füllten die Klatschspalten der italienischen Presse. Doch während sich Puccinis Ruhm stetig steigerte, sank Franchettis Stern plötzlich ohne erkennbaren Grund. War es das Aufführungsverbot der Faschisten oder waren es die sinistren, an Wagner erinnernden Kompositionen, die ihn ins Abseits führten, während Puccinis luzide Opern noch heute in aller Welt aufgeführt werden? Eine spannende Spurensuche, romanhaft erzählt.
Minutiös recherchiert, stilistisch brillant, intelligent und unterhaltsam erzählt.
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". (S. 99-100)
Puccini, der, sobald Elvira schläft, mit seinem Kumpan Giovanni Manfredi, genannt Lappore, lieber auf die Jagd geht als zu komponieren, wird nächtens auf frischer Tat ertappt, festgenommen und der Wilderei bezichtigt. Glücklicherweise hat er mit dem Schuß, der ihn verriet, die anvisierte Ente nicht getroffen, somit liegt kein Corpus delicti vor, und sein Anwalt, ein römischer Senator, der den Fall aus Freundschaft übernimmt, kann beim Prozeß erfolgreich behaupten, sein Mandant habe doch nur ein Gewehr ausprobieren wollen, es gelte im Zweifel die Unschuldsvermutung.
Der Marchese Ginori, Besitzer des Massaciuccolisees, bietet Puccini daraufhin eine ganzjährige Lizenz zum Abschuß von Wasservögeln an; der Komponist bedankt sich, indem er dem Marchese die neue Oper widmet. Beide sind mit dem Tauschgeschäft sehr zufrieden. Ferruccio Pagni hat die Fertigstellung von La Bohème in seinen Erinnerungen präzise und glaubhaft geschildert*:
* Der Abdruck der deutschen Übersetzung, erschienen im Syrinx-Verlag, erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlegers Prof. Müller-Dombois.
»In einer späten Novembernacht des Jahres 1895 beendete der Maestro die Bohème. An jenem Abend – wie an vielen anderen, an denen er arbeitete, hatte er auf den Hüttenbesuch verzichtet – waren Cecco, ich, Angiolino und Lodovico Tommasi in seinem Hause zusammengekommen. Während Giacomo, mit der Partitur beschäftigt, am Klavier oder am Tischchen sitzend, Note für Note, Akkord auf Akkord niederschrieb und hin und wieder innehielt, um die Tasten des Instruments zu betätigen, spielten wir Karten, ohne uns um ihn zu kümmern, so wie er nichts von uns wahrnahm, abgerückt von der Realität, wie er war, und ganz seiner Tonsprache hingegeben. ›Eine Ladung!‹"