Korten | Die Verdammten | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

Korten Die Verdammten


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7546-4527-7
Verlag: tolino media
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

ISBN: 978-3-7546-4527-7
Verlag: tolino media
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Verdammt ist jede Schuld schon vor der Tat. Drei Menschen glauben, dass sie zu den Verdammten dieser Welt gehören, denn verdammt ist, was die Seele stört. Sebastian ist geschieden, darf seine Kinder nicht sehen und hat einen finanziellen Engpass. Da kommt das lukrative Angebot seiner Kundin Tina, ihre Enkelin zu unterrichten, wie gerufen. Er ahnt nicht, worauf er sich einlässt. In der Klinik trifft er zufällig auf die attraktive Krankenschwester Cherry, die er unbedingt kennenlernen möchte. Cherry hat jedoch eine verhängnisvolle Affäre, die ihr Leben zu einer Farce werden lässt. Sie sehnt sich nach einer Vertrauten und freundet sich mit ihrer liebenswürdigen, übergewichtigen Kollegin Karo an. Karo, die selbst ein Geheimnis in sich trägt, kann sich das urplötzliche Interesse ihrer Kollegin nicht erklären und wird zunehmend misstrauisch. Eines Tages führt ein Missverständnis sie zusammen. Kurz darauf wird eine Grenze überschritten... DIE VERDAMMTEN ist ein spannender Psychothriller über Lügen, Versagen und das Überschreiten von Grenzen, der wie ein Roman beginnt und sich wie ein tosender Sturm entlädt.

Das Spezialgebiet der Bestseller-Autorin sind Thriller, Psychothriller und Romane. Sie schreibt außerdem Kurzgeschichten und Drehbücher. Ihre Thriller erreichen die Top-Ten-Bestsellerlisten vieler Plattformen. Die Autorin schreibt für Verlage und veröffentlicht auch selbst. In USA wurde die Autorin mehrfach ausgezeichnet.
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Autoren/Hrsg.


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Kapitel 1


Sie ist eine schöne Frau, dachte er. Da war nichts an ihr, was ein Mann nicht ansehen wollte. Ihr Gang war geschmeidig, unbeschwert und gleichwohl selbstbewusst. Der Pferdeschwanz am Hinterkopf schwang bei jedem Schritt mit. Sie hatte wunderschönes, langes blondes Haar, das nach Apfelshampoo roch, sie sollte es offen tragen.

Er wollte ihr Haar berühren, den Pferdeschwanz um seine Hand wickeln oder in ihre Haarpracht eintauchen. Es wurde auch Zeit, dass sie sich die toten Spitzen schneiden ließ. Damit kannte er sich als Friseur aus.

Ihre Blicke kreuzten sich, die blonde Venus lächelte ihn an. Er senkte den Blick, sein Herz raste. Fast hätte er geseufzt, dazu ein blasses Lächeln.

Sicher war er sich nur, dass sie ihn angelächelt hatte. Als sie das Zimmer verließ, konnte er seine Augen nicht von ihrem perfekten Hintern lassen.

„Glotz dem Mädchen nicht so auf den Arsch!“, zischte sein Vater und warf ihm einen finsteren Blick zu. „Du bist wegen deiner Mutter hier, schenke ihr gefälligst deine Aufmerksamkeit!“

„Lass den Jungen doch“, flüsterte seine Mutter. Mit einer Hand auf der Bettkante beobachtete er sie beim Essen, suchte nach Zeichen in jedem Zucken ihrer Züge, in ihrem stillen Kauen, in ihren Pausen. Trotz ihres unordentlichen graumelierten Haares hatte sie selbst hier in der Klinik nichts von ihrer Präsenz verloren. Weder die Jahre noch die überstandene Operation hatten ihren scharfen Blick als ehemalige Lehrerin beeinträchtigt. Er hingegen war immer noch ein kleiner Junge, der von der Autorität seiner Mutter eingeschüchtert wurde, obwohl ihre Stimme noch nicht besonders kraftvoll war.

Seine Mutter lächelte ihn an. „Sie ist wirklich wunderschön“, flüsterte sie und tätschelte seine Hand.

„Viel zu schön für einen Penner wie den da“, erwiderte sein Vater.

Sebastian spürte, dass er seine Wut auf seinen Vater kaum noch bändigen konnte. In diesem Moment wollte er dem Mann einen Kinnhaken verpassen und ihm den Kiefer zerschmettern, wie er es schon so oft in der Vergangenheit in Gedanken getan hatte.

Sie schob das Tablett beiseite und richtete sich grinsend auf. „Gütiger Himmel, die wollen mich hier mit dem Abendbrot einschläfern, aber wieso so kompliziert ? An Möglichkeiten mangelt es hier doch nicht. Schau dich um: Kissen, Spritzen, Tabletten, Infusionen…“

Sie war in letzter Zeit so schwach, dachte Sebastian. Wenn er aber sah, wie sie ihre Stacheln wieder auspackte, wurde ihm warm ums Herz.

Sein Erzeuger stand auf und warf einen Blick auf seine Armbanduhr. „Ich werde draußen noch eine rauchen. Wir fahren um Viertel nach sieben nach Hause. Keine Minute später. Kapiert?!“

Sebastian ignorierte den barschen Tonfall, er wollte seine wunderbare, tapfere Mutter nicht auch noch mit seiner Verstimmung betrüben. Sie meinte es immer gut mit ihm, aber jetzt war sie krank. Er wollte Rücksicht nehmen, schließlich war eine Unterleibsoperation keine einfache Sache, er war froh, dass es nur eine Zyste und kein Tumor war. Nicht auszudenken, dass sie nicht mehr nach Hause käme und ihn mit seinem Vater allein zurückließe.

„Das Essen in dieser Klinik bringt alles aus dem Gleichgewicht“, sagte sie, als sie allein im Zimmer waren, machte aber eine Pause und biss die Zähne zusammen, um den Schmerz einzudämmen.

„So schlimm, Mama?“, empörte er sich. Er konnte sich nicht daran gewöhnen. Sie so leiden zu sehen, zog ihm den Magen zusammen. Er stellte den Teller auf den Nachttisch und holte die Schachtel mit den Schmerzmitteln aus der Schublade.

„Nein, nicht nötig, ich habe schon genug, meine Leber rebelliert“, sagte sie, bevor sie in die Kissen sank und die Augen schloss. „Hast du schon eine Nachricht erhalten, mein Junge?“

Wieder diese Frage. Ein tägliches Mantra. Fast schon ein Mantra. Seine Mutter hoffte immer noch, dass sich für ihren Sohn alles zum Guten wandte.

„Nach dem letzten Telefonat habe ich nichts mehr von der Blutsaugerin gehört, Mama.“

„Auch nicht von deinem Anwalt?“

„Nein. Dr. Werner meint, dass es eine Weile dauern könne, bis sich die Gegenseite wieder meldet.“

„Hm…“

Wenn seine Mutter in diesem Zustand war, könnte er ihr sagen, dass ein Meteorit im Garten eingeschlagen wäre, ohne ihr Interesse zu wecken. Nur ein „Ja, ich habe Neuigkeiten“, konnte sie dazu bringen, zu reagieren.

Er starrte auf die Tür und fragte sich, ob der Pferdeschwanz noch einmal das Zimmer betreten würde. Schritte eilten vorbei, die Tür blieb aber geschlossen. Kein attraktiver Körper, kein tanzender Pferdeschwanz. Er musste sich etwas einfallen lassen, um mit der Krankenschwester in Kontakt zu treten.

Sie seufzte. „Ich vermisse die Kinder. Dein Vater übrigens auch. Es wäre wunderbar, wenn du eines Tages wieder eine neue Frau kennenlernen würdest, mein Junge.“

„Es ist zehn nach sieben, Junge“, warnte ihn seine Mutter. „Du musst jetzt gehen. Du kennst deinen Vater. Wenn er sagt, dass er um Viertel nach sieben losfährt, dann wartet er keine Minute länger. Dir bleiben nur noch wenige Minuten.“

Er grinste. „Dann schaffe ich es wohl nicht mehr. Ich werde mir ein Taxi nehmen, Mama. Das ist viel besser, als dem Alten etwas vorzugaukeln und mich zu verbiegen, nur um ihm zu gefallen.“

„Dein Vater meint es nicht so, er kann nur nicht akzeptieren, dass du ein anderer Typ Mann bist als er“, sagte sie und zog ihn an sich.

„Darauf bin ich aber ziemlich stolz, Mama.“

„Wusstest du, dass ich dich gerne Joris genannt hätte, nach Großvater?“, sinnierte sie plötzlich. „Aber da dein Großvater väterlicherseits in der Familie unter den Neugeborenen noch nicht berücksichtigt wurde, hat dein Vater darauf bestanden, dass …“

„Du hast demnach wieder einmal nachgegeben. Und das ist bis heute so geblieben. Nichts hat sich geändert, Mama. Gar nichts!“

„Wir sind beide keine Kämpfer, mein Schatz.“

„Das wird sich ab sofort ändern!“

„Meinst du dein Verhalten gegenüber Tanja?“

„Das auch“, antwortete er. „Ich will eine Veränderung auf der ganzen Linie. Mir reicht Vaters Genörgel, sein Schweigen, seine Zweifel. Es reicht. Das gilt übrigens auch für Tanja!“

Seine Exfrau war zum Bösen in seinem Leben mutiert, ein durstiger Vampir, ein hungriger Aasfresser, der ihn mit ihrem Anwalt umkreiste. War es nicht der Kummer über seine unappetitliche Scheidung, der den gutartigen Tumor seiner Mutter hatte wachsen lassen? Die Sorge um den Sohn und den sich auftürmenden Schuldenberg, den er kaum noch bewältigen konnte? Alles wuchs ihm über den Kopf: der Unterhalt für Tanja und die Kinder, die Hypothek auf dem Haus. Seine Mutter ließ sich zwar selten etwas anmerken, aber er hatte immer gespürt, wie sehr sie die Scheidung und die Trennung von den Enkelkindern belasteten. Aber emotional gab es einen winzigen Hoffnungsschimmer: Ein solches Szenario würde das Herz seiner Mutter erwärmen und ihr zusätzliche Energie verleihen, die sie brauchte, um wieder zu Kräften zu kommen.

Ihre Augen weiteten sich. „Oh, mein Junge. Du bleibst aber auf der Hut?“

Er umarmte sie. „Das bin ich, Mama. Mach dir keine Gedanken. Du musst jetzt erst einmal gesund werden, sodass du übermorgen nach Hause gehen kannst. Und keine Sorge, ich putze, koche, wasche und bügle fast so gut wie du. Mit anderen Worten: Ich werde mich um dich kümmern.“

„Das weiß ich, aber ich hoffe trotzdem, dass du bald wieder eine Frau findest und mit Leben weitermachst. Ich werde so froh sein, wenn euer Haus verkauft ist und du die Hypothek los bist. Du bist viel zu großzügig, was Tanja betrifft. Es gefällt mir nicht, dass du ihr jeden Monat einen so hohen Unterhalt zahlst. Sie hat doch auch einen Job! Für dich bleibt kaum etwas übrig.“

Sebastian drückte ihr einen weiteren Kuss auf die Stirn. „Es ist nicht für Tanja, Mama, sondern für die Kinder. Meine Mädchen können nichts dafür, dass ihre Mutter es für nötig gehalten hat, ihren Vater auf die Straße zu setzen. Wenn das Haus verkauft ist, muss ich nur noch Unterhalt für die Kinder zahlen und das werde ich gerne tun. Aber darüber musst du dir keine Sorgen machen.“

„Du hättest deine Frau nicht betrügen sollen.“

„Stimmt.“ Ein Eingeständnis, das ihm nicht schwerfiel, ihn aber auch nicht weiter berührte. Er dachte dabei an die Außentemperatur. Draußen war es zu kalt für die Jahreszeit. Kälte hatte etwas Bedrohliches. Kälte bereitete ihm Kopfschmerzen, wie das permanente Niedermachen durch seinen Erzeuger oder die vernichtenden Worte seiner Ex-Frau, die ihm das Besuchsrecht für seine kleinen Mädchen verweigerte. Ein eisiger Schauer lief ihm bei dem Gedanken über den Rücken.

Es war die Art, wie Tanja ihm die Worte entgegengeschleudert hatte. Seine Ex-Frau wusste, was ihn auf die Palme brachte und wütend machte. Verdammt, er war kein Baby mehr!

Aber jetzt bekam er endlich Aufwind. Er hatte diese andere Frau gesehen. Alles blendete ihn. Die Welt sah plötzlich anders aus als zuvor. Jemand hatte einen Filter über sie gelegt, der alles veränderte. Der Himmel war blauer als zuvor, kobaltblau. Das Sonnenlicht war so hell, dass es ihm in den Augen schmerzte.

Seine beiden Mädchen besaßen die Fähigkeit, seine manchmal farblose...



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