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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 7, 400 Seiten

Reihe: Odd Thomas

Koontz Opferweg

Thriller
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-16626-7
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, Band 7, 400 Seiten

Reihe: Odd Thomas

ISBN: 978-3-641-16626-7
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Odd Thomas ist am Ende seiner Reise angekommen. Seit seine Freundin ermordet wurde, hat er Entsetzliches erlebt und grauenhafte Untaten verhindert, er hat blinden Hass und Mordlust kennengelernt, aber auch tiefste menschliche Liebe. Nun kehrt er zurück in seinen Heimatort Pico Mundo, wo seine Feinde ein letztes blutiges Komplott planen. Sie sind viel mächtiger als er, der Tod scheint ihm gewiss – aber wer sollte sonst seine Freunde retten?

Dean Koontz wurde 1945 in Pennsylvania geboren und lebt heute mit seiner Frau in Kalifornien. Seine zahlreichen Romane – Thriller und Horrorromane – wurden in 38 Sprachen übersetzt und sämtlich zu internationalen Bestsellern. Weltweit wurden bislang über 400 Millionen Exemplare seiner Bücher verkauft. Zuletzt bei Heyne erschienen: "Abgrundtief".
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1

Allein in der Weite der Mojavewüste, um zwei Uhr morgens mit siebzig Meilen in der Stunde dahinrasend, fühlte ich mich sicher und glaubte, falls mich irgendwelche Schrecken erwarteten, lägen sie noch viele Meilen weit vor mir. Dies sollte nicht das erste Mal in meinem seltsamen Leben sein, dass Sicherheit sich als Illusion erwies.

Ich neige dazu, stets das Beste zu hoffen, selbst wenn ich gerade mit dem Springseil eines kleinen Mädchens erdrosselt werde, das ein zorniger, hundertdreißig Kilogramm schwerer samoanischer Ringer mir um den Hals geknotet hat. Aus dieser kritischen Situation konnte ich mich hauptsächlich dadurch befreien, dass ich mir seinen geliebten Hut schnappte, den er für seinen Glücksbringer hielt. Als ich den Hut wie eine Frisbee-Scheibe wegschleuderte und er das Springseil losließ, um zu versuchen, ihn aus der Luft zu fangen, konnte ich einen Kricketschläger aufheben und ihn mit einem Schlag in die Genitalien überraschen, der besonders wirkungsvoll war, weil er nichts außer einem Lendenschurz trug. Stets aufs Beste zu hoffen, ja, das hat sich im Allgemeinen für mich bewährt.

Jedenfalls war die Wüste unter einem Vollmond so unheimlich wie die Landschaft eines fremden Planeten. Die große schwarze Schlange des Highways schlängelte sich über eine Folge von niedrigen Steigungen und sanften Gefällen, durch ebene Sandflächen, die schwach leuchteten, als seien sie radioaktiv, und vorbei an plötzlich aufragenden Felsformationen, die an manchen Stellen mit Quarzit oder dergleichen durchsetzt waren, der das Scheinwerferlicht des Big Dog, meines Choppers aus Wichita, zurückwarf und feurigen Adern gleich leuchtete.

Trotz des großen Monds und der drei gleißend hellen Augen meines Bikes versank die Mojave in ihrer Breite in zunehmender Dunkelheit. Nur halb erkennbare knorrige Umrisse von Mesquitebäumen und vereinzelte Gruppen anderer stachliger Pflanzen richteten ihre Spitzen gegen mich und schienen wie flinke, feindselige Tiere nach vorn springen zu wollen, als ich an ihnen vorbeiraste.

Mit seiner barock ausladenden Verkleidung und den Satteltaschen schien der Big Dog Bulldog Bagger für Ehepaare in Suburbia geschaffen zu sein, aber sein zweizylindriger V-Motor mit 1,8 Liter Hubraum und Benzineinspritzung machte ihn so schnell, wie man es sich nur wünschen konnte. Als ich zuvor die Interstate genommen hatte, bevor ich auf den weniger befahrenen State Highway abgebogen war, hatte ich nur kurz am Gasgriff drehen müssen, um an jedem Personenwagen oder großen Sattelschlepper vorbeizuschießen, der vor mir trödelte. Nun rollte ich mit siebzig dahin, saß bequem in dem niedrigen, tiefen und breiten Sitz und spürte von dem in Hartgummi gelagerten Motor nur ein Minimum an Vibrationen.

Obwohl ich eine Motorradbrille und einen Kohlefaserhelm trug, der meine Ohren freiließ, tarnten das Pfeifen des Fahrtwinds und der kehlig röhrende Auspuffklang des Big Dog das Motorengeräusch des Cadillac Escalade, der ohne Licht fahrend zu mir aufschloss und sich dann mit lautem Hupen ankündigte. Der Fahrer schaltete daraufhin seine Scheinwerfer ein, die mich in den Rückspiegeln blendeten, sodass ich mich umsehen musste, um festzustellen, dass er kaum fünfzehn Meter hinter mir war. In dieser Nähe, bei dieser Geschwindigkeit war der SUV ein erschreckendes Ungetüm.

Wiederholtes lautes Hupen ließ vermuten, der Fahrer könnte betrunken oder high sein, an Straßenkoller leiden oder einfach nur Lust auf ein krankes kleines Katz-und-Maus-Spiel haben. Als er einen Tusch tutete, dehnte er die letzte Note zu lange aus, und ich versuchte mir einzureden, wer solche Klischees gebrauchte und es dann nicht mal schaffte, sie zeitlich richtig hinzubekommen, könne kein gefährlicher Gegner sein.

Schon früher hatte ich die Erfahrung gemacht, dass der Big Dog sich am besten bei etwas über achtzig Meilen fahren ließ und sogar bei hundert noch vollkommen beherrschbar war. Ich drehte am Gasgriff, und mein Bike fraß Asphalt in sich hinein, ließ den Caddy weit hinter sich zurück. Zumindest vorläufig.

Weil dies nicht der Höhepunkt der Insektensaison in der Mojave war, bekam ich keine Nachtschmetterlinge oder hart gepanzerte Käfer in den Mund, als ich jetzt Verwünschungen murmelte. Ich saß angespannt und hoch aufgerichtet im Sattel, sodass mein Kopf über die niedrige Windschutzscheibe hinausragte, ließ zu, dass die warme Nachtluft meine Lippen rissig machte und auf meinen Wangen brannte.

Jeder verantwortungsbewusste Dermatologe hätte mich dafür kritisiert, dass ich mit ungeschütztem Gesicht in diesem trockenen Ödland unterwegs war. Aus vielen Gründen war jedoch kaum zu erwarten, dass ich meinen dreiundzwanzigsten Geburtstag erleben würde, deshalb machte mir die Aussicht darauf, zwei Jahrzehnte später vorzeitig gealtert auszusehen, keine großen Sorgen.

Diesmal hörte ich den Escalade kommen: Er kreischte wie eine bösartige Maschine aus einem »TRANSFORMERS«-Film und fuhr nun wieder ohne Licht. Früher als erhofft schaltete der Fahrer seine Scheinwerfer ein, die mich in den Rückspiegeln blendeten und den Asphalt um mich herum erhellten.

Weniger als fünfzehn Meter.

Der Geländewagen war offensichtlich getunt. Dies war kein gewöhnlicher Mama-fährt-mit-Baby-zum-Spielplatz-Caddy. Der Motor klang, als hätte General Motors ihn von Boeing als Zulieferer bezogen. Falls er mich überfahren wollte, sodass ich am Kühler des Caddy klebte – und das wollte er anscheinend –, würde ich dem auf Leistung getrimmten Motor, der ihn zum King of the Road machte, niemals davonfahren können.

Weil er sein Fahrzeug mit verschiedenen Mehrklanghörnern ausgestattet hatte, die jeweils ein paar Takte bekannter Melodien spielen konnten, forderte er mich jetzt mit den ohrenbetäubend laut gespielten Klängen des Songs »THE BEAT GOES ON« von Sonny und Cher heraus.

Der Big Dog hatte eine Sechsgangschaltung. Dieser zusätzliche Gang und das rechts angebrachte Schwungrad bewirkten besseren Massenausgleich und besseres Handling als bei gewöhnlichen Tourenmaschinen. Der mit 250 Millimetern extrabreite Hinterreifen und der um 34 Grad nach hinten geneigte Lenkerkopf gaben mir das Vertrauen, eine kleine Show abzuziehen, obwohl der Tacho inzwischen schon eine fast dreistellige Geschwindigkeit anzeigte.

Jetzt spielte er mir mit den ersten sieben Noten von »LOUIE, LOUIE« der Kingsmen auf. Und gleich noch mal.

Mein einziger Vorteil konnte Beweglichkeit sein, also Schnelligkeit, Geschwindigkeit. Die gute alte Velozität. Forsch rutschte ich im Sattel tiefer, sodass die gebogene Windschutzscheibe den Fahrtwind über meinen Sturzhelm leitete, und nutzte den dreispurigen Highway aggressiver, indem ich in Schlangenlinien von einer Seite zur anderen fuhr. Ich saß dicht über der Straße, und der Escalade hatte einen weit höheren Schwerpunkt als der Big Dog; versuchte der Fahrer, hinter mir zu bleiben, konnte er mit seinem Geländewagen schleudern und umkippen.

War er clever, würde er erkennen, dass er rasch Boden gewinnen konnte, wenn er mich nicht imitierte, während ich in Schlangenlinien fuhr, sondern geradeaus weiterraste. Und durch einfache Berechnung konnte er mich abfangen, wenn ich von einer Straßenseite auf die andere wechselte.

Die zweite Wiederholung von »LOUIE, LOUIE« bewies mir: Er war entweder nicht besonders clever oder so durch den Wind, dass er mir in eine Feuergrube gefolgt wäre, bevor er merkte, was er getan hatte. Eine weitere programmierbare Hupe trompetete mehrere Noten, aber ich kam nicht auf den Song, obwohl sie in mir Erinnerungen an einen fast völlig vergessenen Softrocker – Boy George – weckten.

Als Bremsen kreischten, sah ich mich um und konnte beobachten, wie der Escalade mit rauchenden Reifen umzukippen drohte, während der Fahrer das Lenkrad scharf rechts einschlug, um nicht in Richtung Norden von der Straße abzukommen. Ich beschrieb ein großes S nach dem anderen, lenkte den Big Dog aus der jetzigen Kurve, wobei ich für den zu Recht gelobten Balance Drive dankbar war, und legte mich in die nächste Kurve. Mit erneutem Kreischen hinterließen die Reifen eine Spur aus heißem Gummi auf dem Asphalt, als der Fahrer das Steuer nach links riss. Der Wagen rutschte beinahe über das südliche Bankett des Highways, war wieder stark geneigt und richtete sich dann jedoch auf, bevor er auch nur in Gefahr geriet, umzukippen.

Der Fahrer kehrte zu seinem Grundhorn bzw. Grundton zurück, versuchte dieses Mal aber gar nicht erst, eine Melodie zu spielen, sondern hupte nur immer wieder kräftig, als glaubte er, mich durch Schalldruck von meinem Bike pusten zu können.

Meine Schilderung könnte so klingen, als sei ich während dieser Verfolgungsjagd ruhig und beherrscht geblieben; tatsächlich fürchtete ich jedoch, ich könnte jeden Augenblick bedauern, keine Erwachsenenwindel zu tragen.

Unabhängig davon, welche Drogen oder Getränke den Caddy-Fahrer hatten ausrasten lassen und in mörderische Wut versetzt hatten, behielt er gerade noch so viel Vernunft, um zu erkennen, dass er mit seinem Wagen umkippen würde, wenn er weiter hinter mir herfuhr. Er raste jetzt geradeaus auf der mittleren der drei Spuren, holte verlorenen Boden auf und wollte mein Bike zwischen zwei Kurven meines Flachlandslaloms abfangen.

Der Big Dog Bulldog Bagger war nicht als Geländemaschine ausgelegt. Die Diät, die ihn glücklich machte, bestand aus Beton und Asphalt, und er wollte wegen seiner aerodynamisch gelungenen Linien, seiner Sonderlackierung nach Kundenwunsch und seines üppigen Chroms bewundert werden, nicht wegen seiner Robustheit und der...


Koontz, Dean
Dean Koontz wurde 1945 in Pennsylvania geboren und lebt heute mit seiner Frau in Kalifornien. Seine zahlreichen Romane – Thriller und Horrorromane – wurden in 38 Sprachen übersetzt und sämtlich zu internationalen Bestsellern. Weltweit wurden bislang über 400 Millionen Exemplare seiner Bücher verkauft. Zuletzt bei Heyne erschienen: "Abgrundtief".



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