Kohl | Grimm & Sohn: Mord am Niederrhein | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 821 Seiten

Kohl Grimm & Sohn: Mord am Niederrhein

Drei Krimis in einem eBook: »Das kopflose Skelett«, »Der Tote im Heidesee« & »Das Hornveilchenindiz«
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-717-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Drei Krimis in einem eBook: »Das kopflose Skelett«, »Der Tote im Heidesee« & »Das Hornveilchenindiz«

E-Book, Deutsch, 821 Seiten

ISBN: 978-3-98952-717-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Mutter und Sohn auf Verbrecherjagd DAS KOPFLOSE SKELETT: Im beschaulichen Alpen, einem Dorf am Niederrhein, kochen die Gemüter: Ausgerechnet auf einem jahrhundertealten Erdhügel soll ein Hotel erbaut werden. Doch als dort ein Skelett gefunden wird, mit einem Einschussloch im Schädel, nimmt das Bauprojekt plötzlich eine mörderische Wendung. Vor allem, als Kommissar Heinrich Grimm kurz darauf feststellen muss, dass der Kopf des Skeletts verschwunden ist?... DER TOTE IM HEIDSEE: Am Ufer des Weseler Heideweihers wird ein toter Obdachloser gefunden, aber der Fall wird schnell als Unfall zu den Akten gelegt. Doch der pensionierte Kommissar Heinrich Grimm und seine Mutter Gertrud - ihres Zeichens Hobbydetektivin - zweifeln: Am Tatort wurde eine Angel gefunden, allerdings gibt es in dem Heidesee überhaupt keine Fische! Voller Elan beginnt Gertrud zu ermitteln und auch Heinrich fragt sich bald, ob die Polizei diesem Fall alleine gewachsen ist?... DAS HORNVEILCHENINDIZ: Grabraub auf dem Rheinberger Friedhof? So etwas hat Gertrud Grimm in ihrem ganzen langen Leben noch nicht gehört, aber anscheinend ist die Stadt vor nichts mehr sicher! Gertrud ist fest entschlossen, den Fall aufzuklären. Zumal plötzlich ein alter Schulfreund von ihr unter Verdacht gerät?... Die ersten drei Fälle für Grimm & Sohn in diesem humorvollen Regiokrimi-Sammelband - für alle Fans von Volker Klüpfel & Michael Kobr.

Erwin Kohl wurde 1961 in Alpen am Niederrhein geboren und wohnt noch heute mit seiner Frau in der herrlichen Tiefebene am Niederrhein. Neben der Produktion diverser Hörfunkbeiträge schreibt Kohl als freier Journalist für die NRZ / WAZ und die Rheinische Post. Grundlage seiner bislang 15 Kriminalromane und zahlreichen Kurzgeschichten sind zumeist reale Begebenheiten sowie die Soziologie der Niederrheiner und ihre vielschichtigen Charaktere. Die Website des Autors: www.erwinkohl.de/ Bei dotbooks veröffentlichte Erwin Kohl seine humorvolle Krimireihe um »Grimm & Sohn« mit den Bänden: »Grimm & Sohn - Das kopflose Skelett« »Grimm & Sohn - Der Tote im Heidesee« »Grimm & Sohn - Das Hornveilchen-Indiz« »Grimm & Sohn - Der tote Schornsteinfeger« Die ersten drei Fälle sind auch als Sammelband erschienen. Auch bei dotbooks erscheint seine »Kommissar Trempe«-Reihe: »Kommissar Trempe - Zugzwang« »Kommissar Trempe - Grabtanz« »Kommissar Trempe - Flatline« »Kommissar Trempe - Willenlos«
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Kapitel 2


Alpen, über 32 Jahre später …

Wie ein kahlgeschorener und halb eingeschlagener Kopf ragte der ehedem so anmutige Hügel über den Bretterzäunen empor. Bagger gruben sich Meter für Meter in sein Inneres. Zwei Mitarbeiter des Naturschutzbundes stellten eine Informationstafel am Rand der Weseler Straße auf. Auf dem Radweg lag ein durchnässter Handzettel des Heimat- und Verkehrsvereins. »Rettet die Motte« war auf dem gewellten Papier zu lesen.

Konrad Walther vom Rheinischen Boten kramte schlecht gelaunt die Gummistiefel aus dem Kofferraum des altersschwachen Mustang. Undenkbar, dass sein großes Idol Carl Bernstein damals Gummistiefel im Kofferraum seines Mustang hatte, bevor er mit seinem Kollegen Bob Woodward Richard Nixon zu Fall brachte.

Seit einem halben Jahr war der Redakteur des Lokalteils für das »Bauvorhaben Motte« zuständig. Anfangs hatte es sich noch gelohnt. Fast täglich war er an einen interessanten Artikel gekommen. Dieses Projekt hatte die bis dahin friedlich vor sich hin schlummernde Volksseele Alpens zum Kochen gebracht. Dabei war im vorigen Jahr die Ankündigung, die Vorburg wieder aufzubauen, von den Bürgern Alpens wohlwollend bis euphorisch zur Kenntnis genommen worden. Die öffentliche Meinung hatte sich allerdings ins Gegenteil verkehrt, als die Gemeinde erste Planungsskizzen veröffentlichte. Die postmoderne Zweckarchitektur, so des Volkes Meinung, dürfte wenig bis gar keine Ähnlichkeit zur damaligen Burg aufweisen. Laut dem Heimat- und Verkehrsverein würde die Gemeinde Alpen eine historische Chance durch reines Profitdenken für immer zunichtemachen. Eine öffentliche Diskussionsveranstaltung, zu der der Gemeinderat die Bürger ins Schulzentrum an der Fürst-Bentheim-Straße geladen hatte, wurde zum Eklat. Zwei Dutzend Alpener Bürger hatten keinen Einlass gefunden und ihrem Unmut auf dem Schulhof freien Lauf gelassen. Die Gemeindevertreter, besonders der junge und dynamische Bürgermeister Rudi Ahrens, hatten die Verbundenheit der Einwohner mit ihrer Gemeinde auf fatale Weise unterschätzt. Dabei hätten sie es ahnen können. Schließlich waren sie im vorigen Jahr dabei gewesen, als Tausende Bürger Alpens auf der Bönninghardt in einer vier Kilometer langen Menschenkette gegen den geplanten Kiesabbau protestiert hatten. Aber sie hatten es nicht geahnt. Lediglich Christoph Schmaleck von den Grünen hatte Bedenken geäußert. Niemand sonst hatte sich vorstellen können, dass dieser Erdhügel vor den Toren der Gemeinde den Lokalpatriotismus der Bürger neu entfachen würde.

Eine halbe Ewigkeit lagen die Grundmauern des alten Kasteeis bereits unter diesem Erdwall begraben. Für eine Restaurierung des Bodendenkmals war nie das nötige Kapital vorhanden gewesen. Die Idee, unter Einbezug der alten Fundamente die ehemalige Vorburg wieder aufzubauen und in ein Burghotel zu verwandeln, war verlockend gewesen. Als auch noch ein ortsansässiger Architekt und Projektleiter gefunden worden war, der darüber hinaus mindestens 30 Arbeitsplätze offerierte, hatte im Sitzungssaal parteienübergreifende Freude geherrscht. Darauf hatte zwischenzeitlich vor dem Hintergrund der immensen Auflagen, welche die Träger der öffentlichen Belange erwirkten – allen voran das rheinische Amt für Bodendenkmalpflege – niemand mehr gehofft. Fast alle Interessenten hatten ihr Angebot zurückgezogen oder ein deutlich erhöhtes nachgereicht, als die Nachricht durchgesickert war, dass eine archäologische Grabungsfirma die Bauarbeiten begleiten würde.

Camel, wie der Journalist aufgrund seines stetigen Konsums der gleichnamigen Zigarettenmarke genannt wurde, bahnte sich seinen Weg durch knöcheltiefen Schlamm zum Ort des Geschehens. Missmutig betrachtete der Einundfünfzigjährige den durchnässten Trenchcoat. Vor zwei Wochen hatte er den 35 Jahre alten Überzieher im Internet ersteigert. Es bereitete ihm zunehmend größere Mühe, an die begehrte Kleidung der Siebzigerjahre zu gelangen. An den Wochenenden fuhr er gelegentlich einige hundert Kilometer für ein seltenes Kleidungsstück aus dieser Zeit. Zum Glück genügte dem gertenschlanken Redakteur die Standardgröße. Er war mit Manfred Ackermann, dem Architekten des Burghotels, verabredet. Wobei von einer Verabredung eigentlich keine Rede sein konnte. Die Wahrheit bestand aus einem knurrigen »meinetwegen« am Telefon. Aber davon hatte ihm sein Redaktionsleiter nichts gesagt. Ohnehin war Camels anfängliche Hoffnung erloschen, sein Talent könne durch diese Story endlich über die Kreisgrenze hinaus beachtet werden. Die Berichterstattung verkam zunehmend zum provinzpolitischen Possenspiel.

Camel erinnerte sich zwei Monate zurück: Der fast sechzigjährige, korpulente Ackermann hatte ihn als Schmierfinken bezeichnet und aus seinem Büro geworfen. Ackermann galt als äußerst egoistisch und cholerisch. Aber er hatte Erfolg, was ihm zumindest Respekt einbrachte. Dennoch gab es für ihn mittlerweile ein nicht unerhebliches Imageproblem. Innerhalb weniger Monate hatte der ohnehin nicht sehr beliebte Ackermann es geschafft, den spärlichen Rest an Sympathie vollends zu verspielen.

Auf einem provisorischen Weg aus Gerüstbrettern gelangte Camel zur Rückseite der Motte. Achtlos warf er die Zigarette ins Gebüsch. Über den Schotterweg hinter ihm lief eine Horde Kinder vom nahe gelegenen Schulzentrum zum Supermarkt an der Weseler Straße. Als sie ihn sahen, brachen sie in lautes Gelächter aus.

Camel schüttelte verächtlich den Kopf. Die langen, dunkelblonden Haare und die Kleidung aus den Siebzigern prägten eben seinen individuellen Stil. Als er sich umdrehte, wurde er von einem korpulenten, älteren Mann mit blauem Helm angerempelt. Ihm folgten fluchend drei weitere Kollegen. Im Hintergrund, direkt vor dem Ausgrabungsort, sah er Ackermann mit einem Grabungstechniker streiten. Augenblicke später rannte dieser wutentbrannt los. Camel stellte sich quer auf den Weg und stoppte den Mann.

»Konrad Walther, Gemeinde Alpen. Ich soll hier Bauabschnittfotos für die Chronik machen. Gibt es Probleme?«

Peter Stolberg, wie ein Schild auf der gelben Regenjacke verkündete, stoppte abrupt, sah ihn mit gerötetem Kopf an. Seine Lippen vibrierten, der Blick fiel auf Camels Kameratasche.

»Da machen Sie mal direkt Beweisfotos. Der spinnt doch«, mit ausgestrecktem Arm deutete er auf Manfred Ackermann.

»Beleidigt den ganzen Tag meine Leute, schmeißt uns Knüppel zwischen die Beine, wo es nur geht, und dann«, er schluckte, »jagt er meine Leute weg und lässt mit der Baggerschaufel den Bunkereingang freilegen!«

Stolberg verlieh seinen Worten eine derart empörte Betonung, als sei es selbstverständlich, diese Arbeit von Archäologen ausführen zu lassen. Camel erinnerte sich an die Pressemappe zur Motte. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges hatten die Alpener unter Anleitung erfahrener Bergleute einen Stollen quer durch die Motte getrieben und darin einen Schutzbunker errichtet. Zu seiner Verwunderung war dieser Bunker ebenfalls auf die Liste der Bodendenkmäler gesetzt worden. Camel fragte sich, was damit geschehen würde.

»In Ordnung, Herr Stolberg. Ich werde dem Gemeinderat umgehend Bericht erstatten.«

»Ich auch, darauf können Sie sich verlassen.«

Wütend stapfte der Grabungsleiter an ihm vorbei.

Camel stieg einen schmalen Pfad hinauf. Dabei musste er gebückt gehen, sich an Wurzelballen klammern, um nicht abzurutschen. Nach wenigen Metern erreichte er eine kleine Ebene. Man hatte zunächst einen Teil des Hügels, der der Weseler Straße zugewandt war, zur Hälfte abgetragen, um Platz für Bauwagen und schweres Gerät zu schaffen. Unterhalb des Plateaus befanden sich laut Aufzeichnungen die Überreste des ehemaligen Kasteeis. Sie mussten später sorgfältig freigelegt werden. Die Baugenehmigung war mit der Bedingung verknüpft worden, die alten Fundamente sichtbar in das Burghotel einzufügen. Allein zwei Wochen waren von der Grabungsfirma dafür veranschlagt worden, die mittelalterlichen Reste zu sichern, was Ackermanns Wut von Tag zu Tag ansteigen ließ.

Von der Weseler Straße führte eine kleine, geschwungene Auffahrt hierher. Manfred Ackermann stand wie ein Feldherr auf einem zerborstenen Betonquader, aus dessen Längsseite Muniereisen wie Speere herausragten. Neben ihm schien die Motte den Mund weit aufgerissen zu haben. Ein dunkles, metertiefes Loch befand sich in Brusthöhe in der steilen Erdwand. Ackermann schrie den Baggerführer an:

»Sofort aufhören! Genug für heute. Feierabend!«

Der Lärm des Baggers gab seiner Stimme keine Chance. Den Kopf zwischen übergroßen Ohrmuscheln eingekeilt, drückte der Maschinenführer langsam einen Hebel nach vorne. Wie das Maul eines Haifisches krallte sich die Schaufel in ihre Beute. Der Motor heulte auf, während der Eingang zum Bunker mit einem Ruck komplett aufgerissen wurde. Kleine Betonbrocken und Reste eines alten Bretterverschlages flogen durch die Luft. Mit einem mächtigen Satz sprang Ackermann aus der Gefahrenzone. Der Lärm verstummte. Zufrieden lächelnd kletterte der korpulente Mann von dem Bagger.

»Du Riesenpfeife! Ich hatte gesagt: Feierabend. Wie sollen wir den Bereich denn nun sichern? Da rennt mir doch jetzt jeder rein!«

Der Baggerführer machte ein betroffenes Gesicht, als würde er es maßlos bedauern, sein Lieblingswort überhört zu haben.

Camel konnte nicht widerstehen. Seine Augen glänzten beim Blick in das geheimnisvolle Dunkel. Er nutzte die Ablenkung, zog die kleine MagLite für Notfälle aus der Innentasche und lief durch die mannshohe Öffnung in den Bunker.

»Was macht der Schmierfink denn da?«, vernahm Camel die energische Stimme Ackermanns hinter seinem Rücken. Wenige Schritte später herrschten Stille und Dunkelheit um ihn herum. Hastig lief er weiter. Der...



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