E-Book, Deutsch, 176 Seiten
Kömmerling / Brinx/Kömmerling / Brinx Goodbye Traumprinz, hallo Hund
12001. Auflage 2012
ISBN: 978-3-522-65172-1
Verlag: Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
aus der Reihe Freche Mädchen – freche Bücher!
E-Book, Deutsch, 176 Seiten
Reihe: Freche Mädchen - freche Bücher
ISBN: 978-3-522-65172-1
Verlag: Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Anja Kömmerling und Thomas Brinx erzählen Geschichten wie das Leben - mit Ecken und Kanten, Höhen und Tiefen, gerne über Menschen, die anders sind und nicht ganz ins System passen. Bis heute in über 40 Büchern, Märchenfilmen, Krimis und Komödien für Kino und Fernsehen. Ihr Thienemann-Jugendbuch »Neumond« wurde mit der Segeberger Feder ausgezeichnet.
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Sommersee
»Hier rechts, glaube ich!« Konni reckte sich von hinten zu Robert nach vorne und spechtete aus dem Fenster.
»Glaubst du oder weißt du?« Robert war leicht genervt, weil das nun schon der dritte Feldweg war, den er ausprobieren sollte.
Ich strich Konni über den Rücken. Mir war’s egal. Von mir aus konnten wir noch stundenlang in Roberts klapprigem Lieferwagen durch die Heide holpern und das Schloss suchen. Hauptsache, Konni war bei mir. Mein Konni! Endlich war er zurück aus Rom, endlich konnten wir uns wieder jeden Tag sehen und streicheln und küssen!
»Mir ist schlecht!« Meine Freundin Lielott saß mit mürrischer Miene neben mir, die Arme verschränkt und tatsächlich etwas blass um die Nase. Seit Konni zurück war, hatte sich ihre Laune von Tag zu Tag verschlechtert. Das lag nicht direkt an Konni, sondern eher an Charming-Emilio, mit dem Lielott zusammen gewesen war. In dem Moment, in dem Konni zu mir zurückkam, reiste Emilio nach Rom, nach Hause. Er war Konnis Austauschschüler gewesen, hatte uns hier alle ziemlich durcheinandergebracht und Lielott dann in null Komma nix vergessen. »Nie wieder«, war ihr Schwur daraufhin gewesen, »nie wieder werde ich mich verlieben!«
Konni kräuselte süß die Stirn und schaute den Feldweg entlang. Seit er wieder da war, musste ich ihn andauernd anschauen und fand alles wie Zucker, was er tat. »Doch, doch, das stimmt hier!« Er lehnte sich zu mir zurück und nahm meine Hand in seine.
Lielott stöhnte auf.
»Da müssen wir aber Schilder aufstellen, damit Majas Freunde überhaupt herfinden!«, kommentierte meine andere Freundin Dodo von vorne. Sie saß neben Robert und hatte vor lauter Aufregung ganz rote Wangen. Aufregung, weil wir ihrer Mutter Maja zum vierzigsten Geburtstag eine Überraschungsparty schenken wollten.
»Also, ich muss meinen Geburtstag nicht groß feiern«, hatte Dodos Mutter gesagt. »Obwohl, als Trudi vierzig geworden ist, das war schon spektakulär! So ein schönes Fest! Ach, aber mir ist das viel zu aufwendig. Macht euch bloß keinen Kopf!«
Das war eindeutig gewesen. Frauensprache nennt man das, Frauen haben eine bestimmte Art, etwas zu sagen, ohne es wirklich zu sagen. Zum Beispiel wenn der Mann den Müll runtertragen soll, dann sagen Frauen nicht: »Kannst du bitte den Müll mitnehmen?«, sondern: »Der Müll müsste auch mal wieder rausgebracht werden!«
Maja erwartete also ganzen Einsatz von Robert und Dodo und die mussten jetzt sehen, wie sie Trudis Feier möglichst noch übertrafen. Robert ist Koch und seit einem halben Jahr Majas Freund. Viele, viele Jahre hatte sie jedem Mann die Tür vor der Nase zugeschlagen, nachdem Dodos Papa sie ziemlich fies verlassen hatte, aber Robert war irgendwie anders, die beiden verstanden sich blind und ohne Worte und die Liebe hatte unerbittlich zugeschlagen. Wie bei Konni und mir.
»Warte mal ab, bis du das Schloss siehst, Dodo«, grinste der gerade. Sein Vater ist stinkreich und hatte dieses alte Gemäuer vor ein paar Jahren ersteigert, aber nie etwas daraus gemacht. Auf der Suche nach einem passenden Ort für Majas Geburtstagsfeier, war es Konni dann eingefallen und natürlich hatte es keine großen Überredungskünste gebraucht, uns von der Idee zu begeistern. Jetzt kurvten wir schon eine Stunde durch die Pampa, um es zu besichtigen.
»Wie heißt das Ding noch mal, Schatz?«, wollte ich wissen und konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie Lielott die Augen verdrehte. Das ganze Liebesgeplänkel um sie herum ging ihr ziemlich auf die Nerven.
»Schloss Sommersee!«, verkündete Konni theatralisch.
In diesem Moment polterte Robert durch ein großes, verschnörkeltes Tor, das weit offen stand und so von Efeu umrankt war, dass wir es kaum sehen konnten. Plötzlich befanden wir uns mitten in einem verwilderten Park voller Büsche und alter Bäume und rankender Rosen. Eine riesige Wiese leuchtete knallgrün und war mit bunten Sommerblumen durchzogen. Jeder anständige Schlossgärtner hätte sie längst ratzeputz abgemäht, aber so einen gab es zum Glück hier nicht. Und direkt hinter der Wiese genau vor uns stand es: Schloss Sommersee. Klein, aber oho. Ein richtiges Schloss mit Türmchen und Zinnen, einer ziemlich verwitterten Fahne oben auf der Turmspitze und einer zweiflügeligen Eingangstür aus dickem Holz.
Robert ließ den Lieferwagen vor lauter Staunen einfach absaufen und auch uns anderen fiel die Kinnlade runter, sogar der abgebrühten Lielott. So schlossig hatten wir uns das nicht vorgestellt.
»Wow, da kann Maja feiern wie bei Königs!«, flüsterte Dodo.
Konni sprang schon mal aus dem Auto und lief mit großen Schritten zu der Tür, zog einen riesigen Schlüssel aus seiner Hosentasche und sperrte auf.
»Ach, Schloss Sommersee«, hatte sein Vater nur gesagt, als er ihn gefragt hatte, »das habe ich ganz vergessen.« So ist das, wenn man reich ist. Da vergisst man einfach das schönste Schloss der Welt.
Ich rannte zu Konni und half ihm, die beiden großen Türflügel aufzustoßen, und schon betraten wir alle ehrfürchtig einen riesigen Saal mit einem großen Tisch und unzähligen Stühlen daran, darüber ein Lüster. Alles vollkommen verstaubt, aber perfekt. An den Wänden hingen alte Ölschinken, auf denen kaum noch etwas zu erkennen war, und rote Samtvorhänge mit goldenen Troddeln umrahmten die großen Fenster.
Robert pfiff durch die Zähne, während Dodo schon aufgeregt hin und her lief. »Das ist genialisch!«, rief sie. »Einmalig! Wir lassen die Türen offen, hier wird gespeist und draußen getanzt. Was meint ihr?«
Lielott nieste. »Man muss noch ein bisschen sauber machen!« Sie war einfach nicht in der Stimmung, an irgendetwas ein gutes Haar zu lassen.
Dodo winkte ab. »Muang könnte sich um das Buffet kümmern, thailändisch, oder, Robert?«
Robert überlegte. Immerhin war er selbst Koch und wollte seiner Liebsten die schönsten Speisen zum Geburtstag zaubern.
»Wir könnten es uns teilen, Muang und ich«, schlug er vor.
Muang ist Dodos thailändischer Freund. Er arbeitet bei seinen Eltern im Restaurant und als DJ in der Strandbar. Leider hat er deswegen nicht genug Zeit, um immer dabei zu sein, aber Dodo und er sind glücklich miteinander. Ich glaube wirklich, sie haben sich noch nie gestritten.
»Wartet, ich zeig euch noch was!« Konni winkte uns mit sich nach draußen in den Park. Seitlich vom Eingang standen zwei sehr alte, knorrige Bäume, die ineinandergewachsen waren, miteinander verschlungen. Konni nahm meine Hand und grinste mich schief an. »Das sind die beiden Liebesbäume von Elisabetta und Eugen.«
Lielott steckte ihre Hände in die Hosentaschen und musterte die Bäume mürrisch durch ihre Nickelbrille. »Und wer soll das bitte gewesen sein?«, wollte sie wissen.
Konni zuckte mit den Schultern. »Ich weiß nur, dass sie hier gelebt und sich abgöttisch geliebt haben sollen.« Er drückte meine Hand. Ich drückte zurück und mein Magen zog sich zusammen, so glücklich war ich. »Das Schicksal hat alles Mögliche versucht, sie voneinander zu trennen, ihnen tausend Steine in den Weg gelegt, aber sie haben sich immer wiedergefunden. Hier unter diesen beiden Bäumen!«
»Quatsch!«, sagte Lielott.
»Und wie ist es ausgegangen?«, wollte ich wissen.
»Das weiß ich nicht genau«, meinte Konni. »Aber bestimmt haben sie geheiratet und hunderttausend Kinder gekriegt!«
»Blödsinn!« Lielott zog die Stirn in Falten. »Das ist doch nur wieder irgend so eine Geschichte, um uns weiszumachen, dass die Liebe immer gewinnt.«
»Jetzt hör doch mal auf!«, schimpfte Dodo. »Nur weil das bei dir jetzt ein Mal schiefgegangen ist!«
Ich legte Lielott meinen Arm um die Schultern. Sie tat mir furchtbar leid. Ich weiß, wie weh das tut, wenn man seine Liebe verliert, denn mir wäre es mit Konstantin auch beinahe so ergangen. »Lass mal, das wird schon wieder!«, versuchte ich, die beiden zu besänftigen. Lielott und Dodo sind meistens unterschiedlicher Meinung und liegen sich deswegen dauernd in den Haaren.
»Kommt, wir schauen uns drinnen alles ganz genau an!«, schlug Robert vor.
Dodo und Lielott liefen ihm hinterher ins Schloss und Lielott ließ es sich natürlich nicht nehmen, Dodo dabei einen ihrer berüchtigten Vorträge zu halten. So war sie nun mal. Wenn sie sich an einem Thema festgebissen hatte, konnte man sie da nur noch schwer wieder stoppen. »Du wirst das auch noch erleben, nicht dass ich es dir wünsche, aber das mit der Liebe, ich sage es dir, das ist ein riesiger Trugschluss. Ich meine, es ist doch zum Beispiel gar nicht gesagt, dass es Eugen und Elisabetta jemals gegeben hat …!«
Ich wollte ihnen folgen, aber Konni nahm mich in den Arm und gab mir einen seiner weichen Küsse, von denen ich nie genug kriegen kann. »Bist du auch Lielotts Meinung, Tula?«, fragte er mich dann und schaute mir so tief in die Augen, dass ich gar nichts mehr sagen konnte, nur den Kopf schütteln: natürlich nicht! Ich glaube an die Liebe, vor allem an die zwischen Konni und mir, obwohl wir auch schon ziemlich viele Steine überspringen mussten. Konni lächelte und zog mich mit sich. »So, und jetzt zeige ich dir, woher das Schloss seinen Namen hat.«
Wir durchquerten eng umschlungen den Park, umrundeten das Schloss und fanden dahinter einen lauschigen flaschengrünen See, in dem sich die Sonne spiegelte.
»Der Sommersee!«, präsentierte Konni ihn stolz und es war wirklich der schönste, romantischste See, den ich je gesehen hatte. Seerosen, Enten, Schilf, alles da.
Ich ließ meine Flip-Flops fallen und stieg mit meinen leider etwas zu groß geratenen Füßen ins Wasser. Der Untergrund war sandig. »Oh, das ist ja ganz...