Koch | Mörderisches Nordfriesland II | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 864 Seiten

Koch Mörderisches Nordfriesland II

Die Fälle vier bis sechs für Thies Detlefsen & Nicole Stappenbek in einem E-Book
2. Auflage 2019
ISBN: 978-3-423-43598-7
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Fälle vier bis sechs für Thies Detlefsen & Nicole Stappenbek in einem E-Book

E-Book, Deutsch, 864 Seiten

ISBN: 978-3-423-43598-7
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Band vier bis sechs der herrlich komischen Küsten-Krimi-Reihe - jetzt als eBundle Dreimal Tote Tante: Das Frühjahr bringt mordsmäßig Aufregung nach Fredenbüll: Im Jauchebecken von Schweinezüchter Schlotfeldt tauchen die Leichen zweier vermisster Frauen auf. Und Pensionswirtin Renate wird nach dem abendlichen Landfrauentreffen entführt und findet sich angekettet in einem dunklen Kellerverlies wieder. Das passt gerade gar nicht, wo doch die neuen Gäste anreisen. Was will dieser Verrückte überhaupt von ihr? Für Dorfpolizist Thies Detlefsen ist jedenfalls klar: Ein wahnsinniger Frauenmörder geht um in Fredenbüll und er muss ihn finden, bevor es noch mehr Opfer gibt! Backfischalarm: Thies Detlefsens Zwillinge Telje und Tadje setzen mit der 10a des Theodor-Storm-Gymnasiums zur herbstlichen Klassenfahrt nach Amrum über. Mit an Bord sind Junglehrerin Vanessa Loebell, der »voll süße« Referendar Manuel Scholz mit modischem Piratentuch um den Kopf und Klassenlehrer Dr. Niggemeier. Die Überfahrt ist äußerst stürmisch, doch die Schüler machen unzählige Selfies und wackelige Filmaufnahmen - bis einer von ihnen den Toten entdeckt: Jungreeder Bent Blankenhorn sitzt ermordet auf dem Oberdeck. Alarmstufe Rot für Thies und KHK Nicole Stappenbek, die umgehend die Ermittlungen auf der von Herbstnebel umwaberten Insel aufnehmen. Pannfisch für den Paten: In Fredenbüll herrscht Aufruhr: Auf dem Deichvorland werden mehrere Windräder installiert, was die Naturschützer im Dorf auf den Plan ruft. Sogar Oma Ahlbeck unterstützt die eilig gegründete Initiative »Sei (k)ein Frosch e.V.«, die sich um die bedrohte Rotbauchunke sorgt. Eines Morgens steckt in dem noch feuchten Betonsockel eines Windrads ein Toter! Mischt da etwa der mysteriöse Unbekannte mit, der von lauter Männern in dunklen Anzügen bewacht wird? »Dat is BKA«, weiß Polizeiobermeister Thies Detlefsen. Und wittert sofort einen ganz großen Fall.  

Krischan Koch wurde 1953 in Hamburg geboren. Die für einen Autor üblichen Karrierestationen als Seefahrer, Rockmusiker und Kneipenwirt hat er sich geschenkt. Stattdessen macht er Kabarett und Kurzfilme und schreibt seit vielen Jahren Filmkritiken u.a. für die >DIE ZEIT< und den NDR. Koch lebt mit seiner Frau in Hamburg und auf der Nordseeinsel Amrum, wo er mit Blick aufs Watt seine Kriminalromane schreibt.
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2


»Dreimal Tote Tante«, ruft Postbote Klaas Imbisswirtin Antje unternehmungslustig über den Glastresen des Stehimbisses zu und reibt sich die Hände. »Immer noch frisch heute Morgen. Da können wir gut ’n Kleinen zum Aufwärmen vertragen, wat Piet?«

Piet Paulsen mustert ihn skeptisch über seine Gleitsichtbrille hinweg, dann nickt er Antje mürrisch zu. »Ja, ja, is ja gut, ich trink einen mit! Ich will mal nich so sein.« Der Landmaschinenvertreter im Ruhestand schiebt sich die schwere Gleitsichtbrille auf die Nase zurück. Piet Paulsen kann die plötzliche Begeisterung für das nordfriesische Nationalgetränk nicht ganz nachvollziehen. Der Kakao mit Rum und Sahnehäubchen war in den letzten noch kühlen Frühjahrswochen der Renner in der »Hidden Kist«. Und das liegt allein an Mandy.

Für Paulsen war es ein regelrechter Schock, als eines Tages neben dem Postboten eine fremde Frau an Stehtisch Zwei stand.

»Moin, moin, wat machen Sie denn hier?«, hatte der Rentner gebrummt und wollte die auswärtige Dame gerade von seinem Stammplatz verscheuchen, als Klaas verlegen herumdruckste und in seiner Postjacke mächtig ins Schwitzen kam.

»Ja, also … dat ist Mandy«, platzte es schließlich aus ihm heraus. »Die kommt hier jetzt öfter.«

Klaas hat also neuerdings eine »Bekannte«. »Aus ’m Internet, angeblich«, behauptet Antje hinter vorgehaltener Hand. Seitdem ist in der »Hidden Kist« die Welt aus den Fugen. Statt Jägermeister gehen reihenweise Tote Tanten über den Tresen, und statt Fußball flimmerte kürzlich die WM im Eiskunstlauf über den Großbildschirm, der gegenüber der Dunstabzugshaube hängt. Die flotte Mandy aus dem Erzgebirge war in den Achtzigern schließlich viermal sächsische Meisterin im Eistanz.

Mandy ist erst seit wenigen Wochen in Nordfriesland. Aber sie hat sich schon bestens akklimatisiert. Die Frisur mit Strähnchen und geföhnter Außenwelle im Farrah-Fawcett-Look und die Fingernägel mit der kunstvollen Schilfstruktur stammen unverkennbar aus dem »Salon Alexandra«. »Guudn Mohrschn« hat sie längst aus ihren Sprachgebrauch gestrichen. Das »Moin, moin« geht ihr schon erstaunlich flüssig und fast ohne sächsischen Akzent über die Lippen. Seit zwei Wochen kellnert Mandy im »Café Wattblick« in Neutönninger Siel, für die Hauptsaison hat sie einen Job in einem Sylter Eiscafé in Aussicht. Dabei hat die Erzgebirglerin ein paar schwierige Jahre hinter sich. Nach ihrer aktiven Zeit im Eissportzentrum Karl-Marx-Stadt hatte sie es nach der Wende im Showgeschäft versucht. Als »Dornröschen on Ice« war sie allerdings nach mehreren rollengerecht verschlafenen Wurfsalchows recht unsanft in den Kulissen gelandet und prompt aus der Showtruppe geflogen. Auch das folgende Engagement als Eislauf-Kokommentatorin der MDR-Sendung »Sport im Osten« war, nachdem der eigentliche Moderator kaum mehr zu Wort kam, gleich wieder eingestellt worden. Doch diese kleinen Rückschläge hatten Mandys Optimismus nichts anhaben können.

Ihr sächsisches Temperament hatte den nordfriesischen Postboten gleich bei ihrem ersten Treffen regelrecht umgehauen. Das Rendezvous hatte im Erlebnismuseum »Sturmflutenwelt Blanker Hans« in Büsum stattgefunden. Und ehe Klaas sich versah, stand die ehemalige Eisprinzessin mit drei Riesenkoffern bei ihm vor der Tür und war in seine kleine Junggesellenwohnung über dem ehemaligen Fredenbüller Postamt eingezogen.

In der »Hidden Kist« tönt seitdem Barry Manilows »Mandy« aus dem verölten Radiorecorder auf Antjes Gewürzbord. Stones-Fan Klaas und selbst »Stormy Weather«-Gitarrist Bounty schluchzen die Schnulze inzwischen sogar mit. In dem Stehimbiss hat sich Mandy bereits bestens eingeführt. Mit ihrer Begeisterung für den Eiskunstlauf konnte sie die Fredenbüller Imbissrunde zwar noch nicht anstecken, aber ihre Trinkfestigkeit hat nicht nur Klaas, sondern auch der restlichen Stammbesetzung schwer imponiert. Zur Kür im Paarlaufen hatte Antje vier Runden Tote Tante serviert und zwischendurch, zum Verteilen, immer mal ein paar rote Genever. Klaas und den ebenfalls anwesenden Althippie Bounty hatte es angesichts der gleichzeitig über den 46-Zoll-Bildschirm fliegenden Sprungkombinationen von Doppelaxel und dreifachem Toeloop fast von den Beinen gehauen. »Aber die Deern hat die vierfache Tote Tante sauber gestanden«, musste selbst Piet Paulsen konstatieren.

»So, hier kommt ganz was Feines.« Antje stellt drei dampfende Becher auf den Glastresen und setzt den drei Toten Tanten das finale Sahnehäubchen auf.

»Nu, da gommen ja unsere Doden Danden. Härrlisch.« Mandy lässt sich von Antje ein Tablett geben und übernimmt das Servieren an Stehtisch Zwei.

Piet Paulsen schiebt sich grimmig sein blaues Basecap von der Nordfriesischen Raiffeisenbank aus der Stirn. »Antje, aber mach mir mal gleich ’n Pils zum Nachspülen.«

»Wenn dir das mit dem Kakao zu viel wird, nehm ich dir die Tante ab«, kommt Bounty von Stehtisch Eins dem Landmaschinenvertreter a.D. zu Hilfe. »Kommt echt gut zu dem Kokos.« Der Althippie gluckst in sich hinein und reißt das Papier von einem Schokoriegel. Imbisshündin Susi, seit einer üblen Fleischvergiftung überzeugte Vegetarierin mit einer ausgeprägten Vorliebe für Süßigkeiten, sieht erwartungsvoll zu Bounty hoch.

»Wat is mit dir, Thies? Tote Tante?«, ruft Klaas dem Fredenbüller Polizisten Thies Detlefsen zu, der grade »De Hidde Kist« betritt.

»Nee, nee, Freunde, ich bin im Dienst.« Thies setzt seine wichtige Miene auf.

»Dienst ist gut«, kichert Bounty. »Ist doch seit anderthalb Jahren nix passiert in Fredenbüll.« Piet Paulsen reicht ihm seinen Kakaobecher mit dem Sahnehäubchen von Stehtisch Zwei herüber.

»Ach, Bounty, hör doch auf«, ranzt Thies ihn an.

»Thies, wie immer? Coffee to go?«, funkt Wirtin Antje dazwischen.

»Ja, Antje, aber wie immer, einen zum hier trinken.«

In der letzten Zeit verbringt Polizeiobermeister Thies Detlefsen fast den ganzen Tag in der »Hidden Kist«. Und seit seine Frau Heike die vegane Küche praktiziert, nimmt er meistens auch die Mahlzeiten bei Antje ein. Aus Protest hat Thies in den letzten Monaten das Wintergrillen entdeckt.

»Dat Problem is allerdings, du hast längere Grillzeiten als im Sommer.« Thies hat sich voll in die Materie eingearbeitet. »Dat Grillgut kühlt dir schnell aus … also nie ohne Deckel, und statt Kohle brauchst du Briketts.«

Bei Piet Paulsen erntet Thies mit seinem Grillchinesisch nur Kopfschütteln. »Wat sollen wir uns im Winter draußen einen abfrieren, wenn wir hier bei Antje schön im Trockenen sitzen.«

Im Frühjahr ist die Wintergrill-Saison ohnehin zu Ende. Im Edeka-Markt von Hans Jürgen Ahlbeck sind die letzten Bestände an Grillbriketts aus dem Vorjahr aufgebraucht. Die meiste Zeit sitzt Thies also wieder im Imbiss. Die Mordfälle und die spektakuläre Schießerei im Edeka-Markt im Herbst vor anderthalb Jahren hatte seine kleine Wache an der Dorfstraße vor der Schließung bewahrt. Aber seitdem war tatsächlich nicht viel passiert in Fredenbüll. Eigentlich gar nichts. Außer den üblichen Falschparkern am Deich und den notorischen Beschwerden des Eppendorfer HNO-Arztes Müller-Siemsen über den Treckerlärm vom Biohof war mal wieder nichts gewesen. Thies’ Schreibtisch in der kleinen Wache in dem roten Backsteinbau an der Dorfstraße ist beängstigend leer.

Aus lauter Langeweile hat er im Winter schon eine Fortbildung besucht: »Täterprofile. Theorie und Praxis des Profilings«. Jetzt wartet Thies ungeduldig auf eine Gelegenheit, die erworbenen Kenntnisse anwenden zu können. Vorläufig bleibt ihm nur, bei Kaffee und »Croque Störtebeker« in der Imbissrunde über den »psychosozialen Kontext von Straftaten« zu dozieren.

»Bei deinen Parksündern am Deich hilft dir dat aber auch nich weiter«, meint Piet Paulsen.

Thies schlürft seinen heißen Kaffee. Klaas und Bounty kämpfen noch mit der Sahnehaube auf der Toten Tante. Mandy und Piet Paulsen zieht es derweil zum Rauchen nach draußen. Mit ihrem neuen nordseeerprobten Sturmfeuerzeug mit der Gravur »Für Mandy von Klaas« gibt sie dem Landmaschinenvertreter a.D. Feuer. Piet qualmt genüsslich sein Zigarillo und Mandy eine »Slim Line Gold«. In dem Moment läuft ein dynamisches Rentnerpaar in wattierten Anoraks im quietschbunten Partnerlook über die Dorfstraße auf »De Hidde Kist« zu und betritt den Imbiss. Die beiden Rentner aus dem Westfälischen bleiben zunächst etwas unentschlossen zwischen den beiden Stehtischen stehen.

»Gibt dat hier eigentlich auch Frühstück?«, fragt der Mann in breitem Ruhrpott-Dialekt.

»Wir haben nämlich kein Frühstück bekommen«, schießt die Frau in vorwurfsvollem Ton gleich hinterher.

»Ja, da können wir aber jetzt nix für!« Antje schiebt eine Schale mit Kartoffelsalat unter ihren Glastresen und sieht die beiden Touristen fragend an.

»Wir hatten aber eigentlich mit Frühstück gebucht«, beschwert sich die Frau. »Wir sind hier in der Pension bei Frau … ähhh …«

»Bei Renate«, erklärt Thies.

»Auch erst mal ’ne Tote Tante?« Klaas setzt den Becher ab und hat jetzt einen Sahnetupfer auf der Nasenspitze.

»Gann isch nur empfählen«, schwärmt Mandy. »Escht läcker.« Sie drückt dem Postboten einen dicken Kuss auf die Wange.

»Dat iis doch mit Rum drin, und dat am frühen Morgen«, gibt die Frau zu bedenken.

»Aber hauptsächlich Kakao, oder?« Ihr Mann scheint nicht abgeneigt.

»Hauptsächlich Kakao«, grinst Bounty und kredenzt...


Koch, Krischan
Krischan Koch wurde 1953 in Hamburg geboren. Die für einen Autor üblichen Karrierestationen als Seefahrer, Rockmusiker und Kneipenwirt hat er sich geschenkt. Stattdessen macht er Kabarett und Kurzfilme und schreibt seit vielen Jahren Filmkritiken u.a. für die ›DIE ZEIT‹ und den NDR. Koch lebt mit seiner Frau in Hamburg und auf der Nordseeinsel Amrum, wo er mit Blick aufs Watt seine Kriminalromane schreibt.

Krischan Koch wurde 1953 in Hamburg geboren. Die für einen Autor üblichen Karrierestationen als Seefahrer, Rockmusiker und Kneipenwirt hat er sich geschenkt. Stattdessen macht er Kabarett und Kurzfilme und schreibt seit vielen Jahren Filmkritiken u.a. für die ›DIE ZEIT‹ und den NDR. Koch lebt mit seiner Frau in Hamburg und auf der Nordseeinsel Amrum, wo er mit Blick aufs Watt seine Kriminalromane schreibt.



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