Koch Die Anderen
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-641-01898-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die große Orks-Elfen-Zwerge-Troll-Parodie
E-Book, Deutsch, 304 Seiten
ISBN: 978-3-641-01898-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sie denken, Sie kennen alle Völker Tolkiens? Sie haben mit Orks Schlachten verloren, sind mit Zwergen durch die Dunkelheit gestolpert und haben mit Elfen und Trollen über die leidige Kleideretikette diskutiert. Doch irgendwo im Nirgendwo lauert noch ein weiteres Volk – und hier geht es nicht um Halblinge, Kobolde oder gar Drachen. Dies ist die Geschichte des ober-geheimnisvollsten, ultra-gefährlichsten und absolut peinlichsten Volks der Fantasy – kein Wunder, dass J. R. R. Tolkien es verschwieg: die Anderen!
Weitere Infos & Material
1;Prolog;10
2;Erstes Kapitel;24
3;Zweites Kapitel;34
4;Drittes Kapitel;44
5;Viertes Kapitel;56
6;Fünftes Kapitel;60
7;Sechstes Kapitel;72
8;Siebtes Kapitel;80
9;Achtes Kapitel;100
10;Neuntes Kapitel;116
11;Zehntes Kapitel;130
12;Elftes Kapitel;148
13;Zwölftes Kapitel;166
14;Vierzehntes Kapitel *;182
15;Fünfzehntes Kapitel;204
16;Sechzehntes Kapitel;216
17;Sechzehndreivierteltes Kapitel*;226
18;Siebzehntes Kapitel;240
19;Achtzehntes Kapitel;250
20;Neunzehntes Kapitel;260
21;Zwanzigstes Kapitel;282
22;Epilog;294
23;Danksagung;298
24;Die Rückkehr der Danksagung;300
(S. 203-205)
Ball führte die Murmeltiere einmal quer durch das Land. Das vierte Sternal ist im Kentaurenwald, hatte Oinky gesagt, und auch nach mehrmaligem Lauschen hatte sie darauf beharrt. Es war ein weiter Weg, und so trieben die Orks ihre Pferde zu höchster Eile. Auch wenn sie tatsächlich alle Sternale für Königin Jafester zusammentrugen, sie waren jetzt wirklich verdammt spät dran. Viel, viel, viel zu spät. An einer Kreuzung hing sogar ein Steckbrief mit ihren Namen und Gesichtern und einem Einschussloch in Balls Stirn. Darüber stand in fetten Buchstaben:
WANTED! Lebend (10 000 $) oder notfalls auch tot (5000 $)
»Vielleicht meint sie das ja nicht so?«, hoffte ein Gemeiner. »Immerhin will sie uns lieber lebend als tot. Das ist doch ein gutes Zeichen, oder?« »Das ist es«, pflichtete Ball ihm bei. »Wenn sie uns lebend will, will sie uns auspeitschen.« Ein wohliges Seufzen ging durch die Reihen der Murmeltiere. Ball war weniger wohlig zumute, die Peitsche hatte er nur erwähnt, um seinen Getreuen nicht die Hoffnung zu nehmen.
Das tat ein guter Anführer nicht. Und immer weiter leitete er sie. Unterwegs mähten sie ein paar aufmüpfige Kobolde nieder und prügelten sich mit einer Mono-Gang in weißen Kutten. Eine Zeit lang nahmen sie einen alten Gremlin namens Möpsy mit, der per Pferdestop reiste. Aber er quasselte ununterbrochen in einer widerlich hohen Fistelstimme und spuckte dabei zwischen seinen letzten zwei Zähnen hindurch. Noch dazu sprach er in unlösbaren Rätseln und immer dasselbe. Und er starrte Oinky dauernd auf den Vorbau, der senile alte Bock, das bemerkte Ball sofort. Also setzten sie ihn an einer einsamen Kreuzung wieder aus und wünschten ihm viel Glück, auf dass bald jemand vorbeikäme.
So zogen die Tage ins Land und die Murmeltiere über dasselbe hinweg. Es gab nicht viel zu kämpfen, und so tat Ball aus Langeweile etwas, das Orks üblicherweise eher nicht tun: Er dachte nach. Jeden Tag versuchte er einen Gedanken zu fassen, und wenn ihn kein Gemeiner mit irgendwelchen Fragen störte, gelang es ihm recht gut. Am Ende der Reisewoche schaffte er sogar zwei Gedanken pro Tag, und auch wenn er am fünften Tag noch mal den vom zweiten gefasst hatte (dabei war er ganz stolz gewesen, dass das Denken inzwischen so schnell ging), hatte er bis zum Wochenende einen ganzen Gedankengang zusammengetragen, der folgende Fakten und Fragen enthielt:
Die Menschen hatten bei ihrer Ankunft in diesem Land eine Reihe schmerzhafter und ansteckender Krank- heiten mitgebracht, an welchen die alteingesessenen älteren Völker wie Orks, Elfen oder Trolle sterben konnten. Einige Trolle waren von dem schrecklich hustenden Finstergeist angesteckt worden und nun böse Mutanten. Oder tot. Ein Sternal half nicht gegen diese Krankheiten, der Trollschamane hatte einen besessen. Waren die als Krankheitsüberträger bekannten Menschen auch an der Erkrankung des uralten Finstergeists schuld? Wahrscheinlich, denn die fanatischen Mono- Menschen waren ja eigentlich an allem schuld. Aber wenn der Geist eines Gebirges erkranken konnte, konnten dann auch die Steppen, Wiesen, Felder und Wälder erkranken? Wenn ein Sternal nicht half, halfen dann alle fünf Sternale, wieder vereint zu einem mächtigen Artefakt? Dem Einen Artefakt? Oder fand sich das Heilmittel bei den Menschen, die ja auch die Krankheit gebracht hatten?




