E-Book, Deutsch, 352 Seiten
Koch Bund der Gefährten: Conner & Macaire
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96089-123-9
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Band 1
E-Book, Deutsch, 352 Seiten
ISBN: 978-3-96089-123-9
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eigentlich ist es die Elfe Keyla, die seit dem Tag ihrer Geburt auf ihre Rolle als Auserwählte vorbereitet wird. Doch dann gerät Conner, Keylas schüchterner Zwillingsbruder, ungewollt in den Strudel der Ereignisse. Auf einmal steht er im Mittelpunkt und der überaus attraktive Dämonenjäger Macaire an seiner Seite. Macaire, der Vampir, der auf keinen Fall auf der Suche nach einem Gefährten ist. Gemeinsam müssen sie die schicksalhafte Wendung annehmen und Keyla aus der Gefangenschaft der Dunklen Dämonen befreien.
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Kapitel 1
Die Landung war gemein. Das raue Lachen der Soldaten und Kadetten, die um den Übungsplatz herumstanden, auch. Conner blieb so liegen, wie er gelandet war – auf dem Rücken. Von dort schaute er in den Abendhimmel hinauf und versuchte, sich nicht zu bewegen.
Es reichte, er hatte genug. Nicht nur für heute, sondern überhaupt. Sein Entschluss stand unwiderruflich fest. Das war sein letzter Versuch, sich dem harten Training der Kadetten anzupassen. Er war kein Kämpfer. War es nie und würde es niemals werden.
Der leichte Wind, der jetzt gegen Abend aufkam, kühlte sein erhitztes, schweißnasses Gesicht. Die Rippen taten ihm weh, trotz der Landung im Sand. Er konnte froh sein, das heutige Training fand nicht im freien Feld statt. Er spürte, wie Nässe in seine Kleidung sickerte. Toran hatte ihn mit Sicherheit wieder in die einzige Pfütze auf dem ganzen Platz geschmissen. Ihn vorher hin und her gescheucht, ihn mit Schlägen traktiert, mit ihm gespielt wie eine Katze mit einer kleinen Maus. Toran nannte das Taktik. Conner empfand es als Schikane.
Er hielt die Augen geschlossen, als er hörte, dass sich die Kadetten über ihn lustig machten. Ihre gehässigen Worte hallten über den Sandplatz, der jetzt in der Dämmerung von Fackeln erhellt wurde.
„Komm Toran, erteil diesem Bruder Ungeschick noch eine Lektion.“
„Bruder?“, rief einer der Kadetten. „Wohl eher Schwester!“
„Ja Toran, los zeig’s ihm, er hat es immer noch nicht begriffen!“
Mühsam nach Luft ringend, rappelte Conner sich auf. Erst mal nur hinsetzen, dachte er. Dafür musste er sich mit einer Hand abstützen, weil die Schmerzen in den Rippen ihn nicht richtig durchatmen ließen.
„Na Connie? Hast du schon genug?“ Lautes Gelächter verriet, dass alle seinen Spitznamen gehört hatten.
„Dein Vater würde sich im Grabe drehen, wenn er sehen könnte, was für ein Schwächling sein einziger Sohn ist.“
Vor ihm stand Toran, der Trainer der Soldaten und Ausbilder der Kadetten. Hoch wie ein Baum, massig wie eine Felswand. Der Halbelf hatte die Hände in die Seiten gestemmt und grinste belustigt auf ihn herab. Hinter seinem Rücken konnte Conner das große Schwert hängen sehen, an dem Gurt um die Hüften trug der Soldat verschiedene Messer.
Toran und sein Vater waren alte Waffenbrüder, früher, lange vor seiner Zeit, das wusste Conner. Doch sein Vater hätte diese Bande in der Luft zerrissen, er war ein wahrer Kämpfer gewesen. Hart, aber keinesfalls ungerecht. Auf keinen Fall hätte er zugelassen, dass sie ihn oder einen anderen so behandelten.
„Du kannst noch zwei Runden Lanzentraining haben. Gemeinsam mit Aaron.“ Ein greller Pfiff ertönte. Wieder johlten die Kadetten, die immer noch um den Platz herumstanden und zusehen wollten, wie er den Arsch versohlt bekam.
„Ja Aaron, zeig ihm, wie wir mit den Lanzen kämpfen.“
„Nein danke“, flüsterte Conner leise. „Ich verzichte auf die Extralektionen.“ Endlich stand er. Ihm war etwas schwindelig, als er sich vorsichtig den nassen Sand von der Kleidung klopfte. Dabei nahm er seinen Zustand in Augenschein und seufzte unterdrückt. Er wusste, was den anderen auffiel. Sie sahen einen Elfen, groß gewachsen und klapperdürr. Sie sahen einen Elfen, der viel zu sehr einem Mädchen glich. Connie, die Weichei-Elfe mit den Mondkalbaugen, so nannten sie ihn. Wahrscheinlich war es auch zum Teil seine eigene Schuld. Arlena hatte ihn so oft schon gedrängt, sich endlich den langen Zopf abschneiden zu lassen. Doch er dachte gar nicht daran. Wieso sollte es ihm mit einer neuen Frisur anders ergehen? Kurzes Haar verhalf ihm auch nicht zu mehr Kraft. Zu mehr Respekt schon gar nicht.
Mit einer schnellen Handbewegung riss er sich das Tuch vom Kopf und zog die Nadel heraus. Langen Schlangen gleich entrollten sich die sorgsam aufgewickelten Haarsträhnen und fielen in einer flammenden Kaskade über seinen Rücken. Das Getuschel darüber ließ sich nicht überhören.
Mit dem Ärmel seines Trainingsanzuges rieb sich Conner über das heiße Gesicht. Alles war mit nassem Sand bedeckt. Er stutzte, als er den langen Riss entdeckte. Den hatte er noch gar nicht bemerkt, das musste passiert sein, während Toran an ihm die Abwehr einer Messerattacke demonstriert hatte. Jetzt erst spürte er, wie seine Haut unter dem Riss brannte, dieser Mistkerl hatte ihn mit der Klinge gestreift.
Nur indem er sich fest auf die Zunge biss, konnte er verhindern, dass ihm ein Laut entwischte. Eher würde er sterben, als sich anmerken zu lassen, dass er Schmerzen hatte. Zeigte er, dass es wehtat, dann war ihm nicht nur das Lanzentraining sicher, sondern auch noch eine extra Nachtwache. Draußen, im schwarzen Feld, wo er neulich Spuren von Dämonen gesichtet hatte. Darauf konnte Conner wirklich verzichten.
Als Toran den Blick auf ihn richtete und verächtlich die Mundwinkel verzog, hatte er das ungute Gefühl, als wisse der alte Soldat genau, dass er litt. Daraufhin sah er zu Boden, versuchte, nicht zu zeigen, wie sehr er das alles hier hasste. Waffentraining, Kämpfen und sich im Dreck suhlen, all das war nicht seine Welt.
Conner schaute Toran nicht an, während er mühsam durch den Sand humpelte, versuchte, die Gestalt in dem ledernen Waffenrock zu ignorieren. Doch die Blicke, die der Soldat hinter ihm herschickte, die spürte er deutlich. So fühlte sich Verachtung an. Demütigend für ihn, der so anders war als die anderen jungen Elfenkrieger. Er passte nicht dazu, das war Grund genug, ihn so zu behandeln. Fertig.
Conner drückte den Rücken durch und riss sich zusammen, denn es juckte ihn gewaltig in den Fingern, Toran eine kleine Kostprobe seiner Zauberkraft zu verpassen. Es würde ihn nur ein Fingerschnippen kosten und der riesige Halbelf wälzte sich schreiend im Schlamm. Eine Handbewegung und Toran würde wissen, wie es sich anfühlte, schwach und hilflos zu sein. Er hätte sich nicht mal die Finger an ihm schmutzig gemacht. Der Gedanke daran ließ ihn für einen Moment die Schmach seiner ständigen Niederlagen vergessen. Schnell steckte er die Hände in die Taschen seiner Jacke, denn das Zaubern musste er sich unter allen Umständen verkneifen. Niemand durfte auch nur ahnen, dass er Magie beherrschte. Wenn das irgendwann ans Licht käme, dann würde sein Ruf als Freak noch fester an ihm kleben.
Verstohlen sah Conner sich um. Im Fackelschein konnte er niemanden mehr entdecken. Toran hatte die Unterkunft der Soldaten schon erreicht. Gerade schloss sich die schwere eiserne Tür mit einem dumpfen Schlag hinter ihm. Die anderen Kadetten hatten wohl die Lust verloren, sich über ihn lustig zu machen, und waren schon in die Kaserne zurückgekehrt. Das Nachtmahl wartete, das ließ sich freiwillig keiner entgehen.
Am Zaun, der die Übungsplätze voneinander trennte, blieb er stehen und atmete einmal tief durch. Das Stechen in seinen Rippen war nicht schlimmer geworden, wahrscheinlich hatte er sich nur einen Muskel geprellt.
„He, Elfe!“
Elfe. Wie er das hasste! Conner erstarrte kurz, als er die bekannte Stimme in seinem Rücken hörte. Er fluchte lautlos, hatte er sich glatt überrumpeln lassen. Langsam drehte er sich um.
Haldor, der größte Idiot unter den Kadetten, hatte ihm noch gefehlt. Leider war er auch der Stärkste von ihnen. Er hätte sich doch denken können, dass der noch irgendwo hier draußen herumlungerte. Niedergeschlagen sah Conner den Elfen auf sich zukommen, ihm war allein schon bei dessen Anblick unwohl.
Der Kadett hatte Schultern so breit wie die Pritsche, auf der er schlief. Und Hände wie Schaufeln so groß. Das traf nicht nur auf Haldor zu, die meisten der Kadetten dieser Eliteschmiede hatten diese Ausmaße. Selbst seine Schwester war größer und kräftiger als er.
„Haldor, was willst du?“
„Dir einen guten Rat geben. Hau ab und komm nicht wieder. Wir wollen so was wie dich nicht in unserer Truppe haben.“ Haldor trat vor und grinste ihm frech ins Gesicht. „Wir haben gerade abgestimmt und festgestellt, dass du unsere Chancen, die beste Kadetteneinheit unseres Jahrganges zu werden, kaputtmachst.“
„Also soll ich die Einheit verlassen? Das habt ihr beschlossen, einfach so, ja? Wie stellst du dir das vor?“, fragte Conner. „Ihr sagt, ich soll gehen, und ihr erwartet, dass ich das so hinnehme. Ihr spinnt doch wohl!“ Fast hätte Conner ihm einen Vogel gezeigt, seine Hand zuckte schon zu seiner Stirn hoch. Doch im letzten Moment strich er sich nur die Haare aus dem Gesicht. Wenn er Haldor reizte, würde er nur den Kürzeren ziehen.
Der Elf trat so dicht an Conner heran, dass er sich gezwungen fühlte, rückwärtszugehen. Er wich so weit zurück, bis er den Holzzaun in seinem Rücken bemerkte. Der Elf rückte Conner immer weiter auf die Pelle, bis er dessen Atem im Gesicht spürte. „Elfe, sei nicht so dämlich. Wir wollen kein Mädchen in unserer Truppe. Wenn du nicht freiwillig gehst, dann wirst du leider einen kleinen Unfall erleiden. Willst du das?“ Kaum hatte Haldor ausgesprochen, bekam Conner einen kräftigen Schlag in den Magen. „Nimm das als Warnung!“
Nach Luft japsend sank Conner auf die Knie und krümmte sich vor Schmerz. Vornübergebeugt hockte er da und kämpfte gegen das Gefühl, sich auf der Stelle übergeben zu müssen. Haldor lachte laut. „Schlaf gut, Connie“, rief er, dann verrieten knirschende Geräusche, dass der Elf sich auf dem Schotterpfad davonmachte.
Im Dunkeln herumzulaufen ist...




