E-Book, Deutsch, Band 2, 384 Seiten
Reihe: Aebrova
Knoblauch Die Chroniken von Aebrova - Das Vermächtnis der Alten
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-492-98983-1
Verlag: Piper Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 2, 384 Seiten
Reihe: Aebrova
ISBN: 978-3-492-98983-1
Verlag: Piper Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nicole Knoblauch ist fasziniert von romantischen Geschichten und starken Frauenfiguren. Unter dem Pseudonym Nicci Cole veröffentlicht sie auch im Bereich Romantische Spannung. Sie ist Mitglied bei DELIA, der Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autor:innen, denn ihr Herz schlägt für die Liebe. Wenn sie nicht schreibt, näht die studierte Germanistin und Historikerin historische Kostüme. Zusammen mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie ihr persönliches Happy End im Rhein-Main Gebiet.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Kaiserreich Celeste, Chimere, Sommer 3709
Eugène hörte, wie sich die Tür zum Labor öffnete, und legte seufzend sein Werkzeug zur Seite. Es gab nur einen Menschen, der unaufgefordert diesen Raum betrat.
»Was kann ich für dich tun, Mutter?«
»Ich bin hier, um dich an deine Pflichten zu erinnern«, antwortete sie. »Wie so oft.«
»Ah, natürlich. Welche habe ich diesmal vernachlässigt?«
Sie lächelte milde. »Du bist der oberste Heerführer. Dementsprechend wirst du im kommenden Krieg das Oberkommando führen, da kann ein wenig Vorbereitung nicht schaden.«
Er starrte seine Mutter an, öffnete den Mund, schloss ihn und atmete tief durch. Doch er vermochte nicht, das Gefühl der Unwirklichkeit zu vertreiben, welches ihm die Luft abzuschnüren drohte. »Heerführer? Krieg?«, krächzte er. »Wieso das denn?«
»Weil ich es so beschlossen habe.« Die Kaiserin lächelte nach wie vor. »Botschafter de Chappuis wird bald nach Ebron reisen und unsere Kriegserklärung übermitteln.«
Ein leichtes Schwindelgefühl zeigte, dass er die Luft angehalten hatte, und Eugène stieß sie hörbar aus. Dabei schloss er die Augen und sammelte sich. »Warum genau erklären wir Ebron den Krieg?«
»Also wirklich, Eugène.« Seine Mutter hob tadelnd einen Finger. »Du weißt genau, dass wir die rechtmäßigen Erben von Ebron sind. Unsere Vorfahren wurden um den Titel betrogen, daran ist nicht zu rütteln.«
»Das war vor über zweihundert Jahren.«
»Und wenn schon.« Kaiserin Leopoldine zuckte mit den Schultern. »Das ändert nichts an den Tatsachen. Ebron sollte seit Jahrhunderten in der Herrlichkeit Celestes aufgegangen sein. Dafür kämpften unsere Vorfahren, und dafür kämpfen wir. Für sie war das höhere Ziel das Wohlergehen und die Sicherheit unserer Heimat. Seit Generationen wird der ebronische Thron von irgendwelchen dahergelaufenen Herzögen usurpiert.«
»Das Haus Craft regiert seit über dreihundert Jahren in Ebron«, wagte Eugène zu bemerken.
»Wie dem auch sei.« Die Kaiserin wischte seinen Einwand mit einer nachlässigen Handbewegung beiseite. »Die Gelegenheit, endlich das zu bekommen, was uns rechtmäßig zusteht, war noch nie günstiger. König Vigor hat seine Konkubine zur Thronfolgerin ernannt. Eine Fahrende, schlimmer noch, eine Sucherin von zweifelhaftem Ruf, die noch dazu in Verdacht steht, illegal Magie zu praktizieren. Das ist ein Angriff auf unsere Lebensweise, unsere Sicherheit.«
»Übertreibst du nicht ein wenig? Soweit ich gehört habe, ist sie seine Tochter und nicht seine Konkubine.«
»Ja, das will man uns glauben lassen.« Erneut hob sie tadelnd den Finger. »Ich habe bereits vor Wochen von dieser Frau gehört. Sie soll dem König und auch seinem Neffen, dem Kronprinzen, völlig den Kopf verdreht haben. Angeblich haben sich die beiden wegen ihr heftig gestritten, und direkt danach verschwindet der Prinz spurlos. Und sobald dessen Vater beginnt, Nachforschungen über den Verbleib seines Sohnes anzustellen, wird er aus heiterem Himmel des Verrats angeklagt und hingerichtet.« Sie sah ihn an, die Lippen nur noch ein dünner Strich, die Wangen gerötet und die Hände inzwischen zu Fäusten geballt. »Das zeigt doch, wie es um Ebron bestellt ist. Das war ja zu erwarten, König Vigor kann das Blut seiner Bastardmutter eben nicht verleugnen. Erst verscherzt er es sich mit dem Adelsstand, indem er einen einflussreichen Herzog hinrichten lässt, dann mit dem Volk, indem er eine dahergelaufene Fahrendenhure zur Thronfolgerin ernennt, und schließlich mit den Gilden, indem er auf Bitten seines Liebchens einen Haufen fahrender Magier begnadigt, obwohl sie gegen göttliches Recht verstoßen haben.« Seine Mutter lachte verächtlich. »Das wird ein Kinderspiel. Ebron wird uns mit offenen Armen empfangen, wenn wir einmarschieren. Jetzt müssen wir nur noch dem Rest von Æbrova begreiflich machen, dass unsere Kriegserklärung kein Akt der Aggression ist, sondern eine Maßnahme zur Friedenswahrung. Wenn alle glauben, dass Ebron kurz vor einem Bürgerkrieg steht, den wir durch unseren Einmarsch verhindern, wird niemand zu Vigors Unterstützung eilen. Der Sieg gehört uns.«
Eugène legte seine Arbeitsbrille beiseite. Mit ihren vielen übereinanderliegenden Linsen erlaubte sie ihm, auch das kleinste Zahnrad in der Uhr zu erkennen, an der er gerade arbeitete. Animationsmagie war seine Leidenschaft, daran hatte auch die Missbilligung seiner Mutter nie etwas ändern können. Er hatte seinen Meistertitel erhalten und nutzte jede freie Minute in seinem Labor.
»Glaubst du, es wird so leicht? Ebron hat ein Verteidigungsbündnis mit Gesua. Willst du wirklich einen Zweifrontenkrieg führen?«
Die Kaiserin schüttelte missbilligend den Kopf. »Ich habe es dir doch eben erklärt. Wir werden dafür sorgen, dass in Ebron genug Aufruhr herrscht, um den Einmarsch zu rechtfertigen. Niemand wird uns angreifen, wenn wir Ruhe und Frieden bringen. Als Herrscher musst du lernen, eine Chance zu ergreifen, wenn sie sich bietet, mein Junge.«
Er hasste es, wenn sie ihn so nannte. Er hatte das dreißigste Lebensjahr überschritten und war weit davon entfernt, ihr Junge zu sein. Allerdings hatte er sich nie offen gegen sie aufgelehnt. Sein Ansatz war ein anderer. Vordergründig beugte er sich ihrer Dominanz, doch insgeheim suchte er Gleichgesinnte und schmiedete Bündnisse, welche ihm zum richtigen Zeitpunkt hilfreich sein würden, ganz nach celestischer Tradition. Ob sie damit rechnete? Er wusste es nicht, und es war ihm auch gleichgültig. Wichtig war, geduldig zu bleiben und auf den richtigen Zeitpunkt zu warten.
Seine Mutter strich ihm sanft über die Wange. »Keine Sorge, mein Junge, ich habe Kontakte zu diversen ebronischen Herzogshäusern geknüpft, um die Unzufriedenheit zu schüren. Außerdem sind bereits Barden angeheuert, die Schmählieder auf den König in Ebron verbreiten. Und vom ebronischen Erzbischof der Gilden liegt mir ein Hilfegesuch vor, in dem er uns anfleht, unseren Einfluss geltend zu machen, die göttliche Ordnung in Ebron wiederherzustellen. Du kannst dich also auf deine Aufgabe als Oberkommandant des Heeres konzentrieren.«
Eugène ergab sich vorerst in sein Schicksal und seufzte. »Wie Ihr wünscht, meine Kaiserin. Ich nehme an, meine ersten Aufgaben warten bereits auf mich?«
»Du wirst bei Sonnenaufgang auf dem Exerzierplatz erwartet. Alle Offiziere und die komplette Garde werden antreten, damit du die Generalmobilmachung verkünden kannst. Du weißt schon: Rettung von Unschuldigen vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Ebron, Beseitigung des skrupellosen Willkürregimes, für Ruhm und Ehre des Vaterlands und so weiter und so fort. Ich freue mich auf deine inspirierende Ansprache.« Ohne auf eine Antwort zu warten, rauschte sie davon.
Eugène verharrte mehrere Minuten bewegungslos. Sein Blick glitt sehnsüchtig über die auseinandergebaute Uhr auf dem Tisch. Es war nicht zu ändern. Er erhob sich und verließ zielstrebig sein Labor. Mit schnellen Schritten eilte er in den Gästeflügel und klopfte an Estephania Mugridges Tür.
»Wer ist da?«, ertönte die Stimme der Gräfin.
»Eugène«, antwortete dieser knapp. Bei dem leisen Keuchen hinter der Tür zuckten Eugènes Mundwinkel belustigt. Keine fünf Sekunden später öffnete Estephania und lächelte ihn herausfordernd an.
»Was verschafft mir die Ehre, Eure Majestät?«
»Lass die Förmlichkeiten.« Ihm war bewusst, wie überraschend der Besuch auf seine Cousine wirken musste. »Dafür haben wir keine Zeit. Kehrst du bald nach Ebron zurück?«
»Ja«, sagte sie vorsichtig.
»Sehr gut. Darf ich reinkommen?«
»Selbstverständlich.« Estephania trat stirnrunzelnd zur Seite, und Eugène ging an ihr vorbei ins Innere. Dort sah er sich flüchtig um. »Man erkennt kaum mehr, dass dies vor Kurzem noch ein normales Gästequartier war. Du schaffst es immer, den Dingen deinen persönlichen Stempel aufzudrücken«, sagte er mehr zu sich selbst.
»Ich habe es mir lediglich ein wenig bequem gemacht, Eure Majestät.«
»Ich habe gesagt, dass du die Förmlichkeiten lassen sollst. Ich hasse es, wenn du mich so nennst.«
»Anordnung der Kaiserin … Majestät.« Estephanias provozierender Tonfall ließ Eugène kurz die Augen schließen.
»Meine Mutter kann vieles, aber sie hat...