E-Book, Deutsch, Band 128, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Kneifel Mythor 128: Jäger des Einhorns
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9880-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 128, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9880-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Mythor, der Sohn des Kometen, begann vor rund zweieinhalb Jahren seinen Kampf gegen die Mächte des Bösen in Gorgan. Dann wurde der junge Held nach Vanga verschlagen, der von Frauen beherrschten Südhälfte der Lichtwelt. Und obwohl in Vanga ein Mann nichts gilt, verstand Mythor es nichtsdestoweniger, sich bei den Amazonen Achtung zu verschaffen und den Hexenstern zu erreichen, wo er endlich mit seiner geliebten Fronja zusammenkam. Inzwischen haben der Sohn des Kometen und seine Gefährten, zu denen neben Fronja, der ehemaligen Ersten Frau von Vanga, eine beachtliche Streitmacht zählt, Carlumen, die fliegende Stadt des legendären Caeryll, in Besitz genommen und mit diesem ehemaligen Fahrzeug des Lichts eine wahre Odyssee durch die Schattenzone hinter sich, bevor sie in den Süden Gorgans gelangten. Auch dort haben die Carlumer - allen voran Mythor und seine engeren Vertrauten - eine Reihe von gefährlichen Abenteuern zu bestehen. Vorläufiger Endpunkt dieser Abenteuer ist Tata mit dem Dämonentor, durch das die fliegende Stadt wieder in die Schattenzone verschlagen wird. Indessen verfolgt Luxon, der junge Shallad, seinen Plan, die Räuber der Neuen Flamme von Logghard zu stellen, mit unnachahmlicher Tatkraft weiter. In der Maske eines Seefahrers begibt er sich unter die Zaketer - und dabei begegnet er dem JÄGER DES EINHORNS ...
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2.
Der schlanke, bronzehäutige Krieger senkte den Kopf, legte seine Waffen auf den niedrigen Tisch und sagte:
»Viele Botschaften habe ich zu überbringen, Kukuar.«
»Wir sehen«, sagte der Magier freundlich, »dass du gesund zurückgekommen bist. Sprich! Was haben die Zaketer, dieser Auswurf des Meeres, wieder getan?«
Hoono war seit fast einem Mond unablässig auf den Inseln und zwischen ihnen unterwegs gewesen. Einmal ritt er auf dem Orhako einer der fremden Kämpfer mit, oder er rannte über die zugewachsenen Urwaldpfade, wurde von den Fischern in schnellen Kanus gerudert oder ruderte selbst.
»Bei Conee, der nördlichen Insel, versammelt sich eine starke Flotte der Sklavenfänger.«
»Wie viele Schiffe?«, fragte Luxon. Er saß neben Kukuar und hatte im vergangenen Mond unendlich viel gelernt. Nicht nur die Hierarchie im Zaketerreich war ihm geläufig, sondern auch der große Unterschied in Sitten und Gebräuchen.
»Ich zählte dreißig Schiffe.«
»Dreißig!«, sagte Luxon. »Natürlich kommen sie in kleinen Gruppen oder einzeln aus dem Norden zu uns. Hoono! Werden die anderen Quinen-Späher herausfinden, welche Absichten die Zaketer haben?«
»Ich habe überall Spione. Wenn sie etwas vorhaben, werden wir es erfahren.«
»Über fünfundvierzig Schiffe verfüge ich«, sagte Luxon. »Meinst du, dass wir gewinnen können?«
»Ich würde an deiner Stelle noch keinen Kampf wagen«, sagte Hoono. »Die Zaketer kennen die Klippen und Seichtwasser besser. Aber höre weiter!«
Kukuar und Luxon hatten viel Zeit gehabt, einander kennenzulernen. Zwischen ihnen gab es kein Misstrauen mehr, aber jeder hatte erkannt, dass der andere aus einem Land mit anderen Sitten und anderen Regeln stammte.
»Ich höre!«
»Die Quinen haben Schiffe aus deiner Flotte gesehen. Eines sah so aus ...« Er schilderte genau die Farben und die Galionsmaske der Stolz von Logghard.
»Die drei Späherschiffe!«, flüsterte Luxon tief erschüttert. »Wir fanden die Reste der Splitterfelsen.«
»Die Späher auf den Inseln sahen einen Kampf. Dann schleppten die Zaketer das Schiff mit diesem seltsamen Namen nach Yucazan.«
Kukuar nickte, berührte Luxon am Unterarm und setzte eine wissende Miene auf.
»Rauco wird mit der Ayadon diesen Hafen anlaufen. Warte nur.«
Luxon beugte sich vor und fragte:
»Haben sie auch das andere Schiff gesehen? Es hatte ein Segel, auf dem solch ein Bild zu sehen war, und ...«
Diesmal schilderte Luxon, wie die Doppelaxt aussah. Hoono schüttelte den Kopf und antwortete:
»Vielleicht schaffst du es, die Männer der Stolz von Logghard zu befreien. Ihnen droht wahrlich ein schauerliches Schicksal. Aber es gibt zu viele Klippen, zu viele Buchten. Es wird lange Zeit brauchen, um im Gewirr der Inseln ein Schiff zu finden. Und wenn die Doppelaxt zur Bitterwolf-Insel oder nach Falkenland getrieben wurde, dann findet ihr sie niemals. Habe ich recht, Herrscher?«
»So ist es«, stimmte Kukuar zu. »Aber wir denken sowohl an eine Befreiungsaktion als auch an eine lange Suche nach dem anderen Schiff. Alle Quinen werden helfen. Was sagst du?«
Im Zaketerland, auf allen Inseln und im Land rundherum schrieben sie das Letzte Jahr. Letztes Jahr vor dem Lichtboten auch in Lyrland und Tata – jedermann war überzeugt, dass spätestens nach Ablauf dieses Jahres der Lichtbote erscheinen würde. Man wartete auf die Zeichen und die Omina.
»Hast du Botschaft meines mächtigen Freundes Hrobon?«, fragte Hoono den Shallad.
»Nein. Aber du selbst weißt, dass wir uns auf ihn verlassen können«, gab Luxon zurück.
»Das weiß ich.«
Der Shallad, der nichts sehnlicher wollte, als dass sich endlich die Vorkommnisse um den Raub der Neuen Flamme aufklären ließen, wusste jetzt, wie groß die Bedrohung durch die Zaketer wirklich war. Seltsamerweise hatten Zaketer und Bewohner des Shalladad gleiche Ziele. Dennoch verhielten sie sich wie Gegner. Luxon stand auf, ging hinaus auf die sonnenheiße Terrasse und blickte über Quin hinweg.
»Du wirst mir helfen?«, fragte er ins Halbdunkel des Raumes zurück. Die Stimme des Zauberers bekräftigte die Aussage.
»Ja. Ich werde dir helfen. Aber vor jedem Handel soll bei uns das Planen und Nachdenken stehen.«
Luxon/Casson nickte und lachte kurz, obwohl ihn die Sorge um seine Männer und die gewaltige Drohung innerlich zerfraßen.
»Denken wir nach! Planen wir«, sagte er entschlossen und fügte, etwas leiser, hinzu: »Am Ende kommt es doch stets ganz anders.«
»Das mag sein. Aber es trifft uns nicht unvorbereitet.«
Wenige Tage später, als die letzte dünne Sichel des Abmondes sich in Neumondzeit verwandelte, ruderten kräftige Quinen freiwillig die stolze Ayadon den Fluss abwärts, und die Rekayman folgte. Die große Galeere hisste ihr Segel, auf dem das grimmige Gesicht des Lichtboten erschien. Kukuar hatte einst dieses Schiff von den Zaketern erobert.
Das Zaketerschiff war eine Tarnung. Alle Personen an Bord hatten ihre Masken angelegt. Sogar die echten calcopischen Krieger gehorchten dem Kapitän Rauco.
Rauco war Kukuar – seine Maske war perfekt.
Luxon war es fast gleichgültig, wie man ihn jetzt und hier nannte. Alle Männer der Rhiad und die Orhakenreiter wussten, dass er Shallad Luxon war. Er stand neben dem Mitglied der Hexergilde, der das Schiff befehligte und, kaum dass sie das Delta des Flusses verlassen und die versteckte Bucht durchrudert hatten, den Kurs nach Süden einschlagen ließ.
»Rauco, Pirat der Inseln – werden wir Erfolg haben?«
Sie hatten beschlossen, alle jene Gewässer abzusuchen, in denen dies Quinen-Fischern oder Spähern nicht möglich war.
»Bei Nullum! Ich weiß es nicht. Aber wir tun, was wir vermögen.«
Kukuar hatte über seiner Nasenwurzel ein täuschend echt aussehendes drittes Auge befestigen lassen. Unter dem Namen des Händlers, Piraten und Boten Rauco war es ihm gelungen, unbehelligt zwischen den Inseln kreuzen zu können. Zwar gab es noch andere Piraten, aber keiner getraute sich, die Ayadon anzugreifen.
»Ayadon«, meinte Rauco nach einigen hundert gleichmäßigen Ruderschlägen, »er war ein berühmter Duine. Er soll zur Zeit von Nullum gelebt haben.«
Luxons scharfe Augen erforschten die Umgebung. Sein Blick glitt über dunkle Löcher im Grün und Schwarz der Uferwälder, über die kleinen Dreieckssegel der wenigen Fischerboote, über schroffe Klippen und sonnenbeschienene Sandstrände.
»Nullum, der Prophet?«, fragte er in Gedanken.
»Ja. Der Prophet des Lichtboten. Unter den Deserteuren der Zaketer, die in zahllosen Verstecken überall hier leben«, Raucos Arm beschrieb eine große, umfassende Geste, »genügt dieser Name. Sie würden es niemals wagen, die Ayadon anzugreifen.«
»Ebenso wie die Hafenwachen von Yucazan?«, murmelte Luxon ungläubig.
»Auch dort lege ich an«, versicherte Rauco selbstbewusst. Er sah sehr viel anders als Kukuar aus. Das lange schwarze Haar war im Nacken durch eine Bronzespange zusammengehalten. Das schmale Gesicht mit den kantigen Formen glänzte vor Schweiß und wohlriechendem Öl. Er trug Lederkleidung und kniehohe Stiefel. Nur das erstaunlich lebensechte Auge auf der Stirn, das mitunter wie ein Schmuckstück aufblitzte, zeigte den Männern an Bord, dass Rauco ein Hexer war.
Die Rekayman zog das Segel auf und fuhr die langen Riemen ein, als sie in den Wind kam, der um den südöstlichen Landvorsprung der Insel Quin blies. Das zweite Schiff war etwas kleiner, aber auch schnittiger.
Yzinda kam, einen Krug und ein Tablett mit mehreren Tonbechern in der Hand, den breiten Niedergang zum Achterschiff herauf.
Schweigend blickte Yzinda auf das Meer, das sich langsam zu einer endlosen Fläche weitete. Am Horizont, auf Frevenland und die Düsterzone zu, erhob sich die gewaltige Wand, in der es brodelte und gärte.
»Hierher, schönste Duine!«, rief Luxon. Varamis, der Magier, von Hrobon als »Zauberer der Ohnmacht« spöttisch bezeichnet, befand sich noch unter Deck und versuchte wohl, sein Unbehagen zu besiegen. Denn auch er wusste, dass es nach Yucazan ging.
Casson hob den Becher. Der Wein war so gut wie jener, den er in der geheimen Hauptstadt von Quin getrunken hatte.
»Nimm einen Schluck, Yzinda«, sagte er und bemerkte, dass die calcopischen Krieger regungslos an der Reling lehnten und ebenfalls Ausschau hielten. »Wir alle denken an viel zu viele Probleme.«
Die junge Frau, deren Kleidung ebenfalls den Erfordernissen der Seefahrt angepasst war, ließ den letzten Rest des hellen, roten Weines in den Becher Raucos rinnen.
Rauco tätschelte mit nachsichtigem Lächeln ihre Wange.
»Du brauchst dich nicht zu fürchten«, sagte er halblaut. »Wir hängen an unserem Leben ebenso wie du.«
Die Schiffe nahmen schnell Fahrt auf und steuerten weitab aller gefährlichen Klippen und Riffe auf die Düsterzone zu. Die calcopischen Überläufer, die schon einige Male das Leben Raucos gerettet hatten, warteten insgeheim auf einen Angriff der Piraten. Es war nur einige Stunden nach Sonnenaufgang. Bald würde der Wind umschlagen und aus Osten wehen.
»Wann werden wir, vorausgesetzt, der Wind richtet sich nach deinen Wünschen«, fragte Luxon nach einer Stunde, »in Yucazan sein?«
Rauco warf einen langen Blick in das straffe Segel und hob die Schultern. Der junge, muskelstarrende Steuermann antwortete an seiner Stelle:
»Drei Tage, wenn wir nicht oft in den Nächten ankern.«
Luxon wusste, dass Hrobon die Schiffe der Flotte...




