E-Book, Deutsch, Band 8, 432 Seiten
Reihe: Atlan-Blauband
Kneifel Atlan 8: Ritter von Arkon (Blauband)
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-3307-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die Zeitabenteuer
E-Book, Deutsch, Band 8, 432 Seiten
Reihe: Atlan-Blauband
ISBN: 978-3-8453-3307-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Hans Kneifel (1936 bis 2012) war einer der wenigen deutschsprachigen Autoren, die sich mit großer Sicherheit in und zwischen den unterschiedlichsten Welten bewegten: Er verfasste historische Romane, Science Fiction, Horror und Fantasy. Dank seiner ausgefeilten Charakteren und seiner Vorliebe für klarsichtige Beschreibungen hatte Kneifel geradezu einen eigenen Fan-Kreis. Geboren wurde Hans Kneifel am 11. Juli 1936 in Gleiwitz/Oberschlesien; er wuchs in München auf, wo er zuerst den Beruf eines Konditors erlernte. Darauf folgte ein Studium der Pädagogik, das er mit dem Staatsexamen abschloss. Schon als Jugendlicher verfasste er erste Romane; unter dem Titel 'Uns riefen die Sterne' publizierte der damalige Konditorgehilfe bereits 1956 sein erstes Science-Fiction-Werk. Als Berufsschullehrer verschlug es ihn nach Kitzingen; dort beschloss er, den Beruf des Lehrers an den Nagel zu hängen und stattdessen freier Schriftsteller zu werden - ein Entschluss, den der Autor in all den Jahren nie bedauerte. In der Folge schrieb er Hunderte von Heftromanen und Taschenbüchern; seit 1965 verfasste er Romane für die PERRY RHODAN-Serie. Zeitweise betrieb er sogar das Stadtmagazin 'Wir Münchner', über das er später in einem Interview sagt: '... wenigstens hatte man fast überall freien Eintritt, lernte nette (aber auch miese) Leute kennen, und ich weiß seitdem, wie man eine Zeitschrift macht.' Vorrangig schrieb er in den 60er und 70er Jahren für PERRY RHODAN und ATLAN. Farbenprächtige Charaktere wie Sandal Tolk, der Rächer, oder 'der Einsame von Terra' prägten seine Werke. Besonders berühmt machten ihn die Dutzende von 'Zeitabenteuern', in denen Kneifel die bekannte Geschichtsschreibung der Erde durch den Arkoniden Atlan und seine zahlreichen Eingriffe ergänzte. Viele Science-Fiction-Leser erinnern sich darüber hinaus gern an seine Romane, die er zur Fernsehserie 'Raumpatrouille' verfasste und die danach mit weiteren Abenteuern der ORION-Besatzung fortgesetzt wurden. In den 70er Jahren gehörte er mit DRAGON, in den frühen 80er Jahren mit MYTHOR zu den ersten Schriftstellern, die im deutschsprachigen Raum die Fantasy populär machten. In den 90er Jahren wurde Hans Kneifel durch seine historischen Romane einem breiten Leserkreis bekannt. In 'Babylon - Das Siegel des Hammurabi' oder 'Hatschepsut' transportierte er historische Epochen in die heutige Zeit; mit 'Telegonos' erzählte er einen Odysseus-Roman, hinzu kamen biografische Romane über den Perserkönig Darius der Große oder den Seefahrer Francis Drake. Und immer wieder schrieb Hans Kneifel einen PERRY RHODAN-Roman. In seiner Rolle als Gastautor fühlte sich der Altmeister der Serie sichtlich wohl, und viele Fans begrüßten seine regelmäßigen Beiträge zur größten Science-Fiction-Serie der Welt. Sein Auftritt beim PERRY RHODAN-WeltCon 2011 in Mannheim wurde umjubelt, er gab stundenlang Autogramme. Hans Kneifel starb, für alle völlig unerwartet, am 7. März 2012 in München. Er wurde 75 Jahre alt.
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Prolog
Der Schrecken galoppierte durch die kalte Nacht. Hinter dem Hügel erschien zuckende Helligkeit. Schreie und Hufschlag vieler galoppierender Pferde wurden lauter. Knallende Peitschen, schleifend rasselnde Bronzefelgen auf Sand und Stein, keuchende Pferde und die vielfältigen Geräusche von Sattelzeug, Rüstungen und Waffen vereinigten sich zu einem malmenden langgezogenen Laut, der die Ohren marterte und jeden, der zusah und zuhörte, vor Entsetzen erstarren ließ. Die Reiter auf schwitzenden Pferden, deren Fell und Atem dampften, trugen große Fackeln. Funkensprühende Flammen knatterten waagrecht, der weiße, graudurchwölkte Rauch hüllte die Reiter, die drei Wagen und die Nachhut ein; es war, als kröche ein Drache auf tausend Krallenfüßen schnell über den Hügel und weiter durch die Nacht.
»Wir reiten auf der Straße zur Unsterblichkeit!«, schrie ein Reiter. Sein Nebenmann, der im Sattel des gedrungenen Pferdes stand, über und über von weißen Flocken bedeckt, rief, schrill lachend:
»Der Himmel wird einstürzen, die Erde wird beben!«
»Macht Platz für Kaiser Ch’in Shih Huang-ti!«
Die Straße unter dem mondlosen, sternklirrenden Winterhimmel war leer; niemand wagte sich aus den Hütten. Auf den Gräsern und den blattlosen Bäumen und Maulbeerbüschen lag Raureif. Im zuckenden Licht der Fackeln funkelten die Gewächse Augenblicke lang auf, wie Knochen oder die Gerippe von Wesen aus jener Welt, die Shih Huang-ti suchte.
Die Große Mauer war errichtet, die sechs Königreiche geeinigt, alle Schriften verbrannt, die Mutter des Einzigen Kaisers wegen bestialischer Ausschweifungen in die Verbannung geschickt. Nicht einmal die Männer der Palastgarde durften über den Tod sprechen, auch wenn sie ihn dutzendfach austeilten auf ihren Ritten auf der Suche nach dem Trank der Unsterblichkeit.
Weit voraus, zwischen kahlen Hügeln, leuchtete ein einsames Licht auf dem Turm der Grenzfestung. Der rasselnde, feurige, rauchende Schreckdrache bewegte sich auf der Straße weiter, an Feldern und Weiden vorbei, entlang der Kanäle, in deren Wasser sich die Sterne spiegelten, und über zierliche Brücken.
Ein Rabenvogel hüpfte flügelschlagend aus dem Schwarm hinaus und zog einen Darm mit sich. Der schwarze, aufgedunsene Kadaver, auf den Dutzende schwarzer Aasfresser krächzend einhackten, lag neben der Mauer der südlichen Grenze. An den Ecken des Turms knatterten im eiskalten Wind die Fahnen des Reiches; aus allen Richtungen kamen Späher, Spione und Heerführer zusammen. Der Blick glitt über leeres Land, aus dessen Siedlungen dünne Rauchsäulen fast senkrecht in die Winterluft stiegen. Ein Fuchs schnürte durch vergilbtes Gras und verschwand am Fuß des Hügels zwischen den Bäumen. Auf der Kuppe der höchsten Erhebung in weitem Umkreis standen zwei Reiter. Sie waren mit Pelzen vermummt, auch die Pferde trugen abgesteppte Decken.
»Allen Dingen, sagt der Kaiser, hat er den richtigen Namen gegeben.« Der Ältere sprach, sein Atem gefror vor seinen Lippen. »Sein Thronfolger wird Zweiter Kaiser, dessen Sohn Dritter Kaiser, und so fort. Der Erste Kaiser wird die große Schlacht schlagen.«
»Und er wird wahrscheinlich auch sterben, denn noch niemand hat ihm die Unsterblichkeit gebracht.«
»Es ist müssig, darüber nachzusinnen.« Seltsam, dachte der Jüngere und starrte den kreisenden Vogel an. Das Pferd scharrte mit kalten Hufen im eisigen Boden. Seltsam: Mitten im Winter kreist ein Reiher tief über dem Hügel; längst sollten diese Vögel in wärmeren Gegenden ihr Futter suchen. »Der Thronfolger ist ein schwacher Mann.«
Auf der riesigen Ebene an der Grenze würde die Schlacht geschlagen werden. Viele Menschen im Reich würden nur dem Sieger gehorchen, denn Ch’in Shih Huang-ti hatte die Gelehrten in Kerker geworfen oder töten lassen, den einstmals Mächtigen die Macht und den Besitz genommen, und nur wenige glaubten daran, dass er der erste Unsterbliche einer unsterblichen Dynastie war.
»An der Grenze ist es kälter und karger als an jedem anderen Platz im Reich«, sagte der Ältere mürrisch. »Und ich sage dir: Die Schlacht, der ganze Krieg … sie sind so überflüssig wie die dreizehnte Konkubine des Kaisers.«
Seit die Große Mauer stand, seit die Anzahl der Räume im Hauptstadt-Palast dreihundertfünfundsechzig betrug, überdies eine kleine Kammer zur Beobachtung der Sterne hinzugefügt worden war, glaubte der Kaiser, dass der Tod von draußen kam, wie ein Meuchelmörder aus den Außenlanden. An mehr als zwei Dutzend Orten weit jenseits der Reichsgrenzen suchten Späher und Spione nach dem Kraut, dem Trunk, der Arznei oder dem Elixier der Unsterblichkeit. Der jüngere Krieger, Anführer der Bogenschützen, schlug die Eiskristalle vom Pelzsaum der Kapuze und sagte:
»Der Kaiser ist rastlos. Schon morgen reiten wir zurück.«
Vom Dach des Grenzbauwerks blies eine Bronzefanfare. Der Schall fuhr über das reglose Land dahin; Raureif rieselte wie Schnee von Ästen und Bambusröhricht.
»Hörst du? Wir werden gerufen.« Der Ältere ruckte am Zügel. Aus den Nüstern des Pferdes fauchten Dampfwolken. »Zurück zum Palast. Morgen, wenn das Ostgestirn am Himmel ist.«
»Dann sollten wir einmal über die Ebene reiten«, sagte der Jüngere. »Wenn wir dabei nicht erfrieren. Aber wir sind es, die den Kampf werden führen müssen.«
Er hob den Arm, senkte ihn langsam und deutete nach vorn. Die Reiter stoben in stockendem Galopp den Hügel hinunter; der Reiher glitt aus dem Flugkreis hinaus und folgte ihnen in geringer Entfernung.
Ich sah aus den Augen des Reihers und hörte mit seinen Ohren. Ich kannte die Sprache, verstand die Worte, aber mein Verstand – scheinbar hartgefroren wie der Boden an der Grenze des Ch’inreiches – weigerte sich noch, sie richtig zu deuten. Immerhin begriff ich in der trostlosen Phase unmittelbar nach dem Erwachen, warum ich mich an den Ersten Kaiser erinnerte: Es war eine eckige weiße Fläche vor mir. Ein leerer Monitor oder ein Blatt Papier. Papier, eine Erfindung der Han-Dynastie, eine Handvoll Jahre vor den Jahren des Großen Ersten Kaisers, löste teilweise meine Folien, die Shafadu-Blätter der Rômet und das feinlederne Pergament ab; Arconrik oder Rico oder welchen Namen er gerade zu tragen beliebte, hatte einige Truhen voll Papier aus dem Reich im Osten eingehandelt. Ich dachte an die unzähligen Tonfiguren der vergrabenen Heere des Shih Huang-ti, an die Nachbildung seiner Welt, die von Gold und Edelsteinen strotzte und das Innere einer großen, künstlichen Höhle ausfüllte, wo bronzene Schiffchen auf einem Meer aus Quecksilber segelten; wieder senkte sich jene Müdigkeit über mich, die in Schlaf mündete, der weitere grausige Träume gebar.
Die Sonne sank wie eine in Blut getauchte Bronzescheibe inmitten rätselvoller Wolkengebirge von der Farbe sommerlicher Maulbeerbaumblätter. Als sich Sumah-Chien, der greise Heerführer, in seinem durchschwitzten Sattel umdrehte, sah er, dass die Straße genau in die Mitte des roten Halbkreises mündete, so als käme sie aus dem Tor des Blutes. Blutstropfen waren auch auf der Sandstraße, die ebenso breit war wie jede Straße im Reich, voller Pferdekot, zerbrochener Pfeile, den Lachen stinkenden Urins und den schleimigen Spuren aus der großen Fischtonne.
Die Große Schlacht war geschlagen. Kaum ein Pferd und keiner der Männer mit zerhauenen Rüstungen und schartigen Bronzewaffen war nicht von Schürfungen, Schnitten und Wunden gezeichnet; trotzdem liefen die Tiere im Trab auf die riesige Gartenanlage des Großen Palastes zu. Alle Schatten wiesen nach Osten und vermischten sich, unsäglich lang und dunkelgrau, mit den Waagrechten des Horizonts.
»Die Erde hat gebebt.« Der Alte lenkte sein erschöpftes Pferd an den Straßenrand und rückwärts zwischen ratternde Bambusstangen. »Unter Millionen Hufen und dem Aufprall zehntausender Körper, die fielen, wie tote Männer fallen. Nun wird der Himmel einstürzen.«
Der Himmel zeigte ein wolkenloses, vornächtliches Dunkelblau. Die malvenfarbenen Wolken färbten sich schwarz, die Schatten lösten sich auf. Su-mah-Chien wartete, bis sich der erste der beiden Wagen genähert hatte, kitzelte seinen Hengst mit den Sporen und lenkte ihn neben die reichgeschnitzte Bordwand. Der Wagen stank nach faulendem Fisch, Salzwasser, heißem Achsenfett und der gedunsenen Leiche; auch die Pferde rochen wie Gerbergruben.
»Was immer sie uns fragen – sagt die Wahrheit!«, rief der Heerführer. Sein Lachen klang, als käme es aus einem offenen Grab. »In weniger als einer Stunde liegen wir in den Bädern und in den Schößen der Weiber.«
Er warf einen langen Blick auf den Vogel der Jahre. Ohne einen Schwingenschlag schwebte der Reiher über dem traurigen Zug, der nicht mehr als siebzig, fünfundsiebzig Krieger zählte. Er hatte auch während der langen, erbarmungslosen Schlacht über der Ebene gehangen, als sei er Teil des wütenden Himmels. Das letzte rote Licht schien die Bäume, Kanäle, Brücken, Tore, Wände und Türme des Palasts in ein Blutbad zu tauchen.
Der Alte wechselte mit den Gespannführern einen Blick tiefer Trostlosigkeit. Er deutete mit dem Daumen über die Schulter, zum zweiten Wagen, auf dem junge und alte Gespielinnen, Kurtisanen, Badesklavinnen und Sohlenkitzlerinnen saßen. Drei von ihnen waren schwanger; sie saßen wie erstarrt da und zerkratzten sich unter den kostbaren, staubbedeckten Gewändern die Brüste und Oberschenkel. Es war wortlose, nicht sichtbare Trauer befohlen worden, denn hätten sie entlang des langen Weges schrilles Trauergeheul ausgestoßen, würde jedermann wissen, dass der Kaiser tot war.
»Es wird...




