E-Book, Deutsch, 301 Seiten
Klinger Über die Tragödien
4. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7575-7099-6
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Und die Notwendigkeit eine friedvollen Lächelns
E-Book, Deutsch, 301 Seiten
ISBN: 978-3-7575-7099-6
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die in der Kindheit und Jugend erscheinenden Fragen führten zur Entwicklung eines Roten Fadens, der sich in der philosophischen Suche nach Sinn, Erkenntnis und Verstehen zeigte. Doch nicht nur Philosophie, auch Psychologie, Religion und die humanistischen Autoren der zahlreichen Jahrhunderte, seit der griechischen Antike, waren und sind eine Quelle der Beachtung und Inspiration. Das eigene Schreiben, zu Zwecken der Reflexion und Seelenhygiene, begann mit Mitte 20, Gedichte mit Mitte 40. - 'Die Freiheit ist ein hohes Gut, doch wir mäandern zumeist zu unserer Erfüllung und suchen den Roten Faden zu entwickeln. Manchmal verheddern wir, aber, wenn wir den Anfang und das Ende im Blick haben, können wir beides geordnet zusammen bringen.' - Wer die feinen Fragen beachtet, wird verstehen können.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Die Tragödie
der Unaufrichtigkeit
die auch, verbeugt, zum Ausdruck bringen,
wo dem Zuhause sind die Orte,
an denen Menschen sich besinnen –
recht aufrecht sucht der Mensch sich froh
und er, gewiss, weiß wann und wo.«
Wer offen und vertrauensvoll sich selbst, das Leben und die Welt betrachtet, wird rasch erkennen und verstehen können, dass die vorhandene und sich immer wieder zeigende Gewalt in der Welt, einer Unaufrichtigkeit des Menschen zu sich selbst entstammt. Denn es ist einsichtig zu verstehen, dass Menschen, die aufrichtig zu sich selber und ihrem Eingebettetsein in Familie, Gesellschaft, Kultur und die Welt stehen, mit einem gewissen, belastbaren Frieden leben, der die Gewalt nicht für nötig erachtet. Gerade eine Unaufrichtigkeit aber ist es also, die für die Gewalt durch Krieg und Terror verantwortlich ist, da ein aufrichtiger Mensch in einem Frieden lebt, der andere Wege und Mittel erkennt, um sich selbst, die Gesellschaft, Kultur und das Leben der Menschen voranzubringen und entwickeln zu helfen.
Gerade die Aktivität des Engagements für Erkenntnis und Aufklärung, für Wahrheit und Weisheit, für Wissen und Lehre, trägt zu einer Aufrichtigkeit bei, die den gesellschaftlichen Frieden begünstigt, weil Wahrheit und Erkenntnis, ganz immanent dazu beitragen, einen Geist zu befrieden und eine Seele zu beruhigen. Damit wird eine Aufrichtigkeit ermöglicht, die eine individuelle und kulturelle Kraft entwickelt, die dem Einzelnen, nicht nur eine Anteilnahme am Geschehen der Gesellschaft und Kultur ermöglicht, sondern ein friedliebendes und kreatives, kooperatives und konstruktives, teilnehmendes und Anteil nehmendes Miteinander spendet.
Wer also offen erkennt und versteht, dass die Gewalt in der Welt, durch eine Unaufrichtigkeit zu sich selbst bedingt ist, wird eher dazu neigen, aufrichtig sein zu können, zu sich selbst und anderen Menschen, und er wird zu dem Geschehen in der Gesellschaft und Kultur eine eher annehmende, aber auch ausgewogen kritische Haltung einnehmen können. Er wird aufrichtig darum bemüht sein die Gründe für diese Unaufrichtigkeit zu finden, zu benennen und zu lehren, um dazu beizutragen, diese Unaufrichtigkeit nicht zu bekämpfen oder zu bekriegen, sondern ihr durch Vermittlung und Aufklärung, durch Therapie und dem Spenden von Mut und Zuversicht, eine Läuterung zu ermöglichen, die nach und nach, und auch in evolutionären Zeiträumen, wirksam werden und ihre aufrichtigen Ergebnisse zeitigen kann. Die Tragödie der Unaufrichtigkeit nun, will dieses Kapitel daher ein wenig beleuchten und so der Aufrichtigkeit die Möglichkeit zu Erkenntnis, Anteilnahme und Anregung bieten. Dieser Aufrichtigkeit also, ist dieses Buch und dieses Kapitel gewidmet.
Die in der Welt zu erfahrenden, menschlichen Tragödien, die wir durch die Medien und journalistischen Berichte hören und sehen, entstammen meist dem Problem und der Schwierigkeit der Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Wenn wir Menschen dauerhaft aufrichtig und wahrhaftig in unserem Leben bestehen und gehen könnten, gäbe es keine von Menschen verursachten Tragödien. Die menschlichen Tragödien durch Naturkatastrophen sind von dieser Betrachtung natürlich ausgenommen, mit der Ausnahme der von Menschen verursachten und sich durch Einfluss auf die Natur und das Klima ergebenden und weiter drohenden Katastrophen. Im Folgenden soll die Unaufrichtigkeit betrachtet werden, die in den Äußerungen der menschlichen Gewalt zu finden ist.
Es ist wohl, das kann zunächst deutlich gemacht werden, die Verschlagenheit mancher Charaktere, die sich, bei Gelegenheit, Feinde wählen, die auf ihre Unaufrichtigkeit hinweist und ihre Einbildung, sie müssten gegen andere kämpfen oder anderen Schaden zufügen. Dieser Drang zur Gewalt mancher Menschen, ist weiter verbreitet, als angenommen, denn was wir ab und an in den Medien darüber hören und lesen, scheint nur die Spitze eines Eisbergs zu sein. Dass die Unaufrichtigkeit des Menschen auch notwendige Unterstützung und Verständnis versagt, wenn sie notwendig und erfüllbar wäre, ist ebenso ein Merkmal mancher Charaktere des Menschen. Die Bedürftigkeit des verschlagenen Menschen nach einem Leben seiner Vorstellung aber und die daraus resultierende scheinbare Notwendigkeit, sich einen eigenen Weg in der Welt und im Leben zu suchen, erwirkt in solchen Menschen eine angebliche Notwendigkeit, andere bei Bedarf zu verdrängen oder zu bekämpfen. Doch die Vorstellungen und Schlussfolgerungen, was bereits notwendig sei, sind ihm bereits in einer Weise von Kompromissen verdorben und von Kompromittierungen belastet, sodass von Aufrichtigkeit nicht gesprochen werden kann, dass seine innerpsychische Konstitution kein einigermaßen reines Gewissen besitzt, sondern vielmehr die schwelende Bereitschaft zur Gewalt.
Ein aufrichtiger Mensch kämpft nicht gegen andere, sondern sucht kooperative Wege. Doch die Unaufrichtigkeit verschlagener Menschen, entspricht, im psychologisch Inneren, einem gebeugten Menschen, dessen Gefühle es nicht zulassen, aufrichtig zu denken, fair zu entscheiden und ethisch gehoben zu handeln. Solche Charaktere gehen unaufrichtig und krumm auf ihren Lebenswegen und haben das Gefühl zum Arbeiten und Leben gezwungen zu sein. Sie fühlen unbewusst, dass sie letztlich einer Not zu überleben entkommen müssen und stehen rücksichtslos und egoisch anderen gegenüber, die sie, bei Gelegenheit, bekämpfen und bekriegen, indem sie ihnen Not angedeihen lassen. Deren verschlagene Unaufrichtigkeit wird auch die Not der Menschen einer Gesellschaft oder Kultur schlicht belassen wollen, da sie so sehr von sich gefangen sind und so sehr auf sich selbst fixiert und mit sich selbst beschäftigt, dass sie die Not der Gesellschaft und Kultur, sowie der Menschen, schlicht nicht interessiert. Sie sind daher, in ihrer Unaufrichtigkeit, unverständig und uninteressiert an den Widrigkeiten, Leiden und Unzulänglichkeiten des menschlichen Lebens, der Gesellschaft und Kultur. Eine solche krumme, innere Haltung, eine solche verbogene und schon verdorbene Gesinnung, eine solche Unaufrichtigkeit ist eine Tragödie.
Die sozialen Bedingungen, die uns ein Miteinander ermöglichen, sind gleichsam auch die Bedingungen, die von uns fordern, anderen keinen Schaden zuzufügen. Doch die Unaufrichtigkeit, die von Furcht belastet ist, von Verstocktheit gegenüber dem natürlich und frei empfindenden Miteinander, das auf Vertrauen basiert und dieses zunächst auch sucht zu bewirken, verhindert genau diese Vertrauensbildung und stellt ein Hindernis dar, natürlich und frei mit anderen zu empfinden, ihnen respektvoll gegenüber zu treten und mit ihnen gemeinsam ein Stück friedlich zu gehen.
Vertrauen ist damit eine Notwendigkeit, die angenommen werden muss, weil diese uns in die Aufrichtigkeit miteinander bringt und uns lebendig spüren lässt, was an unwägbaren Unzulänglichkeiten an uns selbst und mit anderen anzunehmen ist. Wer es nie erfahren hat, wie eigene Unzulänglichkeiten von anderen verziehen wurden, wird auch später nicht in der Lage sein, in ein solches Verzeihen zu gehen, dass es ermöglichte, andere zu lassen und deren Leben nicht zu bedrängen. Wer also Vertrauen nicht erfahren hat, nicht seine verzeihende Energie und seine lassende Güte spüren konnte, wird der Welt ihre Tragödien bewirken. Solche Menschen werden für Tragödien verantwortlich sein, sie inspirieren, anstacheln, aufhetzen und inszenieren. Die Tragödie der Unaufrichtigkeit möchte geradezu das Tragische des Menschen, das er an sich nicht wahrzunehmen in der Lage ist und nicht verspüren kann, damit in die Welt hinein bewirken. Es geschieht eine Neuinszenierung, das tragische und schmerzliche Innere zeigt sich tragisch und schmerzlich im Außen, die biographisch gewordene Tragik von Tätern zeigt sich an der schmerzlich gewordenen Tragik ihrer Opfer.
Dass dies die Tragödie der Unaufrichtigkeit bewirkt, wird deutlich, indem bedacht wird, dass der Mangel an Vertrauen eines Menschen in sich selbst, die Welt und das Leben, auch ein überaus biographischer ist, der die fleischliche Verwobenheit mit dem Geist und der Seele eingegangen ist und daher den Geist nicht natürlich und frei urteilen und wahrnehmen ließ und ihn verbogen hat. Ein solcher Geist wird nicht nur urteilen, sondern rasch aburteilen, Trennungen herbei reden und andere abschätzig und verachtend behandeln, ohne zu merken, wie ihn der Mangel an Aufrichtigkeit und Vertrauen lenkt und ihm sein angeblich besseres Leben oder seine angeblich bessere Gesinnung vorgaukelt. Er wird kalt nur auf seinem angeblichen Recht beharren und Unrecht tun.
Täuschungen über die eigenen Notwendigkeiten gehen damit einher der Bedürftigkeit aus der angeblichen Not, zu entkommen und geraten auf den Weg in den Kampf gegen andere, was eine Tragödie ist. Und auch die Täuschungen, die das Mehr an Besitz und Einfluss schaffen wollen, entstammen den unaufrichtigen Schlussfolgerungen aus der Tragödie des wahrgenommenen Lebens der Gegenwart und Vergangenheit, sowie der noch unbewusst wirkenden Verfleischlichungen eigener, unbewältigter...




