Klemme | Immanuel Kant | Buch | 978-3-593-37185-6 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, 172 Seiten, Format (B × H): 123 mm x 192 mm, Gewicht: 222 g

Reihe: Campus Einführungen

Klemme

Immanuel Kant


1. Auflage 2004
ISBN: 978-3-593-37185-6
Verlag: Campus Verlag GmbH

Buch, Deutsch, 172 Seiten, Format (B × H): 123 mm x 192 mm, Gewicht: 222 g

Reihe: Campus Einführungen

ISBN: 978-3-593-37185-6
Verlag: Campus Verlag GmbH


Im Werk Kants sind die entscheidenden Geheimnisse der modernen Epoche enthalten, ihre Tugenden und ihre Grenzen, schrieb José Ortega y Gasset. Kants Denken der Freiheit und der Aufklärung hat unsere heutige Sicht auf die Welt tief geprägt. Seine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Erkenntnis, mit Fragen der Ethik sowie seine religions- und geschichtsphilosophischen Schriften beeinflussen nach wie vor die philosophischen Debatten. Heiner F. Klemme gibt einen Überblick über die gesamte Bandbreite der Philosophie Kants, dessen Todestag sich am 12. Februar 2004 zum 200. Mal jährt.

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Siglen

Einleitung

1 Idee und Gegenstand des Kritizismus

2 Erkennen und Wissen:

die reine spekulative Vernunft

Sinnlichkeit
Verstand

Begriffe und Kategorien
Die synthetischen Verstandesgrundsätze
Vernunft
Die Antinomie der reinen Vernunft
Die Paralogismen der reinen Vernunft

Das Ideal der reinen Vernunft

3 Wollen und Sollen: die praktische Vernunft
Freiheit
Moral

Kategorische und hypothetische Imperative
Maximen
Die drei speziellen Formeln des kategorischen
Imperativs

Der Mensch als Selbstzweck

Die Ableitung der Pflichten

Moralische Motivation
Recht
Politik

4 Hoffen und Glauben: die Religion
Das höchste Gut und die Postulate der reinen
Praktischen Vernunft

Das radikale Böse

5 Lust und Unlust: die reflektierende
Urteilskraft
Zweck und Zweckmäßigkeit

Das reine Geschmacksurteil a priori

Das Schöne
Das Erhabene

Die Zweckmäßigkeit der Natur

6 Kultur und Geschichte:

die Idee des Fortschritts

7 Rezeption und Wirkung

Literatur
Glossar

Biografische Daten


Seit Kant ist die Philosophie nicht mehr, was sie einmal war. Indem er das alte Denken buchstäblich auf den Kopf stellte, eröffnete er eine neue Epoche des Denkens: Es gibt eine Philosophie vor Kant und eine Philosophie nach Kant. Die Kritik der reinen Vernunft (1781), die Kritik der praktischen Vernunft (1788) und die Kritik der Urteilskraft (1790) markieren mithin einen der signifikantesten Einschnitte in der europäischen Geistesgeschichte. Bereits seinen Zeitgenossen war klar, dass Kant vor allem mit seinem Hauptwerk, der Kritik der reinen Vernunft, Epoche gemacht hatte, und dies, obwohl diese Schrift aufgrund ihrer neuartigen Terminologie und komplexen Argumentation selbst in philosophischen Fachkreisen zunächst vielfach auf Unverständnis stieß. Wodurch erklären sich die enorme Resonanz und Wirkung der Kritik? Neben der teilweise brillanten Schärfe und Weitsichtigkeit ihrer Argumente sowie ihrem

außergewöhnlichen Reichtum an innovativen Einsichten zeichnet sie sich vor allem durch ihren hohen systematischen Anspruch aus. Denn mit der ersten Kritik beabsichtigt Kant nichtsweniger, als die überkommene Metaphysik, die für ihn gescheitert ist, durch eine kritisch abgesicherte Metaphysik der Natur und der Sitten zu ersetzen. Wenn nämlich die Metaphysik, die von dem führenden Vertreter der deutschen Aufklärung, Christian Wolff (1679-1754), als "die Wissenschaft vom Seienden, von der Welt im allgemeinen und von den Geistern" (1996, § 79) definiert wird, auf ein sicheres Fundament gestellt werden soll, müssen wir uns nach Kant zunächst Klarheit darüber verschaffen, was der Mensch überhaupt erkennen kann, wo also die Grenzlinien zwischen Meinen, Wissen und Glauben verlaufen. Diese "kritische" Sichtung der menschlichen Vermögen des Fühlens, Erkennens und Handelns ist Kant zufolge bisher sträflich vernachlässigt worden. Mit der Kritik, die 1787 in einer zweiten überarbeiteten Auflage erscheint, ruft Kant daher erstmals einen "obersten Gerichtshof" (KrV A 669/B 697; vgl. A XI) ein, vor dem die Erkenntnisansprüche unserer Vernunft geprüft und die metaphysischen Streitigkeiten methodisch und letztgültig geschlichtet werden können. Aus der Perspektive dieses Gerichtshofs stellt sich die Geschichte der methodischen Philosophie als eine Abfolge von drei Positionen dar: Dogmatismus, Skeptizismus und Kritizismus. Die dogmatischen Philosophen sind naiv davon ausgegangen, dass der Mensch die zentralen Aspekte der Wirklichkeit und das moralisch Gute durch die Vernunft erkennen kann. Die skeptischen Philosophen haben dann mit Blick auf die empirische Erfahrung überzeugend nachgewiesen, dass die Rationalisten ihre Behauptungen oftmals nicht zu beweisen vermögen oder sich in Widersprüche verwickeln, die um so eindrucksvoller die Schwächen und Grenzen der menschlichen Erkenntnisvermögen zu belegen scheinen. Wäre der Skeptizismus wahr,

würde die Metaphysik natürlich niemals den Rang einer Wissenschaft einnehmen können. Doch der Skeptizismus ist nach Ansicht des

Königsberger Professors für Logik und Metaphysik nicht das letzte Wort der Philosophie: Der Skeptizismus führt zum Kritizismus. Kant vertritt sogar die Ansicht, dass es vor dem Entstehen der Kritischen Philosophie eigentlich "noch gar keine" Philosophie gegeben habe

(VI 206; vgl. KrV A 856/ B 884). Denn die Kritik der reinen Vernunft ist nicht mehr und nichtweniger als ein "Traktat von der Methode" (KrV B XXII), mit der ersichtlich wird, welche philosophischen Streitpunkte entschieden und welche nicht entschieden werden können. Kant erhebt mit seinem Werk somit den Anspruch, Philosophie und Metaphysik nach Jahrhunderten vergeblicher Bemühungen endlich in den sicheren Hafen methodisch gesicherter Erkenntnis und Wissenschaft geleitet zu haben. Auf ihrer Grundlage kann dann das Gebäude der Metaphysik in allen ihren Teilen und Abteilungen errichtet werden. Doch die Bedeutung der ersten Kritik, die Kant nach 1781 auch "Kritik der reinen spekulativen Vernunft" (KrV B XXII) nennt, reduziert sich nicht auf ihren Beitrag zur wissenschaftlichen Methode. Denn Kant will mit seiner tiefschürfenden Kritik der menschlichen Vernunft darüber hinaus das normative Selbstverständnis eines ganzen Zeitalters auf den Begriff bringen: "Unser Zeitalter ist das eigentliche Zeitalter der Kritik, der sich alles unterwerfen muß." (KrV A XI) Das "Zeitalter der Kritik" ist aber auch das "Zeitalter der Aufklärung" (VIII 40). Denn Kritik impliziert die Überwindung von "Faulheit" und "Feigheit", den eigentlichen Ursachen unserer Unfähigkeit, vor uns selbst und anderen Rechenschaft über unser Denken und Handeln abzulegen. Uns bleibt nach Kant keine Wahl: Als "kritische " Philosophen und "mündige" Bürger müssen wir uns unseres eigenen Verstandes bedienen. Jeder Mensch muss für sich selbst die unverrückbare Grenze zwischen dem Wahren und dem Falschen sowie zwischen dem Guten und dem Schlechten zu erkennen versuchen, gibt es doch ohne Aufklärung keinen moralischen und rechtlichen Fortschritt des einzelnen Individuums und der menschlichen Gattung. Kant schlägt in seinem berühmten Aufsatz "Was ist Aufklärung? " (1784) eine Definition von Aufklärung vor, die diese Unverzichtbarkeit des eigenen Nachdenkens auf den Punkt bringt. Danach besteht die

Aufklärung im "Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit". Dementsprechend besagt der "Wahlspruch der Aufklärung", dass wir uns mutig unseres "Verstandes ohne Leitung eines anderen" (VIII 35) bedienen sollen.


Heiner F. Klemme, Dr. phil. habil., ist Oberassistent an der Universität Magdeburg. Neben zahlreichen Publikationen zu Kant hat er dessen Schriften herausgegeben.



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