E-Book, Deutsch, Band 2, 300 Seiten
Reihe: Adra-Trilogie
Klein Palela
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7407-4248-5
Verlag: TWENTYSIX LOVE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der zweite Teil der Adra-Trilogie
E-Book, Deutsch, Band 2, 300 Seiten
Reihe: Adra-Trilogie
ISBN: 978-3-7407-4248-5
Verlag: TWENTYSIX LOVE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sabrina Laura Klein, geboren 1999 in Saarbrücken, widmet sich neben dem Psychologie-Studium mit großer Freude dem Schreiben. Fantasie und Kreativität waren immer ein wichtiger Teil ihres Lebens. Bereits in ihrer Kindheit fing sie an, Texte und Gedichte zu verfassen, bis sie schließlich im Alter von fünfzehn Jahren den Roman Mahrla zu schreiben begann. Nach einer Pausierung griff sie diesen nach dem Abitur 2018 wieder auf und brachte ihn zu Ende. Es stand bereits fest, dass er Teil einer Trilogie werden sollte. Die folgenden Bände Palela und Kavala der Adra-Trilogie schrieb sie im Anschluss bis Ende 2022 fertig.
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Kapitel 1
Mein Blick hängt immer noch in Jans Gesicht fest, das mich einerseits besorgt und andererseits verletzt anschaut. Die Menschenmenge um mich herum habe ich für einen Augenblick komplett vergessen, genauso wie den Strick, der noch locker um meinen Hals gewunden ist und mich in wenigen Sekunden ins Jenseits befördern soll. Vorsichtig drehe ich mich zur Seite, um einen Blick auf Darihn zu erhaschen. Darihn, der rechtmäßige Prinz von Mahrla, der genau wie ich hingerichtet werden soll, weil der Gewaltherrscher Karop die Macht an sich gerissen hat. Ich erinnere mich daran, wie der junge Mann mit den goldenen Augen mich noch vor wenigen Momenten liebevoll zum Abschied geküsst hat, weil wir nicht mehr mit Rettung gerechnet haben. Ich liebe dich, hat er zu mir gesagt, bevor wir auseinandergerissen wurden. Erst danach habe ich meinen besten Freund Jannik zwischen all den grölenden Bürgern entdeckt, der gemeinsam mit meinen Eltern gekommen ist, um uns aus den Händen der Karoper zu befreien. Diese öffentliche Zuneigung zwischen mir und dem schwarzhaarigen Jungen muss ihn ziemlich getroffen haben.
Ob Darihn ihn noch nicht bemerkt hat? In diesem Moment ertönt Karops aggressive Stimme hinter mir: „Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit. Fangt mit dem Jungen an, der sich für den Prinzen hält.“
Es ertönt ein spöttisches Lachen, bevor er den gleichen Befehl für die Soldaten auf Mahrlaisch wiederholt. Ein kalter Schrecken fährt durch meine Blutbahn, als die Krieger Darihn zu acht festhalten, damit ihr Anführer Tasos den Strick festziehen kann. Besorgt versuche ich in der Menge wieder Jans Blick aufzufangen, doch ich kann ihn nirgends entdecken. Wenn sie sich nicht beeilen, ist es zu spät! Panik macht sich in mir breit und in dem Moment, da Tasos mit einem schaurigen Grinsen unter seiner Maske einen Hebel im Boden aktiviert, bleibt kurz mein Herz stehen. Ich schreie auf, doch das kann Darihn natürlich nicht davon abhalten, in die Tiefe zu stürzen. Heiße Tränen laufen über meine Wangen. Ich spüre kaum die groben Hände der Karoper, die mich gewalttätig festhalten – ich sehe nur Darihn, wie er zappelnd am Strick hängt und versucht, nicht zu sterben. Ich will ihm helfen, irgendwas tun, aber ich komme nicht los.
„Oh, sein Genick ist nicht gebrochen. Dann muss er wohl langsam ersticken.“
Karops hämische Stimme lässt das Blut in meinen Adern gefrieren und ich spüre kurz nichts als unbändige Wut. Käme ich gerade irgendwie los, würde ich ihn vermutlich umbringen.
Als ein Surren erklingt und Darihn neben mir dumpf auf dem Boden aufschlägt, sehe ich erschrocken auf. Erst jetzt erkenne ich zwischen den Bürgern bewaffnete Männer – es müssen die ehemaligen musanischen Soldaten sein, die mein Vater für uns zurückgewinnen wollte. Ich kann ein Lächeln nicht unterdrücken, als ich schließlich auch seine strahlend grünen Augen in dem ganzen Wirrwarr aus Gesichtern ausmache. Jannik und meine Mutter stehen direkt neben ihm.
Obwohl Darihns Gesicht noch nicht wieder die gewöhnliche Farbe erreicht hat, steht der junge Krieger neben mir blitzschnell auf und greift sich ein Soldatenmesser, noch bevor ein Karoper reagieren kann. In einer einzigen Bewegung entwindet er sich den feindlichen Kriegern und sticht dabei einige von ihnen nieder. Es geht alles so schnell, dass ich kaum mitbekomme, wie ein weiterer Pfeil abgeschossen wird, um auch mich vom Strick zu befreien.
Mittlerweile ist die ganze Menge in Bewegung gekommen, manche Bürger laufen weg, einige wenige wehren sich gegen die musanischen Soldaten und andere stellen sich auf unsere Seite. Obwohl ich nicht zu früh jubeln sollte, erkenne ich mit Genugtuung, dass die Überzahl der Laokheni für die Musaner kämpft.
Ich will mir schnell eine Waffe greifen, doch ich bin zu langsam: Gleich drei feindliche Soldaten kommen mit erhobenen Messern auf mich zu. Geleitet von einem Geistesblitz betätige ich den Hebel im Boden, dessen Zwilling noch vor wenigen Momenten Darihn in die Tiefe stürzen ließ. Glücklicherweise reißt das Öffnen der Klappe im Holz tatsächlich gleich zwei Soldaten nach unten, doch der Dritte scheint nun noch wütender zu sein. Mist, ich kann keine Waffe zu meiner Verteidigung entdecken. Mit jedem Schritt, den der vor Wut schnaubende Mann näherkommt, gehe ich einen zurück, bis ich schließlich an die Kante des Podestes stoße. Oh nein. Hinter mir geht es ein gutes Stück nach unten. Ich bin so auf meinen Angreifer fokussiert, dass ich den braungelockten Jungen in seinem Rücken erst bemerke, als er ihm ein Messer in die Rippen rammt. Das Gesicht des Mannes vor mir wird bleich, bevor er reglos nach vorne in seine eigene Blutlache kippt. Ich schlucke schwer, bevor ich auf Jannik zu renne und ihn kurz in den Arm nehme.
„Hier“, flüstert mein Freund, als er mir seinen Bogen reicht. „Du kannst damit besser umgehen als ich.“
Kurz darauf ist er schon im Getümmel verschwunden und ich stehe wieder allein da. Der Kampf hat sich inzwischen größtenteils vom Podest nach unten verlagert, sodass ich mit meiner neuen Waffe einen ziemlich guten Standpunkt habe. Ich lasse meinen Blick über die Menge schweifen und stelle voller Grauen fest, dass schon ziemlich viele Laokheni – nicht nur Karoper – blutend oder tot am Boden liegen. Nachdem ich Jan, Darihn und meine Eltern in der Schlacht unverletzt ausgemacht habe, fokussiere ich mich auf die Bürger, die Hilfe benötigen. Pfeil um Pfeil lasse ich auf Karops Soldaten fliegen. Obwohl es natürlich keine schöne Sache ist, Menschen zu verletzen oder sogar umzubringen, egal wie grausam sie sind, bin ich doch froh, dass ich einigen unserer Leute helfen kann. Plötzlich bleibt mein Blick an zwei etwas älteren Kämpfern hängen und für einen Moment stockt mir der Atem: Perkoll und Susanna. Darihns Onkel lebt. Ich bin erleichtert, dass es dem freundlichen Mann gut geht. Aber noch erstaunter bin ich darüber, meine Tante hier zu sehen. Die Jahre, in denen meine Eltern hier in Mahrla gefangen gewesen waren, hatte sie sich um mich gekümmert – früher natürlich auch um meine Schwester, bevor diese vor ungefähr einem Jahr verschwunden ist und nun vermutlich irgendwo auf Adra festsitzt. Ich kann verstehen, dass Sanna mich davon abhalten wollte, auf diesen gefährlichen Planeten zu kommen und doch ist sie jetzt hier, kämpft für die Musaner, nun da wir jede Hilfe so gut gebrauchen können. Ich lächle, fasse mich aber schnell wieder, als ein gegnerischer Soldat mit einem Messer bewaffnet von hinten auf Susanna zustürmt. So schnell ich kann ziehe ich den letzten Pfeil aus meinem Köcher und lasse ihn fliegen. Er landet mitten in der schwarz-silbernen Maske des Angreifers. Der Mann fällt und kurz trifft mich Sannas dankbarer, vielleicht sogar stolzer Blick. Ich schenke ihr ein Lächeln - sie ist wie eine zweite Mutter für mich. Voller Entsetzen stelle ich kurz darauf fest, wie einer der übrigen Karoper mich fixiert – er muss danach Ausschau gehalten haben, woher die feindlichen Pfeile kommen. Der Mann steuert, ohne zu zögern, auf das Podest zu. Seine Augen sind wild und sein silbernes Schwert glänzt in der Nachmittagssonne. Um meine Pfeile wiederzubekommen, müsste ich vom Podest klettern, aber damit würde ich es dem Soldaten noch einfacher machen. Während ich noch mit klopfendem Herzen überlege, was ich tun soll, sehe ich wie meine Stiefmutter auf den Krieger, der kurz davor steht mich zu töten, losrennt. Ich bezweifle, dass das eine gute Idee ist, da ihr Messer um einiges kürzer ist als das des Feindes, aber ich kann nichts tun. Susanna, die mittlerweile schon auf die sechzig zugeht, greift den Soldaten von hinten an. Ich nutze die Zeit, in der er abgelenkt ist, um von der Holzerhöhung zu klettern und mir eine Waffe zu suchen. Als ich mich umschaue, bemerke ich jedoch, dass bereits Perkoll zu Sanna geeilt ist, um ihr zu helfen. Obwohl Darihns Onkel schon alt ist, sind seine Bewegungen doch von enormer Kraft gezeichnet – er muss früher auch mal Soldat gewesen sein. Bewundernd sehe ich zu, wie der Mann den Karoper niedersticht, doch im letzten Schlag des fallenden Soldaten, trifft dieser Susanna in die Schulter.
Wieder stehen Tränen in meinen Augen als ich auf meine Tante zu renne, die langsam auf die Knie sinkt und sich den Oberkörper hält. Als ich bei ihr ankomme, wird sie von Perkoll aufgestützt.
„Sanna!“ Mein halb ersticktes Flüstern wird von einem Seufzer begleitet, denn ich sehe erst jetzt, wie viel Blut meine Stiefmutter verloren hat.
„Ich bringe sie zu mir nach Hause“, meint Perkoll beruhigend, während Susanna kurz meine Hand drückt und mich anlächelt. Wie schafft sie das in diesem Zustand? Ich sehe den beiden noch kurz nach, als sie den Kampfplatz verlassen, bevor ich meine Pfeile wieder einsammle. Glücklicherweise sind nur noch wenige Karoper in die Kämpfe verstrickt und werden von unseren Kriegern beschäftigt. Die meisten sind wohl mittlerweile abgehauen oder wurden getötet. Ich kann auch Karop selbst nirgends mehr entdecken. Wo der große Möchtegernkönig wohl hin verschwunden ist? Als jemand an meine Schulter tippt, zucke ich...




