E-Book, Deutsch, Band 3, 380 Seiten
Reihe: Adra-Trilogie
Klein Kavala
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7407-6058-8
Verlag: TWENTYSIX LOVE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der dritte Teil der Adra-Trilogie
E-Book, Deutsch, Band 3, 380 Seiten
Reihe: Adra-Trilogie
ISBN: 978-3-7407-6058-8
Verlag: TWENTYSIX LOVE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sabrina Laura Klein, geboren 1999 in Saarbrücken, widmet sich neben dem Psychologie-Studium mit großer Freude dem Schreiben. Fantasie und Kreativität waren immer ein wichtiger Teil ihres Lebens. Bereits in ihrer Kindheit fing sie an, Texte und Gedichte zu verfassen, bis sie schließlich im Alter von fünfzehn Jahren den Roman Mahrla zu schreiben begann. Nach einer Pausierung griff sie diesen nach dem Abitur 2018 wieder auf und brachte ihn zu Ende. Es stand bereits fest, dass er Teil einer Trilogie werden sollte. Die folgenden Bände Palela und Kavala der Adra-Trilogie schrieb sie im Anschluss bis Ende 2022 fertig.
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Kapitel 1
'Glaube mir, du wirst ohne mich zurechtkommen und glücklich sein', hallen Darihns Worte noch Minuten später in meinem Kopf nach. Der Laokheni ist längst weitergelaufen, ohne mich noch eines weiteren Blickes zu würdigen. Ich dagegen stehe immer noch wie versteinert an genau derselben Stelle, an der er mich wenige Momente zuvor zurückgelassen hat. Ich habe das Gefühl, dass mein Herz genau an diesem Ort in tausend kleine Scherben zersprungen ist und mir fehlt die Kraft, auch nur zwei Teile davon wieder zusammenzusetzen. Als Jan mich erreicht und behutsam seine Hand auf meine Schulter legt, bewegen sich meine Füße ohne mein Zutun über den metaphorischen Scherbenhaufen am Boden hinweg. Ich spüre nichts, und die besorgte Stimme meines Freundes dringt nicht zu mir durch. Ich muss erst selbst verarbeiten, was gerade geschehen ist, bevor ich Jannik davon erzählen kann. Und vor allem will ich nicht, dass sich auch noch meine Schwester um mich sorgt, die in diesem Moment zu uns aufschließt. Also laufe ich schweigend weiter, wobei ich das Stirnrunzeln in meinem Rücken beinahe spüren kann. Lesaja hat während ihrer Gefangenschaft in Palela genug durchgemacht, ich will sie jetzt zuerst in Sicherheit wissen, bevor sie sich meinetwegen den Kopf zerbricht. Darihn will uns bestimmt auch in Sicherheit wissen, deshalb schickt er uns fort, zurück nach Hause. Der Gedanke sollte mich beruhigen, ein positives Gefühl hinterlassen. Tut er nicht. Das Einzige, was er hinterlässt, ist ein großes schwarzes Loch in meiner Brust. Ich glaube so etwas fühlt man immer dann, wenn der Schmerz zu groß wird, sodass die Seele entscheidet, ihn besser durch Leere zu ersetzen. Ich weiß, die Vorstellung, mit meiner Familie und Jannik auf die Erde zurückzukehren, sollte mich womöglich sogar freuen. Keine Gefahren mehr. Aber im Gegenzug auch kein Mahrla mehr. Keine magische Welt, die mich in jedem Moment spüren lässt, dass ich lebe, die mir zeigt, wer ich bin. Keine Laokheni mehr, kein Darihn. Ich schlucke. Der junge Krieger klang zu entschlossen, als dass ich mir vorstellen könnte, ihn noch einmal umzustimmen. Aber auf welchen Zeitraum war seine Aussage bezogen? Einige Tage? Ein Jahr? Würden wir uns überhaupt jemals wiedersehen? Natürlich muss sich das Loch in meiner Brust in diesem Moment doch mit Trauer füllen und einige Tränen laufen mir über die Wangen. Ich merke kaum, wie eine zarte Hand nach meiner greift. Lesaja, stelle ich mit einem Blick zur Seite fest. Meine Schwester ist bloß ein Jahr älter als ich, doch selbst jetzt, da sie eigentlich diejenige ist, die meinen Trost so dringend benötigt, kümmert sie sich um mich. Wie früher. Ich blicke zu Jan. Wenn wir zurück auf der Erde sind, wird wirklich wieder alles wie früher. Und zugleich wird nie mehr etwas so sein, wie es war. Dazu haben wir alle zu viele Erfahrungen gesammelt. Ich wünschte, ich könnte es wenigstens bereuen, dass es nie mehr wie früher sein wird. Aber ich kann es nicht. Mahrla, diese Reise, diese Welt sind das Beste, was mir jemals passiert ist. Ich habe nicht nur zu mir gefunden, sondern auch meine Familie zurückbekommen. Und auch, wenn er mich nun fortschickt, könnte ich keine einzige Sekunde mit Darihn jemals bereuen oder gar rückgängig machen wollen.
Erst nach einigen weiteren Metern traue ich mich, meiner Schwester einen Blick zuzuwerfen. In ihren Augen liegt so viel Wärme, dass ich ihren Trost schließlich doch an mich heranlasse und ihre Hand fester greife. So laufen wir die nächste Zeit weiter, dem Laokheni hinterher, der zugleich so nah und doch so distanziert ist. Jannik bildet wenige Meter hinter uns den Abschluss der Gruppe und ich bin froh, dass er sich nicht einmischt. Er ist zwar einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben, jedoch befürchte ich, ihn ein wenig für die Situation verantwortlich zu machen. Seine Gefühle für mich, wie stark und ernsthaft sie auch sein mögen, haben alles so viel komplizierter gemacht. Ich seufze. Wie es wohl weitergehen wird, wenn wir wieder unter uns sind, ohne den Prinzen? Kurz kommt mir der Kuss mit Jan in Palela wieder in den Sinn, doch ich schüttle den Gedanken genauso schnell ab, wie er aufgetaucht ist. Auch wenn Darihn sich von mir entfernt, kann ich doch nicht leugnen, dass ich in ihn verliebt bin, nicht in meinen besten Freund.
Ich bin froh, als meine Schwester mir am Wegesrand ein paar bunte Vögel zeigt und so meine Aufmerksamkeit verlagert. Ich finde es schön, beim Anblick der kleinen Tiere eine solche Freude über ihr Gesicht huschen zu sehen. Der altmahrlaische Name Lesaja bedeutet nämlich ,Tochter des Waldes' und beschreibt ihre magische Gabe. Meine Fähigkeit des Träumens kann zwar auch sehr hilfreich sein, bringt mich jedoch oft genug an meine Grenzen: Alles, was mir erscheint, kann die Zukunft zeigen, muss es aber nicht. Viel zu oft lasse ich mich bei der Interpretation von meinen Ängsten leiten. Es laufen immer so viele Ereignisse zusammen, dass die Zukunft eigentlich stets beweglich bleibt.
Erst als wir Darihn erreichen, bemerke ich, dass dieser unter einer großen Baumgruppe stehen geblieben ist. „Wir können hier rasten. Ich muss noch ein Schreiben an Perkoll verfassen."
Mit dieser knappen Aussage verschwindet der schöne junge Mann im Dickicht und lässt uns drei allein zurück. Es schmerzt, wie unnahbar er gerade wirkt, aber vielleicht ist es besser für uns alle, wenn ich ihn erst einmal in Ruhe lasse.
„Was ist los?“, will schließlich Jan wissen, der seine Neugier wohl doch nicht mehr unterdrücken kann. „Habt ihr euch gestritten oder so?"
Vorsichtig schüttle ich den Kopf, doch für eine Erklärung fehlt mir die Kraft.
„Also einfühlsam warst du ja noch nie“, erwidert meine Schwester spöttisch an meiner statt, doch ihre Aussage ist von einem schwachen Lachen begleitet. Ich weiß, dass die beiden bloß so tun, als könnten sie sich nicht ausstehen, weil sie ihre Ähnlichkeit nicht einsehen wollen. Fast bringt mich ihre altbekannte Neckerei zum Lächeln.
Nach einiger Zeit kehrt Darihn mit einem Brief zurück, den er meiner Schwester hinhält. „Ruft bitte einen Botenvogel“, fordert er uns mit neutralem Ton auf, bevor er wieder aus unserem Blickfeld verschwindet, um etwas Essbares zu besorgen.
„Das kann ja noch ein langer Weg werden“, lautet janniks einziger Kommentar, der die angespannte Stimmung jedoch ziemlich passend widerspiegelt. Dabei erscheint mir die Strecke nach Belasado plötzlich viel zu kurz: Es dürfte ohne Zwischenfälle nicht mehr allzu lange dauern, bis wir die Hauptstadt Mahrlas erreichen, wo wir mit unseren Eltern und Darihns verletztem Onkel Zusammentreffen. Perkoll war bei den Aufständen der Karoper, der feindlichen Laokheni, verwundet worden, weshalb momentan allein mein Vater Silas das Sagen in Mahrla hat, bis der rechtmäßige Thronfolger heimgekehrt ist. Und wenn wir mit Darihn zurück sind, wird dieser mich, Lesaja, Jannik, meine Mutter Lora und meine Tante Susanna zurück auf die Erde schicken, damit wir nicht in einen bevorstehenden Krieg verwickelt werden. Und so edel seine Beweggründe auch sein mögen, wünschte ich doch, er würde sich nicht bloß an sein Versprechen halten mich zu beschützen, sondern auch daran, immer bei mir zu sein. Natürlich will ich selbst, dass meine Familie in Sicherheit gebracht wird, aber ob es richtig ist, dass auch ich zurückkehre? Zurück in mein altes Leben – ohne Krieg und ohne Darihn. Alles hat zwei Seiten. Wir haben in Mahrla schon so viel zusammen durchgemacht, wieso sollten wir uns gerade jetzt trennen? Wird dieser Krieg tatsächlich so zerstörerisch werden wie vermutet? Kann er noch schlimmer werden als das, was ich bisher hier erlebt habe? Im Endeffekt haben wir den Konflikt selbst verursacht: Hätte Darihn uns nicht in Schutz genommen, wäre nie das Gesetz von Adra gebrochen worden, welches gewöhnlichen Menschen keinen Wert zuschreibt. Wären wir nie nach Adra gereist, hätte Palon meine Schwester nicht als Sklavin gefangen gehalten und missbraucht. Er hätte nie diesen Handel vorgeschlagen, dass er Lesaja bloß freilässt, wenn Darihn die palelanische Meeresprinzessin Selima heiratet. Dadurch, dass wir ihn täuschten und flüchteten, ist dem grausamen König unter Wasser erst die Idee eines Bündnisses gekommen: Statt des mahrlaischen Prinzen wird Selima nun einen bösartigen Shezesah, einen Pürsten Kavalas, heiraten. Dann werden Palela und Kavala gemeinsam das alte Gesetz verteidigen, welches schon längst überholt sein sollte. Bisher ist Mahrla das einzige Land Adras, welches nach Frieden strebt, doch selbst dessen Bewohner sind zwiegespalten. Wenn das Land keinen starken König bekommt, der die Bürger vereint und in Gerechtigkeit regiert, ist der Krieg verloren, bevor er überhaupt begonnen hat. Ich weiß, dass Darihn ein solcher König sein könnte, der dieses grausame Schicksal verhindern kann, aber ich hin mir nicht sicher, ob er das selbst weiß. Ich hoffe bloß, dass er die richtigen Entscheidungen trifft, selbst wenn ich in seinen künftigen Plänen nicht mehr vorkommen sollte.
Ich lese den anderen beiden den Brief vor,...




