Buch, Deutsch, 166 Seiten, GEKL, Format (B × H): 120 mm x 190 mm, Gewicht: 185 g
spreewaldkrimi nr.9
Buch, Deutsch, 166 Seiten, GEKL, Format (B × H): 120 mm x 190 mm, Gewicht: 185 g
ISBN: 978-3-929600-51-3
Verlag: Heimat-Verlag Lübben
´hintermann´ der neue spreewaldkrimi zum fünfzigjährigen überlebenskampf von energie cottbus - mit viel spreewald und noch mehr energie.
nach einem halben jahrhundert spitzenfußball in der lausitz müssen die verantwortlichen von energie erkennen - das leben ist wie eine lawine – es geht ständig rauf und runter.
der vorstand hatte den aufstieg angepeilt, leider waren trainer und mannschaft nicht informiert. außerdem ist die breite am ende der tabelle inzwischen dichter geworden und das problem vieler fußballer liegt zwischen den ohren.
und ausgerechnet jetzt, vor dem alles-oder-nix-knaller gegen dresden, kommt ´energie´ das großhirn im mittelfeld abhanden. kieselbach und minkner vom wasserschutz werden mit der wiederbeschaffung beauftragt und alles wird gut, denn bei erfolgreichen ermittlungen kommt es nur auf eine sache an: organisation,
erfahrung und glück.
deshalb, - kein energie-fan sollte jemals aufhören die hoffnung zu verlieren, denn sieg und aufstieg sind die gurken am ende des tunnels, und die chancen auf energie-erfolge stehen inzwischen wieder bei 70:50. irgendwann knickt jede ergebniskrise und wer als spitzenreiter den tabellenführer schlägt, für den ist der abschiedskampf hoffnungslos, aber machbar.*
* anmerkung der redaktion: – achtung, optimismus ist heilbar!
inklusive bonus-geschichte ´versenkt´
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´licht am ende des tunnels´ verkündete die ´lausitzer´ auf der titelseite ihrer montagsausgabe. ´aber nur, wenn man die ´energie-brille´ aufhatte´, dachte stein, schob die zeitung zur seite und griff zur tagespost. der auswärtssieg in karlsruhe hatte energie wieder anschluss ans untere mittelfeld finden lassen, mit zwei punkten luft zum drittletzten, die beste platzierung seit zehn wochen. insgesamt eine gebrauchte saison, auswärts schwach, zu hause unterirdisch, unentschieden als gefühlte siege, hoffentlich mit einem happyend für arme, ohne relegationsspiel. ´die aussichten auf den klassenerhalt stehen 50 zu 60´ hatte der ´blitz-kurier´ vermeldet, ´keine häuptlinge im kader und keine krieger mit dem messer zwischen den zähnen, trainer und spielsystem aus der steinzeit, flughafen-management und finanziell total unterzuckert´.
der fce-präsident nickte, den letzten halbsatz konnte man unterschreiben. zahlungskräftige sponsoren an einen club in der lausitz, also westpolen, zu ketten war kein job mit hohem spaßfaktor, auch wenn man reden konnte wie zwei wanderprediger. geld direkt schießt keine tore, okay, aber ohne geld fallen noch weniger. hatte die laufende saison knallhart bewiesen. andere clubs waren mit zweibeinigen stürmern am start, energie kämpfte einbeinig. der neue schnappi stammt aus einer slowenischen konkursmasse und hatte mindestens zehn punkte auf dem gewissen, die viererkette bestand zur hälfte aus b-ware und im mittelfeld tummelte sich unverkäufliches, ablösefreies oder ausgeliehenes personal. keine optimalen voraussetzungen für eine erwähnenswerte ligasaison.
nur im pokal war alles geschmeidig gelaufen. drei arbeits-
siege gegen amateurclubs, dann zweimal gewinner gegen die direkte liga-konkurrenz, beide male auswärts, in bielefeld und duisburg, und als krönung die sternstunde gegen das durchtätowierte millionen-
ensemble aus wolfsburg. 1:1 nach neunzig minuten plus verlängerung, 5:4 im anschließenden zielschießen vom punkt. mit dem letzten
penalty hatte sich das champions-league-team von der autobahn nach berlin geballert. doppelt peinlich, denn wolfsburg sponserte offiziell auch den fuhrpark von energie und eigentlich hatten man den pott für die premiumtruppe eingeplant.
für das halbfinale in vier tagen war dynamo ins stadion der freundschaft gelost worden. jackpot. die kartoffelkäfer hatten sich in unterzahl, mit notarztunterstützung und dem teilabriss der eigenen arena in der nachspielzeit gegen einen schalker chaos-kostümverein, zwanzig sekunden vor schluss, mit einem einwurf von halbrechts direkt in die erstliga-maschen gerettet. hammerhart. krasser aussetzer beim verhüterli und mit sicherheit das nächste tor des monats. damit standen zwei underdogs aus dem abgehängten osten im quartett der pokalsüchtigen, sauber. und weil eine glücksfee namens löw die beiden east-teams in das erste halbfinale gelost hatte, war das ausgehungerte morgenland garantiert in berlin vertreten. gut, den anderen finalisten kasperten gladbach und dortmund untereinander aus, aber wenn sich von den fußballmillionären auf beiden seiten noch ein oder zwei in die chirurgie kickten, dann würden beide teams ernsthafte schwierigkeiten bekommen am ultimativen saisonende elf gesunde vereinsmitglieder auf den berliner olympiarasen zu schicken. und gegen einen zweiten aufguss von borussia oder borussia bestand eine realistische chance den dfb-kübel auf leihbasis für ein jahr in die lausitz zu holen. als dauerzugabe würde endlich ein titel fällig, mit dem man werbewirksam briefköpfe, vereinswimpel und fanmaterial
bedrucken konnte. der verkauf von artikel mit ddr-erfolgsgeschichten stagnierte seit jahrzehnten.
außerdem, der glitzernde pott in der vitrine würde natürlich neue und hochtourige sponsoren anlocken und die alten müssten zwangsläufig fettere schecks ausstellen. erfolg macht sexy und teuer, da
explodieren die ecklöhne, überall, auch im fußball.
aber auch so lief die planung für die neue saison inzwischen auf hochtouren, mit den üblichen aussetzern, aber die aussicht auf eine mögliche teilnahme an einen internationalen wettbewerb hatte
bereits fünf stammkräfte in der lausitz gehalten. eine handvoll brauchbarer milchgesichter aus unteren nahkampf-ligen hatte man mit europa relativ problemlos an land ziehen können. ruhm und bargeld, die absolute kernschmelze im profigeschäft. stein hatte diese trumpfkarte konsequent gespielt. nur die abschlüsse mit zwei echten granaten aus brasilien und polen hingen noch in der luft. beide würden unterschreiben, falls der fce nach berlin durfte und von da aus quer durch europa, egal wohin. ohne ticket keine unterschriften und ohne unterschriften auch in der kommenden saison wahrscheinlich wieder die hauptrolle bei der reise zum mittelpunkt der liga. und der briefkopf würde unverändert mit tradition glänzen. irgendwie mussten neue perspektiven her.
routinemäßig öffnete stein die morgendliche, vorsortierte post. rechnungen, einladungen, rechnungen, beschwerden, rechnungen, täglich die gleiche routine auf din a4. brief nummer 14 heute war eine ausnahme. er besaß keinen absender, war an den präsidenten ´persönlich´ gerichtet und enthielt einen grauweißen bogen, auf dem ein text aus dutzenden ungleichmäßiger zeitungsschnipsel aufgeklebt war. wenn es sich bei diesem schrieb nicht um einen dämlichen scherz handelte, dann hatte energie ab sofort ein zusätzliches problem.
stein griff zum handy und wählte den code für den cheftrainer. 30 sekunden später war klar, dass alexander tobiashwilli, der dirigent im fce-ensemble nicht zum morgentraining erschienen war, zum ersten mal seit seiner ankunft vor knapp 18 monaten. eine entschuldigung oder abmeldung lag nicht vor. der präsident öffnete die rechte schreibtischschublade, grub das computergeschriebene spielerverzeichnis aus und tippte sorgfältig eine elfstellige nummer in sein handy. die verbindung wurde aufgebaut und eine heisere stimme mit leicht osteuropäischem akzent verkündete acht sekunden später: „alexander tobiashwilli. bin momentan nicht erreichbar. versuchen sie es zu einem späteren zeitpunkt noch einmal. danke.“
„na super“, knurrte stein und drückte die nächste nummer. „hallo philipp, harald hier. sieht so aus, als bräuchten wir deine hilfe.“
„privat oder dienstlich?“ erkundigte sich die andere seite.
„dienstlich.“
„dringend?“
„ziemlich.“
„wo steckst du?“
„in der geschäftsstelle.“
„bin in 20 minuten da.“
„super. aber bitte in zivil, ohne blaulicht und sirene. und bring irgendwen von deinen spürhunden mit.“
„einbruch?“
„ne, besser.“
„wie besser?“
„entführung plus erpressung.“
„ernsthaft?“
„steht zumindest in dem wisch, der vor mir auf dem schreibtisch liegt.“
„und wer fehlt?“
„willi.“
„ach was, euer da vinci der ruhenden bälle?“
„genau der. da vinci ist heute morgen nicht zum training erschienen, zum ersten mal.“
„arztbesuch, neue mona lisa, verschlafen, verkehrsunfall, faules fieber, partielle amnesie, stress mit den kollegen, krach mit beyer?“
„keine ahnung. der briefe-kleber möchte auf jeden fall ´ne blanke million in kleinen scheinen für die herausgabe von willi. kann mir nicht vorstellen, dass die idee von seinem hausarzt stammt.“
„stimmt, da wäre der 2,3- fache satz fällig gewesen.“
„oder so.“
„brief und umschlag nicht mehr anfassen, wir sind unterwegs.“
„kann man als steuerzahler auch verlangen“, brummte der präsident.




