E-Book, Deutsch, Band 1, 194 Seiten
Reihe: FUCK BUDDIES
Klein Fuck Buddies: Männerparadies
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95885-035-4
Verlag: Venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Erotischer Roman
E-Book, Deutsch, Band 1, 194 Seiten
Reihe: FUCK BUDDIES
ISBN: 978-3-95885-035-4
Verlag: Venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Paul Klein, geboren 1971 in Hessen, lebt in Berlin und München. Er arbeitet als freier Autor und Redakteur und veröffentlichte unter anderen Namen bereits sechs Sachbücher zum Thema Leben und Liebe, Kurzgeschichten und zahlreiche Artikel in Magazinen. Paul Klein veröffentlichte bei venusbooks bereits die schwulen erotischen Romane 'FUCK BUDDIES: Wilde Spiele', 'FUCK BUDDIES: Männerparadies' und 'FUCK BUDDIES: Der Weihnachtmann kommt'. Der Autor im Internet: www.facebook.com/autor.paul.klein
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Kapitel 1:
Schlotti, der Engel
Max war immer schon anders gewesen. Als kleiner Junge streichelte er nicht die reinrassigen Prachtexemplare auf der Hundewiese im Park hinter seinem Elternhaus, sondern die bemitleidenswerten Straßenköter, deren Zukunft bereits von verlorenen Mischlingsseelen früherer Generationen bestimmt wurde. Als Teenie lauschte er lieber den experimentellen Tönen von skandinavischen Underground-Bands, anstatt kommerzielleren Klängen im Sinne von Nena oder Michael Jackson zu frönen. Und er liebte es, zum Zahnarzt zu gehen.
Sein Gebiss war makellos. Seit eh und je. Keine Karies. Keine Parodontose. Kein einziges Loch in 42 Jahren. Daher bestanden seine Besuche stets aus Lobgesängen. Die an ihn adressiert waren. Bewunderung für sein eifriges Putzen, den unermüdlichen Einsatz von Zahnseide und den festen Willen, nie im Leben auf Füllungen, Kronen oder Implantate angewiesen zu sein.
Auch an diesem Tag stand die Stärkung seines Selbstbewusstseins auf der Agenda. Die alljährliche Zahnreinigung. Es würde schnell gehen. Ein bisschen Schleifen, ein bisschen Polieren, ganz viel »Max, ich muss Sie loben. Gäbe es nur so Patienten wie Sie, wäre ich bald arbeitslos«. Und er würde mit einem strahlenden Lächeln die Privatpraxis in der Innenstadt verlassen, mit der Bestätigung im Gepäck, dass er einfach einzigartig sei.
Dieses Mal aber war es nicht wie sonst. Es fühlte sich komisch an. Max fand keine wirklich bequeme Position auf dem weißen Stuhl, trotz der Polsterung mit Fernsehsessel-Qualitäten. Seine linke Fußsohle juckte in einer Tour, doch es gab keine Möglichkeit, während der Behandlung mit einem beherzten Kratzen entgegenzuwirken.
»Ist das angenehm für Sie, oder soll ich weniger Druck anwenden?«
Simone, eine nette Dame um die 30, mit Sommersprossen und blonden Locken, war neu und das erste Mal an seinem Gebiss zugange. Sonst wurden seine Zähne immer von Irmgard gereinigt, einer rüstigen Mittfünfzigerin, die nie verstehen konnte, warum ein so stattlicher Mann wie er noch nicht verheiratet war. Er mochte Irmgard. Allerdings war sie nun mit ihrem Mann aufs Land gezogen, um ihren Lebensabend der Zucht von Äpfeln und Birnen zu widmen. Max stimmte das traurig. Besonders in diesen Tagen. Er mochte keine Veränderungen.
Für ihn war alles in Ordnung, solange alles seine Ordnung hatte.
»Allef gut. Danke. Können Fie mir fagen, wie fpät ef ift?«
Die Watte unter seinen Lippen ließ ihn aussehen wie Melanie Griffith, und er hörte sich an wie dieses dämliche Phantasie-Möchtegern-Erdmännchen aus Ice Age.
»Es ist Viertel vor zehn.«
Er müsste schleunigst ins Büro. Noch nie zuvor hatte er so lange auf die Zahnreinigung warten müssen wie an diesem Morgen. Dabei hatte er extra den ersten Termin um 08.30 Uhr genommen. Max’ Blick fiel auf das Poster an der Wand vor ihm. Das Pärchen darauf ging Hand in Hand über eine Frühlingswiese. Sie hatte lange, braune Haare und war wahrscheinlich so alt wie Fräulein Simone. Er nicht viel älter, aber bereits ein Bild von einem Mann. Seine starke Hand hielt ihre ganz fest. Die beiden wirkten glaubhaft glücklich und verliebt. Auch wenn sie nur Models waren und ihr funkelndes Lachen für den Slogan Regelmäßige Prophylaxe beschert Ihnen eine strahlende Zukunft noch ein paar Stufen weißer photogeshopt wurde: Sie wirkten authentisch. Max konnte nicht aufhören, das Poster anzustarren. Diese Harmonie … Dieses Glück … Das Jucken war verschwunden. Auf einmal war auch der Stuhl wieder bequem. Und er auf der Frühlingswiese. Hand in Hand. Im Bann einer vorgegaukelten Hochglanzwelt, die es nicht gab.
»So, Herr Keller, möchten Sie, dass ich Ihre Zahnhälse versiegle? Drei und Vier oben rechts hätten es dringend nötig.«
Max wurde aus seinen Gedanken gerissen. »Waf?«
Simone befreite ihn von der Watte.
»Verzeihung, was haben Sie gesagt?«
»Sollen wir Ihre Zahnhälse versiegeln? Da haben Sie ziemlich viel weggeschrubbt.«
»Ich … ich …«
»Ja?«
»Wenn Sie glauben, dass das nöt…« Sein Kinn fing plötzlich an zu zittern, und die Tränen liefen ihm so unvermittelt über die Wangen, dass die Helferin instinktiv zurückwich – wahrscheinlich aus Angst, er könne ihr jeden Moment an die Gurgel springen.
»Das mit dem zu starken Putzen ist nichts Schlimmes! Das bekommen wir wieder hin, Herr Keller.« Simone schien in höchster Sorge. Wahrscheinlich war sie noch in der Probezeit und hatte Angst um ihren Job.
»Nein, nein, das hat nichts mit Ihnen zu tun, ich …« Das Schluchzen übermannte ihn und ertränkte seine Worte.
Simone schaute ihn mit weit aufgerissenen Augen an. »Sind Sie ein Angstpatient?«, fragte sie. »Das muss ich in Ihrer Akte überlesen haben. Es tut mir sehr leid …«
Max kniff sich so stark in den Oberschenkel, dass er Sterne sah. Der Schmerz brachte ihn wieder zur Vernunft, ließ den Tränenschleier verschwinden und verschaffte ihm klare Sicht.
»Das liegt nicht an Ihnen. Sie sind toll«, erwiderte Max, nahm ein Kleenex aus der Box neben seinem Stuhl und schneuzte sich. »Ich … ich … ich bin verlassen worden.«
Auch wenn sie eine Unbekannte war, ihm dieses Heulinferno in spätestens einer Stunde mit Sicherheit unendlich peinlich sein würde, er sie daher hoffentlich nie wiedersähe, da er nun die Praxis wechseln musste, tat es gut, sich jemandem anzuvertrauen.
Simone ging in die Knie, um auf Augenhöhe mit ihm zu sein, und ergriff seine Hand. »Ich sag Ihnen eins: Wenn eine Frau einen Prachtkerl wie Sie verlässt, dann hat sie Sie gar nicht verdient.«
Ich mag sie. Sie ist meine neue Irmgard.
»Na ja …« Max räusperte sich. »Es ist keine Frau, die mich verlassen hat, sondern ein Mann.«
Ohne zu zögern, antwortete Simone: »Ein ganz schöner Blödmann, Ihr Ex-Freund, wenn ich das so sagen darf.«
Max lächelte sie an. Am liebsten hätte er ihr kleines Puppengesicht umfasst und zärtlich mit beiden Daumen über ihre Pausbäckchen gestreichelt. Aber er beließ es bei einem anerkennenden Nicken. »Sie dürfen, Simone, Sie dürfen …«
***
Als er die Praxis verließ, war es bereits 10.30 Uhr. Er war verdammt spät dran. Das erste Meeting in der Agentur war an diesem Tag für 09.45 Uhr geplant. Und er mal wieder nicht anwesend. Das fünfte Mal in drei Monaten. Dabei hatte er heute ausnahmsweise keine Schuld, sondern das überfüllte Wartezimmer. Das würde seine Chefin allerdings nicht interessieren. Er entschied sich dafür, zu Fuß zur Arbeit zu laufen, da es unter Umständen länger dauern würde, auf die U-Bahn zu warten, obwohl die Haltestelle genau vor dem Haus lag, in dem sich sein Büro befand. Er dachte an den verkorksten Morgen und an den gestrigen Abend, der vollkommen aus dem Ruder gelaufen war. Zwei seiner besten Freunde hatten ihn in einem Anfall von Wahnsinn wieder als ausgehtauglich eingestuft und dazu überredet, einen Zug durch die Gemeinde zu machen.
»Max, drei Monate sind genug der Trauer. Vergiss ihn. Nun geh da wieder raus und lern jemanden kennen! Du wirst auch nicht jünger …«
Besonders das letzte Argument hatte es in sich gehabt. Es machte ihn sogar jetzt noch regelrecht wütend. Niemand musste ihn daran erinnern, wie alt er war. Das war ihm selber klar. Denn Tim hatte ihn für einen Kerl sitzenlassen, der bedeutend jünger war als er. Und genau deshalb hatte er den provokanten Aufruf seiner Kumpels nicht ignorieren können und war ausgegangen.
Mittwochs ging man neuerdings anscheinend in Die Werkstatt. Max war schon seit Jahren nicht mehr dort gewesen. Als er sie an diesem Abend betrat, wusste er binnen zwei Sekunden auch wieder, warum. Die Bar war voll. Die Musik dröhnte aus den Lautsprechern. Aber trotzdem herrschte keine entspannte Stimmung. Die Menschenmenge teilte sich in Grüppchen auf, die alle dicht gedrängt beieinanderstanden. Keiner schien sich für Männer außerhalb der eigenen Runde zu interessieren. Coolness, um Unsicherheit zu verbergen. Typisch deutsch. Wie ihn das anödete. Aufgesetzte Arroganz, gepaart mit gespielter Gleichgültigkeit. Dabei steckten in all diesen eitlen Menschenkindern kleine pubertierende Mädchen, die insgeheim mit feuchten Händchen beteten, angesprochen zu werden. Max wusste, wie Schwule funktionierten. War er doch selber einer. Dennoch gab er sich alle Mühe, seinen Leuten den Abend nicht zu vermiesen. Er kaufte mehrere Runden Bier und trank sich die Meute gesellig und weltoffen.
Das Wunder geschah ungefähr eine Stunde nach Max’ Ankunft. Ein niedlicher Kerl, Marke braver Student mit schmutzigen Gedanken, näherte sich ihm und sprach ihn an: »Hey, schöner Mann. Haben wir gestern nicht miteinander gechattet? Du bist doch Sven, oder?«
Max grinste in sein Glas. Egal, ob das eine billige Anmache war oder nicht: Er fühlte sich geschmeichelt. »Nein, das war sicher nicht ich. Ich bin in der Online-Welt gar nicht vertreten.«
Er nahm einen Schluck aus seinem Pilsglas, sah unsicher zu seinen Freunden hinüber, die symbolisch den Daumen nach oben hielten, und wendete den Blick wieder dem akkurat rasierten Bel-Ami-Verschnitt zu.
»Ich bin Max«, stellte er sich vor.
»Und ich bin der Thassilo.«
Thassilo war keines von den coolen Herdentieren. Er wirkte nett und unverkrampft. Noch authentisch. Unverdorben. War alleine gekommen – wahrscheinlich, um jemanden aufzureißen. Irgendwie hatte der Kleine ja was. Und Max genoss die Aufmerksamkeit.
Zwei Runden Bier später verdrückten sich Max’ Freunde. Sie ignorierten sein stummes Flehen, ihn hier doch bitte nicht alleine zu lassen. Langsam ging ihm nämlich der Gesprächsstoff aus. Thassilo war gute 20 Jahre jünger als...




