Klavan | Opferjagd | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 463 Seiten

Klavan Opferjagd

Thriller | Ein Kind in Gefahr. Eine Mutter auf der Flucht.
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-209-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller | Ein Kind in Gefahr. Eine Mutter auf der Flucht.

E-Book, Deutsch, 463 Seiten

ISBN: 978-3-98952-209-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Um ihre Tochter zu retten, würde sie alles tun: Der packende Thriller »Opferjagd« von Andrew Klavan jetzt als eBook bei dotbooks. Als der Jazz-Musiker Lonny in den nächtlichen Häuserschluchten Manhattans einer jungen, angsterfüllten Frau begegnet, die ihn um Hilfe bittet, kann er gar nicht anders, als ja zu sagen ... und ahnt dabei noch nicht, auf was für einen Höllentrip er sich eingelassen hat. Carol ist keineswegs eine Prostituierte in Schwierigkeiten, wie er zunächst dachte, sondern auf der Flucht vor einem internationalen Konzern, der Jagd auf ihre Tochter macht. Die kleine Amanda besitzt etwas, das der skrupellose Edmund Winter und seine Männer unbedingt in ihre Hände bekommen wollen, koste es, was es wolle. Für Carol und Lonny beginnt eine gefährliche Flucht durch die USA, bei der sie alles riskieren müssen, um Winter zu entkommen - denn nicht nur Amandas Leben steht auf dem Spiel ... »Andrew Klavan gehört zu den originellsten Krimiautoren Amerikas.« Stephen King Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der rasante Psychothriller »Opferjagd« von Andrew Klavan wird alle Fans von Michael Robotham begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Andrew Klavan wuchs in New York City auf und studierte Englische Literatur an der University of California. Danach arbeitete er als Reporter für Zeitungen und das Radio, bevor er sich ganz dem Schreiben seiner Spannungsromane widmete. Heute gilt Klavan als einer der großen Thriller-Experten der USA. Mehrere seiner Bücher sind mit dem begehrten Edgar-Award ausgezeichnet, für weitere Preise nominiert und/oder verfilmt worden. Die Website des Autors: andrewklavan.com/ Der Autor bei Facebook: facebook.com/aklavan/ Bei dotbooks veröffentlichte der Autor seine Thriller »Todeszelle -Was dir niemand glauben wird«, »Angstgrab - Die Schuld wird nie vergessen sein«, »Todeszahl - Was tief begraben liegt«, »Hilfeschrei - Die Dunkelheit in uns«, »Opferjagd«, »Totenbild« und »Todesmädchen«.
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4


Erschrocken warf Lonnie den Kopf herum. Es war eine weiße junge Frau, die ihn mit flehenden Augen anstarrte. Blaß war sie, und der vor ihrem Gesicht verdunstende Atem verlieh ihr ein beinahe geisterhaftes Aussehen. Sie hatte kurze schwarze Haare. Hübsches Gesicht, aber angemalt und billig. Der gegürtete schwarze Mantel endete weit oben auf Schenkelhöhe. Die sexy Beine steckten in schwarzen Strumpfhosen, die Füße in schwarzen, hochhackigen Schuhen.

Lonnie hielt sie für eine Prostituierte. Das hier war irgendeine Trickserei, dachte er. Aber in ihren Augen lag echte Furcht, so sah es aus. Und die kleine Hand auf seinem Ellbogen zitterte so stark, daß er es im ganzen Arm spürte.

»Ein Mann ist hinter mir her«, sagte sie. Ihre Stimme zitterte ebenfalls. »Bitte. Laß mich rein. Ich schwöre ... Bevor er mich sieht. Schnell. Bitte.«

Sie warf einen raschen Blick zur Straßenecke. Lonnie folgte dem Blick. Er sah ein Auto über die Kreuzung huschen, dann noch eins. Das grüne Leuchten der Ampel verblaßte in der Dunkelheit.

Aber es kam niemand, keine Spur von irgendeiner Person.

Die Nutte zischte ihm zu: »Ach, bitte! Mein Gott!« Der Griff an seinem Arm wurde noch fester.

Lonnie zögerte einen Augenblick, erwog die verschiedenen Gesichtspunkte. Dann folgte er seinem Instinkt: drehte den Schlüssel, stieß die Tür auf.

Die Hure schoß an ihm vorbei. Er schlüpfte hinterher, ließ die Tür hinter sich zufallen.

Der Vorraum des Hauses war klein, eng, ungefähr so groß wie zwei nebeneinandergelegte Fahrstühle. An der hohen Decke hing eine Lampe, deren Licht auf dem weiten Weg bis zum karierten Linoleumboden immer trüber wurde.

Die Nutte lehnte sich zitternd gegen eine der farblosen Wände. Lonnie beobachtete sie, lauschte ihrem keuchenden Atem. Sie hob ihre rote Plastikhandtasche. Ließ sie aufschnappen. Wühlte darin.

Lonnie beobachtete auch dies, ausdruckslos. Dachte dabei: Wennse da ’n Messer rausholt, schlag ich ihr die Scheißfresse ein.

Sie holte eine Packung Marlboro Lites hervor. Hielt sie ihm entgegen. Er schüttelte den Kopf. Sie rüttelte eine Zigarette frei und zog sie mit den Lippen aus der Schachtel. Beugte sich mit der im Mund baumelnden Zigarette über ein Plastikfeuerzeug. Klick Klick Klick.

Sie bekam die Flamme nicht an mit ihren zitternden Händen.

Lonnie nahm ihr das Feuerzeug ab. Entflammte es, hielt es ihr hin. Sie beugte sich dem Feuer zu, umfaßte mit beiden Händen seine Faust. Dann neigte sie sich zurück, bis sie ihm in die Augen sehen konnte. Sie saugte den Rauch so gierig ein, daß Lonnie fast fühlte, wie er in ihre Lunge zog. Dann seufzte sie ihm die ganze Schwade entgegen.

»Danke«, sagte sie. »Tschuldigung für die Panik. Hab ’ne Allergie gegen diese Typen, weißt du.« Sie versuchte zu lachen. Es hörte sich nicht sehr überzeugend an. Sie hielt die Zigarette hoch. »Was dagegen?«

Lonnie ließ sein kurzes Schnauben hören. Die Nutte lehnte sich wieder an die Wand, nahm noch einen Zug. Schloß die Augen, hielt Zwiesprache mit dem Rauch.

Lonnie sah sie prüfend an. Die hohen Hacken, die bestrumpften Beine, der Minimantel aus Plastik, das knallige Make-up. Ohne Frage, sie war eine Hure. Aber hübsch unter dem ganzen Glump. Praktisch noch ein Kind. Kaum über zwanzig.

Sie erzitterte unter einem tiefen Atemzug. Öffnete die Augen. Ihre Augen waren groß und blau. Sie versuchte, ihnen einen sardonischen Ausdruck zu geben, doch es blieben Tümpel der Einsamkeit.

»Paß auf«, sagte sie. »Hast du was dagegen? Du kannst ruhig nach oben gehen, ehrlich. Ich kann hier unten warten. Ist mir egal. Ich schwör bei Gott, Mann, ich bin verschwunden, bevor es hell wird. Sobald Leute auf der Straße sind, bin ich nur noch eine verschwommene Erinnerung. Ehrenwort.«

Diese Augen hielten ihn fixiert, selbst als er wieder wegsah. Ich bin ja wohl total bescheuert, dachte er. Dann ließ er noch so ein Schnauben los. Reckte ihr einen Finger entgegen. »Das ist nicht meine Wohnung hier, verstanden? Sie gehört einem Freund. Ich darf sie benutzen, klar? Also, wenn ich dich hochlasse und du klaust irgendwas, dann nehm ich das persönlich. Verstehst du?«

Sie stieß sich von der Wand ab, beide Hände erhoben. »Du bist so gut. So gut.«

»Hast du mich verstanden?«

»Ich schwöre bei Gott«, sagte sie. »Hilf mir.«

»Also gut.«

Sie roch nach Veilchen und Tabak. Als sie im Fahrstuhl standen, mußte Lonnie an ihr vorbeilangen, um seinen Schlüssel in die Öffnung für den vierten Stock zu stecken. Sein Gesicht war dicht an ihrem schwarzen Haar, und er fing ihren Duft auf. Sie standen Arm an Arm, während der Käfig hinauffuhr, und er konnte die Nähe ihrer Haut fühlen.

»Das ist wirklich große Klasse von dir, ehrlich«, wiederholte sie. Sie saugte so fest an ihrer Zigarette, daß sie beim Sprechen zischte. Nickte beim Ausatmen. »Also, ich mein, im Ernst.«

Lonnie zog eine Grimasse, schaute nach oben zu den Zahlen über der Käfigtür. Wahrscheinlich die Polizei, die hinter ihr her ist, dachte er. Dauerte vermutlich noch zehn Minuten, dann waren sie hier und hatten sie beide am Arsch.

Der Fahrstuhl hielt im vierten Stock, ganz oben. Lonnie schob das Gitter beiseite und schloß die schwere Metalltür auf, die in sein Loft führte. Er stieß die Riesentür auf und atmete tief ein, als die Nutte sich an ihm vorbeidrückte. Veilchen und Rauchspuren.

»Warte. Mach noch nicht das Licht an«, sagte sie.

Er stellte sein Saxophon ab. Stand da und beobachtete sie im Dunkeln. Sie war ein kleiner wandernder Schatten in der großen Weite des Lofts. Vorsichtig bewegte sie sich nach links, zur Wand mit den hohen Fenstern. Trat an ein Fenster. Sah hinaus. Und dann fuhr sie zurück, als hätte sie sich verbrannt.

»Was ist«, sagte er. »Ist er da draußen?«

»Ja. Ja.«

»Laß sehen.«

Lonnie eilte durch den Raum auf die Fenster zu. Er merkte, wie sie an seinem Arm fingerte, als er an ihr vorbeikam, und bewegte sich langsamer, damit er nicht gesehen werden konnte. Er schmiegte sich dicht neben die Fensterbank. Blickte durch die Feuertreppe hindurch nach unten auf die Straße.

Der Mann war auf dem Bürgersteig. Er bewegte sich langsam unter einer Straßenlaterne, genau dort, wo sie eben noch gestanden hatten. Offensichtlich suchte er nach jemandem, blickte sich forschend in alle Richtungen um.

Lonnie hatte ihn gut im Blick. Ein großer, kräftiger Weißer im offenen Trenchcoat. Er hob den Blick, um die Gebäude abzusuchen, die Fenster. Lonnie zog sich ein wenig hinter den Vorhang zurück. Spähte hinaus und sah das Gesicht des Mannes. Es war ein Trumm von einem Gesicht, die Haut sah aus wie Kies. Dicke schwarze Augenbrauen, die ironisch hochgezogen waren. Schwarze Haare, deren Ansatz über der hohen, rauhen Stirn spitz zulief.

Der Mann schien zu fluchen. Geschmeidig glitt seine Hand in die Manteltasche.

Neun-eins-eins, dachte Lonnie. Mit Sicherheit ein Cop. Sie hatten den Mädels von der Straße das Leben in letzter Zeit ziemlich schwergemacht. Er mußte unwillkürlich ein wenig lächeln. Tja, Officer, dachte er, sieht so aus, als wäre Ihnen die hier durch die Lappen gegangen.

Er beobachtete weiter. Der Mann zog etwas aus der Tasche. Ein Walkie-Talkie oder Handy. Er sprach hinein, während er weiterging, aus dem Lampenlicht hinaus in Richtung Neunte.

Kurze Zeit später hielt ein Auto neben ihm, ein langes und schwarzes. Der kiesgesichtige Mann öffnete die Wagentür. Er glitt auf den Beifahrersitz. Das Auto fuhr ab.

»Sayonara, fünf-null«, murmelte Lonnie. »Alles klar, er ist ...« Aber das Mädchen war nicht mehr da. Einen Moment lang konnte er sie nicht finden. Dann entdeckte er sie im Schatten, sah ihre glühende Zigarettenspitze. Sie saß vornübergebeugt in einem der Ledersessel. »Er ist weg«, sagte Lonnie.

»Ja? Biste sicher?« Ihre Stimme klang seltsam. Dünn und angespannt.

»Ein Auto hat ihn mitgenommen. Sie sind weggefahren.«

Sie berührte ihre Wange mit dem Handballen. »Scheißkerle«, sagte sie. Lonnie bemerkte, daß sie wohl geweint hatte. »He, hast du hierfür einen Aschenbecher?«

Lonnie ging in die Küche, knipste unterwegs mehrere Lampen an. Er brachte eine Kaffeetasse mit und stellte sie auf dem kleinen Tisch neben ihr ab. Sie sah ihn aus feuchten Augen dankbar an, ihr Mascara war am Verlaufen. Scheiß auf die Bullen. Er war froh, daß er ihr geholfen hatte.

»Ich mach mir jetzt einen Drink«, sagte er. »Willst du auch einen?«

»Klar. Was für einen machst du?«

»Bourbon and Seven.«

»Ja klar.«

Lonnie stand in der Küche, die Gläser vor sich auf der Arbeitsplatte. Er goß langsam ein, mischte den Schnaps und die Zitronenbrause über Eiswürfeln. Sie würde sich bestimmt bis zum Morgen hier verstecken wollen, dachte er. Er würde beim Schlafen immer ein Augen offenhalten müssen, wenn er nicht wollte, daß sie mit der Stereoanlage abhaute.

»Nett. Nette Bude«, sagte sie hinter ihm. Er hörte wieder ihr Feuerzeug klacken.

»Yeah.« Lonnie sah dem Bourbon beim Fließen zu, war gierig danach. »Trompeter, den ich kenne ... ist auf Tournee in Europa. Er läßt mich für sechs Monate hier wohnen.«

»Nett.«

Das Loft war riesig. Es war niemals richtig gut beleuchtet. In irgendwelchen fernen Ecken und Winkeln war es immer dunkel. Die Heizungs- und Wasserrohre lagen frei, wanden sich in verschlungenen Mustern an der Decke entlang, warfen verschlungene Muster nach oben wie nach unten. Schlafzimmer und Bad waren mit Wänden abgeteilt, der Rest der Wohnung aber war einfach eine langgezogene Fläche: der Wohnzimmerbereich, die offene...



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