E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Kistler Bitte jetzt nicht stören!
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-5586-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-5586-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Hochzeit, ein zarter Moment ewiger Liebe? Von wegen! Seit Lizzie bei der Hochzeit ihrer Freunde Eric und Caroline ist, geht es drunter und drüber. Dass sie selbst bei diesen Festlichkeiten ihren Traummann trifft, hätte sie gedacht! Zu dumm, dass der umwerfende Joe glaubt, sie sei mit einem anderen verlobt ...
Julie Kistler kommt bei Komödien, alten Filmen, Musicals, Katzen und großen, dunkelhaarigen und gut aussehenden Männer wie ihrem eigenen Ehemann, mit dem sie seit 20 Jahren verheiratet ist, ins Schwärmen. Früher war sie Rechtsanwältin, hat sich dann aber für eine Karriere als Romance-Autorin entschieden und sich durch ihre humorvollen Liebesromane eine große Fangemeinde geschaffen. Bis heute hat sie über 20 romantische Komödien für den kanadischen Verlag Harlequin geschrieben. Zusammen mit ihrem Mann Scott, einem Informatiker, und ihrer Katze Thisbe lebt sie in Bloomington, Illinois. Der Name Thisbe stammt aus dem Stück "Ein Sommernachtstraum" von Shakespeare, Julies Lieblingsdichter. Sie interessiert sich sehr für kleine Theaterproduktionen, die sie regelmäßig besucht. Auch zu den Basketball-Spielen von Collegemannschaften geht sie gern.
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1. KAPITEL
Im Hochzeitsfieber
Auf dem Schreibtisch stapelten sich die Zettel mit Nachrichten und Mitteilungen, und seit morgens klingelte ununterbrochen das Telefon. Dazu stand eine schier endlose Liste von Terminen an.
Aber zum ersten Mal in ihrem Leben war Elizabeth Rose Muldoon entschlossen, sämtliche Hilferufe und anderweitigen Ansinnen zu ignorieren und sich ausschließlich auf ihre eigenen Probleme zu konzentrieren.
Und das schlimmste von allen war: Sie sollte bei einer Hochzeit als Brautjungfer fungieren, war aber leider in den beteiligten Bräutigam verliebt.
„Lizzie?“ Aus der Sprechanlage klang die gequälte Stimme ihrer Sekretärin Yvonne. „Dick ist auf Leitung eins. Er will dich unbedingt sprechen.“
„Nicht jetzt.“
Dick gehörte zu den Menschen, die niemand in seiner Firma haben wollte – außer Lizzie. Sie verstand das: Er war Buchhalter und wegen Unterschlagung mehrfach vorbestraft. Aber er hatte ihr hoch und heilig versprochen, ein neues Leben zu beginnen und nie mehr rückfällig zu werden. Vermutlich hatte er wieder Schwierigkeiten mit seinem Bewährungshelfer. Das wäre nicht das erste Mal.
„Lizzie?“ Aus Yvonnes Stimme klang inzwischen pure Panik. „Ich bin diesem ganzen Stress nicht mehr gewachsen! Du weißt doch, dass ich ein schwaches Herz habe. Außerdem bringe ich kaum noch ein Wort heraus.“
Das konnte Lizzie nicht ignorieren. Yvonne war zwar ohne jeden Zweifel ein Hypochonder und dazu eine katastrophale Sekretärin, aber sie gehörte zur „Familie“, und nur das zählte.
„Ist ja gut“, sagte sie beruhigend. „Schreib einfach nur alles auf, ich kümmere mich dann später darum. Aber ich stecke bis zu den Ohren in der Arbeit für den Weihnachtskatalog und habe jetzt wirklich keine Zeit“, log sie.
„Lizzie, bitte sprich mit Dick!“, flehte Yvonne mit halb ersterbender Stimme. „Außerdem hat Esmie angerufen. Sie braucht angeblich unbedingt noch eine Woche Ferien. Dabei war sie erst kürzlich einen ganzen Monat in Urlaub. Und Oliver ist wieder einmal im Dienst eingeschlafen. Die Müllmänner haben ihn heute Morgen im Tonnenraum gefunden.“
Lizzie hätte schreien mögen. Konnte sich denn niemand vorstellen, dass sie im Augenblick andere Probleme hatte, auch wenn „The Velvet Fig“ ihre Firma und sie die große Mama und Trösterin war? Sie bügelte Fehler aus, schlichtete Streitereien, richtete Niedergeschlagene wieder auf und genehmigte großzügig Gehaltserhöhungen und zusätzliche Urlaube. Sie zog verwundete Vögel, streunende Hunde und Menschen in Nöten geradezu magisch an. Das war einfach ihr Schicksal.
Aber heute hätte sie selbst jemanden gebraucht, an dessen Schulter sie sich ausweinen konnte.
„Wie soll ich das nur überstehen?“, seufzte sie.
„Was hast du gesagt?“, krächzte Yvonne. Ihre Stimme klang nahezu unverständlich. „Es sind so viele Nebengeräusche in der Leitung, ich verstehe dich kaum. Hoffentlich verliere ich jetzt nicht auch noch das Gehör!“
Yvonne war wieder einmal mit dem Finger auf den falschen Knopf der Sprechanlage gerutscht. „Du sollst einfach nur Nachrichten entgegennehmen“, brüllte Lizzie so laut in den Hörer, dass man sie auch ohne Telefon verstanden hätte. „Schreib alles auf, und ich kümmere mich dann darum, sobald ich kann.“
Sie runzelte die Stirn. Yvonne und Dick und alle anderen mussten ausnahmsweise einmal warten, bis sie sich darüber klar geworden war, was sie tun wollte. Seit Tagen drehten ihre Gedanken sich ausschließlich um ein Thema, und das war die bevorstehende Hochzeit.
„Ich fahre einfach nicht hin!“, verkündete sie laut in den Raum hinein und versuchte, Selbstsicherheit und Zuversicht in ihre Stimme zu legen. Vergebens. Es gab keinen Ausweg.
Sie wusste, dass sie an dieser Hochzeit teilnehmen würde, und dabei würde sie ein grässlich unvorteilhaftes Kleid tragen und mit eigenen Ohren mit anhören müssen, wenn Eric Bellamy – ihr Eric! – versprach, Caroline Knox für den Rest seines Lebens zu lieben und zu ehren.
„Lizzieee!“, rief eine fröhliche Stimme aus dem Vorzimmer, unmittelbar darauf kam ihre beste Freundin und Geschäftspartnerin Saffron ins Zimmer gestürmt. Auf ihrem Kopf schwebte ein überdimensionaler Samthut. Sie lächelte.
Wenn Saffron so lächelte, verhieß das nichts Gutes.
„Du kannst deine ganzen Probleme vergessen, Liz“, rief sie. „Ich habe die Lösung!“
Saffrons Lösungsvorschläge konnten alles von einer bizarren Werbekampagne für den Weihnachtskatalog bis hin zu einer gewagten neuen Frisur umfassen.
Sie setzte sich auf die Kante von Lizzies Schreibtisch. „Wir werden einen grandiosen Auftritt für dich inszenieren! Diesem dämlichen Bräutigam werden die Augen aus dem Kopf fallen, wenn er dich sieht.“
„Soll ich mich vielleicht tätowieren oder piercen lassen? Hab Erbarmen.“
„Sei nicht albern.“ Saffron rümpfte die Nase. „Bin ich deine beste Freundin oder nicht?“
„Das nehme ich zumindest an.“ Lizzie wollte sich erst endgültig festlegen, wenn sie wusste, was Saffron im Schilde führte.
„Und weiß ich nicht immer, was am besten für dich ist?“
Lizzie wurde allmählich nervös. Die Anzeichen drohenden Unheils mehrten sich. „Also?“
Saffron zog die Augenbrauen besonders hoch, damit Lizzie auch merkte, dass dies ein historischer Moment war. Lizzie wurde allmählich ungeduldig.
Ihre beste Freundin beugte sich vor und senkte verschwörerisch die Stimme. „Zuerst einmal die Tatsachen: Es handelt sich hier um die sogenannte ‚Hochzeit des Jahrtausends‘, und du hast dich in einem schwachen Moment bereit erklärt, dabei in einem unvorstellbar abscheulichen Kleid aus pinkfarbenem, besticktem Taft als Brautjungfer aufzutreten.“
Saffron verdrehte die Augen. „Ich wage nicht, mir deinen Anblick vorzustellen. Wenigstens diese letzte Wohltat hätte Caroline uns noch erweisen und die Kleider bei uns bestellen können. Aber sie muss sich ja unbedingt einen Designer aussuchen, der noch nicht mitbekommen hat, dass Po-Schleifen mit Sandra Dee ausgestorben sind.“
Lizzie betrachtete geistesabwesend die blinkenden Lämpchen auf ihrer Telefonanlage. „Unsere Modelle sind für Caroline zu ausgefallen. Außerdem hätte ihre Mutter nie erlaubt, dass wir Samt oder Chenille verwenden – und unsere Schnitte schon gar nicht. Die sind viel zu auffallend, und das ist in ihren Kreisen schlicht und einfach undenkbar.“
„Wenn du mich fragst, täte diesen Kreisen ein bisschen Auffrischung ganz gut“, bemerkte Saffron spitz.
„Wahrscheinlich, aber es hilft nichts. Sprich mir nach: Wir lieben Genevieve.“
„Wir lieben Genevieve“, wiederholte Saffron gehorsam, aber es klang nicht sehr überzeugt.
„Jedenfalls so lange sie Geld in unserer Firma hat.“ Das war ein weiterer Grund, warum Lizzie ihre Zusage nicht mehr rückgängig machen konnte. War es vielleicht ihre Schuld, dass die einzigen reichen Leute, die Saffron und sie kannten – und dringend brauchten –, Carolines Mutter und Großmutter und die Eltern ihres Bräutigams waren? Und natürlich würden alle drei von ihr wissen wollen, wie ihre Geldanlage sich entwickelte. Dabei hatte Lizzie nur einen einzigen Wunsch: sich in eine Ecke zu setzen und um Eric, den Traum ihrer Jugend, der bald für immer verloren war, zu weinen. Aber daran wollte sie jetzt lieber nicht denken. Sie sah Saffron wieder an. „Also, was war das für eine umwerfende Idee?“
Saffron war sofort wieder beim Thema. „Auf der Hochzeit wird es von Klatschreportern, Fotografen und den oberen Zehntausend nur so wimmeln. Du hast also die ideale Kulisse für deinen Auftritt. Caroline wird in Ohnmacht fallen, und Eric bekommt den Schock seines Lebens, und er wird bitter bereuen, dass er dich immer übersehen hat.“
Lizzie wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. „Das ist wirklich süß von dir, Saffron, aber ich wüsste nicht, wie …“
„Ich bin noch nicht fertig. Du musst dir das bildlich vorstellen: Caroline ein schwaches Abbild ihrer selbst, Eric zur Salzsäule erstarrt. Das Kinn fällt ihm hinunter …“ Saffron erhob sich zu ihrer vollen Größe von einem Meter fünfzig. „Denn an deiner Seite schreitet der bestaussehende, hinreißendste …“
„Oh nein!“
Saffron verschränkte die Arme vor ihrem üppigen Busen. „Du wirst doch irgendwelche Männer kennen. Bist du nicht einmal mit diesem Marketingtypen von ‚Yellow Jackets‘ ausgegangen? Der sah doch eigentlich ganz gut aus, soweit ich mich erinnere. Das müsste jetzt drei oder vier Jahre her sein.“
„Sehr komisch. Saffron, das ist eine Schnapsidee. Ich brauche keinen Alibi-Mann.“ Lizzie versenkte sich angelegentlich in einen Stapel Bilder von ausgefallenen Schultertaschen, die sie in ihren Katalog aufnehmen wollte. „Das wäre zu viel der Erniedrigung.“
„Aber im Gegenteil. Die soll er dir doch gerade ersparen“, widersprach Saffron. „Stell dir vor, wie peinlich es ist, wenn du ohne Begleitung erscheinst.“
„Du bist meine Begleitung.“
„Ich zähle nicht. Komm schon, Lizzie. Du weißt genau, dass ich recht habe. Wenn du sonst niemanden hast, wie wäre es dann mit meinem Bruder?“
Lizzie fuhr hoch. „Bist du verrückt? Storm ist zweiundzwanzig! Ich bin doch keine Kindergärtnerin.“
„Wieso? Das sind gerade mal sieben Jahre Altersunterschied. Außerdem sieht er gut aus und hätte bestimmt nichts dagegen, als dein Freund aufzutreten.“
...



