E-Book, Deutsch, Band 2, 130 Seiten
Reihe: Rx for Love
Kirk Ich weiß bloß eins, ich liebe dich
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0554-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 130 Seiten
Reihe: Rx for Love
ISBN: 978-3-7515-0554-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wer ist der Fremde, der sein Gedächtnis verloren hat? Sozialarbeiterin Lexi Brennan weiß bloß eins: Sie muss seiner magischen Anziehungskraft widerstehen! Gerade weil John, wie sie ihn nennt, so unglaublich charmant und attraktiv ist, ist er bestimmt längst vergeben!
Solange sie denken kann, liebt Cindy Kirk das Lesen. Schon als kleines Mädchen in der ersten Klasse hat sie einen Preis dafür gewonnen, hundert Bücher gelesen zu haben! 1999 war es so weit: Ihr erster eigener Roman erschien bei Harlequin. Seitdem muss die Autorin ihr Lieblingshobby Lesen damit unter einen Hut kriegen, dass sie selbst leidenschaftlich gerne Geschichten erzählt. Aber für ihren großen Traum nimmt Cindy Kirk das gern in Kauf. Schauen Sie auf ihre Webseite www.cindykirk.com.
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1. KAPITEL
„Ich wette einen Fünfer, dass er ein Prinz ist.“
Amüsiert sah Lexi Brennan dabei zu, wie eine der älteren Krankenschwestern einen zerknitterten Geldschein aus ihrer Kitteltasche kramte und ihn auf den Tresen klatschte.
„Hübsch genug dazu ist er jedenfalls“, meinte eine der jüngeren Kolleginnen. „Doch ich tippe eher darauf, dass er ein reicher Erbe ist.“
„Mich könnt ihr für den Prinzen eintragen“, sagte Rachel Milligan, die Stationsschwester, nachdem alle Umstehenden ihre Wetten abgegeben hatten. „Aber jetzt gehen wir wieder an die Arbeit.“
Das Personal verteilte sich in den Gängen, während Lexi mit Rachel und einer jungen Hilfskrankenschwester zurückblieb. In den fünf Jahren ihrer Tätigkeit als Sozialarbeiterin in der Klinik von Jackson Hole hatte Lexi bei derartigen Wetten schon eine Menge Geld verloren. Deshalb hatte sie vor einiger Zeit beschlossen, sich nicht mehr daran zu beteiligen. Trotzdem war sie neugierig. „Um wen geht es hier eigentlich?“
Rachel schüttelte nachdenklich den Kopf. „Dieser mysteriöse John Doe, wie wir ihn genannt haben, ist Thema Nummer eins, seit er gestern vom Rettungsdienst eingeliefert worden ist.“
„Er ist so süß“, schwärmte die Hilfskrankenschwester.
„Bei Mr. Landers blinkt es“, sagte Rachel streng, und das junge Mädchen lief schuldbewusst davon.
Rachel reichte Lexi nun die Krankenakte „John Doe“. „Können Sie sich um ihn kümmern?“
Lexi überflog die Seiten. „Allzu viele Infos scheint es ja nicht zu geben.“
Rachel lächelte. „Tja, wenn ein Patient sich an nichts erinnern kann …“
„Warst du dabei, als er eingeliefert worden ist?“
„Ja.“ Rachels Miene wurde sofort ernst. „Er hat großes Glück gehabt. Fünf Minuten länger unter dem Schnee, und er hätte nicht nur sein Gedächtnis, sondern sein Leben verloren.“
„Wie Skifahrer sich überhaupt in eine solche Gefahr begeben können, ist mir wirklich unbegreiflich.“ Lexi fragte sich, wieso die Unbesonnenheit des Mannes sie derart verstörte. Er war schließlich nicht der erste Extremskifahrer, der sich in dieses gefährliche Skigebiet gewagt hatte.
Rachels Blick verlor sich in der Ferne. „Diese jungen Männer halten sich leider für unverwundbar.“
Lexi fragte sich, ob Rachel dabei an ihren Mann dachte, der vor einigen Jahren bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen war.
„Von medizinischer Seite aus gibt es keinen Befund“, sagte Rachel. „Sobald du eine Bleibe für ihn gefunden hast, kann er entlassen werden.“
Lexi legte den Zeigefinger ans Kinn. „Ohne Geld wird ihn wohl kein Vermieter akzeptieren.“
„Er hat Geld“, sagte Rachel triumphierend. „Wir haben zweitausend Dollar in seiner Tasche gefunden.“
Zweitausend Dollar? Einfach so in der Tasche? Lexi hatte gerade mal dreißig Dollar in ihrem Portemonnaie, und die mussten für den Rest der Woche reichen. Sie runzelte die Stirn. „Hatte er Drogen bei sich?“
„Nein.“ Rachel lachte. „Sein Bluttest war auch negativ. Nein, ich glaube, er ist einfach ein reicher Typ, der sich mit Extremsportarten die Zeit vertreibt.“
Lexi seufzte. „Dass er Geld hat, macht es zumindest einfacher, eine Unterkunft für ihn zu finden.“ Sie wandte sich zum Gehen. „Dann werde ich diesem ominösen John Doe mal einen Besuch abstatten.“
„Du wirst geblendet werden.“
„Wie meinst du das?“, fragte Lexi erstaunt.
„Er hat nicht nur Geld, er sieht auch noch umwerfend aus.“
Beides eigentlich gute Voraussetzungen, um eine Unterkunft für ihn zu finden. Trotzdem würde es nicht leicht werden. Die Anzahl der Hotels und Ferienwohnungen in der Umgebung war äußerst begrenzt und daher meist schon lange im Voraus ausgebucht. Sie würde viel herumtelefonieren müssen.
Er hatte gerade seine Skihose angezogen und hielt ein T-Shirt in der Hand, als es an der Tür seines Krankenzimmers klopfte. „Herein“, rief er, ohne zur Tür zu sehen. Es war sowieso wieder nur eine der Schwestern, die ihm den Puls messen und die Größe seiner Pupillen prüfen wollten.
Doch das Klicken von Absätzen auf dem Fliesenboden passte nicht dazu. Er drehte sich deshalb doch um.
Die Frau, die ins Zimmer kam, trug keine Schwesternuniform oder einen Arztkittel, sondern ein modisches grün-braun gemustertes Kleid und ein grünes Strickjäckchen. Ihr dunkles Haar war zu einem glatten Bob frisiert. Sie hielt den Blick auf die Akte in ihrer Hand gerichtet, und als sie hochsah, weiteten sich ihre hellbraunen Augen. „Tut mir leid“, stammelte sie und ging zur Tür zurück. „Sie sind noch beim Anziehen. Ich komme später wieder.“
Er betrachtete seine nackte Brust. Eine Krankenschwester hätte bei seinem Anblick keine Miene verzogen. Nein, das war definitiv keine Krankenschwester.
„Bleiben Sie ruhig hier.“ Rasch schlüpfte er in sein T-Shirt, wobei ihm ein heftiger Schmerz in die Schulter fuhr. Damit würde er wohl noch eine Weile leben müssen, hatte der Arzt gemeint. „So, fertig und bereit für Besucher.“
Die Frau drehte sich lächelnd wieder um und zeigte dabei ihre perfekten weißen Zähne. „Ich bin Lexi Brennan, die Sozialarbeiterin der Klinik.“ Sie ging auf ihn zu und streckte ihm die Hand entgegen.
Ihr zarter Duft umwehte ihn, als er ihre Hand nahm. Unwillkürlich blickte er dabei auf ihren Ringfinger, was er sonst eigentlich nie tat. Kein Ehering.
„Mr. … Doe, man hat mich beauftragt, eine vorübergehende Unterkunft für Sie zu finden, bis Sie Ihr Gedächtnis wiedererlangt haben.“ Sie wirkte plötzlich ganz sachlich, und er überlegte, womit er ihr wieder ein Lächeln entlocken könnte.
Dumm nur, dass ihm eigentlich gar nicht nach Scherzen zumute war. In seinem Kopf herrschte tiefe Dunkelheit, und das machte ihm zu schaffen. Die Leute vom Rettungsdienst hatten ihm erzählt, er hätte bereits Scherze gemacht, nachdem sie ihn aus den Schneemassen befreit hatten. Dass er sich an absolut nichts erinnern konnte, war ihm erst später aufgefallen. Er wusste nicht einmal, ob jemand ihn beim Skifahren begleitet hatte, der womöglich ebenfalls verschüttet war. Es hatte ihn beruhigt, dass das Suchgerät nur ihn aufgespürt hatte.
„Hat sich schon jemand nach mir erkundigt?“, fragte er.
„Erkundigt?“, fragte die hübsche Sozialarbeiterin.
„Na ja, Familie, Freunde …“
Lexi sah die Enttäuschung in seinem Gesicht und lächelte ihn mitfühlend an. „Sicher haben Ihre Angehörigen sofort eine Vermisstenmeldung aufgegeben, als der Bericht im Fernsehen kam. Aber wer weiß, wo und unter welchem Namen? Möglicherweise dauert es eine Weile.“
John Doe trat ans Fenster und blickte auf das Rotwildgehege hinter der Klinik. „Was soll ich denn inzwischen machen?“
Darauf hatte Lexi leider auch keine Antwort. Sie legte ihre Aktentasche auf den Tisch und trat neben ihn. Der Himmel war wolkenverhangen, passend zu der Stimmung im Krankenzimmer.
„Der Wetterdienst hat für heute einen Blizzard vorhergesagt.“ Das Wetter bot doch immer noch willkommenen Gesprächsstoff. „Das ist ungewöhnlich für Anfang April.“
Sie spürte, dass er sie von der Seite ansah, und unwillkürlich durchlief sie ein Kribbeln. Er duftete angenehm nach Seife und einem herben Aftershave. Sie betrachtete ihn aus dem Augenwinkel. Rachel hatte recht. Er war ausgesprochen attraktiv. Mit seinen 1,90 m, seiner sportlichen Figur und dem leicht gewellten braunen Haar war er genau ihr Typ. Ganz abgesehen von seinem Gesicht, das jedes Frauenherz zum Schmelzen bringen konnte.
„Wann soll es denn losgehen?“, fragte er.
Lexi sah ihn an. „Irgendwann am Nachmittag.“
„Angeblich bin ich gesund und kann entlassen werden.“
Seine Stimme klang neutral, doch Lexi bemerkte einen Anflug von Unsicherheit in seinen braunen Augen.
Sie lächelte ihm aufmunternd zu. „Das ist der erste Schritt zurück ins Leben.“ Es musste beängstigend sein, ohne Erinnerung durch die Welt gehen zu müssen. „Ich besorge Ihnen erst einmal eine Unterkunft, indem ich die Hotels und Makler in der Gegend anrufe.“
„Ich kann mithelfen, schließlich habe ich ja nichts anderes zu tun.“ Er deutete ein Lächeln an. „Außerdem ist das mein Problem und nicht Ihres.“
Lexi versuchte, sich gegen den Blick aus seinen warmen braunen Augen zu wappnen. „Das ist nett von Ihnen, aber es ist mein Job, Sie zu unterstützen. Wir bekommen auch immer einen Krankenhausrabatt.“
„Der Arzt meinte, ich hätte zweitausend Dollar bei mir gehabt. Geld spielt also vorerst wohl keine Rolle.“
„Trotzdem sollten Sie sparsam damit umgehen.“ Lexi wählte ihre Worte mit Bedacht, um ihn nicht zu verunsichern. „Vielleicht dauert es eine Weile, bis Ihre Familie sich meldet oder bis Sie Ihr Gedächtnis wiedererlangen.“
„Sie meinen, ich könnte irgendwann auf der Straße landen?“ Er lächelte belustigt. „Das wäre mir aber sehr unangenehm bei der Kälte.“
Lexi erwiderte sein Lächeln. Sie bewunderte die Gelassenheit, mit der er seine schwierige Situation zu bewältigen versuchte. Der physischen Anziehungskraft eines Mannes konnte sie normalerweise problemlos widerstehen, bei menschlichen Eigenschaften wie Humor, Mut und Herzenswärme fiel es ihr schon deutlich schwerer.
Aber sie würde widerstehen, denn für einen Mann war momentan kein Platz in ihrem Leben, selbst wenn er so charmant und attraktiv war wie John Doe.
Eine halbe Stunde...




