E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Kingsley Süße, bezaubernde Bethany
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-4595-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-4595-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eigentlich ist Dr. Michael Harcus zu der hübschen Heilpraktikerin und Aromatherapeutin Bethany gekommen, um ihr gründlich die Meinung zu sagen. Er hat nämlich genug davon, dass seine Patienten neuerdings lieber zu ihr gehen! Aber als er ihr dann gegenübersteht, geschieht etwas Seltsames: Bethany ist mit ihrer natürlichen und herzlichen Art so liebenswert, dass er in ihrer Gegenwart Herzklopfen bekommt. Natürlich lässt er sich nichts anmerken - doch als er sie kurz danach bei einer Party seiner Schwester wieder trifft, spürt er, dass er sich tatsächlich in seine schöne Konkurrentin verliebt hat ...
Maggie Kingsley ist in Edinburgh, Schottland geboren. Als mittlere von 3 Mädchen wuchs sie mit einem schottischen Vater und einer englischen Mutter auf. Als sie 11 Jahre alt war, hatte sie bereits 5 unterschiedliche Grundschulen besucht. Nicht weil sie von ihnen verwiesen wurde, sondern der Job ihres Vaters sie durch das ganze Land gebracht hat. Dieser nomadische Lebensstil führte dazu, dass Maggie viel von Großbritannien zu sehen bekam. Aber es bedeutete leider auch, dass sie nirgendwo lang genug war, um langanhaltende Freundschaften aufzubauen. So wurden Bücher ihre besten und lebenslangen Freunde. Schon seit ihrem vierten Lebensjahr war sie eine begierige Leserin. Für Maggie lag es also auf der Hand, dass sie Schriftstellerin werden wollte. Sie behielt diesen Traum, bis sie 18 war und sie sich sagte, dass Menschen wie sie - normale Menschen - keine Bücher schrieben und somit wurde sie Lehrerin. Nach drei Jahren an der Tafel entschied sie, dass das Lehren nichts für sie war und wurde Lektorin für englische und schottische Literatur an der Universität von Glasgow. Unglücklicherweise wurde die Abteilung restrukturiert und sie wurde arbeitslos. Sie fand einen Job bei der Sue Ryder Foundation wo sie viele glückliche aber auch erschöpfende Jahre verbrachte. Diese Karriere wurde nur kurz, da sie ihren Rücken in einem unsinnigen und vermeidbaren Autounfall verletzte und zeitweilig arbeitsunfähig wurde. Sie wollte nicht wieder zum Lehren in die Schule zurückkehren und so arbeitete sie in einer Bäckerei, verkaufte in einem Spielzeugladen und machte letztendlich eine Qualifizierung zur Sekretärin. Aber niemals verlor sie den Traum Schriftstellerin zu werden. Als sie und ihre Familie in ein abgeschiedenes Cottage im Norden Schottlands zogen, entschied sie sich dafür, den 'Stift wieder zur Hand zu nehmen'.
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2. KAPITEL
Der Anblick von Sorrel Cottage versetzte Michael in Erstaunen. Vor einigen Wochen, als er zum letzten Mal in Evie gewesen war, hatte das Cottage schon schlimm ausgesehen, aber jetzt wirkte es beinahe verfallen.
Der Garten war eine Wildnis, auf dem Kiesweg zum Haus wucherte Unkraut und hätte das rot-weiße Dreirad nicht vor der Tür gelegen, wäre man kaum auf den Gedanken gekommen, dass hier jemand wohnte.
Einen Moment zögerte er an der Tür. Es gab eine Klingel, die so verrostet war, dass sie vermutlich nicht mehr funktionierte, und auch der Klopfer machte keinen vertrauenerweckenden Eindruck. Da die Tür offen stand, betrat er kurz entschlossen den Flur, wo ihm ein langhaariges Hundeungetüm von zweifelhafter Rasse laut bellend entgegensprang.
„Keine Angst, er tut Ihnen nichts!“, rief eine Stimme, als Michael unwillkürlich zurückwich. „Gut Freund, Tiny … gut Freund!“
Tiny wirkte nicht so, als verstünde er den Sinn dieser Worte, aber zu Michaels Erstaunen hörte er sofort auf zu bellen und setzte sich hin.
„Er ist wirklich die Sanftmut selbst“, fuhr die Stimme fort. „Trotz seiner furchterregenden Erscheinung kann er niemandem etwas zuleide tun.“
Wie zur Bestätigung dieser Worte, begann Tiny mit dem Schwanz zu wedeln, aber seine Bemühungen waren vergeblich, denn Michael hatte nur noch Augen für die Frau, die in einem farbverschmierten Overall und Gummistiefeln auf ihn zukam.
Zuerst stellte er fest, dass er mit dem Haar unrecht gehabt hatte. Es war zwar lang, aber nicht unordentlich, sondern zu einem dicken Zopf geflochten, der über den Rücken fiel. Auch die Farbe stimmte nicht, denn statt Kastanienbraun hatte er ein unbestimmtes Blond erwartet. Am meisten aber irritierten ihn die Augen – die größten grauen Augen, die er jemals gesehen hatte.
Wäre er romantisch veranlagt gewesen, hätte er diesen Moment als Schicksalsmoment bezeichnet, doch zu diesen schwärmerischen Menschen gehörte er nicht. Als er bemerkte, dass das anfängliche Lächeln der Frau einem zunehmenden Ausdruck der Unsicherheit wich, nahm er sich rasch zusammen.
„Mrs. Seton?“, fragte er in der heimlichen Hoffnung, sich zu irren.
„Ja, das bin ich“, antwortete sie, wobei ihr Lächeln zurückkehrte. „Danke, dass Sie so schnell gekommen sind.“
Michael runzelte die Stirn. „So schnell? Mrs. Seton, ich …“
„Hier entlang, bitte“, fuhr sie fort und ging voran, vorbei an einem Berg von Gummistiefeln, Tennisschlägern und ausgesondertem Spielzeug. „Ich hoffe, dass es nur eine Luftblase ist, aber …“
„Mrs. Seton?“ Michael merkte, dass er durch Wasser watete, und sah nach unten. „Ihr Fußboden steht unter Wasser.“
„Ich habe versucht, die Verstopfung selbst zu beseitigen. In dem Buch wirkte alles so einfach, aber …“ Bethany zuckte die Schultern. „Wie Sie sehen, war es das nicht.“
„Ich war schon immer dafür, derartige Dinge den Fachleuten zu überlassen“, meinte Michael. „Sonst bezahlt man am Ende das Doppelte.“
Das klang äußerst ungünstig, doch das Becken musste gereinigt werden, und zwar schnell. Sollte sie Mardi bitten, weniger Stunden zu arbeiten? Nein. Die Beschäftigung einer Assistentin mochte ein Luxus sein, aber ohne Mardi musste sie ständig die Sprechstunde unterbrechen, um Anrufe entgegenzunehmen. Sparen ja, aber nicht an der falschen Stelle.
„Können Sie gleich anfangen?“, fragte sie. „In einer Stunde erwarte ich nämlich einen Patienten.“
„Anfangen?“, fragte Michael verständnislos. „Womit?“
„Mit der Reinigung des Beckens natürlich.“
„Des Beckens?“
Allmächtiger! Der Mann mochte mancher Frau schlaflose Nächte bereitet haben, aber er war außergewöhnlich begriffsstutzig.
„Deswegen habe ich Sie gerufen, Mr. Duncan. Die Überschwemmung ist nur eine Zugabe.“
Endlich begriff Michael. „Mrs. Seton, ich bin Michael Harcus … Dr. Michael Harcus vom Harbour Medical Centre in Kirkwall.“
Bethanys Augen wurden noch größer, dann begann sie zu lachen. „Dann ist dies ein Freundschaftsbesuch? Bitte, nehmen Sie Platz … nein, hier lieber nicht. Kommen Sie mit ins Wohnzimmer.“
„Mrs. Seton …“
„Darf ich Ihnen Kaffee anbieten? Oder lieber Tee?“
„Mrs. Seton …“
„Ich schwatze dummes Zeug, ich weiß, und ich lasse Sie nicht zu Wort kommen.“ Bethany sah ihn mit einem erwartungsvollen Lächeln an. „Was wollten Sie sagen?“
Michael konnte nicht anders, er musste das Lächeln erwidern. Die Strafpredigt, die er sich während der Fahrt zurechtgelegt hatte, war plötzlich überholt. Diese Bethany Seton war ganz anders, als er erwartet hatte. Mochte sie auch zwei Kinder haben, sie wirkte immer noch zart und verletzlich, auf eine Weise, die ihm zu Herzen ging. Lag das an ihrer zierlichen Figur – sie mochte etwa einen Meter achtundfünfzig groß sein –, waren es die Schatten unter den Augen oder die Traurigkeit darin, die von Unglück und Kummer sprach? Michael wusste es nicht, und er musste sich ins Gedächtnis rufen, dass dieselbe Frau George Abbot geraten hatte, die Kortisontabletten abzusetzen und sich heiße Kohlblätter auf die Knie zu legen.
„Ich würde mein Erscheinen nicht unbedingt als Freundschaftsbesuch bezeichnen, Mrs. Seton“, sagte er. „Eher als eine gut gemeinte Warnung. Hören Sie auf, meine Patienten abzuwerben.“
„Abzuwerben?“ Anscheinend verstand sie ihn wirklich nicht. „Welche Patienten? Von wem sprechen Sie?“
„Von George Abbot, dem ehemaligen Fischer, und seiner Arthritis. Sie haben ihm geraten, die Kortisontabletten abzusetzen.“
„Nie im Leben würde ich einem fremden Patienten …“
„Sie haben ihm ein albernes Märchen über die Heilkraft von Kohlblättern aufgebunden und …“
„Einen Augenblick“, unterbrach Bethany ihn. Ihre blassen Wangen hatten sich gerötet. „Erstens würde ich niemals einem Patienten raten, die von seinem Arzt verschriebenen Medikamente abzusetzen, und zweitens ist Pflanzentherapie kein albernes Märchen. Die Menschen benutzen seit Jahrtausenden Pflanzen, um Krankheiten zu heilen …“
„Und am Ende an diesen Heilmitteln zu sterben. Rosmarin kann zu Fehlgeburten führen, Fenchel kann epileptische Anfälle auslösen …“
„Wohingegen uns die herkömmliche Medizin missgebildete Kinder, Tablettensüchtige und Immunschwache beschert hat. Ich schlage vor, Dr. Harcus, dass Sie sich an die Fehlerquellen Ihrer eigenen Fachrichtung erinnern, ehe Sie meine attackieren.“
„Ich bin nicht hergekommen, um über Fachrichtungen zu diskutieren“, erwiderte Michael und versuchte, Tiny auszuweichen, der sich lebhaft für den Inhalt seiner Jackentaschen zu interessieren schien.
„Nein, Sie sind hergekommen – ungebeten eingedrungen, wäre richtiger gesagt –, um mir vorzuwerfen, dass ich Patientenabwerbung betreibe“, erklärte Bethany hitzig. „Ich zerre die Menschen nicht von der Straße in mein Haus, Dr. Harcus. Sie kommen freiwillig zu mir. Soll ich sie wegschicken, weil engstirnige Ärzte wie Sie behaupten, dass ich ihnen nicht helfen kann?“
„Ich glaube gern, dass Sie ihnen helfen können“, erklärte Michael mit beißendem Spott. „Besonders, wenn es sich finanziell für Sie lohnt.“
Ihre grauen Augen blitzen zornig auf, aber es gelang Bethany, ruhig weiterzusprechen. „Ob Sie es glauben oder nicht – und ich gehe davon aus, dass Sie es nicht glauben –, für mich gibt es wichtigere Dinge als ein ansehnliches Bankkonto. Wenn ich jemandem nicht helfen kann und merke, dass etwas nicht stimmt, schicke ich ihn regelmäßig zu seinem Arzt.“
Michael zog die Augenbrauen hoch. „Und wie wollen Sie merken, ob etwas nicht stimmt, Mrs. Seton? Benutzen Sie Tarotkarten, oder blicken Sie in eine Kristallkugel?“
Bethany weigerte sich, ihre guten Manieren zu vergessen und das spöttische Lächeln mit einer Ohrfeige zu beantworten. „Ich bin ausgebildete Pflanzen- und Dufttherapeutin, Dr. Harcus, mit einer Auszeichnung in Naturheilkunde von der Middlesex University. Ja, ich dachte mir, dass Sie das überraschen würde“, fuhr Bethany fort, als sie Michaels erstauntes Gesicht sah. „Mich als Betrügerin und Quacksalberin hinzustellen sagt mehr über Sie als über mich aus.“
„Mrs. Seton …“
„Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie die Haustür beim Hinausgehen schließen würden, Dr. Harcus. Offen stehende Türen locken anscheinend unerwünschte Besucher an.“
Michael wollte etwas entgegnen, unterließ es aber und ging mit zusammengepressten Lippen zur Küchentür.
„Sind Ihnen noch andere Beschuldigungen eingefallen?“, fragte Bethany, als er stehen blieb und nacheinander in beide Jackentaschen griff.
„Mein Handy … es ist weg.“
„Wollen Sie damit sagen, dass ich es gestohlen habe?“, fragte Bethany entgeistert.
„Nicht Sie, sondern Ihr Hund. Er schnüffelte ständig an meinen Taschen herum.“
„Mein Hund ist kein Dieb, Dr. Harcus. Er würde nie …“
„Mummy, ich habe gesehen, wie Tiny es in den Garten getragen hat. Ich glaube, er wollte es vergraben.“
Die Übermittlerin dieser Nachricht war ein kleines Mädchen mit großen grauen Augen und kastanienbraunem Haar. Katie Seton, entschied Michael. Mit den Augen und dem Haar konnte es niemand anders sein.
„Sicher ist er nicht weit damit gekommen“, sagte Bethany schnell. „Ich hole es zurück.“
Na großartig, dachte...




