Kingsley | Nie mehr sollst du einsam sein | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

Kingsley Nie mehr sollst du einsam sein


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0682-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

ISBN: 978-3-7515-0682-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das hat ihm gerade noch gefehlt! Als sich herausstellt, dass die neue Praxisvertretung eine Frau ist, reagiert Hugh äußerst ungehalten. Noch immer hat der Arzt den Tod seiner Frau nicht überwunden. Kann ihn vielleicht die lebenslustige Alex aus seiner Einsamkeit reißen?



Maggie Kingsley ist in Edinburgh, Schottland geboren. Als mittlere von 3 Mädchen wuchs sie mit einem schottischen Vater und einer englischen Mutter auf. Als sie 11 Jahre alt war, hatte sie bereits 5 unterschiedliche Grundschulen besucht. Nicht weil sie von ihnen verwiesen wurde, sondern der Job ihres Vaters sie durch das ganze Land gebracht hat. Dieser nomadische Lebensstil führte dazu, dass Maggie viel von Großbritannien zu sehen bekam. Aber es bedeutete leider auch, dass sie nirgendwo lang genug war, um langanhaltende Freundschaften aufzubauen. So wurden Bücher ihre besten und lebenslangen Freunde. Schon seit ihrem vierten Lebensjahr war sie eine begierige Leserin. Für Maggie lag es also auf der Hand, dass sie Schriftstellerin werden wollte. Sie behielt diesen Traum, bis sie 18 war und sie sich sagte, dass Menschen wie sie - normale Menschen - keine Bücher schrieben und somit wurde sie Lehrerin. Nach drei Jahren an der Tafel entschied sie, dass das Lehren nichts für sie war und wurde Lektorin für englische und schottische Literatur an der Universität von Glasgow. Unglücklicherweise wurde die Abteilung restrukturiert und sie wurde arbeitslos. Sie fand einen Job bei der Sue Ryder Foundation wo sie viele glückliche aber auch erschöpfende Jahre verbrachte. Diese Karriere wurde nur kurz, da sie ihren Rücken in einem unsinnigen und vermeidbaren Autounfall verletzte und zeitweilig arbeitsunfähig wurde. Sie wollte nicht wieder zum Lehren in die Schule zurückkehren und so arbeitete sie in einer Bäckerei, verkaufte in einem Spielzeugladen und machte letztendlich eine Qualifizierung zur Sekretärin. Aber niemals verlor sie den Traum Schriftstellerin zu werden. Als sie und ihre Familie in ein abgeschiedenes Cottage im Norden Schottlands zogen, entschied sie sich dafür, den 'Stift wieder zur Hand zu nehmen'.
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1. KAPITEL

Mit wachsendem Unmut betrachtete Dr. Scott die mollige Frau mittleren Alters, die ihm gegenübersaß. Als er sich vor vierzehn Jahren dazu entschieden hatte, Allgemeinmediziner zu werden, musste er wohl von allen guten Geistern verlassen gewesen sein.

Ich hätte Facharzt werden sollen oder noch besser Anästhesist, dachte er, während Sybil Gordon ihm ihr Leid klagte. Da redeten die Patienten überhaupt nicht. Aber er wollte ja unbedingt eine Hausarzt-Praxis eröffnen, und was hatte er nun davon? Die schlimmste Hypochonderin des ganzen Universums.

„Mrs. Gordon“, unterbrach er ihren Redeschwall energisch. „Es ist völlig ausgeschlossen, dass Sie das Dengue-Fieber haben. Diese Krankheit tritt nur in subtropischen Gegenden auf, und der Norden Schottlands gehört definitiv nicht dazu.“

„Aber meine Knochen tun weh, Herr Doktor“, beharrte sie. „Außerdem habe ich Halsschmerzen, und meine Nase läuft.“

„Weil Sie eine ganz normale Erkältung haben“, erklärte er, wobei er sich nur mühsam beherrschte. „Gehen Sie nach Hause, und nehmen Sie eine Schmerztablette. Und vor allem, verbrennen Sie endlich Ihr medizinisches Sachbuch!“

„Aber ich schwitze, Herr Doktor“, protestierte sie. „Und ich bin sicher, dass meine Augäpfel gelb aussehen. Finden Sie nicht, dass sie gelb sind?“

Hugh war nachts dreimal angerufen worden, hatte am Vormittag eine lange, anstrengende Sprechstunde hinter sich gebracht, und die Abendsprechstunde versprach genauso zu werden. Da konnte er jemanden wie Sybil Gordon wirklich nicht gebrauchen. Außerdem sollte jeden Augenblick die neue Praxisvertretung eintreffen.

„Nein, Ihre Augen sind nicht gelb, sondern völlig normal, gesund und weiß“, gab er schroff zurück.

„Sind Sie sicher, Herr Doktor?“ Sybil Gordon ließ nicht locker. „Als ich sie vorhin im Spiegel angeschaut habe, sahen sie jedenfalls gelb aus. Und die Haut an meinem Kinn fängt an zu jucken. Das ist doch auch ein Zeichen für Dengue-Fieber, oder?“

Da riss Hugh der Geduldsfaden endgültig. „Raus, Mrs. Gordon.“ Mit langen Schritten ging er durch das Sprechzimmer und öffnete die Tür.

„Wie bitte?“ Fassungslos sah sie ihn an.

„Mrs. Gordon, Sie haben kein Dengue-Fieber. Sie haben überhaupt kein Fieber. Das Einzige, was mit Ihnen nicht stimmt, ist die Tatsache, dass Sie viel zu viel Zeit haben.“

„Aber …“

„Tun Sie uns beiden einen Gefallen“, meinte er mit erhobener Stimme. „Suchen Sie sich einen Job oder ein Hobby. Denn ich schwöre, wenn ich Sie noch einmal mit irgendeiner haarsträubenden Erkrankung aus irgendeinem Buch in meiner Praxis sehe, komme ich zu Ihnen nach Hause und verbrenne das verdammte Ding höchstpersönlich!“

Er ließ ihr keine Gelegenheit zu einer Antwort, sondern drängte sie aus dem Zimmer. Dabei fiel sein Blick auf die schockierte Miene der Sprechstundenhilfe. Doch Hugh knallte nur die Tür zu und ging verärgert an seinen Schreibtisch zurück.

Dengue-Fieber! Die weitesten Fahrten, die Sybil Gordon mit ihren achtundfünfzig Jahren je unternommen hatte, waren gelegentliche Ausflüge ins Nachbardorf. Ein waschechtes Kilbreckan-Urgestein, wie Jenny immer zu sagen pflegte. Eine Frau, die schon Heimweh bekam, wenn sie mehr als eine Meile von zu Hause entfernt war.

Er lachte leise. Wie Jenny sich darüber amüsieren würde, wenn er ihr davon erzählte! Doch dann durchfuhr ihn ein plötzlicher Schmerz. Nein, Jenny würde nicht lachen, weil es sie nicht mehr gab. Heiße Tränen schossen ihm in die Augen, und er musste sich auf die Lippen beißen, um sie zurückzuhalten.

Zwei Jahre war es her, dass Jenny mit ihrem Wagen auf Glatteis ins Schleudern geraten und frontal mit einem Lastwagen zusammengestoßen war. Zwei Jahre, in denen Hugh sich in die Arbeit gestürzt hatte, um nicht nachzudenken, um seine Erinnerungen zu verdrängen. Aber dann passierte irgendetwas, was er gerne mit ihr geteilt hätte. Und sobald er sich bewusst wurde, dass es nicht möglich war, traf ihn der Schmerz über seinen Verlust genauso heftig und unerträglich wie am Tag des Unfalls.

„So, das Ding hier kriegst du erst zurück, wenn du wieder normal mit unseren Patienten reden kannst, ohne ihnen den Kopf abzureißen“, erklärte Malcolm MacIntyre, sein Praxis-Partner, der gerade hereinkam. Er nahm Hughs Namensschild ab und steckte es in seine Tasche. „Bis dahin beschränkst du dich auf den Papierkram.“

„Ich habe einfach mal die Beherrschung verloren, na und?“, fuhr Hugh auf. „Das ist doch keine große Sache. Ich geh morgen vorbei und entschuldige mich bei ihr.“

„So wie du dich letzten Monat bei George Hunter und davor bei Peggie Fraser entschuldigen musstest?“, fragte Malcolm kopfschüttelnd. „Hugh, seitdem Jenny gestorben ist …“

„Das hat nichts mit meiner Frau zu tun!“

„Du schuftest dich zu Tode, um deinen Kummer mit Arbeit zu betäuben“, fuhr Malcolm entschlossen fort. „Aber deine Laune wird immer schlechter. Die Leute in Kilbreckan mögen dich. Schon seit du vor zehn Jahren die Praxis übernommen hast. Aber Sympathie hat ihre Grenzen. Und wenn du so weitermachst, gibt es bald keine Praxis mehr.“

„Willst du etwa behaupten, dass ich der Arbeit nicht gewachsen bin?“

Malcolm stöhnte entnervt. „Ich sage nur, dass ich mir deinetwegen Sorgen mache, Hugh. Chrissie und ich sind deine Freunde, wahrscheinlich die einzigen, die noch übrig sind, nachdem du alle anderen nach Jennys Tod weggestoßen hast. Du warst unser Trauzeuge, du bist der Pate unserer Kinder, und wir …“

Verlegen rieb Malcolm sich über den Nacken. „Verdammt noch mal, wir lieben dich, du großer Hornochse. Aber du musst die Vergangenheit hinter dir lassen und wieder zu leben anfangen. Sonst macht Jennys Tod dich noch kaputt.“

Ein kalter Blick trat in Hughs graue Augen. „Ich werde nie wieder heiraten.“

„Wer hat denn was von Heiraten gesagt?“ Malcolm setzte sich auf einen Stuhl. „Ich spreche davon, dass du mit jemandem reden musst. Vielleicht mit einem Psychologen oder mit irgendjemandem, dem du vertraust, um deine Gefühle rauszulassen.“

„Ich war noch nie bei einer Gruppentherapie, und ich habe auch nicht vor, jetzt damit anzufangen“, erklärte Hugh abweisend.

„Na gut, dann vergiss den Psychologen“, erwiderte Malcolm. „Aber nimm dir wenigstens die Zeit, dich an irgendwelchen Rosen zu erfreuen – oder in deinem Fall wohl eher am Heidekraut. Hugh, du bist gerade mal neununddreißig!“

„Wir haben viel zu viel zu tun, als dass ich durchs Heidekraut stampfen könnte“, widersprach Hugh ärgerlich.

Malcolm nickte. „Deshalb brauchen wir auch einen neuen Partner in der Praxis. Ich weiß, ich weiß“, fuhr er fort, als Hugh die Augen verdrehte. „Es ist die alte Leier, aber es stimmt trotzdem.“

„Was glaubst du wohl, warum ich damit einverstanden war, all diese Vertreter in den letzten anderthalb Jahren einzustellen?“, fragt Hugh. „Ich weiß, dass wir noch einen Arzt brauchen. Aber es ist schließlich nicht meine Schuld, dass keiner der Vertreter gut genug war, um ihm eine Partnerschaft anzubieten.“

„Hugh, sie hätten alle eine Mischung aus Marie Curie und Albert Schweitzer sein können, und du hättest immer noch behauptet, dass sie nicht gut genug sind. Denn letztendlich willst du Jenny gar nicht ersetzen. Du meinst, es wäre ihrem Andenken gegenüber illoyal, das zu tun.“

„Blödsinn.“

„Ach, wirklich?“ Malcolm beugte sich vor und sah ihn forschend an. „Hugh, niemand kann oder wird Jenny jemals ersetzen. Sie war ein ganz besonderer, einzigartiger Mensch. Aber das heißt nicht, dass kein anderer Arzt ihren Platz in der Praxis einnehmen könnte. So kann es nicht weitergehen. Wir sind beide völlig erschöpft. Und als Chrissie sich vor drei Jahren bereit erklärt hat, unsere Sprechstundenhilfe zu werden, hat sie nicht damit gerechnet, dass sie rund um die Uhr arbeiten muss. Irgendwann wird es zu einem Zusammenbruch kommen, und es hat schon angefangen.“

Malcolm hatte recht, das wusste Hugh. Wenn er nicht aufpasste, würde er alles verlieren, was er sich in Kilbreckan aufgebaut hatte. Doch wie sollte er seinem besten Freund erklären, dass er nicht wusste, wie er von der Vergangenheit loskommen oder wie er ohne Jenny weiterleben sollte? Er konnte es sich nicht einmal vorstellen.

„Malcolm, ich weiß, dass es in letzter Zeit schwierig gewesen ist, mit mir zusammenzuarbeiten. Okay, okay“, fuhr er fort, als sein Freund den Kopf schüttelte. „Ich war einfach unmöglich, und das tut mir leid. Ich werde mir Mühe geben, mich zu bessern. Und ich verspreche …“

Er atmete tief durch. „Wenn dieser Alec Lorimer auch nur halbwegs vernünftig ist, bieten wir ihm am Ende seines Dreimonatsvertrages eine Partnerschaft an. Du hast doch gesagt, dass er erstklassige Referenzen hat, oder?“

Ein Hauch von Röte erschien auf Malcolms runden Wangen. „Dr. Lorimers Referenzen sind fantastisch, wirklich außergewöhnlich, aber …“ Er hielt inne, als die Tür geöffnet wurde und eine füllige blonde Frau erschien. „Chrissie, was können wir für dich tun?“

„Es ist schon nach sieben, und im Wartezimmer ist keiner mehr“, antwortete sie. „Soll ich abschließen?“

„Ist Alec Lorimer noch nicht da?“, fragte Hugh. Als Chrissie verneinte, zog er die Brauen zusammen. „Nicht gerade ein guter Anfang, wenn er eigentlich um sechs hätte hier sein sollen.“

„Hugh.“

„Entschuldige, Chrissie“, sagte er schnell, als er den Blick sah,...



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