E-Book, Deutsch, 457 Seiten
Kingsley His Heart
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-96797-446-1
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 457 Seiten
ISBN: 978-3-96797-446-1
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenn Liebe die Antwort ist.
Brooke Summerlin kennt die Schattenseiten des Lebens nur zu gut. Nach einer Kindheit voller Schmerz glaubt sie, in Liam endlich ihr Glück gefunden zu haben - bis ein tragisches Schicksal alles zerstört.
Sebastian McKinney lebt für seinen Sport. Stark, entschlossen und unaufhaltsam, bis eine heimtückische Krankheit ihn beinahe das Leben kostet.
Vier Jahre später treffen zwei vom Verlust gezeichnete Menschen aufeinander. Trotz ihrer Verbindung droht Brooke in Trauer zu versinken, während Sebastian alles versucht, sie zu retten - auch wenn er selbst mit den eigenen Ängsten kämpft. Doch manchmal überwindet Liebe die Grenzen zwischen Leben und Tod. Die Herzen, die einst liebten, schlagen weiter. Und vielleicht ist es genau diese Liebe, die sie beide retten kann ...
Claire Kingsley schreibt Liebesgeschichten mit starken, eigensinnigen Frauen, sexy Helden und großen Gefühlen. Ein Leben ohne Kaffee, E-Reader und neu erfundene Geschichten ist für sie nicht vorstellbar. Claire Kingsley lebt mit ihrer Familie im Pazifischen Nordwesten der USA.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Brooke
Januar. Sechzehn Jahre alt.
Ich konnte nicht viel mehr tun, als einfach zu überleben.
Genauer gesagt: die Highschool zu überleben. Phoenix unterschied sich kaum von den anderen Orten, an denen ich bisher gewohnt hatte. Ganz egal, wie oft meine Mutter mit mir umzog und wie viele Schulen ich besuchte – sie waren immer gleich. Wurden bestimmt von hierarchischen sozialen Strukturen, die so vielschichtig waren wie das Kastensystem. Jeder wusste, wo er stand, und der einzig sichere Platz war ganz oben.
Was das Gegenteil von der Position war, in der ich mich befand.
Doch der Tag war vorüber, die letzte Stunde zu Ende. Einige der anderen eilten sofort nach draußen, um den Bus zu erwischen oder einfach nur, um so viel Abstand wie möglich zwischen sich und dieses Gefängnis von einem Gebäude zu bringen. Andere verweilten in den Gängen, unterhielten sich mit Freunden, schmiedeten Pläne.
Die meisten von ihnen hatten etwas, wo sie hingehen konnten und wo es schöner war als in der Schule. Ihr Zuhause. Sporttraining. Ein Clubtreffen. Einen Nebenjob. Ich nicht. Ich ließ mir Zeit, schlenderte allein zu meinem Spind, den Blick auf den Boden gerichtet. Ich war total unsportlich, und durch die häufigen Schulwechsel war es schwer für mich, an irgendwelchen Aktivitäten teilzunehmen. Ich war zu still, um problemlos Freunde zu finden.
Ich war das sonderbare Mädchen. Schräge Klamotten. Blaue und pinkfarbene Strähnchen in meinen dunkelbraunen Haaren. Im Unterricht saß ich immer ganz hinten und kritzelte in ein Notizheft. Ich war nicht unbedingt schüchtern. Ich hatte es bloß aufgegeben, mich anzustrengen. Es war schwierig, in bereits bestehenden Freundeskreisen einen Platz zu finden, und bis ich es geschafft hatte, zog meine Mom meistens sowieso wieder mit mir um. Deswegen versuchte ich, die sozialen Aspekte des Schullebens auszublenden. Es war Januar, und ich war ein Junior im dritten Highschooljahr. Das bedeutete, dass ich in eineinhalb Jahren meinen Abschluss hatte. Noch achtzehn Monate, bis ich frei wäre. Das war zu schaffen.
Gegenüber von meinem Spind stand eine Gruppe Mädchen auf dem Flur zusammen. Die Mean Girls. Sie trugen diesen Titel mit Stolz. Hinten auf ihren Handyhüllen klebten sogar passende MG-Sticker. Seitdem ich hergezogen war, hatte ich mich bemüht, ihnen nicht aufzufallen. Es nahm ohnehin kaum jemand Notiz von mir.
Doch aus irgendeinem Grund waren die Mean Girls auf mich aufmerksam geworden. Sie standen dicht beisammen, steckten die Köpfe zusammen, redeten leise miteinander und beobachteten mich dabei. Also gab ich rasch die Zahlenkombination meines Spinds ein, um möglichst schnell wieder von ihnen wegzukommen.
»Ich weiß auch nicht, was sie da für Schuhe trägt«, sagte Karina Bowen, ohne sich zu bemühen, zu verhindern, dass ich es mitbekam.
Ich verkniff es mir, meine Schuhe zu betrachten – abgetragene blaue Converse. Ich wollte nicht zeigen, dass ich ihre Bemerkung gehört hatte.
»Und diese Jeans. Da fehlen mir die Worte«, meinte Harmony Linwood, die zweite Oberzicke gleich nach Karina. Wo die eine war, war auch die andere nicht weit. Die anderen Mädchen schnaubten höhnisch und gaben zustimmende und angewiderte Geräusche von sich. Klickten mit ihren manikürten Fingernägeln. Verdrehten ihre stark geschminkten Augen.
Ich hielt den Blick fest auf meinen Spind gerichtet und stopfte einige Bücher in meinen Rucksack. Ignoriere sie, Brooke. Ignoriere sie einfach.
»Hey, Brooke«, rief Karina. »Du weißt schon, dass es in Laufweite von hier einen Secondhandladen gibt. Würde deinem Look vielleicht guttun. Ist nur ein gut gemeinter Rat, Süße.«
Gekicher. Als hätte sie etwas total Cleveres gesagt.
Trotzdem wurden meine Wangen heiß, und ich biss mir auf die Innenseite der Lippe. Meine Wut darüber, dass mein gerötetes Gesicht mich, wenn ich mich umdrehen würde, verraten würde, vermischte sich mit der Beschämung, die sie so geschickt zu wecken verstanden.
Wieder flüsterten und kicherten sie.
»Ach, aber sie ist natürlich eine dämliche Lesbe«, sagte Karina. »Das sieht doch jeder. Und das ist wahrscheinlich besser so. Welcher Junge würde sie schon daten?«
Ich konnte ihre Blicke in meinem Rücken spüren, die sich wie glühende Brandzeichen in meine Haut brannten. Ich ballte die Hände zu Fäusten.
»Hey, Brooke.«
Die männliche Stimme ließ mich zusammenschrecken. Als ich aufsah, stand Liam Harper lässig an den Spind neben meinem gelehnt. Blaue Augen, wuschelige dunkelblonde Haare und ein Lächeln, bei dem ich selbst dann weiche Knie bekommen hätte, wenn ich eine Lesbe gewesen wäre. Was ich aber nicht war. Insbesondere nicht, wenn es um Liam Harper ging.
Aber warum redete er mit mir?
»Ähm, hi.«
Die Mean Girls waren verstummt. Ich merkte, wie Liam kurz zu ihnen hinsah, bevor er den Blick wieder auf mich richtete. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch Karina hatte bereits den Flur überquert und trat zu uns.
»Hey, Liam«, sagte sie mit falscher, zuckersüßer Freundlichkeit in der Stimme. »Hast du schon die Ankündigung für das Motto des Valentinsballs gesehen? Hollywood Nights.«
Er runzelte leicht die Stirn. »Hm, ja. Klingt sehr nach dem Motto vom letzten Jahr.«
Sie schaffte es irgendwie, mir einen ultrakurzen bösen Blick zuzuwerfen und gleichzeitig Liam anzublinzeln. Am liebsten hätte ich die Gelegenheit genutzt, um die Flucht zu ergreifen, aber diese ganze Situation war so abstrus, dass ich mich nicht von der Stelle rührte. Warum hatte Liam mich angesprochen?
»Nun, ich glaube, es wird phantastisch werden«, meinte Karina. »Hast du schon eine Begleitung?«
Ich konnte mir ein Augenrollen nicht verkneifen. Sie war so durchschaubar.
»Ja«, erwiderte er.
Sie blickte überrascht drein, und ihr blieb der Mund offenstehen. Mit dieser Antwort hatte sie nicht gerechnet. »Tatsächlich? Wen?«
»Brooke«, antwortete er.
Karina war sichtlich verblüfft. »Brooke Summerlin? Du meinst sie?«
Liam sah mich an und schenkte mir ein Grinsen. »Genau. So ist es doch, Brooke, oder?«
Ich starrte ihn verdattert an. Warum machte er das? Aus Mitleid? Oder wartete er darauf, dass ich zustimmte, damit er mir den Boden unter den Füßen wegziehen und mir ins Gesicht lachen konnte? Meine Wangen wurden noch heißer, und ich schluckte angestrengt.
Doch die Aussicht, Karina Bowen in die Augen sehen und ihr eröffnen zu können, dass ich mit Liam Harper auf den Ball gehen würde, war zu verlockend. Wenn das hier ein Streich wäre, würde ich die Demütigung eben riskieren.
»Ja«, sagte ich an Karina gerichtet. »Ich gehe mit Liam hin.«
Liams Lächeln wurde noch breiter. Karina sah so angewidert aus, dass es schon albern wirkte. Man hätte meinen können, sie wäre gerade in einen riesigen Hundehaufen getreten.
»Oh«, sagte sie. Dann warf sie mit einem letzten, vernichtenden Blick auf mich die Haare zurück und ging wieder zu ihren Lakaien.
Die Mean Girls unterstützten ihre Anführerin mit noch mehr fiesen Blicken in meine Richtung, doch ich bemerkte sie kaum. Ich starrte Liam an, in dem Bewusstsein, dass er natürlich nicht wirklich mit mir auf den Ball gehen würde. Es war ausgeschlossen, dass er ausgerechnet mich einladen würde. Aber es war nett von ihm gewesen, sich für mich einzusetzen – und vollkommen unerwartet.
»Wow, das war … ziemlich witzig«, sagte ich und sah den Mean Girls nach, wie sie den Flur hinunterstolzierten.
»Witzig?«, fragte er. »Wieso?«
»Na, wegen Karinas Gesichtsausdruck.«
Er warf einen Blick über die Schulter, als hätte er sie schon wieder vergessen. »Ach so, ja.«
Ich trat von einem Bein aufs andere und fühlte mich...




