E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Reihe: Ullstein eBooks
Killoren Das Rezept unserer Freundschaft
19001. Auflage 2019
ISBN: 978-3-8437-2020-5
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Reihe: Ullstein eBooks
ISBN: 978-3-8437-2020-5
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kelly Killoren is Editor-at-Large bei TheDailyMail.com mit einem Augenmerk auf Gesundheit und Wellness. Sie arbeitete als Model bevor sie mit dem Schreiben anfing, u.a. für die Elle. Sie hat eine Interview-Kolumne in The New York Post. Kelly Killoren lebt mit ihren beiden Töchtern in New York City.
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Kapitel 1
Ich kostete einen Klacks Kaviar, ließ ihn mir im Mund zergehen und genoss die salzig mineralische Frische, als die winzigen Eier in meinem Mund explodierten.
Pop Rocks für die Reichen, dachte ich, nicht zum ersten Mal.
»Findest du nicht«, flüsterte ich Sarah ins Ohr, »dass das langsam ein bisschen lächerlich wird?«
Sarah nippte an ihrem Negroni und legte den Kopf schräg. »Nein, ich finde es irgendwie süß.«
Ich gönnte mir einen zweiten Klacks Kaviar und folgte ihrem Blick quer durch den Raum. »Es ist, als wäre ihr Leben ein einziger Liebesroman. Warte ab, irgendwann werden sie sich in einer einzigen Pfütze aus Champagner, Rosenblättern und leeren Tiffany-Schachteln auflösen.«
Wir beobachteten unsere gute Freundin Lucy, die auf dem Schoß ihres Mannes Titus saß. Sie hatte lose die Arme um den Nacken ihres Mannes geschlungen, der ihr mit unverhülltem Verlangen in die Augen blickte.
»Und vielleicht gebrauchte Kondome. Die kommen auch noch in die Pfütze.«
Sarah zog die Nase kraus. »Iih, Billy, eklig.«
Ich gönnte ihnen ihr Glück. In letzter Zeit hatten sie einige Probleme gehabt, und wir waren alle erleichtert, dass sie die Krise überstanden hatten. Andererseits wurde es langsam nervig, dass die beiden nach fast zwanzig Jahren Ehe immer noch aneinander klebten wie zwei Teenager, die gerade Trockensex entdeckt hatten.
Wir waren hier, um Lotta zu helfen, sich für ihren großen Tag vorzubereiten. In zwanzig Minuten sollte sie vor dem Altar stehen, aber Titus, Legende der Kunstwelt und hoffnungslos liebestrunkener Ehemann, war mit einem Tablett voller Champagner und Kaviar in die Hochzeitssuite gerauscht und hatte ein paar Toasts ausgebracht.
»Mit besten Grüßen vom Bräutigam«, hatte er gesagt, doch ich hegte den Verdacht, dass er das nur erfunden hatte, um seine Frau zu sehen.
Mein Verdacht erhärtete sich, als er sie auf seinen Schoß zog, kaum dass er sie in ihrem durchscheinenden Schlauchkleid sah.
»Das steht dir ausgezeichnet«, murmelte er. »Von welchem Designer?«
»Von Lotta«, antwortete Lucy. »Ist es nicht umwerfend?«
»Ach, wisst ihr«, sagte Lotta mit ihrem kehligen schwedischen Akzent, »Zac Posen hat mir geholfen. Ich hab ihm nur erklärt, was ich mir so vorstelle, dann haben wir es gemeinsam kreiert.«
»Tja, in dem Fall gilt meine Hochachtung dir und Zac«, erwiderte Titus.
»Danke. Aber jetzt geh bitte, bevor du meine Brautjungfer noch mehr zerknitterst.«
Titus raubte noch einen letzten Kuss von Lucy, bevor er sich erhob. »Ihr alle seid wunderschön«, erklärte er und schenkte uns ein herzliches Lächeln. »Aber vor allem natürlich die Braut.«
Lotta erwiderte sein Lächeln und machte dann mit ihrer perfekt manikürten Hand eine gebieterische Geste Richtung Tür. Sie sah wirklich wunderschön aus.
Wir Brautjungfern trugen hauchdünnes weißes Leinen, Lotta hingegen blaue Seide. Bei der kleinsten Bewegung wechselte sie vom sanften Azur eines Sommerhimmels zum rauchigen Indigo eines heranziehenden Sturms.
»Schließlich ist das nicht mein erstes Rodeo«, hatte sie erklärt, als sie uns ihr Kleid präsentierte, »und ich fände es lächerlich, als errötende Jungfrau zu gehen. Ihr könnt gerne an meiner Stelle Weiß tragen – ich will lieber eine Farbe, die einem wirklich schmeichelt.«
Natürlich hätte Lotta mit ihren taillenlangen platinblonden Haaren, den nordischen Augen mit den schweren Lidern und mit hundertachtzig Zentimetern Kurven, die einer Brigitte Bardot würdig waren, in jeder Farbe spektakulär ausgesehen – aber Blau war ihr Markenzeichen, und sie hatte nicht vor, sich in das typische Brautschema pressen zu lassen.
Die Hochzeit war ganz schlicht. Was nicht gleichbedeutend war mit billig. Sie fand im Sommerhaus des Bräutigams statt, und Haus hieß in diesem Fall ein zehntausend Quadratmeter großes Anwesen mit eigenem Strand in den Hamptons. Man feierte im engsten Kreis – was hieß, nur mit zweihundertfünfzig vertrauten Freunden und Verwandten. Und das Motto lautete Beach casual, was in diesem Fall bedeutete: barfuß.
»Barfuß? Ist das wirklich dein Ernst, Lotta?«, fragte Sarah und warf einen sehnsüchtigen Blick zu einer Schuhschachtel am Boden. »Dann kann ich ja gar nicht meine hübschen Riemchensandalen von Gucci tragen.«
»Wie ich bereits sagte«, entgegnete Lotta, »beim Empfang kannst du anziehen, was du willst. Aber am Strand sind wir alle barfuß. Ich habe eine Vision!«
»Na, dann!«, sagte Lucy, sprang auf und rieb sich imaginären Staub von den Händen. »Bringen wir diese Vision in Gang! Eine Viertelstunde bleibt uns noch! Sarah, prüf noch mal die Frisur. Ich kümmere mich ums Make-up, und Billy, du setzt den Kopfschmuck auf.«
Wir schritten zur Tat. Selbstverständlich hatte bereits ein Aufgebot von Profis die Vorarbeiten geleistet: Die Zuständigen für Frisur und Kosmetik, die Fotografen und die Floristen wimmelten um die Hochzeitsplanerin herum wie die Küken um ihre Glucke. Lotta hatte sie machen lassen und danach weggeschickt, um vor der Trauung noch einen Moment mit uns allein zu haben.
Vorsichtig hob ich das zarte Haarnetz aus Platinkettchen hoch, das Lotta statt eines Schleiers tragen würde. Es verschwand in Lottas silberblonden Haaren, sodass man nur noch die unzähligen winzigen Saphirsplitter sehen würde, die wirkten wie der teuerste Sternenstaub der Welt. Sarah strich ein paar lose Strähnen zurück. Lucy tupfte Lottas Kinn und Nase noch einmal mit einem Hauch Puder ab.
»Das reicht«, sagte Lotta. »Jetzt will ich einen Toast ausbringen.«
Die Brautjungfern nahmen ihre Gläser mit Negroni, die Braut ihres mit Mineralwasser. Lotta war bereits seit fast sechs Monaten zu achtundneunzig Prozent trocken.
Als sie aus der Entziehungskur kam, war sie hundertprozentig trocken gewesen und hatte sich strikt an das übliche Zwölf-Schritte-Programm gehalten. Wir waren wie auf Zehenspitzen um sie herum geschlichen und hatten uns nur gemeinsame Unternehmungen ausgedacht, die sich nicht um Alkohol oder noch schlimmere verbotene Substanzen drehten. Zum Beispiel hatten wir unsere ohnehin schon herausfordernden Workouts verdoppelt. Sahen uns eine Menge Filme an. Gingen viel spazieren. Tranken noch mehr Kaffee. Schwelgten ausgiebig in Fernsehserien. Irgendwann hatten wir sogar angefangen zu stricken – sehr zu meinem Entsetzen. Doch jedes Mal, wenn wir eine angemessene Zeit nüchtern miteinander verbracht hatten, verabschiedeten wir uns von Lotta und schlichen uns zur nächstgelegenen Bar.
Das hatte nach knapp sechs Monaten ein Ende. Dann kam Lotta mit einer großen Flasche Tequila in Lucys Stadthaus gerauscht und legte zu dieser Flasche einen Joint auf den Küchentisch.
»Neuer Plan«, verkündete sie. »Ich bin euch wirklich dankbar, dass ihr mich so unterstützt. Ehrlich. Aber ich will keinen einzigen verdammten Abend mehr mit Scandal-Wiederholungen und höflicher Konversation über mich ergehen lassen.«
Alarmiert sahen wir uns an. Lotta hatte sich ziemlich lange in den Fängen einer ausgewachsenen Drogensucht befunden, bevor sie sich endlich Hilfe suchte. Keine von uns wollte das noch mal durchmachen.
»Der hier«, sagte sie und hob den Joint in die Höhe, »ist für mich. Und die hier« – sie schob die Flasche in unsere Richtung – »ist für euch. Ihr Mädels werdet jetzt schön feiern, und ich rauche diesen Joint, damit ihr sehen könnt, dass ich nicht aus Zucker bin. Ich werde weder schmelzen noch anbrennen, wenn ihr ein bisschen Spaß habt.«
Wir starrten sie an. »Aber Lotta …«, sagte Lucy.
»Nein«, unterbrach Lotta sie. »Von nun an werde ich achtundneunzigprozentig nüchtern sein. Ich werde nicht wieder mit Kokain anfangen, bloß weil ich ein bisschen Pot rauche, aber ich breche zusammen, wenn ich noch eine Sekunde länger aushalten muss, wie verfickt langweilig wir geworden sind. Jetzt trinkt. Bitte. Ich flehe euch an. Trinkt. Ich halte das schon aus.«
Danach wurde alles mehr oder weniger normal. Wir reduzierten den Kaffee und gingen abends wieder zusammen essen und feiern. Wir besuchten unsere alten Lieblingsbars und -restaurants und tranken alle unsere Lieblingsdrinks. Allerdings versuchten wir, es nicht zu übertreiben. Lotta hielt sich an ihrem Glas Tonic mit Limette fest und ging danach nach Hause, um ihren täglichen kleinen Ausflug in den Rausch zu genießen.
Das schien zu funktionieren. Als ich sie einmal fragte, ob es denn nicht hart für sie sei, antwortete sie achselzuckend: »Es war hart, fast zu sterben. Der Entzug war hart. Aber das hier … ist nur Instandhaltung.«
Ich hatte den Eindruck, dass sie meinte, was sie sagte. Ich hoffte es. Dennoch verspürte ich einen Anflug von schlechtem Gewissen, als ich mein Glas mit Gin, Wermut und Campari hob, um es gegen ihres mit langweiligem Mineralwasser zu stoßen.
Lotta hielt einen Moment inne und sah uns an. Dann stellte sie ihr Glas ab.
»Jetzt sagt mal ganz...




