E-Book, Deutsch, Band 1, 288 Seiten
Reihe: Die Dread Wood-Reihe
Killick Dread Wood. Tödliches Nachsitzen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-641-33737-7
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Spannendes Gänsehaut-Abenteuer für Kinder ab 10 Jahren
E-Book, Deutsch, Band 1, 288 Seiten
Reihe: Die Dread Wood-Reihe
ISBN: 978-3-641-33737-7
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hallie, Angelo, Gustav und Naira sind zwar in derselben Klasse, können sich aber gegenseitig nicht ausstehen. Jetzt müssen sie auch noch gemeinsam nachsitzen - und das an einem Samstag! Schlimmer geht's nicht, oder? Falsch! Denn plötzlich scheint das Schulgebäude von einer bösen Macht besetzt, der Lehrer wird verschleppt – die Schüler stehen dem Grauen allein und hilflos gegenüber. Es sei denn, sie arbeiten zusammen ... Denn dass sie hier versammelt sind, ist kein Zufall, sondern dient einem ganz bestimmten Zweck: Rache!
Für Grusel-Fans ab 10 Jahren
Jennifer Killick schreibt am liebsten Abenteuer-Serien für Kinder und liebt gruselige TV-Serien wie Buffy oder Stranger Things. Sie hat an der Brunel University Kreatives Schreiben studiert und lebt in Uxbridge, Großbritannien.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Der LOSER-CLUB
Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als in die Schule zu müssen – außer, an einem Samstag in die Schule zu müssen. Regen tropft von den hohen Bäumen, die wie uralte Wächter zu beiden Seiten des Weges bis zum verschlossenen Tor aufragen. Sie umschließen das Schulgelände bis zum Gruselwald, der direkt hinter der Schule beginnt. Ich frage mich, wie viele Wochenend-Nachsitzer diese alten Bäume schon gesehen haben. Wie viele schlecht gelaunte Kinder, die den Kiesweg hochtrotteten und sich nichts sehnlicher wünschten, als irgendwo anders zu sein. Ein eisiger Tropfen fällt von einem tief hängenden Eichenzweig direkt in meinen Nacken und läuft unter den Kragen meines Sweatshirts. Ich sehe, dass die anderen drei bereits vor dem Tor warten, und darum verziehe ich keine Miene. Als ich bei ihnen bin, senke ich den Kopf und meide den Blickkontakt.
»Ehrlich, lieber wäre ich jetzt tot als hier«, sagt Hallie. Ich muss nicht aufschauen, um zu wissen, dass es Hallie war, denn genau so einen Quatsch würde sie von sich geben.
»Ernsthaft?«, schnaubt jemand. Gus, der verrückte Gus, in dessen Leben andere Regeln gelten als für den Rest von uns. Ich habe keine Ahnung, wie diese Regeln aussehen – er ist so unberechenbar wie ein Hund auf einer Wiese voller herumspringender Eichhörnchen. Chaos auf zwei Beinen. »Den Samstag hier zu verbringen, ist echt grauenvoll, aber so schlimm wie der Tod …?«
»Natürlich nicht«, wirft das andere Mädchen ein – Naira. Unentspannt, Streberin, Perfektionistin – zumindest an der Oberfläche. Bei jeder möglichen Gelegenheit gibt sie uns zu verstehen, dass wir Nieten sind. »Damit das hier von vornherein klar ist: Niemand von euch spricht mich an, während wir unsere Strafe absitzen. Ich möchte mit niemandem von euch Losern etwas zu tun haben.«
Gus lacht.
»Wenn wir Loser sind, Naira«, sagt Hallie, »dann willkommen im Club.«
»Loser-Club!«, johlt Gus. Dann springt er hoch und hängt sich an einen Ast. Ein Regentropfenschauer ergießt sich über uns alle. Gus schwingt am Ast hin und her. Naira kreischt und Hallie flucht, und beide schlagen nach den Tropfen, als ob sie von Wespen gestochen würden.
Ich lasse das Wasser mein Gesicht herunterlaufen und genieße den Gedanken, dass diese Tropfen eine gewaltige und abenteuerliche Reise hinter sich haben: aus den Wolken am Himmel gefallen, durch den Baum gerieselt und schließlich auf meinem Gesicht gelandet. Ich schaue zu Gus hoch.
»Wir sollten uns einen Button basteln, Leute«, ruft er. »Ich nehme meine besten Stifte und male uns ein Logo. Wir ein Motto.« Die letzten Worte spricht er mit verstellter, gekünstelter Stimme.
»He, ein bisschen mehr Respekt vor dem Baum, du Idiot«, ruft Hallie. »Der ist ’ne Million Jahre alt. Wenn der Ast bricht, breche ich dir den Arm.« Hallie nutzt ihre unerschöpfliche Energie sowohl im Guten als auch im Bösen – anscheinend hat sie immer eine Menge Wut im Bauch und keinerlei Hemmungen, diese auch rauszulassen. Sie trägt jede Menge Buttons an ihrem Sweatshirt, die in der Schule nicht erlaubt sind, mit denen sie aber stolz zeigt, dass sie Vegetarierin ist, LGBTQ+ unterstützt und Flüchtlinge willkommen heißt.
»Ist doch nur ein dreckiger Holzklotz mit vertrockneten Blättern«, sagt Naira. Sie schaut hoch in den Baum und streicht sich die Haare hinters Ohr.
»Schon klar, dass wir keine Freunde sind, aber so über mich zu reden, das tut weh, Naira.« Gus lässt den Ast los, und ich muss unwillkürlich losprusten.
»Aha, er hört also zu«, sagt Hallie und stützt die Hände in die Hüften, als habe sie gerade ein Spiel gewonnen.
Gus reißt die Augen auf und fasst Hallie am Arm. »Moment mal, haben Bäume denn Ohren?«
»Sie meint das Opfer da vorne.« Naira deutet mit dem Kopf in meine Richtung. »Den Tischewerfer.«
»Schon gut, Tablettschleuder«, sage ich. »Du warst es doch, die mit dem Mist angefangen hat.« Sobald die Worte raus sind, bedauere ich sie auch schon. Genauso wie ich bedauere, dass ich schon nach knapp drei Monaten im siebten Schuljahr in eine Situation verwickelt bin, die der Rest der Schule jetzt als »Dreadwood-Revolte« bezeichnet. Revolte ist etwas übertrieben, aber Fakt ist, dass wir deswegen jetzt alle zum Nachsitzen hier sind, an einem Samstag. Aber egal, sollen die anderen doch denken, was sie wollen. Ich halt mich raus. Ich muss nur die nächsten vier Stunden irgendwie rumkriegen.
Ich höre jemanden vor sich hin pfeifen und drehe mich zum Tor. Der Hausmeister der Schule kommt langsam auf uns zu. An seinem Finger baumelt ein Schlüsselbund.
»Na endlich«, sagt Naira. »Bitte lassen Sie uns rein, damit wir es schnell hinter uns bringen.«
»Da hat’s aber jemand eilig.« Er lächelt, sucht den richtigen Schlüssel heraus und steckt ihn ins Schloss.
»Sie weiß schon, dass sie aus demselben Grund hier ist wie wir, oder?«, flüstert Gus Hallie so laut zu, dass alle es hören.
»Keine Ahnung«, sagt Hallie. »Bei Naira weiß man nie. Ich glaube nicht, dass irgendjemand sie wirklich kennt.«
»Heißt sie überhaupt Naira?«, flüstert Gus wieder, als wir über den knirschenden Kies die Auffahrt hochlaufen. Naira eilt voraus, Gus führt ein paar Meter hinter ihr Selbstgespräche, dann kommt Hallie, die ihren Blick nicht vom Handy lässt. Ich bilde das Schlusslicht, immer noch unentschlossen, ob ich nicht besser umdrehen und wegrennen sollte. Ein Käfer kriecht über meinen Arm. Wahrscheinlich ist er mit den Regentropfen vom Baum gefallen. Ich lasse ihn bis auf meinen Finger krabbeln und setze ihn dann vorsichtig auf den nächsten Eichenstamm. Während ich beobachte, wie er seine neue Umgebung erkundet, höre ich hinter mir das Tor scheppernd zufallen. Dann ein Klicken. Der Hausmeister hat uns eingeschlossen. Das war’s dann mit der Flucht.
»Ihr müsst euch im Sekretariat eintragen«, ruft er uns noch hinterher. »Mr Canton holt euch dort ab. Viel Glück.« Als er geht, pfeift er wieder – laut und deutlich. Es ist eine bekannte Melodie, die ich gerade nicht zuordnen kann, aber ich habe auch keine Lust, weiter darüber nachzudenken. Niemand von uns dreht sich um und bedankt sich bei ihm.
Dreadwood High ist ein seltsamer Ort – eine Mischung aus alt und neu, historisch und modern, so sieht es aus und so fühlt es sich an. Das Sekretariat und die Verwaltung sind im alten Herrenhaus untergebracht, ein prächtiges Gebäude, schön anzusehen, wäre es nicht eine Schule. Stell dir Pferdekutschen vor, Ladys mit Hauben und Gentlemen in hohen Stiefeln und Rüschenhemden, dann weißt du, wovon ich rede. Hinten raus gibt es einen Wintergarten und Ziergärten. Aber da dürfen nur die Oberstufe und Lehrer rein. Nichts reizt mich mehr, als verbotene Orte zu erkunden, darum habe ich mich auf das Dach des naturwissenschaftlichen Traktes geschlichen. Von dort hat man einen guten Blick in die Gärten. Ich sah kugelig gestutzte Büsche, einen Teich mit Springbrunnen und einen Haufen arroganter Zwölftklässler, die nicht bemerkten, dass ich über sie lachte. Aber jetzt interessieren mich die Gärten nicht mehr. In einem Film würde hier entweder eine Hochzeit oder ein Mord stattfinden. Sie hätten etwas Schönes aus diesem Ort machen können, aber der ehemalige Besitzer scheint wohl eine Art Wohltäter gewesen zu sein, denn das Gebäude wurde zu einer Schule für die Kinder aus der Gegend.
Als immer mehr Schülerinnen und Schüler dazukamen, hat man nach und nach weitere Nebengebäude errichtet, die aber nicht miteinander verbunden sind. Jedes hat seinen eigenen Stil. Als das Schulgelände noch ein Herrensitz war, hielt einer der reichen Eigentümer Tiere auf seinen Ländereien. Und diese Tiere wurden von der Schule übernommen. Natürlich nicht die ursprünglichen Tiere, die sind schon lange tot, aber die Schule beherbergt immer noch Schweine und Hühner – zum »Wohl« der Schülerinnen und Schüler. Das Schweinegehege ist mein absoluter Lieblingsplatz in der Schule.
Das Sekretariat befindet sich im Erdgeschoss des Hauptgebäudes – ein Betonblock, der von außen aussieht wie ein Gefängnis oder Krankenhaus. Alles ähnlich und gleich schrecklich. Als wir im Sekretariat ankommen, wartet Mr Canton schon auf uns. Er hatte uns – ohne weitere Erklärungen – angewiesen, in Sportkleidung und Turnschuhen für »Aktivitäten im Freien« zu kommen. Mr Canton trägt ein lächerlich sauberes und aufeinander abgestimmtes Sport-Outfit: Trainingsanzug, T-Shirt und halb abgewetzte Turnschuhe, die er für cool hält – was sie aber nicht sind. Er trägt eine Baseballkappe und hat ein Klemmbrett in der Hand.
»Guten Morgen, Mr Canton«. Naira lächelt. Sie spielt wieder die Miss Perfect. »Es tut mir so leid, dass Sie Ihren freien Samstagmorgen opfern müssen, um unser völlig gerechtfertigtes Nachsitzen zu beaufsichtigen und uns ›Zurück auf Kurs‹ zu bringen.«
»Guten Morgen, Leute! Toller Tag heute.« Bei diesen Worten federt sein ganzer Körper.
»Und was nun? Eine Spritztour mit Ihrer Jacht?«, fragt Gus und ahmt dabei Mr Cantons aufgekratzten Tonfall nach. »Oder vielleicht eine Runde Lacrosse?«
Ich beiße mir auf die Lippe, um nicht loszuprusten. Ich bin allerdings nicht hier, um mich bei irgendjemandem einzuschleimen – auch wenn ich Gus ziemlich witzig finde. Für mich ist Schule ein Ort, an dem ich mich so wenig wie möglich aufhalte. Sinnlose Zeitverschwendung. Stattdessen könnte ich Geld verdienen und...




