Kharanauli | Georgien gehört dir, nur dir! | Buch | 978-3-910948-16-7 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, 98 Seiten, Format (B × H): 155 mm x 220 mm

Kharanauli

Georgien gehört dir, nur dir!

Poesie des Protestes
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-910948-16-7
Verlag: Dagyeli Verlag

Poesie des Protestes

Buch, Deutsch, 98 Seiten, Format (B × H): 155 mm x 220 mm

ISBN: 978-3-910948-16-7
Verlag: Dagyeli Verlag


»Wenn dieser ganze Alptraum sich in Nichts auflösen wird, / wenn das Leben verblüht und wir nicht mehr sein werden, / erinnert euch daran, dass alles Wirklichkeit war!«

Seit dem 6. März 2023 gehen die Georgier gegen die autoritäre Regierung und den Einfluss des Kremls auf die Straße. Besik Kharanauli gibt dem Protest seine Stimme: Regelmäßig schreibt er Gedichte, die über Social Media zu Slogans und auf Demonstrationen vorgetragen werden. Der 1939 geborene Dichter gehörte zur sogenannten »stillen Generation« der sowjetischen Literatur, die kaum publiziert und noch weniger übersetzt wurde. Erst 1992 wurde sein Schaffen mit einem Preis gewürdigt. In Georgien genießt er als Freigeist und exzellenter Literaturkenner einen legendären Ruf, zweimal wurde er für den Literaturnobelpreis nominiert. Mittlerweile liegen etliche seiner Werke in verschiedenen Sprachen vor.

»… es ist tatsächlich der Fall, dass sich durch diese erzählenden Poeme, die oft eher in Kapitel als in Sequenzen aufgeteilt sind, eine lichte Individualität freizusingen scheint, die mehr aus ihrem seelischen Bedürfnis, klar und direkt, als in Reaktion auf soziale Umstände, umständlich und verhuscht, dichtet … Gleichwohl existiert bei Kharanauli kein postmoderner Zynismus, sondern eher ein humorvoller Duktus …«
Paul-Henri Campbell in »Volltext« 4/2018

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Wie eine Krähe

Ich werde nicht wegziehen aus meinem Land,
werde hier verdorren, wie eine Krähe,
die restliche Erde
könnt ihr ausschlachten,
fliegt über sie,
gen Ost, gen West,
breitet eure Flügel aus,
wer sich rausschleichen kann,
stiehlt im eigenen Haus nicht,
sucht sich auch dort ein Grab,
wo der Vorfahr liegt,
ich werde nicht wegziehen aus meinem Land,
bin treu, bin ein Sklave,
hier nennen sie Leben
das nie Gelebte,
hier nennen sie Lied
das Aufheulen
des ans Kreuz genagelten Menschen,
ich werde nicht wegziehen aus meinem Land,
werde hier verdorren, wie eine Krähe.

Der Mond des Emigranten

»Mond, Mond, halt inne eine Sekunde,
bist über die Erde gewandert,
wie ging es meinem Land,
wie hast du’s angetroffen?«
»Dein Land ist ein Paradies,
trägt Früchte wie ein Garten,
aber keiner ist da, sie zu pflücken,
traurig zog ich eilig weiter!«
»Mond, Mond, das glaub ich nicht,
hat man vergessen, die Trauben zu lesen?«
»Wohin hat’s dich verschlagen, Hund,
woher bellst du?
Nebel lag über’m ganzen Land,
als hätte man die Festtafel ausgezogen!«
»Mond, Mond, als du eilig weiterzogst,
wie sahst du mein Haus?«
»Eine Kette rasselte am Baum,
aber Hund hing keiner daran!«
»Mond, Mond, noch eins will ich dich fragen,
wen sahst du auf deiner Wanderung?«
»Dein Vater ist tot,
deine Mutter voll Kummer,
deine Brüder sind Säufer,
deine Schwestern noch schlimmer!«



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