E-Book, Deutsch, Band Band 009, 160 Seiten
E-Book, Deutsch, Band Band 009, 160 Seiten
Reihe: Philosophie und Psychologie im Dialog
ISBN: 978-3-647-45202-9
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Format: PDF
Kopierschutz: 0 - No protection
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
- Geisteswissenschaften Philosophie Philosophische Psychologie
- Sozialwissenschaften Psychologie Allgemeine Psychologie Bewusstseinszustände Wachbewusstsein, Unbewusstheit
- Sozialwissenschaften Psychologie Psychologie / Allgemeines & Theorie Psychologische Theorie, Psychoanalyse Philosophische Psychologie, Logotherapie, Existenzanalyse
Weitere Infos & Material
1;Cover;1
2;Title Page;4
3;Copyright;5
4;Table of Contents;6
5;Body
;8
6;Back Cover
;162
7;Wolfgang Mertens Zur Konzeption des Unbewussten – Einige Überlegungen zu einer interdisziplinären Theoriebildung zum Unbewussten;8
8;Matthias Kettner Semiotik und die Suche nach der Matrix der Metapsychologie;78
9;Matthias Kettner und Wolfgang Mertens Briefwechsel;110
10;Literatur;144
Semiotik und die Suche nach der Matrix der Metapsychologie (S. 77-78)
Matthias Kettner
Pro Metapsychologie
Eine Tiefenpsychologie nach den Vorstellungen Freuds wäre eine wissenschaftliche Psychologie, die hinter das Bewusstsein führt, aber dessen Licht mitnimmt. Die theoretische Durchdringung von Bewusstseinsphänomenen wurde von der wissenschaftlichen Psychoanalyse leider schon immer vernachlässigt.
Heute scheint die Psychoanalyse auch noch ihr Unbewusstes, den Zentralbegriff ihrer Pionierzeit (Buchholz u. Gödde, 2005, S. 321 –461), an andere Wissenschaften zu verlieren. Forschungsprogramme der Kognitions- und Neurowissenschaften messen dem Bewussten – den mit bewusster erstpersonaler Aufmerksamkeit vermittelten Vorgängen – keine große Bedeutung zu im Vergleich mit dem immensen Raum von subpersonalen seelischen und neurophysiologischen Vorgängen, die sich solcher Aufmerksamkeit völlig entziehen.
Ist Aktualisierungsarbeit an der psychoanalytischen Metapsychologie vertane Zeit?Wolfgang Mertens argumentiert – wie ich finde: durchschlagend – für die Weiterarbeit an der Metapsychologie, verstanden freilich nicht als Untermauerung einer psychobiologischen Triebtheorie durch Anleihen bei Naturwissenschaft und Biologie, wie bei Freud, sondern als der beste allgemeine Theorierahmen, der alles Theoretische im Diskurs der Psychoanalyse durch Kohärenz mit geeigneten Disziplinen wissenschaftlich so weit es geht abzusichern vermag: »Ohne einen eigenen grundlagentheoretischen Standpunkt und eine genaue Benennbarkeit der Schnittstellen lässt sich keine Auseinandersetzung mit anderen einschlägigen Wissenschaften führen.
Spätestens dann aber droht die Psychoanalyse für andere Wissenschaften langweilig zu werden« (Mertens in diesem Band, S. 20) Angesichts der vielfältigen Versuche, die gemacht wurden, Metapsychologie und Psychologie durch ihre verschiedenen Rollen in theoretischen Diskursen zu unterscheiden, mutet es vielleicht anachronistisch an, sie nach Objektbereichen zu unterscheiden. Gleichwohl: (1) Die Variable – der Joker? – für den Zentralbegriff jeder psychoanalytischen Metapsychologie und Psychologie ist »das Unbewusste« (Buchholz u. Gödde, 2005).
Angenommen, das mit diesem Zentralbegriff Gemeinte lasse sich im Ausgang unseres alltagssprachlich und alltagspraktisch gesicherten Grundverständnisses und der in ihm fundierten Beschreibungsmöglichkeiten menschlichen Erlebens und Sichverhaltens Schritt für Schritt einführen. Im natürlichen Grundverständnis sind wir erste, zweite und dritte Personen, die ihre Gründe haben und geben, in Grenzen für ihr Tun und Lassen verantwortlich sind, in vielfältigen Beziehungen engagiert sind, Überzeugungen entwickeln, Bedürfnisse, Wünsche und Interessen haben und in unzähligen weiteren »intentionalen« – das heißt: sinngemäß als auf-etwas-bestimmtes-bezogen intersubjektiv nachvollziehbaren – Formen unterwegs sind. In solchen Formen macht die Lebenswelt Sinn.