Kernick | Nachtkiller | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Englisch, 480 Seiten

Kernick Nachtkiller

Thriller
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-20576-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, Englisch, 480 Seiten

ISBN: 978-3-641-20576-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Er findet dich ... wo immer du bist

Jane Kinnear verbringt den Abend bei ihrem Geliebten Anil, als dessen Frau Sharon in der Wohnung auftaucht. In letzter Sekunde kann Jane sich unter dem Bett verstecken. Dann geschieht das Unfassbare: Ein Mann dringt in das Schlafzimmer ein und tötet Anil und seine Frau. Jane hält den Atem an, als Sharon sie flehend ansieht, bevor sie ihre Augen für immer schließt. Fast glaubt sie, dem Albtraum entronnen zu sein. Doch als klar wird, dass Anil ein MI5-Agent war, werden seine Geheimnisse zu ihren …

Simon Kernick, 1966 geboren, lebt in der Nähe von London und hat zwei Kinder. Die Authentizität seiner Romane ist seiner intensiven Recherche zu verdanken. Im Laufe der Jahre hat er eine außergewöhnlich lange Liste von Kontakten zur Polizei aufgebaut. Sie umfasst erfahrene Beamte der Special Branch, der National Crime Squad (heute SOCA) und der Anti-Terror-Abteilung. Mit Gnadenlos (Relentless) gelang ihm international der Durchbruch, mittlerweile zählt er in Großbritannien zu den erfolgreichsten Thrillerautoren und wurde für mehrere Awards nominiert. Seine Bücher sind in dreizehn Sprachen erschienen.
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Kapitel 1

Jane Kinnear

Ich schaute die beiden Polizeibeamten an meinem Krankenhausbett an und fragte sie, ob ich eine Zigarette haben dürfte. »Ich weiß, dass es nicht erlaubt ist, aber ich brauche dringend eine, um meine Nerven zu beruhigen, und vor die Tür gehen kann ich ja wohl kaum. Nicht nach dem, was …« Ich ließ meine Stimme ausplätschern, denn es war allen klar, wie der Satz enden würde.

Die Ranghöhere der beiden Polizisten – eine attraktive Schwarze Anfang dreißig, die eine wirklich hübsche Lederjacke über einem eng anliegenden weißen T-Shirt trug – machte zunächst den Eindruck, als wollte sie Nein sagen, doch dann schaute sie zu ihrem Kollegen herüber, einem schmalen Typ, der etwa genauso alt war wie sie und seine schütter werdenden Haare zurückgekämmt trug. »Haben Sie irgendwelche Einwände, wenn diese Dame das Gesetz bricht, DC Jeffs?«

»Falls ich dann auch eine haben kann«, sagte er und warf mir ein verschlagenes Lächeln zu.

»Ich fürchte nur, ich habe keine Zigarette«, sagte ich.

»Nehmen Sie eine von meinen.«

DC Jeffs zog eine Schachtel Silk Cut aus seiner Jackentasche, zündete zwei auf einmal an und reichte mir eine. Mit zitternden Händen nahm ich die Zigarette, murmelte »Danke« und sog gierig daran. Sie schmeckte herrlich. Ich blies den Rauch zur Decke und nahm noch zwei tiefe Züge, während die beiden Polizisten geduldig dasaßen und warteten. Schließlich streifte ich die Asche in den Plastikbecher neben meinem Bett ab. Zum ersten Mal in dieser Nacht fühlte ich mich halbwegs entspannt. Ich wandte mich an die schwarze Polizistin, die sich mir als DS Anji Abbott vorgestellt hatte.

»Wo soll ich anfangen?«, fragte ich.

Sie lächelte und stellte einen Kassettenrekorder auf den Nachtschrank. »Ganz vorne«, sagte sie.

Ich nickte bedächtig und atmete tief durch, um Kräfte zu sammeln für das, was ich zu erzählen hatte.

Ich bin Anil in einem Baumarkt zum ersten Mal begegnet. Klingt merkwürdig, war aber so. Ich war auf der Suche nach professionellem Rohrreiniger, und er wollte – keine Ahnung, was er einkaufen wollte, ich interessierte mich mehr für ihn selbst. Er war ein gut aussehender Bursche, nicht der Größte und auch ein, zwei Kilo fülliger, als normalerweise mein Geschmack ist, aber er hatte ein nettes Gesicht. Wie jemand, der gern lächelt.

Ich fand ihn halt attraktiv. Schöne Hände hatte er auch – das ist etwas, worauf ich bei Männern immer zuerst achte. Also habe ich dafür gesorgt, dass er mich bemerkt, und ihn breit angelächelt. Und das war’s dann. Wir sind ins Plaudern geraten, haben unsere Telefonnummern ausgetauscht, und keine achtundvierzig Stunden später haben wir uns zu unserer ersten Verabredung getroffen.

Das ist zwei Wochen her. Wir hatten dann noch ein weiteres Date vor letzter Nacht, ein Abendessen in einem Restaurant hier in der Gegend. Das endete mit einem Kuss auf dem Gehweg vor meiner Haustür und wäre vielleicht auch weiter gegangen, wenn ich mich nicht an meine eiserne Regel gehalten hätte: nie mit einem Mann vor dem dritten Date ins Bett. Wer nicht so lange warten kann, ist ohnehin nur ein Aufreißer, um den man am besten einen Bogen macht.

Heute Nacht war also unsere dritte Verabredung. Ich habe keinen Führerschein, deshalb sollte Anil mich in meiner Wohnung in Watford abholen, und wir würden dann zu ihm fahren in das kleine Dorf, wo er wohnt, er wollte etwas für uns kochen. Ich denke, wir wussten beide, dass wir miteinander im Bett landen würden, und um ehrlich zu sein, war ich ein bisschen nervös. Ich hatte schon immer eine ausgeprägte Libido. Das heißt nicht, dass ich mit jedem ins Bett steige – ganz im Gegenteil –, sondern nur, dass es für mich eine gewisse Rolle spielt, dass ein Mann im Bett weiß, was er tut. Ich habe in der Hinsicht ein paar Desaster erlebt, und weil ich Anil wirklich mochte und darauf hoffte, dass es funken würde zwischen uns, hatte ich gleichzeitig Angst, dass es nicht passieren würde, wenn Sie wissen, was ich meine?

Doch schon in dem Moment, als er bei mir zu Hause auftauchte, wusste ich, dass irgendwas nicht stimmte. Er war nervös und angespannt, ganz im Gegensatz zu den ersten Malen. Eindeutig lag ihm irgendwas auf der Seele. Ich habe ihm sogar angeboten, unser Date zu vertagen, und jetzt wünsche ich mir natürlich, er wäre darauf eingegangen, aber er meinte, nein, alles in Ordnung, er hätte nur einen harten Arbeitstag hinter sich. Das war noch so eine Eigenart von Anil. Er blieb immer ziemlich vage, wenn es darum ging, was er beruflich machte. Allem Anschein nach war er Mitinhaber eines kleinen Familienunternehmens, das handgefertigte Designermöbel aus Indien importierte, aber das war auch schon alles, was er dazu zu sagen hatte und sagen wollte. Doch offensichtlich verdiente er ganz gut, denn er konnte es sich leisten, in einem hübschen kleinen Landhaus am Ende einer gewundenen Landstraße mit Blick auf die Felder zu wohnen. Ganz anders als meine Vorstadt in Watford.

»Und, welche kulinarischen Genüsse wirst du für mich aus dem Hut zaubern?«, fragte ich ihn, als wir aus dem Auto gestiegen waren und auf den Hauseingang zusteuerten.

»Hm, ja … da gibt’s ein kleines Problem«, sagte er. »Ich hatte einen hektischen Tag auf der Arbeit und bin nicht dazu gekommen, unser Essen vorzubereiten, aber es gibt hier ein hervorragendes thailändisches Restaurant, die auch nach Hause liefern.« Er schloss die Tür auf und schaute mich mit einem Lächeln an, das viel zu gezwungen aussah, als dass es hätte echt sein können. Dann ging er hinein.

Es war nicht gerade ein verheißungsvoller Anfang für einen romantischen Abend, aber zumindest war sein Haus gut geheizt, und wie sich herausstellte, hatte er einen ordentlichen Vorrat an hochklassigen Weinen, was ja fast jede Situation angenehmer gestaltet. Wir saßen auf dem Sofa und teilten uns eine Flasche angenehm fruchtigen Chablis, und der erwünschte Effekt trat fast augenblicklich ein – er entspannte sich, und auch ich wurde wieder lockerer. Eins führte zum anderen, er machte eine zweite Flasche auf, und es dauerte nicht lange, bis wir herumknutschten. Ich hatte ganz vergessen, dass ich Hunger hatte, und genoss stattdessen die Leichtigkeit, die mit dem Alkohol einherging, und bevor ich mich versah – zumindest sagte ich mir das –, ließ ich mich von ihm die Treppe hinauf ins Schlafzimmer führen.

Ich würde nicht sagen, dass der Sex mit ihm atemberaubend war, aber das ist beim ersten Mal mit jemandem ohnehin selten der Fall, besonders wenn beide getrunken haben. Aber Anil hatte sich passabel geschlagen, und hinterher lagen wir im Bett und redeten über dies und das, und ich weiß noch, dass ich dachte, allmählich wird es ein ganz guter Abend.

Und ziemlich genau in diesem Moment fing alles an schiefzulaufen, denn schon eine Sekunde später hörte ich, wie die Haustür geöffnet wurde und eine Frau Anils Namen rief.

An ihrem fröhlichen, vertrauten Tonfall erkannte ich sofort, dass es entweder Anils Freundin oder seine Frau war, und sein Gesichtausdruck, als er mit einem Mal aufrecht im Bett saß, bestätigte meinen Verdacht.

»Ich bin oben im Schlafzimmer«, rief er fast genau so aufgekratzt zurück. »Ich bin in einer Sekunde unten.« Dann wandte er sich an mich und flüsterte: »Ich kann das alles erklären, aber im Augenblick tu mir bitte einen Gefallen und kriech unters Bett.«

»Was?«, blaffte ich ihn an. Ich konnte es nicht fassen, wie kaltschnäuzig der Kerl war.

»Sie ist echt schwierig, sie geht leicht in die Luft. Ich mein’s ernst. Wenn sie dich hier findet, sind wir beide tot.«

Er schob mich aus dem Bett und sprang sofort selbst auf, um die Weinflasche samt Gläsern unter dem Bett zu verstauen. Seine Klamotten schob er mit dem Fuß hinterher. Er machte dabei so gut wie kein Geräusch, was ich erstaunlich fand, mich aber andererseits vermuten ließ, dass diese Situation nichts Neues für ihn war.

Ich hörte die Freundin oder Ehefrau die Treppe hinaufkommen und wusste, dass ich mich schnell entscheiden musste. Sie hatte nicht sonderlich jähzornig geklungen, als sie nach ihm gerufen hatte, und ich spielte mit dem Gedanken, die Sache einfach durchzustehen und ihr zu erklären, wer ich war und was ich hier machte, meine Klamotten anzuziehen und mich erhobenen Hauptes zu verabschieden. Aber die Vorstellung, nackt in einem fremden Haus herumzustehen und irgendwelche Erklärungen abzuliefern, war dann doch nicht so verlockend, und unter dem Zeitdruck entschloss ich mich für die einfachere Lösung, zog mir hektisch meine Bluse und meine Hose über, schnappte mir meine restlichen Sachen und krabbelte unter das Bett. Zwischen Bettgestell und Boden gab es ungefähr dreißig Zentimeter Platz, sodass ich keine großen Probleme hatte, mich unsichtbar zu machen.

»Wie geht’s dir, Liebling?«, fragte er. »Ich wollte gerade ins Bett, bin total erledigt. Wieso kommst du denn heute schon wieder?«

Mein Gott, dachte ich, während ich halb nackt dalag und mit der Nase fast an den Lattenrost stieß. Wie bringen manche Männer es fertig, sich derart dreist und arschgeigenmäßig aufzuführen?

Genau betrachtet, war das der traurigste Aspekt des Ganzen: Die arme Frau hatte nicht den geringsten Verdacht.

»Ich hatte absolut keine Lust, noch eine Nacht im Hotel zu verbringen«, sagte sie. »Deswegen habe ich mir einen früheren Flug geschnappt. Eigentlich wollte ich dich anrufen, aber dann dachte ich mir, ich überrasche dich lieber.«

Sie lachte, und ich hörte das Rascheln ihrer Kleider, während er sie umarmte und küsste. Ich fragte mich, ob...


Hahn, Kristof
Kristof Hahn wuchs in Saarbrücken auf und lebt seit 1980 in Berlin, wo er ein Politologiestudium abschloss und in diverse musikalische Projekte involviert ist. Am bekanntesten dürfte er für sein Mitwirken bei der New Yorker Experimental-Formation Swans sein. Daneben übersetzt er Bücher aus dem Englischen - darunter Autoren wie Hubert Selby Jr., John Peel, Russell Brand und Jim Thompson.

Kernick, Simon
Simon Kernick, 1966 geboren, lebt in der Nähe von London und hat zwei Kinder. Die Authentizität seiner Romane ist seiner intensiven Recherche zu verdanken. Im Laufe der Jahre hat er eine außergewöhnlich lange Liste von Kontakten zur Polizei aufgebaut. Sie umfasst erfahrene Beamte der Special Branch, der National Crime Squad (heute SOCA) und der Anti-Terror-Abteilung. Mit Gnadenlos (Relentless) gelang ihm international der Durchbruch, mittlerweile zählt er in Großbritannien zu den erfolgreichsten Thrillerautoren und wurde für mehrere Awards nominiert. Seine Bücher sind in dreizehn Sprachen erschienen.



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