E-Book, Deutsch, 450 Seiten
Kent Clone Rebellion 2: Abtrünnig
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-86425-489-5
Verlag: Cross Cult
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 450 Seiten
ISBN: 978-3-86425-489-5
Verlag: Cross Cult
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lt. Wayson Harris ist einer von Tausenden von Klonen, die geboren und großgezogen wurden, um zu einem ultimativen Soldaten zu werden. im Gegensatz zu den anderen, ist Harris jedoch ein geächtetes Modell - eines mit eigenständigen Gedanken und einem Hang zur Gewalt. Während er gegen seine Konditionierung ankämpft, wird Harris von der Vereinigten Obrigkeit zum Dienst einberufen. Mit Separatisten unterwegs durch die Galaxie, muss Harris nun eine Entscheidung treffen: Soll er gegen sie kämpfen oder mit ihnen zusammenarbeiten?
Weitere Infos & Material
1
Erddatum: 1. März 2512 A. D.
Stadt: Safe Harbor
Planet: New Columbia
Galaktische Position: Orion-Arm
»Du siehst aus wie ein …« Dem Jungen stand Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben und er hielt inne, ohne den Satz zu beenden. Er hatte mir gerade sagen wollen, dass ich aussah wie ein Klon, und sich eines Besseren besonnen. Schlaues Bürschchen. Den Gedanken zu Ende zu führen hätte entweder eine Katastrophe oder Verlegenheit zur Folge gehabt. Wäre ich ein normaler Klon, hätte das Gehörte eine Flut tödlicher Hormone in meinem Gehirn ausgelöst, die mich auf der Stelle getötet hätten. Wahrscheinlicher war, dass ich keine Ahnung hatte, wovon er sprach; dann hätte ich ihn ausgelacht oder möglicherweise bedroht.
Nur wenige Klone wussten, dass sie Klone waren. Die Standardausgaben der Militärklone hatten braune Haare und braune Augen, aber die neuralen Programmierungssynapsen in ihren Gehirnen sorgten dafür, dass sie sich als blond und blauäugig wahrnahmen. Auf die Art verhinderte die Regierung einen Aufstand der Kriegerklasse.
»Ich sehe genau wie ein Klon der Army aus?«, fragte ich und versuchte, einen entspannten Unterhaltungstonfall anzuschlagen. »Das höre ich öfter.«
Der Junge war vielleicht zwischen zwanzig und dreißig. Sein schulterlanges, oranges Haar war strähnig und dünn. Große rote Pickel bildeten auf seiner Stirn eine Konstellation. Ich war zweiundzwanzig, aber ich hatte Tod, Kampf und Verrat ins Auge gesehen. Wenn ich mich unter der normalen Zivilbevölkerung bewegte, sah ich die meisten männlichen Personen, die jünger als dreißig Jahre waren, als Jungs an. Die wenigen, die mir nicht wie Schwachköpfe vorkamen, waren Verbrecher, wie der, mit dem ich mich hier verabredet hatte.
Der Junge sah verblüfft aus. Er war weder Polizist noch Wache, nur Platzanweiser in einem Kino. Sein Mund stand weit offen, während er über meine Antwort nachdachte, und in seinen Augen stand eine Mischung aus Verwirrung und Angst.
»Ich habe viel mit ihnen gemeinsam«, sagte ich, als vertraute ich ihm ein Familiengeheimnis an. »Das Pentagon hat die DNA meines Großvaters verwendet, um die Klone herzustellen.«
»Ohne Scheiß?«, fragte der Junge. Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Von den sechs Armen der Milchstraßengalaxie hatten vor Kurzem vier ihre Unabhängigkeit von der Vereinigten Obrigkeit – der Regierung der Erde – erklärt. Der Orion-Arm als Heimatarm der Erde stand loyal zur Republik. Aber der Planet New Columbia war verdächtig. Die Regierung von New Columbia hatte der Vereinigten Obrigkeit die Treue geschworen, war aber voller Politiker, die offen mit den Konföderierten Armen sympathisierten.
»Ja«, antwortete ich. »Man könnte sagen, die Hälfte der Armee und ich sind Cousins. Damit das klar ist, Klone der Army sind etwa zehn Zentimeter kleiner als ich und haben viel breitere Schultern.«
»Ja«, sagte der Junge und lachte nervös. »Ich wusste doch, dass etwas anders ist.«
Es gab einige Hunderttausend Militärklone, die auf New Columbia stationiert waren, aber sie entfernten sich selten von ihren Stützpunkten. Die Regierung der VO musste sich wegen der wackligen Neutralität des Planeten vorsichtig verhalten.
Der Junge sah meine Eintrittskarte an. »Oh, wow, Sie gehen in . In dem Streifen gibt’s viele Klone.« Er lächelte mich an. »Drittes Holotorium auf der rechten Seite.«
Der Flur war breit und hell erleuchtet. Linsenförmige 3-D-Poster von bald anlaufenden Filmen hingen an den Wänden. Es war früher Nachmittag an einem Wochentag und so hatte ich das Kino fast für mich alleine. Die einzigen Leute vor mir waren ein junges Pärchen; ein verklemmter Junge hielt Händchen mit einem jungen Mädchen. Der Junge hatte es eilig, zu seinem Film zu kommen. Er ging schnell und zog seine Freundin hinter sich her, die sich Zeit ließ und stehen blieb, um jedes einzelne Filmposter gründlich zu studieren.
»Na los«, sagte er und öffnete die Tür zu ihrem Holotorium. »Wir verpassen sonst den Anfang.«
Ich ging noch zwei Türen weiter. hatte bereits begonnen. Es handelte sich um einen Kriegsfilm, der eine vor Kurzem stattgefundene Schlacht rekonstruierte, in der ein Regiment VO-Marines auf einem Planeten am Rande der Galaxis massakriert worden war. Mir war die Schlacht nur allzu gut bekannt. Von den 2300 Marines, die zu dieser Mission entsandt wurden, überlebten nur sieben.
Auf der Leinwand spielte ein blonder, blauäugiger Hollywood-Platzhirsch mit breiter Brust den Lieutenant Wayson Harris, den ranghöchsten Überlebenden der Kampagne auf dem Kleinen Mann. Ich setzte mich, während sechs Wehrpflichtige sich Zugang zu Harris’ Quartier verschafften und ihn nach der Mission fragten. Diese Männer waren Klone. Sie sahen alle genau gleich aus. Sie hatten braune Haare und braune Augen … wie ich. Sie waren etwa 1,80 Meter groß – zehn Zentimeter kleiner als ich.
Die Leute, die diesen Film gedreht hatten, hatten möglicherweise Klone im Ruhestand engagiert, um die Wehrpflichtigen zu spielen. Ich war beeindruckt.
, fragte einer der Klone im Film. Seine Stimme und seine Haltung brachten Respekt und Bewunderung zum Ausdruck. Die Ledernacken auf der Leinwand mussten Computeranimationen sein. Kein Marine hätte diesen Satz aussprechen können, ohne eine Miene zu verziehen.
, sagte Harris. Bei diesen Worten steckte der Schauspieler, der Harris verkörperte, ein fünfundvierzig Zentimeter langes Kampfmesser in eine Scheide, die an seinem Gürtel hing. Ich musste meinen Atem anhalten, um nicht laut loszulachen. Mir war noch nie ein Marine begegnet, der ein fünfundvierzig Zentimeter langes Kampfmesser trug, und kein Marine klang so heldenhaft wie der Hollywood-Harris auf der Leinwand.
, fragte ein anderer Marine.
, bellte der Hollywood-Harris auf der Leinwand,
Ich sackte in meinem Sitz zusammen. Dieser Film war angeblich authentisch mit echten, während der Schlacht aufgezeichneten Kampfszenen. Vielleicht waren die Kampfszenen realistischer, aber diese Darstellung militärischer Klone war reine Propaganda, die geradezu Schmerzen bereitete. Dieser Film war genau die hurrapatriotische Scheiße, die Hollywood immer in Kriegszeiten ausschüttete, um eine patriotische Moral aufzubauen. Auf einem Planeten wie New Columbia war das vergebene Liebesmüh. Ich war der Einzige in dem Holotorium.
Zumindest war ich bis zu diesem Moment die einzige Person dort. Nachdem Harris seinen Monolog über die Verteidigung der Republik beendet hatte, öffnete sich die hintere Tür des Holotoriums. Ich hörte flüsternde Männer, die sich zu den leeren Sitzen direkt hinter mir begaben.
Zu diesem Zeitpunkt wurden Lieutenant Harris und ein Platoon Marines hinter den feindlichen Linien von ihren Schiffen abgesetzt. Sie landeten ungefähr zwei Kilometer vom Strand entfernt, wo der Rest der Marines von einer Gruppe Mogat-Separatisten festgenagelt wurde. Harris und zweiundzwanzig Elitesoldaten schlichen sich in den Bunker des Feindes. Sie benutzten Messer und Pistolen, um kurzen Prozess mit zweihundert feindlichen Soldaten zu machen. Gott, war das ruhmreich.
Die Szene wurde durch eine Kombination von zweidimensionalen Projektoren, die den Hintergrund schufen, und dreidimensionalen Holografien dargestellt. Das Ergebnis war ein Schlachtfeld, das gewissermaßen aus der Leinwand herausplatzte. In diesem Film wurde es so dargestellt, dass die Schlacht um den Kleinen Mann voller Heldentum und Tapferkeit war. Alles war in hellen Farben dargestellt und mit patriotischer Musik untermalt … Und mittendrin war Lieutenant Wayson Harris, sechs Meter groß und von Kopf bis Fuß voller Feindesblut. Er rannte von einem Raum in den nächsten, wobei er sein riesiges Messer schwang.
»Hallo Harris«, flüsterte einer der Männer hinter mir. »Lassen Sie uns reden.«
»Kann das nicht warten?«, fragte ich. »Ich will sehen, wie das ausgeht.«
»Sie wissen, wie es ausgeht«, sagte der Mann. »Sie waren dort.«
»Bei dieser Schlacht war ich nicht«, sagte ich. »Die Invasion des Kleinen Mannes, der ich beiwohnte, hatte mit der hier überhaupt nichts gemeinsam. Die Navy musste diese...




