E-Book, Deutsch, Band 3, 473 Seiten
Reihe: Avalon Bay
Kennedy Ever Since I Found You
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7363-2052-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 3, 473 Seiten
Reihe: Avalon Bay
ISBN: 978-3-7363-2052-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nur einen Sommer lang?
Als die Collegestudentin Cassie Soul nach vielen Jahren wieder Avalon Bay besucht, ist sie auf der Suche nach einer heißen Sommerliebe - und findet Tate Bartlett. Der attraktive Segellehrer ist eigentlich immer für einen Flirt zu haben. Doch als er Cassie das erste Mal sieht, weiß Tate sofort, dass sie keine Frau ist, der er das Herz brechen will - und weist sie ab. Trotzdem entwickelt sich zwischen den beiden eine Freundschaft, und je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto mehr wächst die Anziehung zwischen ihnen. Aber kann Tate es wagen, seinen Gefühlen für Cassie nachzugeben, oder wird dieser Sommer mit zwei gebrochenen Herzen enden?
Band 3 der AVALON-BAY-Reihe
Elle Kennedy ist eine NEW-YORK-TIMES-, USA-TODAY- und WALL-STREET-JOURNAL-Bestseller-Autorin. Sie studierte an der NEW YORK UNIVERSITY Englische Literatur.
Weitere Infos & Material
1
Cassie
Juli
»Ich glaube, wir sollten diese Sache beenden.«
Oh mein Gott.
Nein.
Nein, nein, nein, nein, nein.
Seht ihr, genau aus diesem Grund sollten Partys verboten werden. Wir sollten es wieder handhaben wie während der Prohibition, nur dass wir gesellschaftliche Events anstelle von Alkohol verbieten. Das ist die einzige Möglichkeit, solche Peinlichkeiten zu vermeiden. Oder besser gesagt, solche Peinlichkeiten mitzuerleben, denn ich bin nicht mal diejenige, die gerade einen Korb kassiert.
Diese Ehre gebührt dem Typen mit der tiefen, sanften Stimme, der noch nicht mitbekommen hat, dass die Korbgeberin es todernst meint. »Ist das eine Art seltsames Vorspiel? Verstehe ich zwar nicht, aber bin dabei.«
Die Stimme des Mädchens ist monoton, und es schwingt trockener Humor darin mit. »Ich meine es ernst.«
Sie macht eine lange Pause, während der ich abwäge, ob ich mich verziehen kann, ohne dass die beiden etwas merken. Aber eine unauffällige Flucht ist schwierig, da sie sich den ungünstigsten Platz überhaupt ausgesucht haben: genau da, wo der Strandhafer spärlicher wächst und die Dünen sich in eine flache Ebene aus festem Sand verwandeln. Schon seitdem Die Zurückweisung ihren Anfang genommen hat, gehe ich in Gedanken Fluchtwege à la Mission Impossible durch. Die beiden stehen dem dunklen Ozean zugewandt, sie würden meinen Abgang über den Strand zurück zur Party also unweigerlich mitbekommen. Und wenn ich versuche, mich hinter ihnen davonzumachen, werden sie mich hören. Schon mal versucht, leise durch Strandhafer zu gehen? Da kann man sich genauso gut eine Glocke um den Hals hängen.
Also ist meine einzige Option, in meinem Versteck auszuharren, bis es vorbei ist – sowohl die Unterhaltung als auch die Beziehung. Denn eine Zurückweisung ist an sich schon schlimm genug, trägt sie sich dann auch noch vor Publikum zu, ist sie hundertmal schlimmer. Ich sitze hier also fest. Eine Geisel der gesellschaftlichen Konventionen.
Warum musste ich mich auch ausgerechnet jetzt vom Lagerfeuer entfernen, um mir die Sterne anzusehen.
»Ich glaube, wir haben unser Verfallsdatum erreicht«, sagt die Korbgeberin.
Ich kann nicht erkennen, wie die beiden aussehen. Sie sind nur Schatten. Ein großer und ein kleinerer. Ich glaube, der kleinere hat lange Haare, da ich feine Haarsträhnen in der nächtlichen Brise wehen sehe.
Von der anderen Seite des Strandes dringen Stimmengewirr, Lachen und der schwache Beat von Hip-Hop-Musik über das Wasser herüber und lösen in mir den verzweifelten Wunsch aus, wieder zurück bei der Party zu sein. Obwohl ich keine einzige Person dort kenne, habe ich mich noch nie so sehr nach der Gesellschaft von absolut fremden Menschen gesehnt wie in diesem Moment. Die Feier findet im Haus eines gewissen Luke statt. Ich hätte dort meine Freundin Joy treffen sollen, die in der letzten Sekunde abgesprungen ist. Ich war buchstäblich gerade dabei, aus meinem Auto zu steigen, als ihre Nachricht mich erreichte. Hätte sie mir früher geschrieben, wäre ich zu Hause geblieben. Aber dann dachte ich mir: Hey, jetzt bin ich schon mal hier. Da kann ich mich auch unter die Leute mischen und vielleicht jemanden kennenlernen.
Ich hätte stattdessen sofort wieder ins Auto steigen und die Flucht ergreifen sollen, als ich noch die Möglichkeit dazu hatte.
Endlich schnallt der Typ, dass das hier kein Scherz ist. »Warte mal, echt jetzt? Ich dachte, wir haben Spaß miteinander.«
»Ganz ehrlich? In letzter Zeit nicht so.«
Autsch! Sorry, Kumpel.
»Jetzt sieh mich nicht so an. Ich meine nicht den Sex. Der war immer gut. Aber diese Freundschaft-Plus-Sache läuft jetzt schon fast ein Jahr. Klar, mit Unterbrechungen, aber ich denke, je länger wir das machen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass einer von uns Gefühle entwickelt. Und wir haben doch von Anfang an gesagt, dass wir nichts Ernstes wollen, weißt du noch?«
»Ja, ich erinnere mich.«
Der große Schatten fährt sich mit der Hand durchs Haar. Vielleicht streichelt er auch eine winzige Katze, die auf seinem Kopf sitzt.
Ganz ehrlich, ich sehe überhaupt nichts von hier hinten.
»Ich bin in nächster Zeit nicht an einer Beziehung interessiert«, fügt sie hinzu. »Ich will keinen Freund.«
Kurze Pause. »Und was ist mit Wyatt?«
»Was soll mit ihm sein? Ich habe ihm schon tausendmal gesagt, dass wir nur Freunde sind. Ich möchte einfach eine Weile Single sein.« Sie lacht leise. »Hör mal, wir wissen doch beide, dass du ganz leicht eine Neue findest, Tate. Selbst wenn du mehr als Sex willst, sollte es nicht schwer für dich werden, eine Freundin zu finden. Die werde nur nicht ich sein.«
Doppelt autsch!
Ihre Ehrlichkeit muss allerdings gewürdigt werden. Sie verschwendet keine Zeit. Führt diesen Typen nicht an der Nase herum. Ich meine, es klingt, als wäre das Ganze mehr gewesen als eine lockere Freundschaft plus, aber das könnte vielleicht sogar die schlimmste Art von Trennung sein. Wenn man vor der ganzen Sexsache befreundet war und auch anschließend befreundet bleiben will? Das ist verdammt schwer.
Ich bin noch nie offiziell zurückgewiesen worden – dafür müsste man erst mal eine richtige Beziehung haben –, aber sollte mir jemals eine Trennungsrede gehalten werden, dann möchte ich, das sie abläuft wie diese: schnell und auf den Punkt. Puste die Kerze einfach aus, sodass nicht mal ein Fünkchen übrig bleibt. Es ist vorbei. Zieh weiter.
Zugegeben, das kann ich jetzt leicht so sagen. Wenn man allerdings bedenkt, dass ich schon bei den Werbespots in Tränen ausbreche, in denen eine einsame Großmutter eine Karte von ihren Enkelkindern bekommt, würde ich mich vermutlich vor meinem Korbgeber in eine Pfütze aus Tränen auflösen und mich anschließend umgehend wegen Melancholie in eine überteuerte Wellnesseinrichtung einweisen lassen.
»Okay. Cool.« Nun lacht er mit, wenn auch trocken. »Dann war’s das wohl.«
»Genau«, erwidert sie. »Alles gut zwischen uns?«
»Na klar. Wir kennen uns, seitdem wir dreizehn waren. Wir hören doch nicht auf, miteinander zu reden, nur weil wir aufhören zu vögeln.«
»Ich nehme dich beim Wort«, warnt sie.
Und nun ist es glücklicherweise endlich vorbei. Das Gespräch ist beendet. Ihre Flip-Flops knirschen leise im Sand, als sie über den Strand zurück zur Party davonspaziert.
Eine weg.
Einer fehlt noch.
Zu meinem Entsetzen geht der Typ den Strand hinunter zum Wasser, wo er wie eine Statue stehen bleibt und aufs Meer hinausstarrt. Da er jetzt im hellen Mondlicht steht, kann ich ihn besser sehen. Er ist groß. Muskulös. Er trägt Shorts und ein T-Shirt, deren Farben ich allerdings nicht erkennen kann, weil es zu dunkel ist. Sein Haar könnte blond sein. Und er hat einen fantastischen Hintern. Eigentlich fallen mir Hintern nicht auf – ich habe nie sonderlich auf Hintern geachtet –, aber dieser ist definitiv einen Blick wert.
Da er mir den Rücken zugewandt hat, wäre das der perfekte Moment, um abzuhauen. Also stehe ich langsam auf und wische mir die klammen Hände an meinen Jeansshorts ab. Mann, mir war gar nicht aufgefallen, wie angespannt ich war. Meine Hände werden sonst nur vor einem ersten Kuss feucht oder vor besonders grauenhaften Situationen. Auch bekannt als Gespräche mit meiner Mutter. Ergo sind meine Hände eigentlich immer feucht.
Ich atme tief ein und mache einen kleinen Schritt.
Ich fühle Erleichterung, weil der Typ sich nicht zu mir umdreht.
Ja! Ich schaffe das. Immerhin muss ich nur bis zu dieser Düne drei Meter entfernt kommen. Wenn er mich dann bemerkt, kann ich so tun, als wäre ich aus dem Strandhafer gekommen. Oh sorry! Ich gehe nur spazieren, hab dich gar nicht gesehen!
Die Freiheit ist in Reichweite. Ich kann sie förmlich schmecken. Ich habe schon gut zwei Meter geschafft, als mein Handy sich dazu entscheidet, all meine Mühen zunichtezumachen, indem es lautstark eine Nachricht ankündigt.
Und dann noch eine.
Und noch eine.
Da wirbelt der Typ erschrocken herum.
»Hey.« Seine tiefe, skeptische Stimme wird von der nächtlichen Brise zu mir herübergetragen. »Wo kommst du denn her?«
Meine Wangen werden heiß. Zum Glück ist es zu dunkel, als dass er mein rotes Gesicht sehen könnte. »Tut mir leid«, platzt es aus mir heraus. »Ich, ähm …« Mein Verstand sucht verzweifelt nach einem passenden Grund für meine Anwesenheit. Aber er scheitert. »Ich habe keine einzige Sekunde von eurem Trennungsgespräch gehört. Das schwöre ich.«
Oh, verdammte Scheiße. Großartig, Cassandra.
Dafür ernte ich ein schwaches Lachen. »Keine einzige Sekunde, was?«
»Nö, keine einzige. Ganz im Ernst, ich kann dir absolut versichern, dass ich nicht hier gesessen und dabei zugehört habe, wie du einen Korb kassiert hast.« Mein Mund hat die Führung übernommen. Er hat jetzt das Sagen. Ist der Captain des Schiffes. Eine weitere Sache, die passiert, wenn ich nervös bin: Ich schwafle. »Aber du solltest wissen, dass du das gut gemeistert hast. Ich meine, du bist nicht auf die Knie gefallen, hast dich an sie geklammert und angefleht, nicht zu gehen. Dafür bin ich wirklich dankbar. Das hat uns beiden zusätzliche Unannehmlichkeiten erspart, weißt du? Es war fast, als hättest du gewusst, dass ich hinter dem Stamm da festgesessen habe.«
»Glaub mir, hätte ich gewusst, dass du da warst, hätte ich das...




