Kempowski Umgang mit Größen
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-641-05504-2
Verlag: Knaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Meine Lieblingsdichter - und andere - Herausgegeben und mit einem Nachwort von Karl Heinz Bittel
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-641-05504-2
Verlag: Knaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Von Goethe zu Thomas Bernhard, von Adalbert Stifter zu Johannes Mario Simmel: Walter Kempowski war ein passionierter Leser und beschäftigte sich gerne mit seinen »Konkurrenten«. Seine »Kollegenporträts« bestechen durch ihre radikale Subjektivität und ihre Mischung aus Bewunderung und Respektlosigkeit. Ein ungemein anregendes Buch und ein origineller Streifzug durch die Welt der Literaten.
Walter Kempowski macht auch dann aus seinem Herzen keine Mördergrube, wenn er über seine Schriftstellerkollegen schreibt. Er lässt recht unverhüllt erkennen, wem seine Sympathie gilt und wem nicht. Nichts liegt ihm ferner als eine »objektive« Würdigung. Ihn interessieren Macken und Marotten, Haar- und Barttracht, Eß- und Trinkgewohnheiten, Kleidervorlieben, Missgeschicke und Todesarten. Die Porträts sind mit sicherer Hand hingeworfene Skizzen, »Schnappschüsse« aus dem ganz persönlichen Blickwinkel des Autors. Das macht sie so lebendig, amüsant und anregend. Das Buch enthält ein Vorwort von Kempowskis langjährigem Lektor Karl Heinz Bittel.
Anregende und amüsante Streifzüge durch die Welt der Literaten.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
(S. 52-53)
Daniel Defoe war der Sohn eines Fleischers. Seine Familie gehörte zu den Dissentern, der puritanischen Opposition gegen die anglikanische Staatskirche. Als junger Mann mußte er einige Jahre auf dem europäischen Kontinent im Exil verbringen, weil er an einem Aufstand des Duke of Monmouth gegen König James II. teilgenommen hatte. Dann handelte er mit Strumpfwaren in London. Mit zweiunddreißig Jahren war er bankrott. Die Summe seiner Schulden betrug siebzehntausend Pfund.
Er begann Flugschriften politischen Inhalts zu verbreiten. In »An Essay Upon Projects« aus dem Jahre 1697 stellte er für seine Zeit erstaunliche Forderungen auf: die Einrichtung von Kreditbanken, Sparkassen, Witwenkassen, Kriegsschulen, höheren Mädchenschulen und die Einführung voller Pressefreiheit. Eine Satire über die Intoleranz der Staatskirche brachte ihn ins Gefängnis. Er mußte dreimal am Pranger stehen, was die Regierung später aber nicht hinderte, ihn als eine Art Spion anzustellen. Er hatte in geheimer Mission nach Schottland zu reisen, eine Tätigkeit, die er ebenso bereitwillig übernahm wie das Verfassen offizieller Pamphlete. Denn er hatte eine Frau und sechs Kinder zu ernähren.
Ab 1704 gab er die Zeitschrift »The Review« heraus, ein Vorläufer der moralischen Wochenschriften, die im Jahrhundert der Aufklärung auch in Deutschland für die öffentliche Diskussion sozialer und moralischer Fragen bedeutsam wurden. Seinen ersten Roman veröffentlichte er 1719, im Alter von fast sechzig Jahren: »The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe« – ein großer Erfolg. Defoe ließ noch zwei Fortsetzungen folgen und schrieb zahlreiche weitere fiktiv-autobiographische Romane, zum Beispiel die »Abenteuer des Kapitäns Singleton« oder »Denkwürdigkeiten eines Kavaliers«. Das Verzeichnis seiner Werke umfaßt einschließlich der Flugschriften und eines dreibändigen Reiseführers, »Tour through the Whole Island of Great Britain«, nicht weniger als zweihundertfünfzig Titel.
Defoe schuf mit seinem Robinson eine der großen Gestalten der Weltliteratur. Er fand viele Nachahmer. »Teutsche«, französische, italienische, schwedische, sächsische, schlesische, kurpfälzische, Schweizer, sogar arabische Robinsons bevölkerten bald alle fiktiven einsamen Inseln der Südsee. Die Nachahmung geht über den Nazifilm »Ein Robinson«, der Geschichte eines Matrosen, der im Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg unzufrieden ist und sich auf eine Insel träumt, auf der es Radieschen so groß wie Tomaten gäbe, und dann auch tatsächlich hinfährt, bis zu der Schnulze »Robinson soll nicht sterben«, mit der uns Romy Schneider in den späten fünfziger Jahren beglückte. Und noch immer geistert der Robinson-Ernstfall durch Befragungen: Wenn Sie auf eine einsame Insel müßten, welche Bücher würden Sie mitnehmen? Wo dann »Schopenhauer« geantwortet wird oder »Die Bibel«. Der Vorname »Robinson« ist für alle Zeiten gesperrt, ähnlich wie Kaspar, Melitta oder Mercedes.




