E-Book, Deutsch, 247 Seiten, eBook
Reihe: Markt- und Unternehmensentwicklung Markets and Organisations
Ein Theorieansatz und seine Illustration am deutschen Kabelnetzsektor
E-Book, Deutsch, 247 Seiten, eBook
Reihe: Markt- und Unternehmensentwicklung Markets and Organisations
ISBN: 978-3-8350-9596-0
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Dr. Matthias Kempf promovierte bei Prof. Dr. Dres. h.c. Arnold Picot am Institut für Organisation der Universität München.
Zielgruppe
Research
Weitere Infos & Material
1;Geleitwort;6
2;Vorwort;8
3;Inhaltsverzeichnis;10
4;Abbildungsverzeichnis;16
5;Tabellenverzeichnis;18
6;Abkürzungsverzeichnis;20
7;1 Einleitung;22
7.1;1.1 Problemstellung und Motivation;22
7.2;1.2 Forschungsbedarf und Zielsetzung des Projekts;24
7.2.1;1.2.1 Theoretischer Forschungsbedarf;24
7.2.2;1.2.2 Pragmatischer Forschungsbedarf;25
7.3;1.3 Forschungsdesign;26
7.3.1;1.3.1 Konzeptionelles Forschungsdesign;27
7.3.2;1.3.2 Technisches Forschungsdesign;30
7.3.3;1.3.3 Übersicht des Forschungsprozesses;33
7.4;1.4 Aufbau der Arbeit;34
8;2 Entwicklung der Problemdarstellung und Auswahl einer Kerntheorie;36
8.1;2.1 Perspektive auf die Problemstellung;36
8.2;2.2 Organisationen und ihr Verhalten gegenüber der Umwelt;37
8.2.1;2.2.1 Individuelle Nutzenmaximierung und Opportunismus;37
8.2.2;2.2.2 Unsicherheit, begrenzte Rationalität und partielles Wissen;38
8.2.3;2.2.3 Information, Wissen und Entscheidung;39
8.2.4;2.2.4 Pfadabhängigkeit als Element des dynamischen Wandels;42
8.3;2.3 Die Position des Unternehmens im organisatorischen Feld;43
8.3.1;2.3.1 Institutionelle Perspektive;44
8.3.2;2.3.2 Stakeholdertheoretische Perspektive;45
8.4;2.4 Das vertikale und horizontale Beziehungsnetzwerk von Unternehmen;46
8.4.1;2.4.1 Horizontale Dimension;46
8.4.2;2.4.2 Vertikale Dimension;47
8.4.3;2.4.3 Interdependenzen und Konflikte;48
8.5;2.5 Auswahl einer Kerntheorie für das weitere Vorgehen;50
8.5.1;2.5.1 Ein Bezugsrahmen zur Analyse interorganisationalen Wandels;50
8.5.2;2.5.2 Theorienvergleich und Auswahl einer Kerntheorie;51
8.6;2.6 Die Ressourcenabhängigkeitstheorie als Kerntheorie für einen Ansatz strukturellen Wandels;54
8.6.1;2.6.1 Ursprünge, Motive und Einordnung;54
8.6.2;2.6.2 Grenzen und Zielsetzung der Organisation in der Ressourcenabhängigkeitstheorie;55
8.6.3;2.6.3 Das Erklärungsmodell der Ressourcenabhängigkeitstheorie;56
8.6.4;2.6.4 Die Umweltstrategien der Unternehmen;59
8.6.5;2.6.5 Kritische Würdigung und weiteres Vorgehen;62
9;3 Ein Grundmodell bilateraler Umweltbeziehungen;66
9.1;3.1 Die Organisation als zielgerichtetes Sozialsystem;66
9.1.1;3.1.1 Zielsysteme, Zieldefinitionen und Erfolg;66
9.1.2;3.1.2 Strategien als systematisch geplantes Vorgehen zur Zielerreichung;68
9.1.3;3.1.3 Integration in das Zielkonzept der Ressourcenabhängigkeitstheorie;69
9.2;3.2 Unternehmerische Entscheidungen unter Unsicherheit;70
9.2.1;3.2.1 Entscheidungsrelevante Formen von Unsicherheit;70
9.2.2;3.2.2 Risiko und Risikoeinstellung;71
9.3;3.3 Macht und Abhängigkeit;73
9.3.1;3.3.1 Machtpotenzial, Machtbasis und Machtdeterminanten;74
9.3.2;3.3.2 Machtformen;75
9.4;3.4 Erstellung eines Grundmodells externer Umweltbeziehungen der Organisation;77
9.4.1;3.4.1 Die organisationale Wahrnehmung von Umweltbeziehungen;78
9.4.2;3.4.2 Das Grundmodell externer Umweltbeziehungen als Ressourcentausch;81
10;4 Koordiniertheit auf ökonomischen und politischen Märkten;84
10.1;4.1 Koordinationsformen auf ökonomischen Märkten;84
10.2;4.2 Die Beziehung von Unternehmen und Staat;93
10.2.1;4.2.1 Perspektiven und Elemente politischer Märkte;93
10.2.2;4.2.2 Ziele des staatlichen Eingriffs in ökonomische Märkte;96
10.2.3;4.2.3 Politische Ziele und Strategien der Unternehmen;98
10.2.4;4.2.4 Formen des unternehmerischen Einflusses im politischen Prozess;102
10.2.5;4.2.5 Zwischenbetriebliche Koordinationsformen der politischen Einflussnahme;109
10.2.5.1;4.3.1 Grundkomponenten des Modells von Coleman (2006);111
10.2.5.2;4.3.2 Konstruktion der Abhängigkeitsmatrix;113
10.2.5.3;4.3.3 Determinanten der Abhängigkeit in Colemans Modell;115
10.2.5.4;4.3.4 Zwischenfazit;116
11;5 Auslösung und Verlauf des strukturellen Wandels auf ökonomischen Märkten;118
11.1;5.1 Konflikte: Begriffsdefinitionen und Klassifikationen;118
11.1.1;5.1.1 Begriffsdefinitionen;118
11.1.2;5.1.2 Klassifikationen und Konfliktarten;119
11.2;5.2 Die Elemente organisatorischen Wandels;121
11.2.1;5.2.1 Transformation und die Auslösung organisatorischen Wandels;121
11.2.2;5.2.2 Transition;125
11.3;5.3 Der Verlauf organisationalen Wandels;133
11.3.1;5.3.1 Ein zyklisches Modell organisationalen Wandels;133
11.3.2;5.3.2 Die Dynamik des Organization Set;138
11.4;5.4 Handlungsempfehlungen;143
11.4.1;5.4.1 Die Wahl der Unternehmensstrategie;143
11.4.2;5.4.2 Die Gestaltung von interorganisationalen Beziehungen unter Risiko;144
11.4.3;5.4.3 Unternehmerische Normstrategien zur Gestaltung bilateraler Beziehungen;145
11.4.4;5.4.4 Das Management des Organization Set;147
11.4.5;5.4.5 Exkurs: Erfolgsfaktoren im Prozess strukturellen Wandels;148
11.5;5.5 Zusammenfassung;150
12;6 Fallstudie: Die strukturelle Entwicklung des deutschen Kabelnetzsektors;154
12.1;6.1 Motivation und Ausgangslage;154
12.1.1;6.1.1 Vorbemerkungen;154
12.1.2;6.1.2 Der deutsche Kabelnetzsektor 2005;155
12.1.3;6.1.3 Exkurs: Kommentar zur Datenlage;157
12.1.4;6.1.4 Literaturübersicht zum deutschen Kabelnetzsektor;158
12.1.5;6.1.5 Aufbau der Fallstudie;161
12.2;6.2 Entstehung der deutschen Kabelnetzstruktur und des dualen Rundfunksystems;162
12.2.1;6.2.1 Die Frühphase des Fernsehens in Deutschland;162
12.2.2;6.2.2 Technischer Fortschritt in den 60er und 70er Jahren;163
12.2.3;6.2.3 Die Trennung der Netzebenen;166
12.2.4;6.2.4 Sendervielfalt und Netzausbau;166
12.2.5;6.2.5 Erste Zwischenbetrachtung: Die frühe historische Entwicklung;167
12.3;6.3 Digitalisierung und Deregulierung;168
12.3.1;6.3.1 Pay-TV in den 90er Jahren;168
12.3.2;6.3.2 Die Pilotprojekte zur Digitalisierung des Kabelfernsehens;170
12.3.3;6.3.3 Deregulierung und Liberalisierung;171
12.3.4;6.3.4 Zweite Zwischenbetrachtung: Die erste Pay-TV-Phase in Deutschland;172
12.3.4.1;6.4.1 Der technische Zustand des deutschen Kabelnetzes im Jahr 2000;173
12.3.4.2;6.4.2 Die Struktur des zum Verkauf stehenden Kabelnetzsektors;176
12.3.4.3;6.4.3 Die Pläne der Investoren;179
12.3.4.4;6.4.4 Verlauf und Ergebnisse des Verkaufsprozesses;181
12.3.4.5;6.4.5 Dritte Zwischenbetrachtung: Der Verkauf des Kabelnetzes;184
12.4;6.5 Pay-TV-Strategien und die Abhängigkeiten der Kabelnetzbetreiber;186
12.4.1;6.5.1 Motivation der neuen Eigentümer;186
12.4.2;6.5.2 Komponenten der Pay-TV-Strategie;188
12.4.3;6.5.3 Rechtliche Rahmenbedingungen der Pay-TV-Strategie;191
12.4.4;6.5.4 Analyse der Abhängigkeiten in der Pay-TV-Strategie;196
12.4.5;6.5.5 Exkurs: Die Strategie von Kabel Baden-Württemberg;210
12.4.6;6.5.6 Vierte Zwischenbetrachtung: Abhängigkeiten im Geschäftsmodell des Pay-TV und Implikationen;211
12.5;6.6 Der Status quo des deutschen Kabelnetzsektors;213
12.6;6.6.1 Die Wertschöpfungsstruktur des Kabelnetzsektors 2005;213
12.7;6.7 Handlungsempfehlungen;215
12.7.1;6.7.1 Neue Impulse im deutschen Kabelnetzsektor;215
12.7.2;6.7.2 Beurteilung der strategieinduzierten Interdependenzen und Ableitung einer Normstrategie;216
12.7.3;6.7.3 Strategieauswahl und -umsetzung;221
12.8;6.8 Fazit der Fallstudie und Ausblick;223
13;7 Fazit;226
14;Anhang;228
15;Literaturverzeichnis;232
16;Stichwortverzeichnis;266
Entwicklung der Problemdarstellung und Auswahl einer Kerntheorie.- Ein Grundmodell bilateraler Umweltbeziehungen.- Koordiniertheit auf ökonomischen und politischen Mhärkten.- Auslösung und Verlauf des strukturellen Wandels auf ökonomischen Mörkten.- Fallstudie: Die strukturelle Entwicklung des deutschen Kabelnetzsektors.- Fazit.
4 Koordiniertheit auf ökonomischen und politischen Märkten (S. 63-64)
Im vorangegangenen Kapitel wurde ein allgemeines Gerüst handlungsrelevanter Determinanten entwickelt und erklärt. Anhand dieser werden in diesem und im darauf folgenden Abschnitt die Struktur und die Dynamik institutionalisierter Koordinationsformen abgeleitet. Das Vorgehen orientiert sich dabei an der in Abbildung 1 illustrierten Segmentierung in verschiedene Gruppen von Mechanismen des Zwei- Ebenen-Modells. In Kapitel 0 wird mittels des soeben entwickelten Grundmodells die über Korrespondenzregeln verbundenen Makro-Mikro- und Mikro-Makro-Mechanismen erläutert, während im anschließenden fünften Kapitel die Wirkungsweise der Mikro-Mikro-Mechanismen, die den eigentlichen organisatorischen Wandel erzeugen, im Detail betrachtet wird. Im Fokus des vorliegenden Anschnitts steht damit die Analyse eines stabilen Zustands. Spezifischer ausgedrückt widmet sich das Kapitel der Frage, welche Koordinationsformen aus der Willensbildung ökonomischer und politischer Akteure resultieren, und zwar unter der Prämisse, dass die im vorangegangenen Kapitel ermittelten Determinanten für die Willensbildung der Unternehmen handlungsleitend sind.456
Stabilität besteht im Verständnis dieser Arbeit folglich dann, wenn Ziele und Strategien der Unternehmen mit den strukturellen Eigenschaften ihres Umfelds in Einklang stehen. Dieser Zustand wird als Koordiniertheit und im Hinblick darauf, dass er den Ausgangspunkt eines dynamischen Prozesses darstellt, als initiale Koordiniertheit457 bezeichnet. Das Kapitel gliedert sich in drei Abschnitte. Zunächst erfolgt die Ableitung und Erläuterung der Strukturen ökonomischer Märkte (Kapitel 4.1).
Im Anschluss daran werden in Abschnitt 4.2 die Beziehung und die Interaktion zwischen Unternehmen und den Institutionen der politischen Ebene erläutert. Der Integration der beiden Ebenen in ein vereinheitlichtes und analytisch untermauertes Modell erfolgt in Abschnitt 4.3.
4.1 Koordinationsformen auf ökonomischen Märkten
Unter den zahlreichen Ansätzen, die sich mit der Struktur der ökonomischen Leistungserstellung in arbeitsteiligen Systemen auseinandersetzen, finden sich einige Literaturbeiträge, die zur Erklärung der dabei auftretenden Organisationsformen auf die Konstrukte Abhängigkeit und Macht als konstituierende Variablen abheben und sich daher als Ausgangspunkt für die vorliegende Aufgabe besonders anbieten.458
Im Folgenden wird insbesondere auf den Überlegungen in der Arbeit von Tröndle (1987) aufgebaut. Tröndle nähert sich in seiner Arbeit der Organisation ökonomischer Tauschbeziehungen über den Begriff der Kooperation. Er unterscheidet diesbezüglich zwei Ausprägungen. In einer redistributiven Kooperation verfolgen die kooperierenden Akteure459 ein oder mehrere gemeinsame Ziele durch die Zusammenlegung von Ressourcen.
Der dabei in der Regel erwirtschaftete Mehrertrag gegenüber der Summe der Einzelerträge der Unternehmen in einer isolierten Vorgehensweise wird als Synergie oder Kooperationsrente bezeichnet und zwischen den Kooperationspartnern aufgeteilt. Dabei handelt es sich um ein klassisches Verteilungsproblem, das in der Regel Gegenstand ex ante verhandelter Verträge oder mündlicher Absprachen zwischen den Akteuren ist. In einer reziproken Kooperation hingegen verfolgen die Kooperationspartner meist unterschiedliche Ziele. Ihr liegt prinzipiell immer ein Tausch von Ressourcen zu Grunde, wie dies z.B. in einer Kunden-Lieferantenbeziehung der Fall ist.
Im Gegensatz zu redistributiven Kooperationen tauchen in reziproken die Verteilungsprobleme nicht im Zusammenhang mit der Verteilung der Kooperationsrente, sondern mit der Aufteilung der Wertschöpfung in Erscheinung.460 Gemeinsam ist beiden Formen, dass die Problematik von Kooperationen stets auf Verteilungsproblemen und wechselseitiger Zielinterdependenz der Partner beruht. Da Kooperationen grundsätzlich freiwillig stattfinden, interagieren die Akteure grundsätzlich nur dann, wenn sie sich davon einen Vorteil erhoffen.461 Unter das weite Verständnis von Ressourcenbeziehungen im Rahmen der Ressourcenabhängigkeitstheorie lassen sich sowohl reziproke als auch distributive Kooperationen im Sinne Tröndles subsumieren. Beide Formen sind darum in die Analyse miteinzubeziehen.