E-Book, Deutsch, 524 Seiten
Kelts Loving Silver
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-944737-61-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 524 Seiten
ISBN: 978-3-944737-61-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Michael lebt in einem kleinen Dorf in Baden-Württemberg. Sein Leben verläuft in geregelten Bahnen, ebenso wie sein Job als Architekt. Doch seine heimliche Obsession ist der junge amerikanische Gay-Pornodarsteller Silver.Und so heftet sich Michael unter dem Pseudonym Northman per Facebook und Twitter an seine Fersen und schreibt ihm nach langem Zögern. Silver antwortet überraschenderweise und in Michael entsteht der Wunsch, seinen Schwarm einmal in echt zu sehen. Eine Preisverleihung bietet die Chance. Doch Michael hat seine Rechnung ohne Silver gemacht. Statt eines Autogramms bekommt er eine Telefonnummer und einen Namen: Jamie. Die Reise beginnt ...
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3.
Was die Leute für einen Schwachsinn schreiben! Gott, ich möchte nicht in seiner Haut stecken. Sie lassen sich seit zwei Tagen darüber aus, dass seine Haare an den Schläfen rasiert sind, diskutieren den tieferen Sinn und wer ihn wohl dazu gebracht hat.
Gut, ich mag es auch nicht so sehr, es lässt ihn hart wirken. Mir gefällt er jungenhafter besser, aber vielleicht will er auch genau den Effekt? Wer weiß das schon. Ich muss lachen, er hat ein altes Bild gepostet, ohne Bart, und darauf sieht er wie ein Fünfzehnjähriger aus. Ich denke, er will tatsächlich erwachsener, männlicher rüberkommen.
Aber die Kommentare! Machen die sich denn keine Gedanken, dass er das mitbekommt? Wie können seine sogenannten Fans nur so oberflächlich sein? Schert es die gar nicht, ihn wie ein Stück Fleisch zu beurteilen? Es ist … ich weiß nicht, es reduziert ihn auf den bloßen Pornohengst und blendet den Menschen vollkommen aus.
Saudoof – als ob das nicht sein Plan wäre!
Ich hab sein Bild wieder auf dem Schirm. Großformat! Schirmfüllend. Mein Herz brennt, scheiße, ich hab mich verknallt! Alle Zeichen deuten darauf hin: Herzrasen bei seinem bloßen Anblick, trockener Mund, schlaflose Nächte, heiße Träume, Mann, bin ich krank!
Das geht doch gar nicht! Wie kann ich mich in eine bloße Illusion verlieben? In Bilder und Sexszenen. Oberflächlicher geht’s gar nicht! Eigentlich bin ich nicht so, ich mag tiefsinnige Gespräche, Intelligenz, echten zwischenmenschlichen Austausch und dann verguck ich mich in einen jungen, geilen Erotikakteur? Das verstehe, wer will, ich nicht. Was für eine Seite spricht dieser Silver in mir an? Klar ist er ausgesprochen hübsch, bewegt sich klasse, und so einen mal im Bett zu haben muss der Hammer sein, dennoch: Er trifft mich ganz tief, an einem Ort, den bis dato noch kein Mann auch nur aus der Ferne erspäht hat.
Tatsache ist: Er hat sich in meinem Hirn eingenistet wie ein Parasit. Irgendwas muss passieren. Ich muss ihm schreiben, aber was?
Ihn einfach fragen, wie es ihm geht? Ist das nicht zu trivial? Trotzdem … vielleicht mal was Neues. Keine billige Anmache, kein gepostetes Bild von einem Ständer, keine Offerte.
Nein … Nein, nein, nein … Finger weg.
Ich bin ein Feigling! Hab meinen Account gelöscht und mich neu angemeldet. Keine persönlichen Daten, kein Land, eine fiktive Mailadresse und ein erfundener Name. Northman schimpfe ich mich jetzt, passt zu mir. Ha, ha …
Uhh, warum zittern meine Finger beim bloßen Gedanken, ihm zu schreiben? Es holt ihn näher, reißt ihn aus der Anonymität. Blöd, oder? Er wird’s doch eh nicht lesen, geschweige denn antworten, also? Ran an die Tasten! Witzig, geht gar nicht. Ich schaff es nicht. Schon die Gedanken, die Mail oder was auch immer abzuschicken, sie in meiner Fantasie auf seinem Handy erscheinen zu lassen, ihn den Text lesen zu lassen, lassen meine Haare ergrauen.
Tage später, um Jahre gealtert.
Okay. Ich hab’s getan! Mann, ich bin Anfang dreißig und benehme mich wie ein pubertierender Teenie. Dabei ist der Kerl auch noch jünger als ich! Als ob das was ausmacht, aber gut … Er ist auf die zahlreichen guten Ratschläge eingegangen und hat gefragt, wie denn seine Fans seine Haare wollen! Hätte ich nicht gedacht, aber gut, das ist so nichtssagend, dass ich darauf antworten kann. Oberflächlich und wert, übersehen zu werden. Bin auch nicht besser wie alle anderen. Dennoch hab ich mir tagelang überlegt, was ich schreiben soll. Letztendlich wurde es dann dieser Satz: „Warum lässt du es nicht so, wie es dir gefällt?“ Blöd, oder? Macht nichts, hat mich genug Schweiß gekostet.
Jetzt trau ich mich nicht mehr, mein Handy anzuschalten, vor lauter Schiss, dass er darauf antwortet. Wie krank bin ich eigentlich?
Scheiße, Mann – mich hat’s heute fast zerrissen. Ich war bei meinem Vereinskumpel Peter beim Fußballschauen, als mein Handy klingelte. Ahnungslos hab ich es aus der Tasche gezogen, den Sperrbildschirm gelöst und es dann fast fallen gelassen. Äh, nein weggeworfen trifft es wohl besser! Das gibt’s doch gar nicht! Das kann nicht sein, aber da steht tatsächlich sein Name! Meine Finger zittern und mein blöder Blick bringt mir von Hans einen Rippenknuff ein. Wir sind zu fünft, alles Mitglieder unseres Schottenvereins, ganze Kerle, stockhetero! Und ich sitz mittendrin und starr auf mein Handy, das Silvers knackigen Allerwertesten zeigt und eine Nachricht von ihm! Dümmlich grinsend drücke ich ihn weg und stelle mich den Fragen. Hans, ein Kleiderschrank von Mann, kahl rasiert und nicht mehr ganz nüchtern, zieht mich auf. Fast alle sind verheiratet oder haben zumindest eine Freundin. Da bin ich die große Ausnahme, aber mein fassungsloser Blick gerade eben macht ihnen Hoffnung. Mann, wenn die wüssten!
Aber ganz ehrlich: Heteromänner sind so leicht zu manipulieren! Die kämen gar nicht drauf, dass ich schwul bin, und jetzt ein paar geschickte Lügen und mein selbstgezimmertes Weltbild gewinnt an Stabilität.
Die Mail, Silver … das ist allein meine Realität. Ich nehm sie nachher mit nach Hause und dann sehen wir weiter.
Okay, bin daheim. Ich wohne etwas außerhalb auf einem Hof. Dank ein paar guter Aufträge konnte ich das alte Schmuckstück kaufen und renoviere es seit zwei Jahren. Er liegt oberhalb des Dorfes am Waldrand, umgeben von Wiesen und mit lediglich einer Zufahrtsstraße. Manch einem ist es hier zu einsam, aber ich liebe die Ruhe um mich herum.
Noch im Auto rufe ich die Seite auf und klicke die Antwort an. Mist, meine Hände zittern schon wieder und mein Herz gleicht gerade einem durchgehenden Mustang. Oh, reg dich ab, nur eine höfliche Antwort, nichts Bedeutendes, ahhh.
Oh, die Seite geht auf … Da … mein Satz … hier seine Nachricht: „Danke Northman, dass du mir einen eigenen Willen zugestehst ;-)). Verrätst du mir trotzdem, was dir gefällt?“
Ähh … okay … er fragt mich was? Mir wird warm und dieses breite Grinsen schmerzt langsam. Ich führe mich auf wie ein Junkie auf Droge. Verflucht! Das ist doch nichts weiter als schnell dahin geschriebene Höflichkeit. Aber es ist von IHM!
Soll ich antworten? Ich überlege, während ich nach drinnen gehe, mich gemütlich auf das Sofa lümmle und mein frisch geöffnetes Bier genieße. Warum nicht? Er ist weit weg, unerreichbar, eine nicht zu greifende Traumgestalt. Was schadet Ehrlichkeit schon? Nichts.
Zögernd greife ich mein Handy und tippe: „Hallo? Natürlich ist es deine alleinige Entscheidung. Ich mag dein Haar gern länger, du wirkst dann weicher. Es schmeichelt deinem hübschen Gesicht!“ Okay, nach gefühlten zwei Stunden Starren schicke ich es ab. Wie spät ist es in den Staaten? Hier ist es halb eins nachts, dann ist dort später Abend. Scheiße, mir bricht der Schweiß aus. Oh, oh, wenn ich Pech habe, ist er noch wach! Mein Gott, allein der Gedanke, dass er live, jetzt, in dieser Sekunde sein Handy in der Hand hält und meine, MEINE Nachricht empfängt, jagt mir Hitzeschauer über den Leib. Ich spinn doch wohl!
Vielleicht sollte ich es ausmachen? Blödsinn! Das schaff ich dann doch nicht. Ins Bett gehen? Hmmm … wie soll ich jetzt bloß schlafen? Mann, wir haben morgen mit der örtlichen Blaskapelle einen Auftritt, ich sollte fit sein. Andererseits, das wird die Gerüchte über eine etwaige Freundin verstärken, wenn ich mit fetten Augenringen auf dem Festgelände des Nachbardorfes ankomme. Aber zumindest könnte ich ja mal nach oben gehen.
Gesagt getan. Das Handy landet in meinem Bett. Ich selbst husche ins Bad und zieh mich aus. Das Grinsen klebt wie festgewachsen in meinem Gesicht. Die Strecke ins Schlafzimmer schaff ich in Rekordzeit, als das Telefon piept. Ist das zu fassen? Ich dreh durch, er antwortet tatsächlich nochmal.
„Du findest mich hübsch? Danke! :-)“
Meine Finger fliegen über die Tasten, scheiß auf Schlaf, wird ohnehin überbewertet. „Mehr als hübsch, aber das hörst du ja dauernd.“
Uahh … es klingelt wieder! Seit wann mach ich so komische Geräusche?
„Na ja, hübsch nicht wirklich, eher geil, sexy, hot …“
„Passt ja auch alles! ;-)“
„Lol … dann stehst du auf mich?“
Mir wird heiß, ob ich auf ihn stehe? Mann, was glaubt der den?
„Ja, so wie alle deine Tausende Follower!“
Eine längere Pause, ein Knoten bildet sich in meinem Magen. Der hört doch jetzt nicht auf, oder? Es klingelt! Stoßartig entlasse ich den Atem aus meinen Lungen. Mir fällt fast das Gerät aus den schweißnassen Fingern.
„Hmmm … Northman … du bist noch nicht lange bei mir, oder?“
Noch nicht lange? Nein, etwa ein Jahr, nicht, dass es zählt. Großer Gott, wenn du wüsstest. „Doch, aber nur als passiver Zuschauer.“
„Siehst du gern zu? Mir, meine ich. ;-).“
Und ob, Silver, und ob. „Ja!“, mehr fällt mir dazu einfach nicht ein. Mist, ich bin grad dabei, das Gespräch abzuwürgen. Oh, klingelt schon wieder!
„Geht dir einer ab, wenn du mich in Aktion erlebst?“
Okaaayyy … nimmt kein Blatt vor den Mund, gut so. Aber ich will ehrlich bleiben, wahrscheinlich denkt er, dass ich schleime, aber egal. „Darf ich ehrlich sein?“
Er scheint zu überlegen, ist ihm das zu anstrengend? Nein, die Antwort kommt! „Bitte.“
„Ich mag, wie du dich bewegst, wie du küsst, deine Hände, deine Augen … sorry, sagt wahrscheinlich auch jeder, ist aber so!“
„Okay, magst du es auch, wenn ich gefickt werde?“
„Keine Ahnung, bin ja nicht dabei!...




