Kelman | Wo das Dunkel herrscht | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 324 Seiten

Reihe: Die Rechtsanwältin ermittelt

Kelman Wo das Dunkel herrscht

Thriller: Die Rechtsanwältin ermittelt 1 | Eine Reihe mysteriöser Selbstmorde an einer Universität
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98690-916-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller: Die Rechtsanwältin ermittelt 1 | Eine Reihe mysteriöser Selbstmorde an einer Universität

E-Book, Deutsch, Band 1, 324 Seiten

Reihe: Die Rechtsanwältin ermittelt

ISBN: 978-3-98690-916-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wer hat ihren Sohn getötet? Der psychologische Thriller »Wo das Dunkel herrscht« von Judith Kelman jetzt als eBook bei dotbooks. Die Rechtsanwältin Sarah Spooner steht unter Schock, als sie Nachricht vom Selbstmord ihres Sohns Nicky erhält: Niemals hätte ihr Junge sich umgebracht! Überzeugt, dass jemand ihn ermordet hat, fliegt sie nach Cromwell, wo Nicky auf dem Campus seiner Universität starb. Hier erfährt sie, dass Nicky vor seinem Tod tatsächlich in psychiatrischer Behandlung - aber warum? Je mehr sie über die letzten Tage im Leben ihres Sohnes herausfindet, desto enger zieht sich ein Netz aus Lügen und Geheimnissen um sie zusammen: Denn er war nicht der einzige vermeintliche Selbstmörder- eine ganze Reihe Studenten stürzte von derselben Klippe in den Tod ... »Fesselnd ... Es hat mich mitgerissen bis zum schockierenden Höhepunkt!« Bestsellerautorin Mary Higgins Clark So atemlos spannend wie Nicci French, so abgründig wie Joy Fielding! Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der fesselnde Thriller »Wo das Dunkel herrscht« von Judith Kelman ist der erste Band ihrer Reihe um Rechtsanwältin Sarah Spooner, der eigenständig gelesen werden kann. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Mit mehr als zwei Millionen verkauften Exemplaren ihrer Bücher ist Judith Kelman eine Meisterin der psychologischen Spannung. Sie wurde für ihren Thriller »Fürchte dich vor mir« mit dem Mary Higgins Clark Award ausgezeichnet und war Vorsitzende der Mystery Writers of America. Sie lebt in New York City. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre Thriller um Rechtsanwältin Sarah Spooner mit den Bänden »Wo das Dunkel herrscht« und »Wenn die Unschuld stirbt« sowie die Standalone-Thriller »House on the Hill«, »Schrei, wenn du kannst« und »The Black Widow«.
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Kapitel 1


Langsam erwache ich aus diesem Alptraum. Nicht daß ich glaube, ich könnte ihn je vergessen. Es ist eher so, als lagerten Splitter von ihm am Rande meines Lebens, verstreut wie feiner Sand, der sich in den Spalten meines Bewußtseins und meiner Erinnerung festsetzt, um dann durch den geringsten Anlaß aufgewirbelt zu werden und auf das niederzuprasseln, was von meiner Welt übriggeblieben ist. Aber ich hatte nie geglaubt, daß ich mich wieder soweit erholen könnte. Ich bin dankbar dafür.

An dem Tag, an dem alles anfing, trennten mich, wie es eigentlich jedermann zusteht, Welten von einem solchen Alptraum. Ben schlummerte noch in unserer Schlafhöhle, in der wir schliefen, uns stritten und liebten und in der wir Nicholas und Allison gezeugt hatten. Er lag zusammengekauert da, seine ergrauten, blonden Locken waren zerzaust wie bei einem kleinen Jungen. Selbstverständlich schnarchte er nicht – gegen eine solche Behauptung verwahrte er sich entschieden –, sondern »atmete lediglich mit Hingabe«.

Ich setzte mich auf, schlüpfte auf meiner Seite aus dem Bett und packte seinen regungslosen Körper wieder in die noch schlafwarme Decke. Als ich meinen dicken grauen Sweater und die marineblaue Windjacke anzog, war ich froh, daß ich mich von ihm zu diesem Gummisohlenwahnwitz hatte überreden lassen. Joggen an sich ist stumpfsinnig, klar. Aber ich genoß dieses selbstvergessene Dahinstürmen ebenso wie die faszinierende Entdeckung meines Körpers, der wie von selbst dahinzulaufen schien.

Vor einer Woche hatte mir Ben ein neues Paar Joggingschuhe zum Geburtstag geschenkt. Beste Qualität, betonte er feierlich. Dazu gab es noch eine Uhr, die die Welt auf Kilometer und Tausendstelsekunden reduziert. Sie belohnte meine ganze Anstrengung mit blinkenden Lichtern und einer ziemlich falschen Version von »Yankee Doodle Dandy«.

Über Nacht war warmer Regen gefallen, und weicher Dunst stieg von den Gehsteigen auf. Mein Atem hinterließ kleine Wölkchen in der Luft, als ich unter großem Gestöhne meine Aufwärmübungen absolvierte. Nachdem sich mein Repertoire erschöpft hatte und es keine Ausflüchte mehr gab, setzte ich mich in Trab.

Meine Füße klatschten auf den feuchten Betonboden und erzeugten merkwürdige Schlurfgeräusche, wenn ich durch einen der gelegentlich auftauchenden, glitschigen Blätterhaufen lief. Dies waren die einzigen Laute, die mich begleiteten, während ich an den verschlafenen Siedlungen und den ersten Spaziergängern von Valley View Road vorbeilief. Dann bog ich nach links in Richtung Hillsdale ab.

Wir lebten nun schon zwanzig Jahre in North Stamford. Als Nicky zwei Monate alt war, verließen wir fluchtartig die Stadt New York mit ihren »Kinder-Verboten«-Schildern, den monströsen britischen Kinderwagen und den dazugehörigen Kindermädchen. Wir landeten in einer Welt mit riesigen Rasenflächen, halsabschneiderischen Kinderkrippen und betont leger wirkendem modischen Firlefanz.

Ben und ich pendelten jeden Tag in die Stadt: er zu seiner Unternehmensberatungsfirma und ich zum Büro des Bezirksstaatsanwaltes, wo ich seit meinem Abschluß an der juristischen Fakultät der Columbia University tätig bin. Und das sind jetzt immerhin schon zwölf Jahre. Nachdem ich eine Weile stellvertretende Leiterin der Abteilung Mord gewesen war, wurde mir die Leitung der Abteilung für Sexualdelikte übertragen, wo ich von allen hinter vorgehaltener Hand »Dr. No« genannt wurde. Aber ich kümmerte mich nicht um diese Spötteleien. Daß Kollegen auf meine Kosten Witze rissen, konnte für mich nur heißen, daß ich es geschafft hatte. Nach Jahren harter, hingebungsvoller Arbeit war ich es nun endlich wert, mit Eifersüchteleien bedacht zu werden.

Meine Abteilung machte sich prächtig. Wir führten durchgreifende Veränderungen durch und Präventivmaßnahmen zur Verhinderung von Vergewaltigungen, der Strafverfolgung und dem Beistand für die Opfer.

Verängstigte junge Frauen, die dem entwürdigendsten, gemeinsten und brutalsten Verbrechen zum Opfer gefallen waren, wurden jetzt nicht mehr dazu gezwungen, ihre intimsten Erlebnisse bloßzulegen, um damit ihre Unschuld zu beweisen. Frauen wurden auch nicht mehr automatisch zu Flittchen abgestempelt, weil sie roten Lippenstift auflegten, schwarze Strümpfe trugen oder verdächtig große blaue Augen hatten. Auch wurde ein »Nein« allmählich als angemessene Reaktion auf sexuelle Belästigung betrachtet. Es wurde auch nicht mehr für selbstverständlich gehalten, daß man über eine Frau herfallen durfte, nur weil man sie zu Drinks oder zum Essen eingeladen hatte. Auch aus rechtlicher Sicht erschienen Frauen in einem anderen Licht: Sie waren nicht länger die »Sirenen«, die arme, ahnungslose Männer in rasende Bestien verwandelten. Aber allem Anschein nach brauchten gewisse Männer auch keine Stimulation von außen, um sich in rasende Bestien zu verwandeln. Wir hatten noch einen weiten Weg vor uns, doch immerhin wandelten sich die Anschauungen allmählich zugunsten der Opfer.

Meine tägliche Route führte mich am Wasserturm vorbei, über die baufällige Autobrücke hinweg und in die Ausläufer des New- Canaan-Gebirges, wo eine Gemeinde von Mayflower-Nachfahren und Martini-Enthusiasten lebte. Während ich dahinlief, schienen die Häuser zu wachsen, als seien sie ebenso gut genährt und mit hervorragenden Erbanlagen gesegnet wie ihre Bewohner.

In der Nähe des Stadtzentrums befand sich eine Aschenbahn der High School, auf der ich meine obligatorischen drei Runden drehte. Ich winkte bekannten Gesichtern zu: der Alten mit dem hervorstehenden Kinn und den beiden Yorkshire-Terriern, die sie an einer verzierten Hundeleine hinter sich herzog; dem jungen Kerl mit dem zerfurchten Gesicht und einem Körper, der von Michelangelo erschaffen schien; dem Polizisten in seiner verschwitzten Uniform, der sich so steif bewegte, als wolle er einen Bullen aus einem Keystone-Cartoon parodieren. Pat sprintete gerade um die Kurve.

»Höchste Zeit, daß Sie auftauchen, Frau Staatsanwältin«, rief er. »Haben Sie verschlafen oder was?«

Meine Uhr zeigte Viertel vor sechs. »Wohl kaum. Was ist mit Ihnen? Brauchen Sie denn überhaupt keinen Schlaf? Also, wenn Sie mich fragen, ich finde solche Energiebündel äußerst deprimierend.«

Er lief zu mir herüber und paßte sich meinem Schritt an. »Heute werden Sie mich bestimmt nicht deprimierend finden, Frau Staatsanwältin. Nicht bei den guten Nachrichten, die ich für Sie habe! Es sieht so aus, als würden Sie tatsächlich den Zuschuß aus dem Nationalen Fonds erhalten. Sie scheinen es doch tatsächlich geschafft zu haben ... nicht schlecht für so ein altes Frauenzimmer!«

»Von wegen altes Frauenzimmer!« Von irgendwoher überkam mich plötzlich ein gewaltiger Energieschub, und ich ließ ihn keuchend hinter mir zurück. Pat (die Kurzform für Paterson Scofield III.) war ein reizender Knabe, der kein bißchen älter als mein Sohn Nick aussah, obwohl er schon siebenundzwanzig Jahre alt war. Seit er vor vier Jahren in Harvard seinen Abschluß in Jura gemacht hatte, arbeitete er für mich in der Kanzlei. Trotz all seiner tadellosen Referenzen und seines aristokratisch vornehmen Aussehens war er einer der wenigen Idealisten, die dieser Welt geblieben sind. All die hochbezahlten Jobs, mit denen ihn Wall-Street-Firmen ständig umwarben, ließen ihn völlig kalt; er strebte nach einer sinnvollen, erfüllten Tätigkeit. Wir sind zu engen, wenn auch ungleichen Freunden geworden.

Ich tat so, als würde ich meine Schuhe binden, und gab ihm so Gelegenheit, mich wieder einzuholen. Neugierig wie ich war, drängte es mich, nachzufragen und mir die frohe Botschaft nochmals bestätigen zu lassen. »Glauben Sie wirklich, daß wir den Zuschuß bekommen werden? Was haben Sie denn gehört? Sie wissen ja, ich habe nicht einmal gewagt, mir Hoffnungen zu machen. Wenn Hodges den Etat bekommt, wird er ein vollständiges Dienstleistungsprogramm einrichten: eine Gruppe von Psychotherapeuten, Überbrückungshilfe, längerfristige Betreuung, Öffentlichkeitsarbeit, Forschungsstudien und so weiter und so fort. Klingt zu schön, um wahr zu sein!«

»Gestern nacht habe ich zufällig meine Freundin von der Geschäftsstelle getroffen, und sie hat ganz zufällig erwähnt, daß es praktisch beschlossene Sache sei. Vor allem dann, wenn wir den ›Harper-Fall‹ gewinnen. Und den haben wir eigentlich schon im Sack, noch bevor die Geschworenen gewählt werden.«

»Sie haben wohl überall Freunde«, sagte ich schnippisch. »Wie wär’s, wenn Sie mal darüber nachdächten, sich gleich zum Präsidenten der ganzen Welt wählen zu lassen?«

»Wenn ich nur Zeit dafür hätte. Aber leider arbeite ich für eine gewisse Lady, die eine wahre Sklaventreiberin ist.«

»... passen Sie bloß auf, wen Sie eine Lady nennen, Freundchen«, witzelte ich in meinem besten Humphrey-Bogart-Stil. »Und was heißt überhaupt ›beschlossene Sache‹?«

»Es handelt sich nur noch um ein paar Stempel, das ist alles. Die Geschäftsstelle hält nach ein paar Brocken Ausschau, die sie den Feministinnen vorschmeißen kann. Das ist zwar nicht die feine Art ...«

»Aber wen stört’s? Einzig wichtig ist, daß wir das Programm bekommen, und nicht das Wie und Warum dieser Großzügigkeit. Hodges ist ein anständiger Staatsanwalt, allerdings dreht er jeden Cent zweimal um, bevor er ihn bewilligt. Aber da wir das Geld nicht von anderer Seite bekommen, kann man nichts machen. Das ist ja super, echt toll ... das heißt, falls Sie sich der Sache wirklich sicher sind. Obwohl ich es hasse, wenn am Ausgang eines Falles gedreht wird. Es kann immer irgendetwas schiefgehen.«

»Die Sache klappt. Um den Fall brauchen Sie sich keine Sorgen mehr zu machen. Er ist wasserdicht, luftdicht, gefriergetrocknet und keimfrei. Nach Ihrem...



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