Keller / Schulze | Gottfried Keller - Gesammelte Werke | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 1838 Seiten

Reihe: Gesammelte Werke bei Null Papier

Keller / Schulze Gottfried Keller - Gesammelte Werke

Romane und Geschichten

E-Book, Deutsch, 1838 Seiten

Reihe: Gesammelte Werke bei Null Papier

ISBN: 978-3-96281-299-7
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Neue Deutsche Rechtschreibung Gottfried Keller (19.07.1819-15.07.1890) war ein Schweizer Dichter und Staatsbeamter. Man kann ohne Zweifel sagen, dass Gottfried Keller der wichtigste Autor der Schweiz im 19. Jahrhundert war. Wegen eines Dummejungenstreiches von einer höheren Schulbindung oder gar einem Studium ausgeschlossen, fand der Halbwaise über den Umweg der Lehre zum Landschaftsmaler doch noch zur Literatur. Er hinterlässt ein großes Werk an Gedichten, Dramen, Novellen und Romanen. Null Papier Verlag

Gottfried Keller (19.07.1819-15.07.1890) war ein Schweizer Dichter und Staatsbeamter. Man kann ohne Zweifel sagen, dass Gottfried Keller der wichtigste Autor der Schweiz im 19. Jahrhundert war. Wegen eines Dummejungenstreiches von einer höheren Schulbindung oder gar einem Studium ausgeschlossen, fand der Halbwaise über den Umweg der Lehre zum Landschaftsmaler doch noch zur Literatur. Er hinterlässt ein großes Werk an Gedichten, Dramen, Novellen und Romanen.
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Einleitung
Ge­gen das Ende der acht­zehn­hun­dert­und­zwan­zi­ger Jah­re, als die Stadt Zü­rich noch mit weit­läu­fi­gen Fes­tungs­wer­ken um­ge­ben war, er­hob sich an ei­nem hel­len Som­mer­mor­gen mit­ten in der­sel­ben ein jun­ger Mensch von sei­nem La­ger, der we­gen sei­nes Heran­wach­sens von den Dienst­bo­ten des Hau­ses be­reits Herr Jac­ques ge­nannt und von den Haus­freun­den einst­wei­len geih­rzt wur­de, da er für das Du sich als zu groß und für das Sie noch als zu un­be­trächt­lich dar­stell­te. Herrn Jac­ques’ Mor­gen­ge­müt war nicht so la­chend wie der Him­mel, denn er hat­te eine un­ru­hi­ge Nacht zu­ge­bracht, voll schwie­ri­ger Ge­dan­ken und Zwei­fel über sei­ne ei­ge­ne Per­son, und die­se Un­ru­he war ge­weckt wor­den durch den am Abend vor­her in ir­gend­ei­nem vor­lau­ten Bu­che ge­le­se­nen Satz, dass es heut­zu­ta­ge kei­ne ur­sprüng­li­chen Men­schen, kei­ne Ori­gi­na­le mehr gebe, son­dern nur noch Dut­zend­leu­te und gleich­mä­ßig ab­ge­dreh­te Tau­sends­per­so­nen. Mit Le­sung die­ses Sat­zes hat­te er aber gleich­zei­tig ent­deckt, dass die sanft auf­re­gen­den Ge­füh­le, die er seit ei­ni­ger Zeit in Schu­le und Haus und auf Spa­zier­gän­gen ver­spürt, gar nichts an­de­res ge­we­sen, als der un­be­wuss­te Trieb, ein Ori­gi­nal zu sein oder ei­nes zu wer­den, das heißt, sich über die run­den Köp­fe sei­ner gu­ten Mit­schü­ler zu er­he­ben. Schon hat­te sich in sei­nen Schulauf­sät­zen die kur­ze, dürf­ti­ge Schreib­wei­se ganz or­dent­lich zu be­we­gen und zu fär­ben an­ge­fan­gen; schon brach­te er hier und da, wo es an­ge­zeigt schi­en, ein kräf­ti­ges sic an und wur­de des­halb von den Ka­me­ra­den der Si­kam­ber ge­hei­ßen. Schon brauch­te er Wen­dun­gen wie: »ob­gleich es schei­nen möch­te«, oder »nach mei­ner un­maß­geb­li­chen Mei­nung«, oder »die Au­ro­ra die­ser neu­en Ära«, oder »ge­sagt, ge­tan« und der­glei­chen. Ein his­to­ri­sches Auf­sätz­chen, in wel­chem er zwei ent­schie­den ein­an­der ent­ge­gen­wir­ken­de Tat­sa­chen rasch auf­ge­zählt hat­te, ver­sah er so­gar mit dem pomp­haf­ten Schlus­se: »Man sieht, die Din­ge stan­den so ein­fach nicht, wie es den An­schein ha­ben moch­te!« Auch gab es un­ter sei­nen Sa­chen ein Heft im­mer weiß blei­ben­den Pa­piers, über­schrie­ben: »Der neue Ovid«, in wel­ches eine neue Fol­ge von Ver­wand­lun­gen ein­ge­tra­gen wer­den soll­te, näm­lich Ver­wand­lun­gen von Nym­phen und Men­schen­kin­dern in Pflan­zen der Neu­zeit, wel­che die Säu­len des Ko­lo­ni­al­han­dels wa­ren, dem das el­ter­li­che Haus sich wid­me­te. Statt des an­ti­ken Lor­beers, der Son­nen­blu­me, der Nar­zis­se und des Schil­fes soll­te es sich um das Zucker­rohr, die Pfef­fer­stau­de, Baum­woll- und Kaf­fee­pflan­ze, um das Süß­holz han­deln, des­sen schwärz­li­chen Saft sie in je­ner Stadt Bä­ren­dreck nen­nen. Na­ment­lich von den ver­schie­de­nen Farb­höl­zern, dann vom In­di­go, Krapp usw. ver­sprach er sich die wir­kungs­reichs­ten Er­fin­dun­gen, und al­les in al­lem ge­nom­men schi­en es ihm ein zeit­ge­mä­ßer und zu­tref­fen­der Ge­dan­ke zu sein. Frei­lich bo­ten die Er­fin­dun­gen selbst nir­gends eine Hand­ha­be dar, bei wel­cher er sie an­pa­cken konn­te; sie wa­ren sämt­lich wie schwe­re, große run­de Töp­fe ohne Hen­kel, und aus die­sem Grun­de blieb je­nes Heft bis auf die statt­li­che Über­schrift durch­aus rein und weiß. Aber das Da­sein des­sel­ben, so­wie noch ei­ni­ge an­de­re Er­schei­nun­gen un­ge­wöhn­li­cher Art, de­ren Auf­zäh­lung hier un­ter­blei­ben kann, bil­de­ten eben das­je­ni­ge, was er nun­mehr als Trieb zur Ori­gi­na­li­tät ent­deck­te in dem glei­chen Au­gen­bli­cke, da die­se Tu­gend dem da­ma­li­gen Ge­schlech­te rund­weg ab­ge­spro­chen wur­de. Ängst­lich und fast trau­rig be­trach­te­te Herr Jac­ques den schö­nen Tag, fass­te dann aber sei­ner Ju­gend ge­mäß einen ra­schen Ent­schluss, nahm sein Ta­schen­buch, das für man­nig­fa­che Auf­zeich­nun­gen sinn­reich ein­ge­rich­tet war, zu sich und be­gab sich auf einen Spa­zier­gang für den gan­zen Tag, um sei­ne Sa­che, die er mein­te, zu er­wä­gen, zu er­pro­ben und in Si­cher­heit zu brin­gen. Erst­lich be­stieg er eine hohe Bas­ti­on, die so­ge­nann­te Kat­ze, an wel­cher jetzt der Bo­ta­ni­sche Gar­ten liegt, und ar­bei­te­te sich so über sei­ne Mit­bür­ger em­por, in­dem er über die Stadt hin­blick­te. Al­les war in täg­li­cher Ar­beit und Tä­tig­keit be­grif­fen; nur ein klei­ner, schul­schwän­zen­der Jun­ge schlich um Herrn Jac­ques her­um und schi­en eben­falls ein Ori­gi­nal wer­den zu wol­len, ja ihn an Be­ga­bung be­reits zu über­tref­fen; denn man konn­te be­ob­ach­ten, wie der Klei­ne in ein Ka­se­mat­ten­ge­mäu­er schlich, dort einen künst­lich an­ge­leg­ten Be­häl­ter öff­ne­te, Spiel­sa­chen und Ess­wa­ren her­vor­hol­te und sich mut­ter­see­len­al­lein, aber eif­rig zu un­ter­hal­ten be­gann. So war al­les be­tä­tigt, selbst der blaue See fern­hin von den Se­geln der Last- und Markt­schif­fe be­deckt, mü­ßig al­lein die stil­le wei­ße Al­pen­ket­te und Herr Jac­ques. Da sich nun auf die­ser Kat­ze kei­ne er­freu­li­che Er­fah­rung oder Aus­zeich­nung dar­bie­ten woll­te, so stieg er wie­der hin­un­ter und ging aus dem nächs­ten Tore, sich bald an den ein­sa­men Ufern des Sihl­flus­ses ver­lie­rend, der wie her­kömm­lich durch die Ge­höl­ze und um die aus dem Ge­bir­ge her­ab­ge­wälz­ten Stein­blö­cke schäu­mend da­hin­eil­te. Seit hun­dert Jah­ren war die­se dicht vor der Stadt lie­gen­de ro­man­ti­sche Wild­nis von den zür­che­ri­schen Ge­nies, Phi­lo­so­phen und Dich­tern mit De­gen und Haar­beu­tel be­gan­gen wor­den; hier hat­ten die jun­gen Gra­fen Stol­berg als Durch­rei­sen­de ge­nia­lisch und pu­del­nackt ge­ba­det und da­für die Stein­wür­fe der sitt­sa­men Land­leu­te ein­ge­ern­tet. Die Fel­strüm­mer im Flus­se hat­ten schon hun­dert­mal zu den Ro­bin­son­schen Nie­der­las­sun­gen jun­ger Schul­schwän­zer ge­dient; sie wa­ren ge­heim­nis­voll von dem Feu­er ge­schwärzt, in wel­chem ge­raub­te Kar­tof­feln oder un­glück­se­li­ge Fisch­chen ge­bra­ten wor­den, die den Ro­bin­sons in die Hän­de ge­fal­len. Herr Jac­ques sel­ber hat­te meh­re­re der­glei­chen Pro­jek­te her­vor­ge­bracht. Al­lein, ein bes­se­rer Kauf­mann als Ro­bin­son, hat­te er die­sel­ben, das heißt die Wahl des Plat­zes und das Ein­zel­ne der Aus­füh­rung, je­des Mal für ba­res Geld an an­de­re Kna­ben ab­ge­tre­ten, wor­auf die Käu­fer dann eben­so re­gel­mä­ßig in­fol­ge die­ser Wahl und Aus­füh­rung von den Bau­ern als Holz­frev­ler und Feld­die­be über­fal­len und ge­prü­gelt wor­den wa­ren. Die­ses er­in­ne­rungs­rei­che Ufer ent­lang wan­del­te Herr Jac­ques, die of­fe­ne Schreib­ta­fel in der einen, den Stift in der an­de­ren Hand und ganz ge­wär­tig, die Zeug­nis­se sei­ner Ori­gi­na­li­tät zu...


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