Kehrer | Todesschrecken hinter Gartenhecken | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 300 Seiten

Reihe: Bee Merryweather ermittelt

Kehrer Todesschrecken hinter Gartenhecken

Ein Cornwall-Krimi | Charmanter Cosy Crime
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8437-2884-3
Verlag: Ullstein Taschenbuchvlg.
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Cornwall-Krimi | Charmanter Cosy Crime

E-Book, Deutsch, Band 4, 300 Seiten

Reihe: Bee Merryweather ermittelt

ISBN: 978-3-8437-2884-3
Verlag: Ullstein Taschenbuchvlg.
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Aufruhr in South Pendrick! Der vierte Fall für Bee Merryweather Bei Renovierungsarbeiten im Herrenhaus wird eine sechzig Jahre alte Baby-Mumie gefunden. Mit gewohntem Scharfsinn nimmt sich die pensionierte Hobbydetektivin Bee Merryweather dieses Falls an. Wer im idyllischen Cornwall könnte ein Mörder sein? Verdächtige gibt es unter den eigentümlichen Bewohnern des Dorfes mehr als genug. War es eines der ehemaligen Stubenmädchen oder hat doch die berüchtigte Dorfhexe ihre Finger im Spiel? Skandale werden aufgedeckt und Bee Merryweather weiß: Geheimnisse lassen sich nicht verscharren. Lust auf mehr Krimis mit englischem Charme?  - Band 1: Todesklang und Chorgesang - Band 2: Leichenschmaus im Herrenhaus  - Band 3: Mordversuch und Häkeltuch

Karin Kehrer lässt sich für ihre Romane von ihrer Heimat und ihren unzähligen Reisen auf die Britischen Inseln inspirieren. Die gebürtige Österreicherin liebt das Lesen und Schreiben und verbringt als Ausgleich zum Schreibtisch viel Zeit in der Natur.
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Prolog


South Pendrick, Waterford Manor, Dezember 1964


Die Stufen wanden sich unerbittlich nach oben. Siebzehn vom Souterrain ins Erdgeschoss. Zwanzig bis in den ersten Stock. Noch einmal so viele in den zweiten. Sie musste innehalten, ihr Herz klopfte so wild, als wollte es aus der Brust springen. Langsam, sie musste sich Zeit lassen, immerhin war sie noch geschwächt. Sie lehnte sich an die Wand, versuchte, ihren Atem zu beruhigen, und konnte nicht verhindern, dass ein leises Wimmern aus ihrer Kehle drang. Sie erschrak über ihren eigenen Laut, dann lauschte sie. Hoffentlich hatte sie niemand gehört!
Aber nein, Dummerchen, schalt sie sich. Hier bekam niemand etwas mit. Die Treppe für die Dienstboten führte zwischen den Mauern hoch in das Dachgeschoss. Sie wurde nur von denen benutzt, die für das Wohl der Herrschaft zu sorgen hatten.
Sie atmete noch einmal tief durch und stieg die Wendeltreppe weiter hinauf. Fünfzehn weitere von unzähligen Schritten abgetretene Stufen, die in das Reich der Unsichtbaren führten.
Im Dachgeschoss angekommen, öffnete sie die Tür am Ende der Treppe. Ein schmaler Gang erstreckte sich vor ihr. Nackte Glühbirnen baumelten in der Fassung von der Decke. Hier war das Einfachste mehr als gut genug.
Als sie ihre Stelle in Waterford Manor angetreten hatte, war sie überwältigt gewesen von der Pracht des Hauses. Von den wunderschönen orientalischen Teppichen, den blitzblank gebohnerten Parkettböden, den Wandvertäfelungen aus edlem Holz. Von den glitzernden Kristallkronleuchtern, den gepolsterten Möbeln mit den reich verzierten Lehnen, den wertvollen Gemälden und dem filigranen Porzellangeschirr. Ehrfürchtig hatte sie all das betrachtet und am Anfang nicht einmal gewagt, etwas davon zu berühren.
Wie schockiert war sie dagegen über die Jämmerlichkeit ihrer Dachkammer gewesen! Wie konnte man in solcher Herrlichkeit leben und den Menschen, die man tagtäglich für sich schuften ließ, ein derart erbärmliches Quartier bieten?
Mittlerweile hinterfragte sie es nicht mehr. Sie hatte sich daran gewöhnt. Außerdem täuschte der Glanz: Hinter all dem Prunk stand das traurige Los der Lady und des Earls.

Trotz alledem hatte sie ihre Arbeit geliebt – bis zu dem verhängnisvollen Tag, an dem sich das Unglück über ihr selbst ausbreitete.

Sie starrte den Gang hinunter, der sich in Düsternis verlor, und tastete mit einer Hand nach dem Zimmerschlüssel, den sie ständig an einer Schnur um den Hals trug. Mit der anderen Hand hielt sie die Tasse mit der Milch fest. Sie war noch warm.
Sie steckte den Schlüssel in das Schloss, öffnete die Tür und betätigte den Lichtschalter. Obwohl es früher Nachmittag war, lag die kleine Kammer im Halbdunkel. Das winzige Dachfenster gab den Blick frei auf ein Stück hellgrauen Winterhimmel. Das Licht der Glühbirne an der Decke enthüllte erbarmungslos die ärmliche Einrichtung. Ein schmales Bett, ein Nachtkästchen, ein Tisch mit einer Waschschüssel und einem Krug. Zwar sollten in absehbarer Zeit auch im Dachgeschoss Wasserleitungen verlegt werden, aber mit diesen Arbeiten würde erst im nächsten Sommer begonnen werden. Das hatte ihnen der Butler Mr Simpson vor einigen Tagen mitgeteilt.
Ein Schrank bot gerade Platz für das Nötigste. Nicht dass er zu klein gewesen wäre. Neben den beiden Dienstmädchenuniformen besaß sie ohnehin nur wenig Kleidung.
Ihr Blick fiel auf das zusammengeknüllte Nachthemd, das halb unter dem Bett hervorlugte. Auf die Blutflecken. Sie war noch nicht dazu gekommen, es zu waschen. Sie konnte das Blut riechen. Vielleicht war es aber auch nur ihr schlechtes Gewissen.
Sie sah auf das Bett, obwohl sie nicht wollte. Das Kissen lag noch genauso da, wie sie es am Morgen hingelegt hatte. Zögernd ging sie einen Schritt näher, in der unsinnigen Hoffnung, nur geträumt zu haben. In der Hoffnung, dass das … Ding gar nicht da war.
Sie starrte auf das Kissen. Nichts rührte sich. Dann stellte sie die Tasse mit der Milch auf den Nachttisch und streckte die Hand aus. Vorsichtig schob sie das Kissen beiseite. Es war schwer und klamm. Nein, sie hatte nicht geträumt. Das winzige Etwas, das sie vor zwei Tagen geboren hatte, lag noch da. Es bewegte sich nicht, hatte die Augen geschlossen. Ganz bestimmt schlief es. Das war gut. Wenn es schrie, würde es sie verraten. Letzte Nacht hatte es so geweint, es war kaum zu beruhigen gewesen. Wahrscheinlich hatte es Hunger. Sie konnte es nicht stillen. Sie hatte versucht, ein Stückchen Stoff mit Kuhmilch zu tränken. Das Baby hatte an dem Zipfel gesaugt, bis es müde geworden und eingeschlafen war.
Am Morgen hatte die Köchin sie gefragt, ob sie eine Katze in ihrem Zimmer verstecke. Natürlich stritt sie es ab. Mrs Smith hatte sie daraufhin so merkwürdig angesehen. Aber die Köchin musste doch wissen, dass sie nicht log! Das wäre doch eine Sünde gewesen! Allerdings keine so große, wie heimlich ein Kind zur Welt zu bringen. Ein Kind der Schande.
Sie holte zitternd Luft, unterdrückte ein Schluchzen. Was sollte sie nur tun? Sie konnte das Kleine nicht für immer hier verstecken.
Noch immer rührte es sich nicht. Schlief es tatsächlich so tief? Sachte stupste sie es mit dem Zeigefinger an. »He du«, flüsterte sie.
Keine Reaktion.
»He, Baby.« Sie musste ihm einen Namen geben. Sie hatte noch keine Zeit gehabt, darüber nachzudenken.
Aufmerksam betrachtete sie das winzige Wesen, das in ihr herangewachsen war, ohne dass sie es bemerkt hatte. Dass ihre Blutung ausgeblieben war, hatte sie nicht weiter gekümmert. Das geschah manchmal, wenn man sehr hart arbeiten musste. Dass sie um die Taille zunahm, fiel ihr zwar auf, aber sie hätte nie gedacht, dass …
Er hatte ihr leidgetan, betrunken und weinend. Ob er sich überhaupt daran erinnerte, dass er zu ihr gekommen war? Wahrscheinlich nicht. Zumindest sagte er nie auch nur ein Wort darüber. Sie wagte es seitdem nicht mehr, ihm ins Gesicht zu sehen. Sie ging ihm aus dem Weg, wann immer sie konnte. Ein bitteres Lachen stieg in ihrer Brust auf, sie erstickte es, bevor es sich befreien konnte. Er hatte nichts zu befürchten, sie war diejenige, die mit der Schande leben musste. Mit diesem Ding.
Irgendetwas stimmte nicht mit dem Baby. Es war so winzig. Die Augen standen seltsam weit auseinander, der Kopf war flach. Wenn es schrie, klang es wie eine kleine Katze. Aber es schrie ja kaum. Es lag noch immer still da. Sein Gesicht war bleich. Es sah aus wie das Jesuskind aus Wachs, das sie an Weihnachten in Saint Mary’s gesehen hatte.
Seltsam. Seine Lippen waren ganz blau.
Das waren sie vorher nicht gewesen, oder?
»Armes Ding. Du frierst wohl.« Sachte strich sie mit dem Zeigefinger über die Wange des Babys. Erschrak darüber, wie kalt dessen Haut war. Sie legte einen Finger auf die Brust des Kindes. Kein Herzschlag.
Sie hob das Händchen an, es sank kraftlos nieder, als sie es losließ.
Es dauerte einen Moment, bis sie begriff.

Es hatte gelebt, als sie es heute Morgen hier im Bett zurückgelassen hatte. Ganz sicher.
Das Kissen. Es war zu schwer gewesen. Es hatte das Baby erstickt.Sie saß bewegungslos da, eine finstere Leere breitete sich in ihr aus, ließ kein Gefühl zu.
Vielleicht war es besser so. Es war ein Kind der Schande, was hätte sie mit ihm tun sollen?
Nun, sie hätte es heimlich zum Pfarrhof bringen und dort ablegen können. Ja, das wäre eine gute Idee gewesen. Aber jetzt war es zu spät.
Es hatte noch immer keinen Namen. Die arme Seele war ungetauft gestorben.
Verity. Sie würde es Verity nennen.
Langsam stand sie auf.
Das Baby musste verschwinden. So, als hätte es nie existiert. Ja, das war die einfachste Lösung. Eine Welle von Erleichterung durchlief sie. Gott hatte ihre Verzweiflung verstanden und ihr seine Gnade geschenkt.
Jetzt musste sie nur noch dafür sorgen, dass Verity ein schönes Begräbnis bekam. Das war sie ihr schuldig.
Sie brauchte etwas zum Schreiben. In ihrer Schürzentasche fand sie einen Bleistiftstummel. Weiß Gott, wo sie den aufgelesen hatte. Sie sah sich um. Sie besaß kein Papier, nur die Bibel, die sie von ihrer Mutter bekommen hatte. Sie öffnete das Buch. Die erste Seite war unbeschrieben. Sie nahm es in die Hand und zögerte. Durfte sie das? Machte sie sich einer neuerlichen Sünde schuldig? Aber die Vorstellung, das Baby namenlos in das Reich Gottes gehen zu lassen, schmerzte zu sehr. Also riss sie vorsichtig das leere Blatt heraus und schrieb in sorgfältigen Blockbuchstaben VERITY darauf.
Sie holte das blutbefleckte Nachthemd unter dem Bett hervor und breitete es auf der Matratze aus.
Sie hob das Kind auf und legte es auf das Nachthemd.
Den Zettel mit dem Namen platzierte sie auf der Brust des kleinen Mädchens und bekreuzigte es auf Stirn, Mund und Brust. Sie nahm die silberne Kette mit dem Kreuz ab, die sie seit ihrer Taufe trug und streifte sie dem Kind über den Kopf. Sie faltete seine Händchen. So sah es sehr feierlich aus.
Sie schlug das Baby in das Nachthemd ein, nur das Gesicht ließ sie frei. Gott hatte gewollt, dass es starb. Er hatte es zu sich geholt, damit es nicht in Elend und Schande aufwachsen musste. »Der Herr schenke dir sein Licht. In Ewigkeit. Amen.« Sie zeichnete mit dem Daumen noch einmal ein Kreuzzeichen auf die Stirn...



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