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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 223 Seiten

Reihe: Diener des Feuers

Kehrer Diener des Feuers

Licht und Dunkelheit
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7427-6509-3
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Licht und Dunkelheit

E-Book, Deutsch, Band 3, 223 Seiten

Reihe: Diener des Feuers

ISBN: 978-3-7427-6509-3
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Niemand darf die Mächte herausfordern, die den Ort immerwährender Dunkelheit und des Grauens beherrschen ... Catherine und Yal finden Zuflucht und Heilung auf der Insel des Lichts. Doch grausige Visionen quälen ihn. Hat Lalana den Kampf in der Wasserwelt überlebt? In Findward kommt es zur alles entscheidenden Schlacht. Yal muss sich seinem schlimmsten Gegner stellen. Denn sein Lehrmeister hat die Wesen der Finsternis beschworen ...

Karin Kehrer entdeckte den Spaß am Schreiben mit Fantasy- und Horror-Kurzgeschichten, die sie in verschiedenen Anthologien veröffentlichte. Inspirationen zu ihren Geschichten holt sie sich bei Wanderungen im malerischen Mühlviertel in Oberösterreich, wo sie auch zu Hause ist, aber auch bei regelmäßigen Abstechern auf die Britischen Inseln. Veröffentlichungen: Verschlungene Wege Arunis Wir sind nur Gast auf Erden Schmetterlingstränen Diener des Feuers
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Kapitel 1


Das Boot schaukelte sanft, während es über die Wellen glitt. Mit leisem Plätschern tauchten die Ruder in die leuchtenden Fluten. Nebelschwaden zogen über die Oberfläche des Wassers und verhüllten das Ziel ihrer Reise vor Catherines Augen.

Sie betrachtete die beiden Frauen, die das Boot steuerten. Zwei Lichtmagierinnen, die trotz ihres ätherischen Aussehens das Gefährt mit sicheren Ruderschlägen über das Wasser führten.

Es hatte eine endlose Ewigkeit lang gedauert, wie ihr jetzt im Nachhinein schien, in der sie neben dem reglosen Körper Yals in dieser wie erstarrt wirkenden Welt der bleigrauen Wassermassen ausharren mussten, ehe die Lichtgestalten erschienen, die sie in Sicherheit bringen sollten. Ihre Mienen drückten Unmut und Widerwillen aus, während sie mit Neerma sprachen. Schließlich ließen sie sich dazu herab, Yal in das Boot zu legen und ihr mit einer knappen Handbewegung zu bedeuten, einzusteigen. Seitdem wandten sie ihren Passagieren schweigend den Rücken zu.

Catherine hegte noch immer Zweifel daran, dass dieses zerbrechliche Gefährt seine Last sicher über den Ozean tragen würde, aber sie wagte nicht zu fragen, wie lange die Reise dauern mochte.

Die junge Lichtmagierin kauerte im Heck des Bootes und starrte stumm auf das Meer. Catherine fühlte ihre Unruhe, ahnte, dass Neerma etwas getan hatte, was vielleicht schlimme Folgen für sie haben mochte.

Catherine hatte die meiste Zeit bis zur Ankunft des rettenden Gefährtes und den Großteil der Reise über Wasser in einer Art Dämmerzustand verbracht. Noch immer fühlte sie sich seltsam gelähmt und nahm alles wie durch einen dicken Wattebausch wahr. So, als ob ein Teil von ihr abgestorben war. Wie schon so oft schweiften ihre Blicke zu Yal. Sein Zustand hatte sich nicht verändert. Er lag auf dem Boden des Bootes, eingehüllt in seinen Umhang wie eine unheimliche schwarze Raupe in ihrem Kokon. Unter seinen geschlossenen Augen hatten sich dunkle Schatten ausgebreitet, spitz stach die Nase hervor. Die Lippen waren blau verfärbt.

Sie griff nach seiner Hand, umschloss die eiskalten Finger, achtete dabei darauf, die schrecklichen Wunden auf seinen Handflächen nicht zu berühren. Der Anblick der verkrusteten Blutklumpen jagte ihr noch immer Schauder über den Rücken. Für einen Moment drang heißer Schmerz durch ihre Taubheit und abrupt ließ sie ihren Geliebten los. Es war vergeblich. Sie konnte ihm keine Wärme geben.

Vorsichtig strich sie ihm das verklebte Haar aus der Stirn, fuhr mit den Fingerspitzen zärtlich über sein Gesicht, über die eingefallenen, mit schwarzen Bartstoppeln bedeckten Wangen.

Neerma fasste nach ihrer Hand. „Wir sind bald da“, sagte sie mit zaghaftem Lächeln.

Catherine nickte. Sie hätte nicht sagen können, wie lange die Reise schon dauerte. Sie hatte versucht zu schlafen, war aber immer wieder hochgeschreckt. Auch das Licht, das sie umspielte, konnte die Kälte, die sich in ihr festgefressen hatte, nicht vertreiben.

Die Geschehnisse in Boal’Dur erschienen ihr noch immer unwirklich. Irkos Tod, Lalanas Vernichtung – alles war wie ein schrecklicher Traum, aus dem sie nicht aufwachen konnte. Aber das spielte jetzt keine Rolle. Wichtig war nur, dass Yal wieder gesund wurde.

Catherine schrak hoch, als das Boot mit einem Ruck anlegte. Noch immer verhüllte Nebel die Sicht und ließ die Konturen der Insel nur schwach erscheinen. Eine Art Schutzmantel vielleicht, um ungebetene Gäste abzuhalten?

Eine der Frauen, die das Boot über das Wasser geführt hatten, hob Yal mühelos hoch, trug ihn an Land und legte ihn am Strand ab. Die beiden Frauen lösten sich im hellen Nebel auf - sie waren wohl der Meinung, ihre Schuldigkeit damit getan zu haben.

Catherine setzte sich zu ihrem Geliebten, aber Neerma fasste sie an der Schulter. „Komm mit. Yal ist hier einstweilen sicher.“

„Nein, ich … ich kann ihn nicht so zurücklassen wie ein achtlos abgelegtes Bündel.“ Ihre Stimme versagte.

Neerma streckte die Hand aus und lächelte ihr zu. „Ihm wird nichts geschehen. Wir sind zwar nicht willkommen, aber niemals würde eine Schwester des Lichts gegen die Gebote der Gastfreundschaft verstoßen.“

Catherine ergriff nach kurzem Zögern die Hand des Mädchens und folgte ihm, ziemlich wackelig auf den Beinen.

Der hell schimmernde Nebel hüllte sie ein, aber er hinterließ keine Feuchtigkeit auf ihrer Haut. Neerma schritt zielsicher voran, obwohl nichts zu erkennen war, weder Baum noch Strauch, geschweige denn irgendwelche Gebäude. Selbst die Beschaffenheit des Bodens war nicht feststellbar. Das weiche Licht hüllte alles in undurchdringliche Helligkeit. Doch nach ein paar Schritten war der Nebel unvermittelt fort.

Catherine stieß einen erstaunten Laut aus.

Vor ihr erstreckte sich eine wunderschöne Landschaft. Sanfte Hügel, bedeckt mit grünem Gras, durchzogen von Pfaden aus schimmerndem Sand.

Für einen Moment fühlte sie sich an Findward erinnert, an die Gegend, in der Yals Haus stand. Ein trauriger Seufzer entschlüpfte ihr. Wie unwahrscheinlich weit entfernt die wenigen glücklichen Augenblicke waren!

Neerma wandte sich zu ihr. „Komm. Wir müssen zum Tempel des Lichts gehen. Herrin Irisana Reguvil weiß von unserer Ankunft und befiehlt mich zu ihr.“ Ein leichter Schatten glitt über das Gesicht des Mädchens.

„Wird sie dich bestrafen?“ Ein mulmiges Gefühl beschlich Catherine, trotz der Kälte, die noch immer in ihr herrschte.

Neerma zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Vielleicht kann ich sie überzeugen, dass ich richtig gehandelt habe.“

„Wird Yal auch dorthin gebracht?“

„Nein. Seine Anwesenheit würde das Heiligtum entweihen. Nur Wesen, deren Element das Licht ist, dürfen ihn betreten. Auch dir ist der Eintritt verwehrt. Ich werde die Herrin bitten, euch einen kurzen Aufenthalt in der Lichtgrotte zu gewähren. Sie wird euch Heilung bringen.“

Catherine nickte und folgte Neerma, die einen der sandigen Pfade betreten hatte. Er schlängelte sich in Windungen den Hügel hinauf und verlor sich in leuchtender Ferne.

Die Sonne wärmte ihre Haut und ließ sie beinahe diese merkwürdige Leere in ihr vergessen. Aber nur beinahe. Sie hatte Mühe, der leichtfüßigen Neerma zu folgen, denn sie spürte kaum ihre Beine. Der Anstieg auf den Hügel forderte alles an Kraft von ihr.

Neerma streckte den Arm aus und wies nach vorne. „Da! Der Tempel des Lichts. Und unterhalb davon ist die Grotte!“

Catherine starrte verwundert auf das Bild, das sich ihren Augen bot. Vor ihr, in einer leichten Senke, stand ein leuchtendes Gebäude. Quadratische Mauern, schlanke Säulen, überspannt von einem gewölbten Dach. Es schien zu schweben, sich vom Boden zu lösen, wirkte, als könne ein leichter Windhauch es davontragen.

Neerma lächelte über Catherines unverhohlenes Entzücken und nahm ihren Arm, um sie beim Abstieg zu unterstützen.

Gesang empfing sie, zuerst verhalten, dann immer lauter. Überirdisch klingende, glockenhelle Frauenstimmen. So völlig anders als Lalanas unheimliches Lied.

Tränen traten in Catherines Augen und verdrängten für einen Moment die Taubheit in ihrem Inneren. Das hier war perfekt. Strahlende Schönheit, reine Vollkommenheit.

Wie wenig sie hierher passte, in ihrer schmutzigen, abgerissenen Kleidung, mit all den schrecklichen Erinnerungen!

Neerma blieb stehen und sah sie an. „Es wird alles gut“, flüsterte sie. „Glaub einfach daran.“ Das Licht des Tempels strahlte auf dem Gesicht der jungen Frau und ließ sie überirdisch schön aussehen. Sie hatte sich sichtlich erholt, seit sie die Insel betreten hatte. Ihr Element stärkte sie.

Catherine lächelte zaghaft. „Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll, Neerma. Wir stehen tief in deiner Schuld.“

Neerma lächelte zurück. „Das war das Mindeste, was ich für dich und Yal tun konnte. Den Zorn der Herrin werde ich aushalten müssen.“

„Du bist dir so sicher, deine Strafe ertragen zu können?“, ertönte eine glockenhelle Stimme. Gleich darauf erschien eine leuchtende Wolke, noch heller als das Licht des Tempels. Sie verdichtete sich und Catherine schloss geblendet die Augen.

„Du weißt, gegen welche Regeln du verstoßen hast, Schwester?“

Catherine öffnete die Augen wieder. Strahlendes Licht umhüllte die beiden Frauen. Die Herrin der Insel hatte ihre Hand auf die Stirn Neermas gelegt. Das Mädchen bebte unter der Berührung und starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an.

„Ich habe zwei meiner Schwestern dazu gebracht, meinem Ruf zu folgen und Ana’Mayn zu verlassen. Ich darf dies nur dann von ihnen erbitten, wenn ich in höchster Not bin. Denn kein Mitglied der Gemeinschaft wird sich weigern, einem solchen Ruf zu folgen. Also habe ich meine Schwestern leichtsinnig größter Gefahr ausgesetzt, um zwei Außenstehende zu retten“, sagte Neerma mit monotoner Stimme.

Bevor Catherine ein Wort des Protestes einwerfen konnte, meinte die Herrin des Lichts bereits kühl: „Und dein zweites Vergehen?“

Durch die Gestalt des Mädchens ging ein Ruck. Ein Zucken lief über sein Gesicht. „Ich habe zwei Fremde in unsere Zuflucht gebracht.“ Neerma schluchzte leise auf. „Bitte verzeiht, Herrin. Aber ich konnte nicht anders.“

„Ich sehe es. Du wirst dich entscheiden müssen.“

„Ja, Herrin.“ Ein schmerzlicher Laut entfuhr der jungen Magierin.

„Ich werde mir eine angemessene Strafe für dich überlegen. Und jetzt zeig mir, was geschehen ist.“

Catherine beobachtete die beiden Frauen wie in Trance. Etwas in ihr schrie danach, einzuschreiten, aber sie schaffte es...



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