Kavka / Giglinger | MTViva liebt dich! | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 528 Seiten

Kavka / Giglinger MTViva liebt dich!

Die elektrisierende Geschichte des deutschen Musikfernsehens | Die unterhaltsamen Geschichten berühmter Musiker und Moderatoren - vor und hinter der Kamera
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8437-3051-8
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die elektrisierende Geschichte des deutschen Musikfernsehens | Die unterhaltsamen Geschichten berühmter Musiker und Moderatoren - vor und hinter der Kamera

E-Book, Deutsch, 528 Seiten

ISBN: 978-3-8437-3051-8
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



MTViva liebt dich! ist die spannende wie nostalgische Rückschau auf die Geschichte des Musikfernsehens - beginnend in den 80er-Jahren. Moderator Markus Kavka und Programmdirektor Elmar Giglinger sprechen mit zahlreichen Protagonistinnen und Protagonisten, die diese Ära geprägt haben, und begeben sich auf eine einzigartige Zeitreise. Ihre Geschichten - vor und hinter der Kamera - lassen diese aufregende Zeit wieder lebendig werden. Ein ungefilterter Blick hinter die Kulissen des  deutschen Musikfernsehens. Mit dabei: Fettes Brot, Die Ärzte, Scooter, Michael Patrick Kelly, Klaas Heufer-Umlauf, Joko Winterscheidt, Heike Makatsch, Nilz Bokelberg, Mola Adebisi, Die Toten Hosen und viele mehr.

Markus Kavka, geboren 1967 in Ingolstadt, ist Journalist und Moderator. Nach Stationen beim Print und Radio startete er seine Musik-TV-Laufbahn 1995 bei VIVA. 1997 wechselte er zu VIVA ZWEI, von 2000-2009 war er Moderator und Producer bei MTV Germany. Nach weiteren Formaten bei Kabel Eins, ZDFkultur und Nitro ist er seit 2015 bei Deluxe Music zu sehen. Darüber hinaus ist er Radiomoderator, Buchautor, Podcaster und DJ.
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Weitere Infos & Material


Kapitel 2
»We wish you luck« – Die Gründung von VIVA 1987 bis 1993


VIVA wie »Videoverwertungsanstalt«
– die Entstehung eines neuen Senders


Hannes Rossacher: In den Achtzigern haben wir schon Clips für Falco, Queen, Rolling Stones und andere gemacht. In dem Zuge habe ich Jörg Hoppe kennengelernt. Er war Anfang der Achtzigerjahre Manager von Extrabreit. 1987 hat mir Jörg ein Fax geschickt: »Wollen wir uns nicht einmal zusammensetzen und schauen, ob man etwas machen kann, um ein deutsches Musikfernsehen auf die Beine zu stellen?« Daraufhin haben wir uns in Berlin getroffen. Das ist praktisch die Initialzündung gewesen.

Nach dem Treffen hat es dann noch eine Weile gedauert. Zu der Zeit ist ja gerade erst MTV Europa in London entstanden. Wir kannten aber einige MTV-Leute, und so kam es zu einem Meeting mit den MTV-Chefs Brent Hansen und Bill Roedy.

Wir haben denen gesagt: »Passt auf, ihr geht davon aus, dass der europäische Markt mit dem amerikanischen vergleichbar ist. Das ist aber nicht so. In Europa hast du riesige Sprachzonen, die eigene Märkte sind. Du hast in Deutschland zum Beispiel einen Herbert Grönemeyer oder einen Marius Müller-Westernhagen, die verkaufen über eine Million Platten, wenn sie ein Album veröffentlichen. Damit wären sie sogar in Amerika in den Top 10 der Billboard-Charts. Die werden aber bei MTV in England nicht gespielt, weil das in Frankreich, Italien oder sonst wo niemanden interessiert. Umgekehrt gibt es auch in Frankreich enorm erfolgreiche Künstler, die in Deutschland niemanden interessieren. Undundund … Ihr müsst also regionale Signale ausstrahlen«, haben wir gesagt. »Ihr müsst MTV Deutschland machen, MTV Frankreich und so weiter.« Zum Ende des Meetings haben wir dann gefragt: »Wie ist das jetzt, würdet ihr das machen?« Und die beiden meinten nur: »No, thanks. We wish you luck!«

Nach dem MTV-Meeting hat sich dann die Interessengruppe aus MME und uns, den DoRos, formiert. Wir waren die Original-Founder.

Dieter Gorny: Die Popkomm war ja immer wieder ein Riesending, auch international. Zehntausend Fachteilnehmer auf der Messe und Hunderttausende beim gleichzeitig stattfindenden Ringfest.

Ab 1991 war auch MTV auf der Popkomm vertreten. Wir waren total stolz, dass die rüberkamen, und es gab auch regelmäßig Kontakt.

Aber schon damals wurde darüber diskutiert, warum MTV eigentlich nicht auf Deutsch sendet. In Deutschland gab es ja nichts Vergleichbares. MTV sendete zu diesem Zeitpunkt ein paneuropäisches Programm aus London, in dem deutsche Künstler so gut wie gar nicht auftauchten. In dem Zusammenhang entstanden dann erste Ideen. Wenn MTV nichts Deutsches macht, warum macht man so was nicht selber? Damals war die Musikindustrie ja schon maßlos stolz darauf, wenn sie einen deutschen Topstar wie Westernhagen irgendwie auf der MTV-Playlist untergebracht haben.

Die ersten Gespräche über deutsches Musikfernsehen waren so ein bisschen wie die Reformation. Man schlägt die Thesen an die Tür, aber um Gottes willen – das ist ja Blasphemie – achtet darauf, dass MTV das nicht hört.

Christoph Post: Die eigentliche Initialzündung für VIVA? Wir waren mit unserer Company MME in Hamburg und wollten zu der Zeit eine Musikstrecke für den Lokalsender Hamburg 1 machen. In diesem Umfeld tauchte auf einmal Tom McGrath, der Head of International bei Time Warner in New York, auf. Er hatte auf der ganzen Welt alles Mögliche für Time Warner eingekauft, wollte in Hamburg 1 investieren. Deshalb waren wir mal mit ihm abendessen.

Bei dem Meeting haben wir auch über Spartenkanäle gesprochen. Er meinte dann – und das war meiner Meinung nach der initiale Punkt –, ein Musikprogramm bei Hamburg 1 fände er super, aber warum machen wir das nicht gleich in ganz Deutschland? Weil, Time Warner war auch an Musiksendern interessiert.

Und ich weiß noch, dass mein MME-Partner Jörg Hoppe und ich nach Hause gefahren sind und wir vollkommen flambiert waren: Der hat ja total recht! Wir haben mal wieder viel zu klein gedacht.

Bei dem Abendessen hat Tom uns auch erzählt, dass die großen Plattenfirmen, die Majors, zu denen auch Warner gehörte, wahnsinnig schlecht auf MTV zu sprechen waren, weil dort so eine »verkehrte Welt« stattfand. MTV hatte es ja sensationell hinbekommen, dass deren Hauptprogramm, also die Musikvideos, weder von ihnen bezahlt werden musste, noch beauftragt, noch hatten sie Lizenzen zu zahlen. Im Gegenteil: Die größten Stars, die bei den größten Musiklabels unter Vertrag waren, haben die besten Songs, mit den besten Videoclip-Regisseuren, auf ihr Risiko hin produziert – für MTV. Damals wurden jede Woche 40, 50 neue Videos produziert, die dann bei MTV in die Musiksitzung kamen. Und Tom meinte: »You know, we spend millions and millions to send these new superstar clips over to MTV and there’s an intern and throws it in the basket.« Da sind die alle ausgeflippt.

Die Plattenfirmen hatten damals auch alle Höhenflüge. Mit der Einführung der CD haben sich deren Umsätze noch mal verdreifacht. Einfach so. Die hatten also viel Geld, ein dickes Ego, aber keinen Einfluss, auf diese beknackte MTV-Playlist zu kommen. Die Clips waren ja das Vehikel, um die Leute dazu zu bringen, das eigentliche Produkt zu kaufen. Und woanders liefen keine Clips. Also das war eine irre Welt für MTV, die bei der VIVA-Gründung eine große Rolle gespielt hat.

Das Treffen mit Tom war Ende 91, und das war the very beginning. 1992 war dann auch ein hartes Jahr für uns: Wir wären mit der MME fast pleitegegangen, weil wir uns so auf VIVA konzentriert hatten. Das hing immer wie eine Karotte im Raum, einen Sender zu machen. Wir dachten uns: Alter, wenn das durchkommt, dann haben wir die Rente.

Tom McGrath war dann regelmäßig in Hamburg. Zu der Zeit haben wir auch schon Aufgaben von Tom gekriegt, ohne dass wir irgendwelches Geld bekommen hätten. Aber es wurde konkreter.

Damals kam dann auch das erste Mal der Begriff VIVA auf – als Abkürzung für »Videoverwertungsanstalt«. Das war Jörg Hoppes Idee. Wir brauchten einen catchy Namen, weil »deutsches Musikfernsehen«, das klingt ja total scheiße. Da investiert doch keiner.

VIVA war als Name aber eigentlich ziemlich schlecht, weil es eine Frauenzeitschrift mit dem Namen gab und einen Schokoriegel. Also das war irgendwie – iiihh. Da haben wir immer gesagt: Ja, komm, das ist jetzt erst mal ein Zwischenname. Wenn aus dem Sender was wird und wir Investoren finden, dann werden sowieso fünf Agenturen angeheuert, die geile Namen erfinden. Aber die Amerikaner, vor allem Tom, meinten: »No, that’s great! That’s good! Isn’t it Latin? It sounds European. I really like VIVA, so save it. Please make sure, that we can use it.«

Es wurde also konkreter, und Jörg und ich haben echt Schiss gekriegt. Nicht nur überhaupt einen Sender hochzuziehen, sondern auch: Oh Gott, wie geht das? Es ging ja vor allem auch gegen MTV. Wie wollen wir gegen diesen Sender ankommen? Da haben wir gesagt: »Okay, wir müssen Kräfte bündeln, nur wir beide geht nicht. Wir haben ja auch noch unsere eigene Company, die MME, um die wir uns kümmern müssen. Lass uns mal Rudi und Hannes ansprechen. Der Kuchen ist so groß – wir brauchen die.«

Die DoRos haben wie wir Videoclips produziert und fischten im gleichen Teich. Bei unserem ersten Treffen fragte Rudi Dolezal: »So, wie weit seid ihr denn?« – »Aha, so weit. Ja, dann machen wir schon mit.«

Hannes Rossacher: Bei einem...



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