E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Kaufmann Luder sind mir willkommen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8495-7480-2
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Erzählungen und Essays aus einem Leben in sexueller Freizügigkeit
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
ISBN: 978-3-8495-7480-2
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Paul Kaufmann ist ausgebildeter Naturwissenschaftler, Jahrgang 1970 und lebt polyamor. Seit über zehn Jahren ist er aktiver Teil der heterosexuellen Fetischszene und beschäftigt sich mit dem Wesen der Sexualität, mit Beziehungsformen und dem Werbungsverhalten von Mann und Frau. Seine Romane und Erzählungen spielen in Kap Kishon, einer fiktionalen Landschaft, in der es mehr gesellschaftlichen Spielraum für Sexualität gibt als in der leider sehr nüchternen Wirklichkeit. In allen Erzählungen, Romanen und Essays spielt Sexualität eine große Rolle, wird uneingeschränkt gezeigt, beschrieben und ausgelebt. Es ist keine Pornographie, nur sehr selten monogam eingestellt, und in allen Erzählungen wird die Psychologie sexuellen Lebens und Handelns mindestens eingewebt.
Autoren/Hrsg.
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Zweiter Teil – Essays, Glossen, Gedanken
Sexuelle Freizügigkeit hat Nebenwirkungen. Der Blick auf die Gesellschaft, die Moral, ja sogar der Blick auf den einzelnen Menschen verschiebt sich. Nach einer Weile sieht man die Probleme und Schwierigkeiten der Menschen in ganz anderem Licht. Es ist, als ob jemand die Lampe an die andere Ecke einer Bühne verschiebt. Was vorher dunkel war, liegt jetzt im Licht.
Promisk lebende Menschen ecken ständig an. Sexuelle Freizügigkeit ist nicht besonders beliebt. Sie müssen sich verstecken, obwohl Verstecken gar nicht ihrer Mentalität entspricht.
Wir leben in einer Welt mit dem Anspruch eines romantisch-exklusiv-monogamen Beziehungsmodells. Promiskuität torpediert dieses Modell. Allein die Idee, dass das möglich sei, löst bei vielen Menschen verschiedene Reflexe aus, so sehr verunsichert sie das.
Promisk lebende Menschen leben in kräftigem Gegenwind. Die Kritik der Gesellschaft ist ätzend, vernichtend und nur selten qualifiziert. Es wird einem der Mund verboten, darüber gefahren, man wird in die Ecke gestellt. Sexuelle Freizügigkeit wird als verwerflich und oberflächlich denunziert.
Wenn das so ist, na, dann darf ich auch mal zurückätzen. Zum Beispiel mit Glossen oder Gedanken. Bei Gedanken bleibt es nur, bin ich friedlich gewillt. Ich hoffe, es gefällt.
Edles Geflügel
Der Schwan. Was für ein Tier! Was für ein Image! Schwäne sind schön und majestätisch. Dieses Weiß, diese Größe, diese Bewegungen, sie sind sehr schön anzuschauen. Der Schwan ist das Symbol der Treue – schon immer gewesen. Wundert einen nicht, die sind so rein und edel, hinterfotziges Fremdgehen – bei so edlem Gefieder, bei so viel Anmut? - Einfach undenkbar!
Und tatsächlich, der Schwan verhält sich auch so. Früh sucht er sich einen Partner und bleibt ihm ein Leben lang treu. Das ist richtig herzzerreißend. Das Schwanenpaar hält zusammen, egal was kommt. Bei Hausbau, Steuererklärung, trockengelegtem Schlossweiher oder Halsschmerzen – bei so einem langen Hals bestimmt nicht witzig – das Paar geht durch dick und dünn. Sie bleiben liebevoll und zärtlich und stehen ihren Schwan. Vielleicht ist ihr liebevolles Verhalten das Geheimnis. Denn das sind sie: liebevoll und zärtlich! Müsst ihr mal zugucken, das ist wunderschön. Schwanenbeischlaf ist der softeste Softporno von Welt.
Die Weibchen suchen ihre Männchen nach Optik aus, bei uns ist das ja anders. Und haben sie sich einmal festgelegt, bleiben sie sehr, sehr zärtlich verbunden. Auch das ist bei uns anders. Die kuscheln ständig und reinigen sich gegenseitig das Gefieder, das verbindet. Das Prinzip kennen wir auch, aber auch da sind wir meist ganz, ganz anders. Vielleicht machen wir genau dies falsch, wer weiß.
Aber das Konzept der Vögel ist schön und toll und sinnvoll. Das Schwanehepaar kennt sich von A bis Z, die Macken und Eigenheiten des jeweils anderen, das alles ist bekannt, dreimal verdaut und akzeptiert. Das macht das Leben leichter. Der Schwan ist ja eh eher beschaulich, liebt das ruhige Leben auf Schlossweiher oder auf dekorativem See. Da passt die konservative Paarverbindung sehr schön ins Bild.
Wird ein Partner vom Tretboot überfahren oder geht anders verlustig, trauern Schwäne – und wie! Einige werden richtig depressiv. Viele finden gar keinen neuen Partner. Das ist Zusammenhalt und Treue über den Tod hinaus. Mein lieber Schwan, das ist schon ganz schön tiefgründig für Geflügel.
Diese Treue des Tiers ist ein schöner Charakterzug. In der Literatur oft aufgegriffen, kann man es sich gut ausmalen, auch weil es so sehr zum Verhalten des Menschen kontrastiert. Denn ganz ehrlich, auch für mich wäre der Schwan als Wappentier eher ungeeignet.
Da wird man beim Edelgeflügelfüttern schnell nostalgisch, gegebenenfalls auch neidisch. So könnte man sich, wäre man ein Schwan, doch sicher sein, dass der Partner keiner fremden Stoßfeder hinterher schaut. Die sind so treu, denen erscheinen Konkurrenten wie Enten: Keines Blickes würdig!
Einige aufgeräumte Ornithologen haben schon immer angemerkt, diese Meinung über die Treue der Schwäne könne daran liegen, dass man die Vögel einfach nicht unterscheiden könne. Vielleicht sind die gar nicht treu, sondern sie sich nur unglaublich ähnlich? So ein Schwänerich auf hundert Meter durch den Feldstecher betrachtet, na da gleicht ein Gründeltier dem anderen, da kann man Günter mal mit Helmut verwechseln und zurück. Aber nein: untreue Schwäne - undenkbar, ein verwegener Gedanke! Keiner wollte es glauben, die skeptischen Experten wurden verlacht.
Aber tatsächlich: Zwanzig Prozent der Eier haben fremde Väter. Weiß man erst jetzt, DNA-Vergleich sei Dank. Der Schwan macht einfach alles richtig: Schwanenfederweißes Image und er hat trotzdem seinen Spaß mit der scharfen Schwänin vom Nest nebenan. Jetzt bin ich wirklich neidisch auf den Vogel, und nicht nur ich, das weiß ich genau.
Gut gemeint und reingelegt
Der Teufel hat Gott über den Tisch gezogen und das kam so:
Vor der Erschaffung der Welt, saßen Gott und der Teufel zusammen zum Tee. Sie planten die Welt gemeinsam, so war das angedacht. Da saßen sie nun und diskutierten den Menschen. Hier der entscheidende Ausschnitt:
Gott: Die Liebe, wir müssen die Liebe planen.
Teufel: Ohh, die Liebe ja! Mein Leitmotiv!
Gott: Ich habe da was vorbereitet. Also die Liebe sollte warm sein und mächtig, die Menschen mit guten Gefühlen überfluten und in alle Richtungen gedeihen. Sie soll vergänglich sein, aber immer wieder unerwartet erscheinen. Es soll verschiedene Lieben geben, Vielfalt in allen Formen und Varianten, wie das Spektrum des Lichts. Die Liebe soll Honig sein für die Seele, der Kern dessen, was lebendig macht.
Teufel: Das klingt fantastisch!
Gott: Gut, zum Sex.
Teufel: Ohh, der Sex – ich höre:
Gott: Wir machen den Menschen zum von Grund auf sexuellen Wesen. Alles soll sich darum drehen. Sex als Erfüllung, Entspannung und Inspiration zugleich. Ein kreativer Prozess, mit dem die Menschen in Kontakt treten und Hindernisse aus dem Weg räumen können. Die Menschen sollen es mit allen Sinnen, ja, jeder Faser erleben und Sex soll einfach unvergleichlich sein. Durch nichts ersetzbar. Wir legen den Menschen so an, dass er es oft, fast ständig will, mit Vielfalt in Art und in Partner. Das macht ihn friedlich und verträglich.
Teufel: Ich bin begeistert. Wo nimmst du das nur immer alles her?
Gott: Hast du keinen Vorschlag? Du lässt mich hier die ganze Zeit machen.
Teufel: Doch, doch, schon, zwei kleine, aber. Puhh, nicht so wichtig.
Gott: Doch ich will sie hören.
Teufel: Nein, nein, es – ist, ach … stümperhaft.
Gott: Du kannst mich nicht alles machen lassen. Trag doch mal was bei!
Teufel: Hm, ach das passt nicht ins Konzept.
Gott: Ahh zum Teufel noch mal, jetzt rück schon damit raus.
Teufel: Können wir auch noch später machen.
Gott: Ganz gleich was es ist, wir nehmen es. Was ist es?
Teufel: Gut, ja dann sagen wir ihnen, sie dürften nur Einen lieben und Sex sei böse!
Gott: Das ist absurd!
Teufel: Du hast es versprochen!
Der Rest ist Geschichte.
Mein neues Konzept
Ich mach das ab jetzt immer andersrum! Ich schlaf mit der Frau, bevor ich mit ihr rede! Das ist jetzt keine fixe Idee, oder nur so ein Spleen, nein nein, das macht Sinn.
Der Vorteil liegt auf der Hand, schon ganz am Anfang: Schlaf ich mit ihr, so kann sie da schon mal nicht reden. Nicht, dass ich was gegen das Geplapper hätte, aber das, was sie da im Bett tut, sagt irgendwie mehr. Denn genau wie der Mann, kann sie im Bett nur schlecht lügen. Selbst bei der Hure kannst du das unterscheiden, hast du nur fleißig geübt.
Wie eine Frau mit dir schläft, sagt viel aus. Da zeigt sie ihren wahren Charakter. Das Biest wird zum Lämmchen, die graue Maus wird zum Tiger – ok, leider sehr selten. Aber genau das ist ja der Vorteil der Methode, genau das weißt du dann schon vor dem ersten elenden Gespräch. Da kann man viel Sinnloses sparen und so manche Restaurantrechnung auch.
Ein Bonbon sind natürlich die Studien des Wandels, des Einflusses der Liebkosungen auf der Seele der Frau. Die Wandlung der Dame zum Mädchen, betrachtet noch vor dem ersten Gespräch mit dem Weib! - Was ist das für ein Spaß! Genau das passiert nämlich im Bett: eine Wandlung zum Mädchen, zumindest ein bisschen. Machst du es gut, verliert sie all die Attitüden und Affekte und ist ein wenig mehr wie sie selbst.
Hat man zum Beispiel so eine hibbelige Göre, die links und rechts ständig Verschiedenes tut, so beruhigt sie sich sehr, steckst du tief in ihr drin; die Pupille wird weit und sie dann doch noch...




