E-Book, Deutsch, Band -, 192 Seiten
Reihe: Kap Kishon
Kaufmann / Lears Schweißnackt
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7519-3843-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
42 Erzählungen aus Sexpartys und Fetischnächten
E-Book, Deutsch, Band -, 192 Seiten
Reihe: Kap Kishon
ISBN: 978-3-7519-3843-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Paul Kaufmann ist ausgebildeter Naturwissenschaftler, Jahrgang 1970, und lebt polyamor. Seit über zehn Jahren ist er aktiver Teil der heterosexuellen Fetischszene und beschäftigt sich mit dem Wesen der Sexualität, mit Beziehungsformen und dem Werbungsverhalten von Mann und Frau. Seine Romane und Erzählungen spielen in Kap Kishon, einer fiktionalen Landschaft, in der es mehr gesellschaftlichen Spielraum für Sexualität gibt als in der leider sehr nüchternen Wirklichkeit. In allen Erzählungen, Romanen und Essays spielt Sexualität eine große Rolle, wird uneingeschränkt gezeigt, beschrieben und ausgelebt. Es ist keine Pornographie, nur sehr selten monogam eingestellt, und in allen Erzählungen wird die Psychologie sexuellen Lebens und Handelns mindestens eingewebt.
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Die Eine
So, ich bin jetzt fünfundvierzig Minuten auf dieser Sexfete hier und könnte eigentlich wieder gehen. Ich habe mein Ziel verfehlt. So geht das nicht. Heute geht nichts mehr.
Auf so einer Fete will man Leute kennen lernen, sich tummeln unter Gleichgesinnten. Flirten will man und Andocken an Frauen; vielleicht sogar mit einer auf die Matte gehen will man. Es geht um offenen Kontakt mit diesen tollen Wesen anderen Geschlechts. Das ist es. Diese Hoffnung treibt einen hier hin.
Dummerweise habe ich jetzt SIE gesehen. Es war vor drei Minuten und jetzt bin ich blockiert. Es war nur ein Blick, vielleicht waren es zwei. Ein Zwinkern von ihr und von mir. Das waren drei Sekunden. Das hat gereicht. Jetzt sitzt SIE in meinem Kopf und hat mich infiltriert. Die EINE. Sie ist die EINE, nicht irgendwer.
Mau ist alles Andere und mau sind alle anderen jetzt. Was zählt, ist SIE, die EINE. Das kann einem die ganze Fete verderben. Ich kenne das. Das passiert dann und wann. So zwei Mal im Jahr ungefähr passiert das mir. Häufiger ist das nicht. Es ist etwas Besonderes. Da sieht nicht einfach nur eine Frau gut aus, oder gefällt besonders oder so. Nein, es ist mehr. Ich sehe dann diese Frau und es schlägt ein. Es ist wie ein Schlag, ein Peitschenhieb. Ich weiß es sofort und es hält vor. Sie gefällt auf diese besondere Art. Es geht blitzschnell. Ich habe mich noch nie getäuscht. Mit diesen Frauen geht viel. Theoretisch. Und diese EINE von eben ist so eine. Theoretisch. Im Prinzip ist die Fete für mich jetzt vorbei.
Ich habe mich in den Raucherbereich gesetzt. Hier bin ich auf Abstand zu ihr und trinke meinen Sekt. Auf der Bank schräg vor mir sitzt ein Typ und seine Frau steht vornübergebeugt. Sie bekommt es von hinten besorgt von einem Dritten. Der Dritte ist schon der dritte Dritte. Hier geht es nach der Reihe. Sie bekommt es der Reihe nach von Fremden besorgt. Ihr Typ beschimpft sie dabei, oder erklärt ihr, was zu tun sei. Ziemlich überflüssig ist das, weiß sie doch Bescheid. „Halt einfach dein Arschloch hin.“, ruft er gegen die Musik, so laut, dass ich es verstehen kann. Sie stöhnt vor Begeisterung. Der dritte Dritte ist fertig und der Typ blickt zu mir. Ich bin dran. Ich könnte jetzt. Wenn ich jetzt aufstehe, bräuchte ich ihn nur reinzustecken. Wäre gar nicht schlecht. Die Frau ist gut. Aber irgendwie… ne, das ist nicht mein Sex.
Ich hole mir mal noch ne’n Sekt.
Fickende, baggernde Paare. Alles ist flach hier und körperlich. Es ist zu simpel für mich. Es ist Geschlechter aneinander reiben, wohin ich auch sehe. Bloß das ist es. Es kommt mir flach vor, jetzt, heute. Es ist auch Neid dabei. Ich bin alleine hier.
Ich finde das nicht schlecht, eigentlich nicht. Ich mag Swinger. Wenn ich zum Beispiel dort rüber schaue zu diesem Paar im Gegenlicht, sie sitzt auf ihm und fickt ihn in schöner Silhouette, das ist toll. Ich finde das gut. Ich will das auch. Ich schlucke. Ich will das auch und bin alleine heute. Ich will das auch ... Egal.
Die EINE klopft in meinem Kopf. Die auch noch.... Ich sollte gehen! Ich bin hier falsch. Vollkommen falsch bin ich hier, falsch durch sie. Ich möchte nichts Beliebiges. Ich möchte nicht einmal tauschen mit dem Typen im Gegenlicht, so geil es mir scheint. Es muss etwas mehr sein, irgendwie, die EINE vielleicht? Ich schlucke.
Ich hole mir mal noch ne’n Sekt.
Natascha rät mir, beim Tanzen die Augen zu schließen, dann käme ich in den Flow. Wie soll ich Natascha erklären, dass ich den Flow gar nicht will? Ich will die EINE. Wollen im Sinne von Gegenüber mit ihr. Im Sinne eines Gegenübers auf allen Kanälen, körperlich und geistig. Ich will beides, das ist der Kick. Ich will mich mit ihr austauschen, etwas tauschen, das „einander wollen“ tauschen. Jetzt keine Philosophie oder so, so ist das nicht, aber ein bisschen mehr als nur Fick.
Klingt verrückt, ich kenne die EINE gar nicht, aber ich weiß, was ich will und ich weiß es wäre gut. Es würde funktionieren. Das ist so ein Rundumding. Da ist alles drin. Ich will wissen, wer sie ist. Ich will diese Dialoge mit ihr, diese Dialoge mit nach dem Sex verwuschelten Haaren von ihr. Auch das wünsche ich mir.
Und ich will wissen, ob es ihr ähnlich ist mit mir. Könnte ja sein. Schöner Gedanke. Boh, wäre das groß, wenn sie mich…. Das wäre…
Mein Glas ist leer. Ich hole mir mal ne’n Sekt.
Was ist die Mehrzahl von EINE? EINES? ZWEIEINES? Nein. Das geht gar nicht. Mehrzahl von EINE gibt es in der Grammatik nicht, im Leben gibt es das schon. Es gibt viele EINE. Mein Leben ist voll von solchen EINEs. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Dreh und Angelpunkt meiner Kontakte, meines Beziehungsgeflechtes, sind solche EINEs, Frauen die für mich etwas Besonderes sind. Das kommt nämlich zustande. Wir finden uns fast immer. Dieses Gefühl, diese Verbundenheit, dieses einander wollen ist selten nur einseitig. Wir finden uns. Es ist ein Gesetz. Es dauert nur und dieses Dauern ist fürchterlich. Ich mag das nicht und genau da bin ich jetzt. Ich weiß nicht, ob der Kontakt entstehen wird. Denn einander finden, einander erkennen ist das Eine, ob es etwas wird, ist etwas Anderes. Meistens wird es nicht, leider. So ist das halt. Nicht alles wird, was kann.
Ja, viele EINEs. Mehrzahl. Vielfalt. Diese Frauen begleiten mich eine Weile im Leben. Wir treffen uns, halten Kontakt. Wir teilen Leben miteinander, ein wenig. Das kann mit und ohne Sex sein, sogar beides zugleich. Das kann über Jahre gehen. Das kann nach einem Monat vorbei sein. Wir tauschen ein Stück vom Herz und geben es nie wieder zurück im Idealfall.
Dann bleibt es. Wenn ich durch Zufall eine alte EINE treffe nach Jahren, ist das Alte sofort wieder zurück. Wir verlieren uns nie, wir verlieren höchstens den Kontakt. Wir nehmen mit das Stück vom Herz des Anderen irgendwie für immer. Das hat etwas mit Liebe zu tun, oder vielleicht nicht Liebe, aber ganz sicher ganz viel mit Respekt.
Die Alix, die Natascha, die Dani, die Andrea, die Sandra, die Bigi, die…. Das klingt beliebig, ist es aber nicht. Das sind einfach unterschiedliche Stückchen vom Herz. Man kann sein Herz für viele öffnen, wenn man ehrlich ist. Das ist sehr wichtig für mich. Ich verkümmere sonst. Ich brauche Frauen, die mir verbunden sind. Ich brauche mehrere und keine so ganz. Nur ein Stückchen vom Herz ausgetauscht, keine Hälften. Braucht das nicht jeder? Nein, angeblich können viele das nicht. Hm.
Bin ein wenig einsam heute. Ich drehe mein Glas in der Hand. Die Einsamkeit fällt mir gerade besonders auf, im Nebenraum neben der EINEN, die eine meiner EINEN sein würde, würden wir uns kennen. Würde, würde, würde…
Ich hole mir mal noch ne‘n Sekt.
Die Location hat Gänge, Nischen und Ecken. Die EINE bleibt in einem Raum, das ist garantiert. Das macht es mir einfach. Ich meide sie. Ich spreche die EINE nicht an, dabei wäre es gar kein Problem. Ich habe keinen Schiss, nein, das ist es nicht. Nein, ich schäme mich. Ich schäme mich.
Sie ist so jung. Schon wieder eine junge EINE. Ich suche mir das ja nicht aus. Der Blitz schlägt ein, wo der Blitz trifft. Immer wieder sind es junge Frauen. Einige Bekannte von mir zerreißen sich schon das Maul, weil ich ständig mit jungen Dingern ankomme. Das Absurde ist: Das Alter ist mir völlig egal. Ich glaube nicht an das Konzept namens Alter. Ich mag nur keine alten Seelen. Viele Menschen schlafen ein, bleiben stehen, fressen sich irgendwie fest im Kopf. Das mag ich nicht. Alte Seelen sind hässlich und mir ist nach Schönheit.
Auch viele junge Menschen haben alte Seelen. Das ist häufig. Verfrühte Seelenalterung, ist eine Seuche, denen passiert das auch. Bei Älteren ist es häufiger, ist ja klar. Sie hatten mehr Zeit um stehen zu bleiben im Kopf. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass junge Seelen bei jungen Frauen zu finden sind. Bei Männern gilt das auch.
Junge starke Seelen, die wissen wie und wo in ihnen das Sexuelle zu finden ist. Das ist meins. Das kickt mich und so eine ist die EINE. Ich kann das sehen. Es ist ein Gefühl, ein Kurzschluss zwischen ihr und mir, verpackt in einem Blick. Naja. Vielleicht bin ich auch einfach geil auf sie, spiele ich es herunter und belüge mich.
Ich hole mir mal noch ne’n Sekt.
Ich unterhalte mich mit Oli. Lange nicht gesehen haben wir uns.
An mir huscht eine Bedienung vorbei in einem rosa Body. Scharfe Teile sind das, sowohl Das in rosa wie auch Das darin. Ich mag Bedienungen. Ich mag Menschen die Arbeiten. Das ist mir irgendwie sympathisch und ich mag diese Bewegungen, die man macht beim Arbeiten. Da ist so viel Selbstverständnis drin. Arbeitende Menschen sind konstruktiv.
Die Dame in rosa kommt zurück. Dreht ihren Körper durch die Menschen hindurch, zupft kurz an ihrem BH. Das ist ein schönes Bild. Ich mag schöne Frauen. Sie ist schön. Schöne Frauen stimulieren. Mich allerdings heute nicht. Ich bin blockiert. Ich leere das Glas. Ich ärgere mich. Mir ist stumpf hier.
Boh, was bin ich denn betrunken? Das passiert mir doch sonst nicht. Ich bin ja total blau! Naja. Egal. War ja ganz nett, doch der Abend ist dahin. Können muss ich heute nichts mehr.
Mein Blick...




