E-Book, Deutsch, Band 1, 372 Seiten
Reihe: Kap Kishon
Kaufmann Abby Band 1
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7482-6752-2
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
sexueller Roman
E-Book, Deutsch, Band 1, 372 Seiten
Reihe: Kap Kishon
ISBN: 978-3-7482-6752-2
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Paul Kaufmann ist ausgebildeter Naturwissenschaftler, Jahrgang 1970 und lebt polyamor. Seit über zehn Jahren ist er aktiver Teil der heterosexuellen Fetischszene und beschäftigt sich mit dem Wesen der Sexualität, mit Beziehungsformen und dem Werbungsverhalten von Mann und Frau. Seine Romane und Erzählungen spielen in Kap Kishon, einer fiktionalen Landschaft, in der es mehr gesellschaftlichen Spielraum für Sexualität gibt als in der leider sehr nüchternen Wirklichkeit. In allen Erzählungen, Romanen und Essays spielt Sexualität eine große Rolle, wird uneingeschränkt gezeigt, beschrieben und ausgelebt. Es ist keine Pornographie, nur sehr selten monogam eingestellt, und in allen Erzählungen wird die Psychologie sexuellen Lebens und Handelns mindestens eingewebt.
Autoren/Hrsg.
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Montag 5. Juni
Fußgängerzone, Port Kishon – 11: 07
„Uff, echt?“ fragt Abby. Leise spricht sie. Große Augen macht sie, folgt ihm aber. Ted öffnet die Türe. Eine Schelle schellt aus vielen Schellen in zwanzig Tönen. Er macht einen Schritt und sie sehen die Verkäuferin weit hinten stehen im Geschäft. „Hallo“ sagt er. „Hallo“ murmelt Abby und die Verkäuferin antwortet laut mit „guten Tag“.
Der Laden ist nicht groß. Er ist schmal und lang und hoch. Er ist wie fast alle Läden der Stadt. Weiß dominiert und Schwarz, etwas Olivgrau ist an der Wand. „Wir schauen uns nur einmal um.“ spricht Ted und zupft am T-Shirt. Er zuckt mit der Schulter zu Abby. Abby zuckt zurück.
Ein Label ist auf sein Shirt aufgedruckt. Abgewetzt ist es. Es passt nicht hierher. Solche T-Shirts gehören hier nicht hin, nicht in so einen Laden. Ted passt nicht hierher. Abby … vielleicht.
„Boh, guck mal der Fußboden!“ flüstert Abby, die Ted folgt Schritt für Schritt. Er blickt auf den Boden. „Ja und?“ Fragt er. Sie schaut ihn an mit großem Gesicht. „Das habe ich noch nie gesehen.“ Flüstert sie ihm ins Ohr. Er schmunzelt, streicht ihr kurz über den Kopf, schaut verliebt zu ihr. Sie schaut zurück mit grünen Augen. „Ach Gott eh“ Sagt er und reibt sich durch das Gesicht. „Kannst ruhig drauftreten, ist Millionen Jahre alt, kriegst nicht einmal du kaputt.“ sie grinst und zupft in einem Kleiderständer kopfhoch. Sie schiebt ein Stück Stoff beiseite, schaut ein zweites. Sie streckt sich. Abby ist nicht groß, keine Einssiebzig ist sie. Sie dreht ein Preisschild, bis sie es lesen kann. Sie zuckt zurück und macht große Augen. „Ach du Scheiße.“ Flüstert sie und nimmt eine Hand vor dem Mund. Er guckt zu ihr, hebt die Hand und weist in den Raum. „Eh das ist das Beste vom Besten hier.“ Sagt er und zwinkert ihr zu. „Das ist mir zu teuer.“ Flüstert sie. Ihr Blick hängt an der Verkäuferin, die sie beiläufig mit einem Blick streift. Zumindest scheint es beiläufig.
„Ne das will ich nicht.“ Schickt Abby hinterher, doch er schiebt sie mit der Hand in ihrem Rücken in den Raum. „Ich habe es dir versprochen.“ Sagt er und sie schaut zu ihm auf, schluckt, lächelt, freut sich und wackelt mit dem Kopf. „Hallo“ spricht sie wieder Richtung Verkäuferin, die endlich lächelt und gleichzeitig skeptisch wirkt. Abby verzögert, zupft mit der rechten Hand an einer Haarspitze, fletscht die Zähne und wackelt ein wenig. „In so etwas war ich noch nie.“ Spricht sie und die Verkäuferin lächelt wie zuvor. Sie bewegt sich nicht. Nickt sie leicht? Vielleicht nickt sie, könnte sein. Ihr Blick springt zwischen Ted und Abby hin und her. Kurz guckt sie in den Raum, dann wieder zu Ted, denn er spricht: „Ich habe es ihr geschenkt. Zum Geburtstag.“ Sagt er und hebt das Kinn. Die Verkäuferin nickt.
Sie ist eine riesengroße Person und blass geschminkt mit roten Lippen dazu. Ein richtiger Vamp ist sie. Jetzt lächelt sie freundlicher. Abby bemerkt ihre eigene rechte Hand an ihrer Haarspitze, bemerkt, dass das eine dumme Geste ist und lässt ihr platinblondes Haar los. Die Verkäuferin beobachtet jede ihrer Bewegungen. „Wie alt?“ Fragt sie. Nur das fragt sie und wartet unbewegt. „Neunzehn“ antwortet Abby genauso unbewegt, aber zögerlich. Der Blick der Verkäuferin liegt auf ihr. „Dann darfst du so etwas ja tragen.“ Sagt sie warm, aber konkret. Ted schmunzelt. Abby schluckt und schaut zu der Verkäuferin, die ihr ungeheuer scheint. „Darf man das früher nicht?“ fragt sie zögernd. „Das ist ein wenig lustig.“ Findet Abby, doch sie spielt mit.
Die Verkäuferin macht eine Schnute. Ihr Blick löst sich von Abby und springt zu Ted und wieder zurück. „Doch, Doch.“ Sagt sie und lächelt jetzt verschwörerisch. Abby lächelt endlich auch.
„Gut“ nickt Abby erleichtert. „Wenn du wüstest, wie sehr ich das tragen will. Aber eben nur will, nur nicht tue, weil…“ denkt Abby, schaut aber lieber weiter hilflos. Jetzt bewegt sich die Verkäuferin und wird freundlich. „Soll ich einmal etwas vorschlagen?“ Fragt sie und die Fingerspitzen ihrer beider Hände berühren sich vor ihrem Bauch. Abby nickt freudig und schaut hoch zu Ted, der locker nickt zu ihr. „Mach du mal“ spricht sein Blick.
„Schwebt dir etwas vor?“ Fragt die Verkäuferin und legt den Kopf zur Seite. „Ähm, irgendetwas mit Spitze.“ Sagt Abby. Die Verkäuferin beugt sich herunter zu ihr, beugt sich dicht neben ihr Ohr. Abby weicht ein paar Zentimeter zurück. „Der ganze Laden ist voller Spitze.“ Flüstert sich verschwörerisch. Abby lächelt, senkt den Kopf und reibt sich die Stirn. „Jaaaa“ gibt sie zu. Ted grinst. Die Verkäuferin bleibt in der vorgebeugten Position. „Du…“ Flüstert sie und Abby und sie schauen sich aus den Augenwinkeln in die Augen. „… hier sind fast alle verlegen. Es ist völlig normal, hier verlegen zu sein.“ Sie lächelt mit sehr rotem Mund. Abby zeigt ihre Zähne und nickt. „Okay“ flüstert sie zurück. „Ich bin tatsächlich verlegen. Die hat Recht.“ Ärgert sie sich.
Die Verkäuferin richtet sich wieder auf. „Hier stehen die Puppen. Schau dich um und sag mir was dir gefällt. Es sind Richtungen, nur Richtungen. Ich gebe dir einen Tipp: Bauchfrei, bei deiner Figur bauchfrei, unbedingt!“ Sagt sie. „Okay“ antwortet Abby. „Ich habe gar keine soooo gute Figur.“ Ergänzt sie. Die Verkäuferin verkneift sich ein Lachen, reibt sich die Nasenwurzel kurz. Karminroter Nagellack, passend zum Lippenstift. „Mein Neid ist dir gewiss.“ Spricht sie aufgeräumt zu Abby und zieht eine Grimasse. Die Verkäuferin macht Schritte von ihr weg in den Laden hinein. Abby schaut zurück zu ihr „Sie haben wenigstens Titten. Bei mir ist nix.“ Sagt sie und schiebt etwas winziges Schwarzes zur Seite auf der Stange über ihr. Es ist ein Hauch aus Gaze. Die Verkäuferin schaut im Raum herum auf Höhe der Decke, ihr Blick stoppt bei Abby.
„Es ist …“ Beginnt sie „… in etwa so: Niemand, der in diesen Laden kommt, hat eine schlechte Figur.“ spricht sie abgeklärt. Abby hört zu. „Wirklich, weil niemand sich hier reintraut, wenn seine Figur nicht gut ist. Es ist so! Glaube mir. Außer dem Postboten vielleicht, oder dem Fabrikantentyp, der etwas für seine Hostess kauft, damit er sie flachlegen kann.“ Sie lächelt zu Abby und nickt. „Wirklich, es ist so.“
Abby imitiert ihr Nicken. „Es ist sogar so, dass ich mich für die Frau mit der hässlichsten Figur im ganzen Laden seit zehn Jahren halte, auch wenn das bestimmt gar nicht stimmt…“ Fährt sie fort und legt ihre Arme überkreuz vor ihrer Brust. „Das hier ist das Epizentrum der guten Figuren und ich armer Tropf sitze mittendrin.“ Hält sie fest und lächelt. Abby öffnet ein wenig den Mund, sagt aber nichts. „Weißt du, was ein Epizentrum ist?“ Fragt die Verkäuferin. „Nein“ gibt Abby zu. „Ach egal,“ winkt sie ab mit der Hand, „Auf jeden Fall er …“ sie zeigt auf Ted „… und ich möchten, dass du eine fabelhafte Figur hast, eine die Männer ablecken möchten und zwar ganz, von unten bis oben, und die Mitte sowieso.“ spricht sie, hält den Kopf schief und entlässt Abby nicht aus ihrem Blick. „Sorry, musste raus.“ Fügt sie an. „Ich auch, übrigens, das mit dem Ablecken, aber egal.“ Schließt sie und geht an Abby vorbei, die sichtbar nicht begreift. „Meine Brüste sind zu klein. Und…“ Denkt sie und schluckt. Ted schmunzelt, Abby macht eine Geste zu ihm, die er nicht versteht.
Die Verkäuferin sucht zwischen verschiedenen Teilen und reicht Abby eines.
„Da hinter dem Vorhang ist ein Vorhang, und dahinter ist ein Vorhang und da kannst du dich umziehen. Rein mit Dir in den Fummel“
Die Fummel sind zwei Teile. Abby nimmt es in Empfang, schaut kurz darauf und geht erleichtert los. „Und bitte, bleibe hinter mindestens einem Vorhang. Der halbe Laden ist aus Glas, die schmeißen mir die Scheiben ein von da draußen, wenn sie dich darin sehen.“ Ruft sie ihr nach. „Okay“ ruft Abby und es raschelt irgendwo da hinter den Vorhängen bei ihr.
Ted grinst. Er macht einen Schritt und bewegt die Schultern. „Der Spruch war gut mit dem Ablecken. Den muss ich mir merken.“ Spricht er und lacht dabei. Sie geht an ihm vorbei und wiegt den Kopf. „Tun sie es nicht.“ Sagt sie. „Wieso?“ Fragt er, hält den Kopf schief und den Mund offen. Er, grinst. Sie geht hinter ihre Kasse. Sie antwortet: „Weil es aus ihrem Mund anders klingt.“ Antwortet sie nicht unfreundlich. Ihre Blicke treffen sich. Ihr Blick ist aus Stahl. Seinem Blick ist es egal, dass der ihre aus Stahl ist. Er grinst, steckt kurz seine Zungenspitze in den Mundwinkel, nickt aber. „Könnte sein.“ Sagt er, hebt die Hand mit zwei Fingern hoch: „Ihr Punkt“ gesteht er zu und zwinkert, nickt noch einmal.
„Ich bin wieder da, ruft Abby und neben dem Vorhang erscheint ihr feines, kleines Gesicht. Die Verkäuferin kommt zu ihr und am Vorhang vorbei. Ted folgt verhalten. „Das ist so geil“ sagt Abby, und schaut zu ihren nackten Füßen. Sie steht in der Abtrennung aus schwerem, schwarzem Samt und tapst auf dem Boden im kleinen Kreis herum. „Dieser Marmor, das fühlt sich so geil an.“ Sie schaut zu der Bedienung auf mit leuchtenden Augen. Die Verkäuferin lächelt sie an und nickt ein wenig traurig. „Ja“ sagt sie. „Heilige Scheiße“ spricht Ted hinter ihr. Abbys Blick springt zu ihm. „Was ist denn.“ Fragt sie besorgt. „Scheiße siehst du aus…“ „Was denn?“ fragt sie schnell. „Ja schau dich mal an.“ Sagt er und fasst sich an den Kopf. „Himmel ist das geil. Eh …“ bricht er ab und schüttelt den Kopf. Er hebt die Hand mit zwei Fingern wie zuvor...




