Kasasian | Mord in der Mangle Street | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten

Reihe: Gower Street Detective

Kasasian Mord in der Mangle Street


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-455-17125-9
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten

Reihe: Gower Street Detective

ISBN: 978-3-455-17125-9
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Start der etwas anderen Krimireihe mit Sidney Grice und March Middleton! London 1882. Nach dem Tod ihres Vaters begibt sich die junge March Middleton in die Obhut ihres Patenonkels: Sidney Grice, Englands berühmtester Detektiv, der vor einem neuen Rätsel steht. Eine Frau ist brutal ermordet worden, der einzige Verdächtige ist ihr Ehemann. Mit jeder neuen Wendung des Falls ist Sidney stärker von der Schuld des Ehemanns überzeugt und March von seiner Unschuld. In die dunkelsten Ecken des East End führen die Ermittlungen die junge Frau mit dem Faible für Gin und den bärbeißigen Spötter mit dem Glasauge. Wer von ihnen wird wohl recht behalten? Dies ist der erste Band der Gower Street Detective Reihe. Mit schwarzem Humor und bissigen Kommentaren geht es in diesen Fällen weiter: Band 2 - Der Fluch des Hauses Foskett Band 3 - Tod in der Villa Saturn Band 4 - Die Geheimnisse der Gaslight Lane

Martin R. C. Kasasian ist im englischen Lancashire aufgewachsen, hat in Fabriken und Restaurants gearbeitet, auf dem Rummelplatz, beim Tierarzt und als Zahnarzt, bevor er zu schreiben begann. Die Sommer verbringt er mit seiner Frau in Suffolk, im Winter leben die beiden auf Malta. Kasasians beliebte Gower Street-Reihe um Detektiv Sidney Grice erscheint bei Atlantik.
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Weitere Infos & Material


Cover
Titelseite
Widmung
Einleitung
1 Die Morde in der Slurry Street
2 Der Würger von Chelsea
3 Von Schweinen und Menschen
4 Die Zuhörer
5 Ein schrecklicher Mord
6 Die grüne Flagge
7 Der Hansom
8 Das Totenhaus
9 Unter demselben Mond
10 Der Tatort
11 Der juwelenbesetzte Dolch
12 Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern
13 Die Polizeiwache
14 Die Höllenhunde
15 Der letzte Seufzer
16 Das rote Buch
17 Im Duke of Marlborough
18 Der Mann im Kaninchenfell
19 Über die Verwendung von Guttapercha
20 Die Spielregeln
21 Der Prozess
22 Der dressierte Affe
23 Das Urteil
24 Das Labyrinth des Lasters
25 Stock und Stein
26 Rauch
27 Die Nachtwache
28 Die Hinrichtung
29 Die Schande
30 Zerkochte Knochen
31 Der Perückenmacher
32 Broken Wings
33 Der alte Kanal
34 Eimer und Säcke
35 Caligula
36 Kunststück
37 Das Haus in der Chandler Street
38 Die Fliegenplage
39 Judas
40 Diogenes
41 Begründete Zweifel
42 Stiefel
43 Kehlen
44 Das kuriose Kuriositätengeschäft von Childe Finnegan
45 Hunde
46 Verstreutes Stroh
47 Lammkoteletts
48 Rückkehr zur Huntley Street
49 Gute alte Schulzeit
50 Der Mann in der Höhle
51 Der Beichtstuhl
52 Teppiche und Bilder
53 Die Sakristei
54 Der Eheermittler und der Tiger
55 Hallimasche
56 Gulphs Trauer
57 Plumpudding
58 Der Winkel des Löffels
59 Das Mausoleum
60 Ruß
61 Die Fenster zur Seele
62 Der Nagel
63 Veilchenpastillen
64 Die Macht des Namens
65 Eine Gewissensfrage
66 Die Aphrodite
67 Die Schiffsagentur
68 Der Arzt
69 Neuigkeiten
70 Der letzte Brief
71 Saure Äpfel
Nachtrag
Leseprobe zum zweiten Fall von Sidney Grice
Über M.R.C. Kasasian
Impressum


4 Die Zuhörer


Sidney Grice entsprach ganz und gar nicht meinen Erwartungen. Obwohl er aufrecht dastand, war er nicht größer als eins achtundfünfzig und von schmächtiger Statur. Sein Haar war dicht und schwarz und aus der hohen Stirn gekämmt, die Nase lang und schmal. Seine Erscheinung war beinahe feminin – die geschwungenen Lippen, das glatte blasse Gesicht mit dem Grübchen auf dem zierlichen Kinn.

»Miss Middleton.« Seine Begrüßung fiel höflich, aber nicht überschwänglich aus. Der Druck seiner kleinen, feingliedrigen Hand war erstaunlich kräftig. »So ganz anders als Ihre liebe Mutter.« Er hatte eine weiche, aber klare Stimme.

Seine Augen waren von einem blassen Blau und glasig, obgleich sie geradeheraus blickten unter langen geschwungenen Wimpern, wie ich sie mir nur erträumen konnte.

»Sie kannten sie?«

»Ich hatte die Ehre. Zu meinem Bedauern gilt das nicht für Sie. Sie haben kein Gepäck?«

»Nur diese Reisetasche. Meine Koffer sind noch unterwegs.«

»Wir nehmen den Tee umgehend, Molly. Kommen Sie, Miss Middleton. Lassen Sie mich Ihnen Ihr neues Heim zeigen.«

Ich folgte ihm durch die offene Tür in ein geräumiges Zimmer. Geradeaus standen zwei Ledersessel zu beiden Seiten eines Kamins. Rechter Hand umringten sechs Stühle einen Teetisch aus Mahagoni. Hinter einem filigran geflochtenen Wandschirm am jenseitigen Tischende gingen hohe Fenster auf die Straße.

»Der Wandschirm soll mich vor Heckenschützen verbergen«, sagte er.

»Ist denn schon mal auf Sie geschossen worden?«

»Viele Male.« Er fasste sich an die linke Schulter. »Aber bloß ein Treffer. Ist mir lieber, wenn’s daneben geht.«

Ich lachte, und Grice’ Miene verfinsterte sich.

»Das war kein Scherz. Runter!« Im selben Augenblick warf er sich zu Boden, und ich kniete mich rasch neben ihn. »Absolut hoffnungslos«, seufzte er. »In einem wirklichen Notfall werden Sie um einiges schneller sein müssen.«

»Wenn Sie eine Tournüre tragen würden, wären Sie … Oh!« Ich blickte erschrocken zum Fenster hoch. »Obacht!« Sidney Grice warf sich erneut zu Boden, während ich mich erhob. »Anstrengend, nicht wahr?«, sagte ich. »Ich denke, wir sollten dieses Spiel nicht wiederholen.«

Sidney Grice klopfte sich ab. »Dieses Spiel könnte Ihnen sehr wohl eines Tages das Leben retten.«

»Da würde ich lieber vernünftig sterben«, gab ich zurück, und er hob eine Hand an sein rechtes Auge.

Hinter uns führte eine offene Doppelfalttür in die Bibliothek, sodass beide Räume ineinander übergingen. An zwei Wänden waren Regale angebracht, vom Boden bis zur Decke, allesamt gestopft voll mit Büchern und Papieren, vor der dritten standen Eichenschränke jeweils mit vier Schubladen. In der Mitte war ein wuchtiger Schreibtisch.

»Diese beiden Räume stellen mein Studierzimmer dar. Herz und Hirn des Hauses.«

»Sie haben aber eine Menge Akten.«

»Ich erstelle einen Katalog aller Verbrechen, die in diesem Jahrhundert in England begangen wurden. Eine Herkulesaufgabe, aber ich bin überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt. Es ist erwiesen, dass Verbrecher ihre eigenen Taten und die von ihresgleichen wiederholen. Daher entwerfe ich ein System, das Querverweise auf jedes Verbrechen und eine Sofortermittlung der Methode und damit des Täters ermöglicht. Rieche ich da etwa Alkohol in Ihrem Atem?«

Er fasste mich scharf ins Auge.

»Mir war ein wenig flau beim Aussteigen. Ein zufällig vorbeikommender Pfarrer war so freundlich, mir einen belebenden Schluck Brandy aus seinem Flachmann, wie das wohl heißt, zu geben.«

»Es ist Gin«, sagte Sidney Grice.

»Ach, wirklich? Ich kenne mich da leider nicht aus.«

Er verengte den Blick, und wir gingen zurück in die Diele.

»Es wird doch zumindest ein paar wirklich neuartige Verbrechen geben«, meinte ich, doch Sidney Grice schnaubte nur.

»Der kriminelle Verstand ist abartig und verworren, aber fast immer einfallslos«, sagte er, als Molly aufgeregt herbeigelaufen kam.

»O Sir.« Sie errötete. »Ein halbes Unglück. Der Nachmittagstee ist aus. Wir haben noch Morgentee und bergeweise Abendtee, aber nicht einen Krümel Nachmittagstee.«

Sidney Grice machte ein finsteres Gesicht. »Dann geh auf der Stelle welchen besorgen, und gib Acht, dass ehrlich abgewogen wird«, sagte er. »Dummes Ding«, fügte er hinzu, als sie hinauseilte. »Das«, er zeigte hinter die Treppe, »ist die Dienstbotenwelt. Mir schaudert beim Gedanken, was dort vor sich geht.«

Im ersten Stock befand sich ein Salon mit Blick auf das Hauptgebäude des University College. Dahinter lag das Esszimmer, das einen Speisenaufzug und schwachen Kohlgeruch beherbergte.

»Solange wir unter uns sind, will ich Ihnen etwas sagen, das Sie vielleicht peinlich berühren wird«, teilte mir Sidney Grice mit. »Sie tragen braune Schuhe.«

»Ich weiß.«

»Braun ist fürs Land. In der Stadt trägt man schwarz.«

»Aber ich bin heute morgen vom Land aufgebrochen«, wandte ich ein. »Wo oder wann genau hätte ich sie denn wechseln sollen?«

Sidney Grice runzelte die Stirn. »Wie ich sehe, haben Sie Esprit – eine moderne, wiewohl keine weibliche Eigenschaft. Hinsichtlich Ihrer Frage glaube ich, dass Kilburn allgemein als äußerste Grenze der Zivilisation angesehen wird. Ich begebe mich nie darüber hinaus.« Er schnupperte. »Ich rieche Rauch.«

Auch ich schnupperte, konnte aber nur seine Teerseife riechen.

»Meinen Sie das metaphorisch?«

»Nein, buchstäblich. Ich mag keine Metaphern.«

»Geschweige denn braune Schuhe«, sagte ich. »Brennt Ihr Haus?«

»Mein Haus brennt keinesfalls. Es ist Tabakrauch. Sie rauchen doch wohl hoffentlich nicht, Miss Middleton?«

»Der Zug war so voll besetzt, dass ich mit einem Raucherabteil vorlieb nehmen musste.«

Sidney Grice rechtes Auge verschwand, und seine Lider klappten über einer fleischroten Höhle zusammen. Ich kreischte auf, indes er sein Auge einfing und wieder an seinen Platz beförderte.

»Verfluchtes Ding.« Er zog sein Oberlid herunter. »Bis ins böhmische Egeria bin ich gefahren, um es anfertigen zu lassen, mundgeblasen nach Professor Goldmans Maßangaben, und es passt trotzdem nicht.«

»Wie haben Sie Ihr eigenes verloren?«

»Ich habe es nicht .« Mit einem stolzen Ruck warf er sein Haar zurück. »Das würde von einer Fahrlässigkeit künden, die mir wesensfremd ist. Ein abtrünniger Preuße hat es mir herausgerissen, als ich seinen Mordversuch am Kronprinzen vereitelte. Die Welt muss erst noch anerkennen, in welcher Schuld sie dafür bei mir steht. Sitzt erst ein Kaiser Wilhelm II. auf dem Thron der vereinigten deutschen Staaten, werden wir einer hundertjährigen Friedenszeit in Europa entgegensehen.«

»Die Welt hält Sie schon jetzt in hohem Ansehen«, sagte ich. »Meine Freunde vergleichen Sie mit Edgar Allan Poes Detektiv Auguste Dupin.«

Sidney Grice kräuselte die Lippen.

»Welche Auszeichnung, mit dem schwachsinnigen Hirngespinst eines geisteskranken Schreiberlings aus den Kolonien verglichen zu werden«, sagte er. »Zumal der Mann offenkundig von meinen Erfolgen gelesen und den unbeholfenen Versuch unternommen hat, sie nachzuahmen.«

Sein Gang war merkwürdig, fiel mir auf, neigte nach rechts, wenngleich er keine Mühe hatte, ein weiteres Geschoss zu erklimmen.

Im zweiten Stock lagen zwei Schlafzimmer: seines mit Blick auf die Straße und mein künftiges, mit Blick auf ein Krankenhaus. Dazwischen war ein kleiner Raum.

»Der ganze Stolz meines Hauses.« Sidney Grice trat zur Seite, um mir das Badezimmer zu zeigen. Die Ausstattung war allerdings prächtig: eine weiße Emaillewanne auf Messingtatzen, ein Waschbecken aus weißem Porzellan auf einem hohen kannelierten Sockel und ein dazu passendes Wasserklosett mit Spülkasten hoch darüber. »Wir haben fließend Wasser, heiß und kalt, solange Molly den Ofen in Gang hält.«

»Welcher Luxus.« Ich verriet ihm nicht, wie widerlich mir ein Klosett im Haus war. Kein Wunder, dass man so viel von Seuchen in London hörte, wenn alle Häuser derart unhygienisch bestückt waren.

Im dritten Geschoss war der Dachboden, erläuterte er, mit einem Koffergelass und den Dienstbotenkammern.

»Wie viele Dienstboten halten Sie?«

»Ich habe nur Molly und eine Köchin. Die Köchin wohnt nicht im Haus und beschränkt sich auf ihre Küche. Ich habe sie wohl nicht mehr gesehen, seit sie sich vor zwei Jahren anmaßte, mir Glückwünsche zum Weihnachtstag auszusprechen. Die Küchenmädchen wechseln häufig, wie ich höre, sind für mich aber ohne Belang.« Er hielt inne. »Offenbar ist Molly noch nicht zurück. Es scheint, als müssten wir den Ruf der Türglocke selbst beantworten.«

»Ich habe gar nichts gehört«, sagte ich, und Sidney Grice schnalzte mit der Zunge.

»Ihre Ohren sind jünger und wahrscheinlich empfindlicher als meine. Sie hören, ohne hinzuhören. Der Besuch ist offenkundig dringlich, so heftig wie am Griff gezogen wurde. Wir wollen einen Augenblick stille stehen.«

»Sollten wir nicht zuerst die Tür öffnen?«, fragte ich, doch Sidney Grice zuckte mit den Schultern. »Je dringlicher das Anliegen, desto größer die Ausdauer. Hören Sie hin.«

Weit entfernt vernahm ich eine kleine, schrille Glocke, die wiederholt schellte.

»Jetzt hör ich’s.«

»Was noch?«

Ich lauschte. »Nichts.«

»Hören Sie denn nicht den Verkehr draußen, das Rattern der Räder, das Trappeln der Hufe auf dem Pflaster, die Rufe der Höker und Bettler auf der Straße, das Flattern der Tauben auf dem...


Weber, Alexander
Alexander Weber, geboren 1969, ist promovierter Anglist und lebt als freier Übersetzer in Berlin. Er hat u.a. Werke von Robert Gerwarth, Gay Talese und Prinz Harry ins Deutsche übertragen.

Sabinski, Johannes
Johannes Sabinski, geboren 1964, studierte Amerikanistik an der FU Berlin. Seit 1996 ist er als Übersetzer tätig und lebt in Berlin.

Kasasian, M.R.C.
Martin R. C. Kasasian ist im englischen Lancashire aufgewachsen, hat in Fabriken und Restaurants gearbeitet, auf dem Rummelplatz, beim Tierarzt und als Zahnarzt, bevor er zu schreiben begann. Die Sommer verbringt er mit seiner Frau in Suffolk, im Winter leben die beiden auf Malta. Kasasians beliebte Gower Street-Reihe um Detektiv Sidney Grice erscheint bei Atlantik.

Martin R. C. Kasasian ist im englischen Lancashire aufgewachsen, hat in Fabriken und Restaurants gearbeitet, auf dem Rummelplatz, beim Tierarzt und als Zahnarzt, bevor er zu schreiben begann. Die Sommer verbringt er mit seiner Frau in Suffolk, im Winter leben die beiden auf Malta. Kasasians beliebte Gower Street-Reihe um Detektiv Sidney Grice erscheint bei Atlantik.



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