Karschnick | Jenseits der Seidenstraße | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 336 Seiten

Reihe: Splittermond

Karschnick Jenseits der Seidenstraße

Ein Splittermond-Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-86762-369-8
Verlag: Uhrwerk-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Splittermond-Roman

E-Book, Deutsch, Band 6, 336 Seiten

Reihe: Splittermond

ISBN: 978-3-86762-369-8
Verlag: Uhrwerk-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die sogenannten Mondpfade durch die Feenwelten werden in Lorakis gern für Fernreisen genutzt - doch was geschieht, wenn man den sicheren Pfad verlässt und sich in die sich ständig verändernden Feenlande abseits des Weges begibt? Eine ungleiche Abenteurergruppe erfährt genau dies, als sie sich tollkühn von der gnomischen Pfadfinderin Mara in die Feenwelt hineinführen lässt. Jedes Gruppenmitglied hat das Ziel, sich eine wertvolle Ressource - das längst ausgestorben geglaubte Drachlingsholz - zu sichern. Doch wer wird es am Ende in den Händen halten? Ein Wettlauf gegeneinander, gegen einen bizarren Feenfürsten und gegen unsichtbare Feinde beginnt ...

Ann-Kathrin Karschnick lebt im schönen Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein und schreibt seit mittlerweile über 10 Jahren Jugend- und Fantasyromane für Jung und Alt. Mit ihrem Roman 'Phoenix-Tochter der Asche' gewann sie 2014 den Deutschen Phantastikpreis in der Kategorie 'Bester deutschsprachiger Fantasyroman'. Wenn sie nicht über neuen Ideen brütet, schaut sie leidenschaftlich gerne Doctor Who und American Football. Ihr Markenzeichen ist das grüne Kleid. Egal, ob Lesung, Convention oder Messe: Ohne das grüne Kleid ist sie nicht unterwegs.
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Kapitel I


Der Lärm aus dem Wirtshaus unter ihm überdeckte die Hagelkörner, die mit voller Wucht gegen die Fenster seines Zimmers prasselten. Vor dem Fenster entdeckte er nur die Schwärze der Nacht. Es war eine dieser Nächte, in denen man nichts anderes tun konnte, als schlafen. In der Nähe von Sarnburg war es unmöglich vorherzusehen, wie das Wetter wurde. Konnte man eine laue, fast schon heiße Sommernacht erwarten? Oder überraschten einen die Hagelstürme mit Körnern so groß wie die eigene Faust? Drohann fokussierte seinen Blick auf die Spiegelung in der Fensterscheibe. Sobald er auf Burg Ulmengrab ankam, brauchte er neue Klamotten. Bei seiner Mission war alles schief gegangen, was nur hatte schief gehen können. Aber er hatte überlebt und das Monster, das unbemerkt aus den Verheerten Landen entkommen war, nicht.

Ein selbstgefälliges Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus und er klopfte auf das Schwert, das noch immer an seiner Hüfte hing. Ein Anderthalbhänder, mit dem er fast jedes Untier besiegt hatte, das ihm vor die Klinge gekommen war. Und wenn das nicht half, war da immer noch seine Armbrust, mit der er noch nie sein Ziel verfehlt hatte. Nicht mehr lange und der Orden des Wächterbundes würde ihn zum Ritter ernennen. Seit nunmehr neun Jahren diente er bereits den Wächtern auf Burg Ulmengrab und er hatte nicht vor, daran etwas zu ändern.

Drohann wandte sich von seinem Spiegelbild ab, strich sich die schulterlangen Haare aus dem Gesicht und fuhr sich gleich darauf über den Vollbart. Er würde ihn wieder stutzen müssen, sobald er in seiner Kammer angekommen war.

Ein kalter Lufthauch zog unter dem Spalt der Tür hindurch und kühlte den Raum merklich ab. Draußen musste es eisig sein. Drohann ging zu der Feuerschale, die in seinem Zimmer direkt neben dem Wassereimer stand. Es war eine einfache Unterkunft, die ihm auf seinem Rückweg zur Burg nur als Nachtlager dienen sollte. Nur noch eine Tagesreise und er wäre wieder bei seinem Orden, unter seinen Brüdern und Schwestern. Er sehnte sich nach den Mauern, die sowohl Schutz als auch Gefahr bedeuteten. Schutz für den Rest von Lorakis, Gefahr für jeden, der es wagte, aus den Untiefen der Verheerten Lande aufzusteigen. Der Wächterbund war eine eingeschworene Familie, die sich verpflichtet hatte, gegen die Monster und Feenwesen zu kämpfen, die es wagten, den Frieden von Lorakis zu stören. Sie waren die letzte Bastion, die es für die Monster zu überwinden galt.

Drohann griff an seinen Gürtel und löste die Halterung. Das Schwert glitt einige Zentimeter tiefer, ehe er es beiseitelegte. Sein Schwert hatte eben solch ein Monster vor wenigen Tagen im Westen von Selenia zur Strecke gebracht. Denn auch das war ihre Berufung. Schaffte es eines dieser Wesen, ihre Verteidigung zu durchbrechen, dann jagten sie es solange, bis es aufgab und durch die Hand eines Wächterschwertes starb. Genau diese Aufgabe hatte er sich ausgesucht. Ein Monster hatte die westliche Burgenfront umgangen. Vermutlich durch irgendwelche kleineren Übergänge oder Tunnel, die ihnen bisher nicht bekannt waren.

Die Kälte in dem Zimmer breitete sich aus und er hob die Hand. Ein wenig Feuer schadete niemandem, dachte er und richtete seine Magie auf die Feuerschale, um ein Feuer zu entzünden.

Doch stattdessen entzündete sich die Decke am Ende seines Betts.

„So ein Mist!“, rief er gleich darauf und griff nach der Wasserschale bei seinem Bett. Das Wasser war sowieso eiskalt gewesen, hätte in den frühen Morgenstunden sicher für eine Erfrischung gesorgt, aber nun musste er es zum Löschen des Feuers auf seinem Bett nutzen.

Allzu häufig benutzte er die Magie nicht, da sie in den Verheerten Landen oft ihren ganz eigenen Gesetzen folgte. Wer nicht absolut sicher war, dass er die Grundordnung der Magie um sich herum sicherstellen konnte, der riskierte selten etwas. Er knurrte in Richtung der Feuerschale. Und scheinbar galt das auch für die Grenzgebiete.

Er hätte es besser wissen müssen. Dieser Hagelsturm war nicht normal. Die Körner zu groß und der Wind zu kalt.

Drohann fuhr sich mit dem Ärmel über das Gesicht, wischte die Müdigkeit beiseite. Wasser tropfte von der Decke auf den Holzfußboden, als er zu dem einfachen Leinensack ging, den er für seine Reise gepackt hatte. Jetzt, kurz vor seinem Ziel, war er beinahe leer, da er hauptsächlich Nahrung darin transportiert hatte.

Er griff hinein, zog die schmale Dose aus Metall hervor und öffnete sie.

Aber auch ein paar nützliche Dinge, die man immer gebrauchen konnte, hatte er eingepackt. So wie Feuerstein und Zunder. Normalerweise etwas, das er nur selten brauchte, aber in den Verheerten Landen war nicht immer alles normal, und es war wichtig, auch in den langen Nächten die Leuchtfeuer entzünden zu können, wenn die Magie mal wieder verrücktspielte.

Er entzündete das Feuer und augenblicklich breitete sich eine wohlige Wärme in dem Zimmer aus. Drohann seufzte erschöpft. Die Mission hatte ihn angestrengt. Eigentlich hatte er vorgehabt, sein Zimmer nicht mehr zu verlassen und endlich mal wieder eine Nacht durchzuschlafen. Doch sein Magen knurrte und er fragte sich, ob er im Wirtshaus noch etwas zu essen bekommen würde.

Entschlossen band er seine Haare zu einem Dutt auf seinem Kopf zusammen und legte die Kutte mit dem Zeichen seiner Burg ab. Darunter trug er ein einfaches Hemd und eine dünne Stoffhose. Niemand würde ihn als das erkennen, was er war. Er würde seine Ruhe haben, genau wie er es sich wünschte. Der Wächterbund genoss großes Ansehen in Selenia, auch wenn die Nachschublieferungen des Kaisers zu wünschen übrigließen. Drohann verzog den Mund, als er daran dachte, wie mickrig die letzte Lieferung ausgefallen war. Sie reichte gerade so, um zusammen mit dem eigenen Angebauten zu überleben, wenn sie sie rationierten.

Er ging zum Bett, griff sich das Schwert und schnallte es um seine Hüfte. Zwar wollte er nicht als einer des Wächterbunds erkannt werden, damit ihn niemand mit Fragen zu den Geschichten der Burgen löchern konnte, aber dumm war er auch nicht. So nah an den Verheerten Landen ging man nirgendwohin ohne Waffe. Ein Angriff konnte jederzeit erfolgen und darauf wollte er vorbereitet sein.

Kaum öffnete er die Tür, roch er die frischen Speckkartoffeln. Das Wasser lief ihm im Munde zusammen, als er die deftige Mahlzeit schon förmlich zwischen seinen Zähnen spüren konnte. Drohann ging die Treppe hinunter und schaute in die gut gefüllte Wirtschaft. An einer Ecke war noch ein freier Sitzplatz. Direkt neben einer Gnomin, die offensichtlich zu tief ins Glas geschaut hatte, denn sie lag mit dem Gesicht flach auf dem Tisch, die Hand noch am Bierkrug. Drohann setzte sich neben sie, erwartete nicht, dass sie in nächster Zeit aufwachen würde. Der Wirt bemerkte seine Anwesenheit und schickte seine zweite Magd los.

„Was darf es sein, Herr?“, fragte sie freundlich. Ihre schmalen Hüften und die breiten Schultern verrieten ihm, dass sie sicher nicht nur als Magd arbeitete. Die meisten Frauen, die so gebaut waren, arbeiteten hart auf den Feldern oder übten sich im Schwertkampf. Er legte den Kopf schief und fragte sich, ob sie wohl eine Abenteurerin war, wenn sie nicht gerade als Magd ausschenkte.

„Ein Bier und etwas zu essen.“ Er lehnte sich auf den Tisch auf und deutete in Richtung Küche. „Es roch oben nach Speckkartoffeln. Habt ihr welche da?“

„Aber sicher, Herr. Eine kleine oder große Portion?“

Drohann spürte das Wasser in seinem Mund zusammenlaufen. „Große Portion, bitte.“ Mit einem vollen Magen würde es ihm leichter fallen, einzuschlafen. Und das konnte er gut gebrauchen. Zwar erlaubte der Wächterbund Missionen wie seine, doch sie erwarteten auch, dass man erholt zurückkam, damit man direkt wieder für den Dienst eingeteilt werden konnte. Ruhepausen gab es nur in seltenen Fällen. Der Kampf gegen die Finsternis war rund um die Uhr notwendig.

„Sonst noch etwas?“, fragte die Magd, doch Drohann schüttelte den Kopf. Er hatte keine Lust auf eine Unterhaltung und war froh, wenn er das Essen bald bekam. Im Wirtshaus selbst roch es längst nicht mehr so lecker. Durch die bunte Mischung der Besucher zog sich eine ebenso bunte Mischung an Gerüchen. Neben Schweiß roch es nach nasser Ziege, vermutlich von dem Ziegenhüter, der am anderen Ende der Bar zusammen mit einem jungen Alben seine Ersparnisse auf den Kopf haute. Er tönte etwas von einem Schatz, den er bald heben würde.

Drohann schüttelte den Kopf. Diese Glücksritter waren eine wahre Plage für Lorakis. Ständig suchten sie nach etwas. Doch das einzige, was sie stets fanden, war der Tod. Der war der ultimative Schatz, den jeder heben konnte.

Sein Blick wurde von einer jungen Frau angezogen, die an einem Spieltisch mit drei anderen saß. Im Gegensatz zu ihren Mitspielern schien sie entspannt zu sein. Entweder hatte sie ein Bombenblatt oder sie konnte ziemlich gut bluffen.

Die Gnomin neben ihm zuckte zusammen, murmelte etwas auf Basargnomisch und hob kurz den Kopf. Die trüben Augen zeugten davon, dass sie zwar körperlich anwesend, aber geistig weit entfernt war. Gleich darauf knallte sie wieder auf die Tischplatte, sodass diese erbebte.

„Soll ich sie entfernen lassen, Herr?“, fragte die Magd, die ihm in diesem Moment das Bier brachte.

„Nein, schon gut. Soll sie ruhig ihren Rausch hier ausschlafen. Mich stört sie jedenfalls nicht.“ Vor allem, wenn sie so ruhig bleibt, schob er in Gedanken hinterher. Sollte die Magd sie wegbringen, wäre die Gefahr groß, dass jemand anderes sich zu ihm setzte. Dieser Hagelsturm trieb sämtliche Reisende dazu, eine Unterkunft zu...


Ann-Kathrin Karschnick lebt im schönen Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein und schreibt seit mittlerweile über 10 Jahren Jugend- und Fantasyromane für Jung und Alt. Mit ihrem Roman "Phoenix-Tochter der Asche" gewann sie 2014 den Deutschen Phantastikpreis in der Kategorie "Bester deutschsprachiger Fantasyroman". Wenn sie nicht über neuen Ideen brütet, schaut sie leidenschaftlich gerne Doctor Who und American Football. Ihr Markenzeichen ist das grüne Kleid. Egal, ob Lesung, Convention oder Messe: Ohne das grüne Kleid ist sie nicht unterwegs.



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