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Kammerer | Der Flug des Papageis | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

Kammerer Der Flug des Papageis


1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-7477-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

ISBN: 978-3-6957-7477-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In einem Sommer, der anders beginnt als geplant, erlebt ein fünfzehnjähriger Erzähler, wie sich sein Blick auf die Welt verändert. Aus einem Konflikt entsteht eine starke Freundschaft, die Fragen aufwirft, denen man nicht ausweichen kann. Zwischen Schule, Familie und langen Tagen voller Hitze geraten Gewissheiten ins Wanken. Der Erzähler beginnt, genauer hinzusehen: auf Burkhard, auf dessen Schwester Lucie und auf sich selbst. Begleitet wird dieser Weg von Erinnerungen, Bildern und einem geheimnisvollen blauen Papagei, der mehr ist als ein Traum. Der Flug des Papageis ist ein feinfühliger Coming-of-Age-Roman über Freundschaft, Verantwortung und den Moment, in dem man beginnt, Haltung zu zeigen.

Thomas Kammerer schreibt Romane und literarische Texte und arbeitet an künstlerischen Projekten an der Schnittstelle von Wort, Bild und Musik. Sein Interesse gilt Menschen, die nicht im Mittelpunkt stehen, leisen Freundschaften und inneren Prozessen, die nach außen oft unsichtbar bleiben. In seinen Texten beschäftigt er sich mit Übergängen: vom Kindsein zum Erwachsenwerden, von Sprachlosigkeit zu Haltung, von Angst zu Mut. Es geht ihm dabei weniger um Antworten als um das genaue Hinsehen. Er lebt und arbeitet im Fichtelgebirge.
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Partycrasher


Meinen Anhänger? Nein. Den würde ich nicht hergeben.

Ein Buch war besser als dumme Blumen.

redete ich mir immer wieder ein, während ich die Buchhandlung betrat und mich umsah.

Trotzdem fühlte ich mich wie der Ober-Trottel. Was lasen Mädchen überhaupt? Keine Ahnung.

Ich stand ratlos zwischen meterhohen Stapeln von Vampirromanen.

Genau in dem Moment steuerte eine Verkäuferin auf mich zu. Jung. Hübsch.

„Kann ich dir helfen?“, fragte sie. Mit einem Lächeln, das mindestens so blendend war wie das von Helena. Meine Kehle war plötzlich wie zugeschnürt.

„Ähh ...“, murmelte ich. Mein Gesicht wurde heiß. Was war mein Problem?

War es zu viel verlangt, ein normales Wort zu sagen?

„Ein Geschenk“, presste ich hervor.

Die Verkäuferin nickte und redete los. Aber ich hörte nur noch halb zu.

Als ich die Buchhandlung verließ, war ich vierzig Euro ärmer und um eine Erkenntnis reicher:

Immerhin: Ich hatte die drei Bände der aktuellen Vampirtrilogie.

Schön eingepackt, mit einer großen, bunten Schleife dekoriert.

dachte ich.

Trotzdem freute ich mich auf die Party.

*

Vor dem Spiegel der nächste Stress.

Die Jeans ging klar.

Leinenhemd drüber, offen natürlich — Papageienanhänger gut sichtbar. Sah fast aus wie ein rothaariger Johnny Depp. Na ja. Fast.

In der Drogerie hatte ich mir noch ein ParfumSchnäppchen geschnappt. „Sandelholz — haut jede Frau um.“

Stand zumindest drauf.

Krönung des Looks:

Plastikvampirzähne vom letzten Fasching.

Etwas vergilbt, aber mit Scheuersand aufpoliert.

Geschmacklich ... fragwürdig.

Aber egal.

Halb zwei.

Los.

*

Helena öffnete die Tür.

Ich wollte „Hallo, alles Gute zum Geburtstag“ sagen. Stattdessen geiferte ich:

„Hrrll ... brtstg ...“

„Was?!“

Helena schaute mich verwundert an. Vermutlich hatte mein Gebrabbel außerirdisch geklungen.

Dann zog sie eine Augenbraue hoch. Schnupperte.

„Was ist denn mit deinen Zähnen passiert?

Und ... riechst du nach Putzmittel?“

Grandios. Erster Eindruck:

Sie verzog ihr hübsches Näschen, nahm das Geschenk und entschwand im riesigen Haus.

Das war also das Domizil von Helena der Schönen und ihrer Familie.

Meine Güte, die mussten ganz schön viel Kohle haben.

Ich blieb erst mal wie angewurzelt stehen, mit einem Mund voller Plastik.

Meinen Auftritt hatte ich mir anders vorgestellt. Ich kam mir vor wie ein Gartenzwerg mit dritten Zähnen.

Die anderen Gäste waren schon da. Viele kannte ich nicht.

Entgeistert starrte ich in das riesige Wohnzimmer.

Mac Burger. Umkreist von einer Schar Mädchen stand er mitten im Raum.

Und erzählte ohne Hemmungen und ohne Sprachstörungen von seinem Abenteuer mit dem aggressiven Vogel.

Die Mädchen kreischten und machten „Ahhh“ und „Iiiih!“.

Es war einfach nur peinlich. Dieser Typ. Wie ein Hahn in einem Schwarm junger Hühner.

Mit Schaudern wandte ich mich ab.

Draußen, auf der Terrasse, hockte Helenas jüngerer Bruder im Sandkasten, mit zwei Spielzeugbaggern.

Ich lächelte ihn mit meinen Vampirzähnen an.

Helenas Bruder glotzte entsetzt. Dann fing er an zu kreischen, laut und schrill, und rannte brüllend ins Haus.

Das war wirklich nicht meine Absicht gewesen.

Zur Sicherheit nahm ich die immer noch nach Scheuermilch riechenden Plastikzähne aus dem Mund. „Warum hast du meinen Bruder erschreckt? Er ist völlig verstört“, rief Helena von hinten. Ihren Bruder hatte sie auf dem Arm.

Ich drehte mich um.

„Ähh.“ Meine Standardantwort zog diesmal nicht.

„Das ist echt billig, einem kleinen Jungen Angst einzujagen!“

Empört starrte Helena mich an.

„Das wollte ich doch nicht“, brachte ich kleinlaut hervor. „Zeigst du mir mal deine Bagger?“

Der kleine Rotzlöffel streckte mir seine Zunge heraus. Dann lief er, nachdem Helena ihn abgesetzt hatte, zu seinem Spielzeug.

Entrüstet schaute mich Helena an.

„Das habe ich nicht von dir erwartet“, sagte sie und entschwand, diesmal jedoch mit Nachdruck.

Wenn ich nicht so einen mörderischen Hunger gehabt hätte, wäre ich gleich wieder gegangen.

Aber nirgends war etwas Essbares zu sehen.

Mac Burger verstand sich derweil prächtig mit Helenas kleinem Bruder. Die beiden schaufelten mit den Baggern die ganze Terrasse mit weißem Sand voll.

Ich verzog mich in die hintere Ecke des Gartens, auf der Suche nach Schatten und Kühle. Nippte an einem Glas Mineralwasser.

„Goldig, wie Burkhard mit dem Kleinen spielt“, hörte ich Helenas Mutter verzückt kichern.

Mit Verband und Pflastern brach er allen Müttern ihr mitfühlendes Herz.

Ich nestelte an meinem Anhänger rum. Da geschah etwas Seltsames.

„Alter Pirat, alter Pirat“, krächzte es neben mir.

Ein blauer Papagei saß auf der Lehne eines Liegestuhls, direkt am Swimmingpool, und sah genauso aus wie mein Anhänger.

„Meinst du mich?“, fragte ich – total überrumpelt.

„Alter Pirat!“

Mehr bekam ich nicht.

„Ich habe heute schon genug angerichtet“, seufzte ich.

„Am besten, wir verschwinden hier.“

*

„Führst du jetzt auch noch Selbstgespräche?“

Helena. Die stand auf einmal neben mir. Ich hatte sie überhaupt nicht kommen hören.

„Ähh.“ Mein Kopf war leer. Wie immer.

„Danke für die Bücher. Ich habe sie zwar schon alle gelesen, werde sie aber trotzdem behalten.“ Dann fiel ihr Blick auf meinen Anhänger. „Was ist das? Kann ich den mal ansehen?“

Ich streifte die Kette über meinen Kopf und reichte sie ihr.

„Uii, der ist toll!“

Sie drehte meinen Anhänger in ihren Fingern, bewunderte jedes Detail.

Dann, beiläufig und auch etwas gierig:

„Schenkst du mir den?“

Ihr Lächeln war fordernd. Als testete sie, wie weit sie gehen konnte oder ob Nein für sie überhaupt existierte.

„Nähh“, sagte ich.

Sofort verschwand ihr Lächeln.

„Dann eben nicht.“

Ihre Stimme klang nicht richtig wütend, eher enttäuscht.

Beim Zurückgeben zögerte sie einen winzigen Moment — oder bildete ich mir das nur ein?

Trotzdem kam ihre nächste Bemerkung eiskalt:

„Ich habe genug besseren Schmuck. So einen Billigladen-Ramsch brauche ich nicht.“ Dann ließ sie die Kette einfach fallen.

Ich bückte mich und hob den Anhänger auf.

Die kleinen Augen des Papageis sahen mich traurig an. Ich wusste immer noch nicht, ob es nur Einbildung war.

In diesem Moment kam mein Stolz zurück.

„Diesen Anhänger hat mir ein guter alter Frevmd gegeben“, sagte ich. „Den werde ich niemandem schenken. Der ist nur für mich.“

Helena schaute mich entgeistert an. Dann drehte sie sich um und stampfte davon.

wunderte ich mich.

*

„Das Essen ist fertig, es gibt selbst gemachte Ravioli, das Lieblingsessen von unserem Geburtstagskind!“, rief Helenas Mutter.

Päh. Nicht auch das noch.

Ich nestelte an meinem Anhänger. Da hörte ich es wieder.

„Alter Pirat, alter Pirat!“

Ich wirbelte herum.

Der blaue Papagei saß wieder da.

Sein Blick war durchdringend. Er gab mir ein Signal, das ich nicht ganz verstand.

„Alter Pirat! Lass uns verschwinden.“

Es krächzte direkt in meinen Ohren, eindringlicher als sonst.

Ich nahm den Anhänger fest in die Hand und drehte mich um – und saß im nächsten Moment auf einer alten Eiche im Park.

Aber ... ich war sehr erleichtert.



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