E-Book, Deutsch, Band 1
Reihe: Die Preston-Saga
Kaml Die Wogen des Schicksals
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-229-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 1
Reihe: Die Preston-Saga
ISBN: 978-3-98637-229-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Eine mutige Frau im Kampf um Freiheit und Liebe …
Der erste Band der spannenden und romantischen Preston-Saga
England, 1785: Die 19-jährige Liliana Preston wuchs als uneheliches Kind wohlbehütet bei ihrer Tante in Wiltshire auf. Als eines Tages ihr verschollen geglaubter Vater Jack Farson auftaucht, um sie vor den Heiratsplänen der Mutter zu retten, ist Liliana überglücklich. Jack ist Kapitän auf einer Fregatte und lädt Liliana ein, ihn auf seinem Schiff zu besuchen. Doch auf dem Rückweg wird sie von Piraten entführt, die Jack erpressen wollen. Aber keiner rechnet mit dem jungen Kapitän Finlay Clark, der die verängstigte Liliana aus den Händen der Piraten abkauft, um ein noch höheres Lösegeld von seinem Konkurrenten Jack zu fordern. Schnell wird ihm klar: Liliana ist anders als seine bisherigen Geiseln, und Finlay kann kaum anders, als der Schönheit mehr Aufmerksamkeit zu geben als geplant. Und auch Liliana spürt die Anziehung zu Finlay. Wäre da doch nicht Jack, der mit allen Mitteln versucht, seine Tochter von dem verhassten Kapitän Clark fernzuhalten …
Erste Leser:innenstimmen
„Eine schöne Liebesgeschichte auf hoher See – abenteuerlich, romantisch und mitreißend!“
„Habe den Roman fast an einem Stück gelesen, so sehr hat mich Lilianas Schicksal gefesselt.“
„Ich hatte vorher noch keine Liebesromane zu Seefahrt oder Piraterie gelesen, bin nun aber vom Thema gefangen genommen!“
„Historischer Liebesroman voller Spannung und Gefühl.“
Sylvia Kaml wurde 1975 in Frankfurt am Main geboren und wuchs im hessischen Vogelsberg auf. Sie folgte ihrer Liebe zu Tieren und studierte Veterinärmedizin. Von 2004 bis 2008 lebte sie in den USA, heute mit Mann und zwei Töchtern im Ruhrgebiet und arbeitet in einer Kleintierpraxis in Düsseldorf. Ihre große Leidenschaft ist das Schreiben. Sie veröffentlichte einige gesellschaftskritische Zukunftsromane und Thriller in verschiedenen Verlagen sowie Kurzgeschichten in Anthologien.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Liliana
Wiltshire, England
April 1785
Liliana hatte den ganzen Nachmittag mit Ben neue Beerensträucher gesetzt und erhob sich nun erschöpft vom letzten Beet. Sie zog die Handschuhe aus und strich sich über die Stirn. »Ich werde morgen gewiss jeden Muskel spüren.«
Ben lachte. Der breitschulterige ältere Mann war die Seele des Landguts, er kümmerte sich um alles, vom Gärtnern bis zum Bereiten der Pferde. Effie erwähnte oft, dass sie verloren wäre ohne seine Hilfe. »Wenn Ihre Tante erst einmal die leckeren Kuchen und Gelees davon macht, ist alles vergessen.«
Liliana lächelte. »Ganz sicher. Ich hoffe, sie tragen diesen Sommer schon.«
Sie winkte Ben zu und ging müde, aber gut gelaunt vom großen ummauerten Garten zum Gutshaus zurück.
Auf dem Weg setzte sie sich noch kurz auf die kleine verzierte Holzbank vor dem Pavillon. Die Tulpen und Narzissen davor blühten im frühlingshaften April bereits in Gelb und Weiß und erfüllten die Landschaft mit frischer Farbe und Blütenduft. Lächelnd schloss sie die Augen und ließ die Frühlingssonne ihr Gesicht wärmen.
Wie gut sie es doch hatte, hier bei ihrer Tante. Keine unter ständiger Beobachtung stehende Stadtgesellschaft, in der man sich nach strengen Regeln benehmen und rüschenüberladene Kleider mit Schnürmiedern sowie alberne Perücken oder Frisuren tragen musste. Zwar zeigten die Privatlehrer, die Mutter für sie bezahlte, eine gewisse Strenge, aber damit kam sie zurecht. Hier auf dem Gestüt durfte sie sich frei bewegen, mit den Mädchen im Dorf befreundet sein und sogar rittlings reiten, wenn kein Gast zugegen war. Auf dem Land mit all den Tieren um sich herum war sie glücklich.
Ein wenig trauerte sie dennoch ihrer Kindheit nach. Sie sah, wie ihre Freundinnen inzwischen ihre Zukunft mit Ehemann und Kindern planten. Einige hatten sich sogar bereits verlobt. Sie wollte all dies nicht, hatte andere Träume.
Zwei Herzen schlugen in ihrer Brust. Sie war hin- und hergerissen. Das eine Herz war das des kleinen Mädchens in ihr, das weiter hier bei ihrer Tante und den Pferden leben wollte. Für ewig frei und ungebunden sein, ohne die Verantwortung der Erwachsenen tragen zu müssen.
Das andere war voller Feuer und Tatendrang. Es schrie nach Abenteuern, wollte ausbrechen aus dem gewohnten Leben, die Welt bereisen, fremde Menschen und Länder kennenlernen.
Sich niederzulassen und eine Familie zu gründen, danach verlangte jedoch nichts in ihr.
Warum erging es ihren Freundinnen nicht auch so? War sie selbst anders oder verdrängten diese ihre wahren Gefühle nur?
Seufzend erhob sie sich und setzte den Weg zum Haus fort.
Auf dem Hof begrüßten sie die beiden Deerhounds fröhlich. Liliana gab besonders dem alten Rover noch ein paar Streicheleinheiten, bevor sie sich am Brunnen die Erde von Händen und Gesicht wusch und in das Wohnhaus ging.
Als sie das Foyer betrat, hörte sie Stimmen aus dem Kaminzimmer. Hatten sie Besuch? Es stand doch gar keine Kutsche im Hof. Sollte sie sich noch schnell umziehen? Das einfache Kleid aus dünnem Leinenstoff wies Falten und einige Erdflecken auf. Auch ihre Haare rutschten bereits aus dem Zopf und eine Haube trug sie ebenfalls nicht.
Neugierig spitzte sie die Ohren. Ihre Tante Effie unterhielt sich mit einem Mann, dessen Tonfall ihr vertraut vorkam, doch sie konnte ihn nicht einordnen.
»Tante Effie? Bist du da?«, rief sie vorsichtshalber noch im Flur. Liliana wollte nicht unbemerkt in ein Gespräch hereinplatzen, das wäre unhöflich.
Die Stimmen verstummten und erst nach einem seltsam langen Augenblick antwortete Effie ungewohnt tonlos: »Komm zu uns, Schätzchen. Ich möchte dich jemandem vorstellen.«
Liliana vergaß vor Neugier ihr Aussehen und betrat das Empfangszimmer. Mit großen Augen betrachtete sie den fremden Mann, der ihrer Tante gegenüberstand. Es war ein Gentleman mittleren Alters in eleganter Kleidung mit Umhang und Kniehosen. Alles in Schwarz mit goldenen Knöpfen und Schnallen. Den Dreispitz hielt er vor Effie höflich in der Hand.
Etwas an den Zügen des glatt rasierten Gesichts wirkte vertraut, doch sie vermochte nicht zu sagen, an wen er sie erinnerte.
Der Mann stand einfach da und starrte sie derart forschend an, dass Liliana etwas mulmig wurde. Ihr unangemessener Aufzug vor diesem eleganten Herrn kam ihr erneut in den Sinn, doch er schien ihre Kleidung gar nicht wahrzunehmen, sondern betrachtete nur ihr Gesicht.
Konnte das sein? Der Fremde hatte dunkle, fast schwarze Haare, die im Nacken zu einem kleinen Zopf gebunden waren, doch seine Augen waren stahlblau wie die ihren.
»Hallo, Lily«, sagte er mit gepresster Stimme und schluckte hart. »Erkennst du mich wieder?«
Lilianas Augen wurden feucht, und ohne darüber nachzudenken, ob ihre Vermutung richtig sein mochte, flüsterte sie: »Vater?«
Der Mann nickte. Er breitete die Arme aus und Liliana flog hinein. Die Tränen flossen, während ihr gesamter Körper bebte. Wie sehr hatte sie sich nach ihm gesehnt und gehofft, dass er irgendwann wiederkommen würde! Eine Erwartung, die sie mit den Jahren fast aufgegeben hatte.
»Vater«, schluchzte sie, mehr bekam sie nicht über die Lippen.
Er hielt sie fest an sich gedrückt und strich ihr über die langen Haare. »Meine Kleine«, flüsterte er. »Wie sehr hab ich dich vermisst – und wie groß und erwachsen du geworden bist.«
Langsam löste sie sich aus der Umarmung. Sie wischte sich mit dem Ärmel die Tränen vom Gesicht und blickte ihn sodann mit gerunzelter Stirn an. Ihre Erziehung kam ihr in den Sinn, sie hätte sich nicht derart gehen lassen sollen. »Weiß Mutter, dass Sie hier sind, Mr Farson?«
»Nein. Es ist auch besser, wenn sie es nicht erfährt.«
»Wollen Sie sie nicht wiedersehen?«
Er zögerte mit einer Antwort.
Effie trat dazwischen. »Ich denke, das ist ein Thema für nach dem Essen. Lass Jack erst einmal ankommen.«
»Schon gut.« Er hob beschwichtigend die Hand. »Meine Tochter hat ein Recht darauf, alle Fragen beantwortet zu bekommen. Aber setzen wir uns erst.« Er legte seinen Hut zur Seite und nahm zusammen mit Liliana auf dem mit grünem Samt gepolsterten Sofa Platz. Effie setzte sich in den Sessel daneben.
Jack umfasste Lilianas Hand. »Zuallererst möchte ich, dass du eine vertrautere Anrede verwendest. Ich bin Jack, dein Vater. Ich verabscheue diese Distanziertheit unter Freunden oder Familienmitgliedern.«
Liliana nickte, auch wenn sie wusste, dass es ihr schwerfallen würde. Immerhin besaß sie kaum eine klare Erinnerung an diesen Mann, den sie seit über zehn Jahren nicht gesehen hatte. Er wirkte so fremd …
Ihr Vater blickte sie mit ernster Miene an. »Um zu deiner Frage zurückzukehren: Nein, Eliza informierte ich nicht über diesen Besuch.« Er atmete tief durch. »Ich habe nicht das Verlangen, die Person, die deine Mutter heute verkörpert, wiederzusehen.«
Liliana schaute betreten zu Boden. Sie wusste, dass sie nur eine Last für ihre Mutter war. Dachte ihr Vater ebenso? Der Mann, den sie als Kind so bewundert und nach dessen Rückkehr sie sich jahrelang gesehnt hatte?
Mit einem strengen Blick sah sie auf. »Wo warst du all die Jahre? Warum hast du uns alleingelassen?« Es kam anklagender aus ihrem Mund als beabsichtigt.
Ihr Vater blickte sie lange an. Seine stahlblauen Augen schauten so sanft, dass Liliana kaum zu schlucken vermochte. Die Hand auf ihrer wog schwer. »Ich habe dich nicht verlassen, sondern gesucht, Liliana«, sagte er mit deutlich bebender Stimme. »Ich habe dich überall gesucht.«
»Was?« Sie stutzte. »Ist das wahr?«
»Ich wusste nicht, dass du hier auf dem Land bei Effie bist. Ich lernte Eliza in Bristol kennen. Sie hatte mir zwar einst von einem Landgut berichtet, das ihren Eltern gehörte, doch niemals, wo genau es sich befindet. Deine Mutter erzählte mir bei meinem letzten Treffen vor gut zehn Jahren nur, dass sie dich zu Pflegeeltern gegeben habe, und ich glaubte ihr.« Der Druck auf Lilianas Hand nahm zu. Er sah sie direkt an. »Ich hatte ihr gesagt, dass ich für dich sorgen würde, aber das schien ihr nicht recht zu sein.« Jack schloss kurz die Augen.
»Aber warum hat es so lange gedauert? Bis heute!« Liliana wollte es nicht derart vorwurfsvoll klingen lassen, doch dieses düstere Grübeln, das sie in all diesen Jahren begleitet hatte, erwachte in seiner Anwesenheit zu neuem Leben. Die ewigen Schuldgefühle, die sie peinigten … Die Suche nach dem Grund, warum ihre Eltern sie nicht bei sich behalten wollten. Vor allem ihr Vater, dieser geheimnisvolle Mann, der ihr stets solch wundervolle Geschenke aus aller Welt mitgebracht hatte. Bei seinen Besuchen hatte sie sich niemals überflüssig oder lästig wie ein Kind gefühlt, das die kostbare Zeit der Erwachsenen stahl oder ihrer Mutter jede Möglichkeit eines angenehmen Lebens raubte. Er gab ihr das für sie seltene Gefühl, eine im Mittelpunkt stehende Prinzessin zu sein. Und dann hatte dies alles ohne Vorwarnung geendet.
Jack lächelte schwach bei ihrem vorwurfsvollen Blick. »Ich könnte mich nun herausreden und behaupten, ich sei viele Jahre auf See gewesen, lange Zeit in Asien und Afrika. Die seltenen Tage hier in England seien gefüllt gewesen mit Aufträgen und Terminen …« Seine Stimme wurde leise. »Die Wahrheit lautet jedoch: Es war eine Flucht.« Er atmete tief durch. »Aber nun habe ich dich wieder und bin sehr erleichtert, dass du lebst und es dir gut geht.« Er tätschelte leicht ihre Hand, als würde der letzte Satz jegliche Fragen beantworten und die Unterredung abschließen.
Liliana ließ sich darauf ein. Sie verscheuchte die düsteren Gedanken und wendete sich dem glücklichen Moment zu. Ihr Vater war...




