E-Book, Deutsch, 172 Seiten
Kallweit / Wulf / Schumann Mörderische Sauerländer - Schlag 9
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-935500-42-5
Verlag: Wortspiel Literatur
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Krimi-Häppchen
E-Book, Deutsch, 172 Seiten
ISBN: 978-3-935500-42-5
Verlag: Wortspiel Literatur
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Autorengruppe "Mörderische Sauerländer" präsentiert nunmehr ihren neunten Krimiband. Zutaten ihrer Kriminalerzählungen sind Spannung, Witz und viel Lokalkolorit.
Autoren/Hrsg.
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Frank W. Kallweit Das Mädchen mit den Schwafelhölzern (Tatort Iserlohn / Sümmern / Rheinen) In den letzten Wochen hatte sich doch einiges in Iserlohn verändert. Die kalte Sophie hatte noch einmal mit ihrem Nordwind Hagel und Graupel ins Sauerland getragen. Die frostigen Tage schienen aber überwunden zu sein. Der Wind hatte auf Südwest gedreht. Die Temperaturen waren richtig frühlingshaft geworden, aber auch nicht übertrieben heiß – ein richtig angenehmes Klima. Dies galt auch für die beiden Beamten, die sich das Büro an der Friedrichstraße teilten, Hauptkommissar Reiner Zufall und seine Kollegin Kommissarin Sarah Kreisch. Ja, selbst Reiner Zufall war es in jenen Tagen warm ums Herz geworden. Es war wohl weniger die Abreise einer Eisheiligen mit Namen Sophie. Sein Herz hatte offensichtlich eine andere Frau viele Jahre gefrostet, seine langjährige Ehefrau. So jedenfalls fiel die nicht ganz objektive Bewertung des Polizisten und seiner Mutter aus. Zufalls Ehefrau hatte ein letztes Mal seinen Koffer gepackt und ihn dann samt Gepäck aus der gemeinsamen Wohnung verbannt. Der Zufluchtsort wurde die nur wenige Meter entfernt liegende Wohnung seiner Mutter. Dort zog der Polizist wieder in sein altes Kinderzimmer ein. „Junge, das musste doch so enden“, waren die Begrüßungsworte einer Mutter, die ziemlich lange auf die Rückkehr ihres Sohnes gewartet hatte. Es waren mehr als 21 Jahre gewesen, doch Zufall war immer noch ihr „Junge“ geblieben. Alles war wieder wie früher, nur dass der Junge mittlerweile 57 Lebensjahre zählte und seine Mutter stark auf die 80 zuging. Das Kinderzimmer war während der gesamten Zeit unberührt geblieben. Über seinem Bett hing immer noch der Starschnitt von Natassja Kinski. Das Motiv hatte für Zufall die Strahlkraft behalten, obwohl die Farben stark ausgeblichen waren. Seit dem Tatort Reifeprüfung verbrachte er jeden Sonntagabend vor dem Fernseher. Die Kehrtwende in Zufalls Leben hatte tief in ihm drin vieles, was geordnet schien, kräftig durchgeschüttelt. Dies hinterließ auch Spuren in seinem dienstlichen Umfeld. Seine Mitarbeiterin hatte Veränderungen am Verhalten ihres Chefs wahrgenommen. Eigentlich war Zufall ein richtiger Griesgram und ließ es auch jeden spüren. Davon war natürlich insbesondere seine Kollegin Sarah Kreisch betroffen. Alle in der Dienststelle wussten das. Die Kollegen hatten dem Ermittlerduo den Namen die Schöne und das Biest gegeben. Zuerst hatte Zufalls ungewohnte Freundlichkeit Kreisch stark verunsichert. „Das ist bestimmt eine neue Taktik vom Chef, um mich in einen Hinterhalt zu locken. Ich muss höllisch aufpassen“, dachte sie insgeheim. Doch nach einigen Wochen ohne Änderung der Situation brach sie ihr Schweigen. „Chef, was ist passiert?“ Kreisch wartete gespannt auf die Reaktion. „Die Sonne scheint. Frau Kreisch, es wird ein wundervoller Tag“, antwortete Zufall. „Genau, das meine ich. Das ist doch nicht normal!“ Zufall schaut seine Kollegin genau an. „Ich bin nicht normal?“ Kreisch überlegte einen Augenblick. „Doch, Chef, das ist es doch, sie sind so normal. Sie sind seit einigen Wochen freundlich, manchmal nett, halt so normal wie die meisten anderen Kollegen. Da muss doch etwas passiert sein.“ Zufall stand von seinem Stuhl auf und stellte sich direkt vor den Schreibtisch seiner Kollegin. „Frau Kreisch, ich bin ein freier Mann!“, lautete seine kurze Erklärung, nach der er sich wieder auf seinen Platz begab. Häppchenweise gab er in den nächsten Tagen die Information über seine Scheidung an seine Mitarbeiterin weiter. „Und ich wohne jetzt wieder bei Mutti in meinem alten Kinderzimmer“, schloss er die Erklärung über seine neue Lebenssituation ab. Kreisch war gerührt. Ihr Sprachzentrum war von dieser Emotion blockiert. So hatte sie ihren Chef noch nie erlebt. Ihre Blockade hielt natürlich nicht lange an. Am nächsten Morgen war etwas in dem kleinen Büro der beiden Kollegen geschehen, was wirklich niemand erwartet hatte. Kreisch hatte diese Worte geformt: „Chef, der Heiratsmarkt im Sauerland hat ja jetzt eine Attraktion mehr!“ „Wie meinen Sie das?“ Zufall blickte seine Mitarbeiterin verständnislos an. „Sie sind doch ein stattlicher Mann und jetzt ungebunden. Chef, da kann doch noch einiges abgehen, wenn Mann will“, ergänzte Frau Kreisch, die sich mit diesen Worten auf ganz dünnes Eis begab. Sie lächelte ihren Chef an und endete mit einem Augenzwinkern. Zufall war für einen Moment völlig sprachlos. Eine Verlegenheit hatte ihn erfasst, die man eigentlich bei ihm nicht kannte. „Sowas hat noch keine Frau zu mir gesagt“, dachte der Ermittler. Die Charmeoffensive hatte offensichtlich getroffen. „Frau Kreisch, aber Sie wissen schon, dass wir dienstlich und privat streng trennen müssen“, antwortete Zufall in einem nachdenklichen Ton. Seine Kollegin schien von dieser Reaktion überrascht. „Ja, ja, natürlich. Chef, ich bestehe sogar darauf. Ich wollte doch nur …“, folgte ihre emotionale Antwort. Zufall schaute sie fragend an. Kreisch lächelte. Manchmal ist es wirklich besser zu schweigen und dieses Mal schaffte sie es auch. Zufall dachte nach. Anschließend setzte er sein Gesicht aus altbekannten Zeiten auf. „Kreisch, bitte unterlassen Sie zukünftig diese Flirtattacken. Wollen Sie meine emotionale Notlage ausnutzen? Nur weil Sie eine Frau sind und ich ein Mann, ein Mann im besten Mannesalter, da müssen wir doch nicht …“ Kreisch reagierte spontan: „… gut zusammenarbeiten?“ Zufall saß wortlos mit weit geöffnetem Mund auf seinem Stuhl, wie ein Fisch, der gestrandet war. „Ähm, nein, nein …“, stotterte er. „Ja, wie denn jetzt, sollen wir gut zusammenarbeiten oder nicht?“, ergänzte Kreisch. „Frau Kreisch, jetzt haben Sie mich völlig verwirrt, völlig aus dem Konzept gebracht“, klang der Chefermittler ziemlich überfordert. Das Läuten des Telefons entspannte die Situation. „Kreisch, eine männliche Leiche in einer Villa in Iserlohn.“ Sarah Kreisch war erleichtert darüber, dass nun die normale Arbeitsroutine den weiteren Tagesablauf bestimmen würde. „Chef, prima, dann haben wir ja einen neuen Fall.“ „Frau Kreisch“, entgegnete Zufall in einem schulmeisterlichen Ton. „Bevor Sie wieder leuchtende Augen bekommen, muss ich Sie darüber informieren, dass diese Leiche nicht wie beim letzten Fall in einem begehbaren Schuhschrank gefunden wurde. Ein Bild des Toten wurde in die elektronische Akte eingestellt.“ „Wow“, kommentierte Kreisch ihren Blick auf den Monitor. „Der ist aber nicht von schlechten Eltern.“ „Ring my bell!“ Zufall sprach diese Worte langsam und deutlich. Dabei schaute er genau auf seine Kollegin. Kreisch errötete. „Chef, das geht jetzt wirklich zu weit!“ „Ring my bell!“, wiederholte der Chefermittler und setzte anschließend eine kurze Pause. „Das war sein Werbespruch. Bei dem Toten handelt es sich um den 35-jährigen Privatier Volker Bell. Er ist jung, attraktiv, mehrfacher Millionär und alleinstehend. Heute Morgen ist der junge Mann von seiner Putzfrau in seiner Villa in Sümmern gefunden worden. Er lag bekleidet im Schlafzimmer auf seinem Bett mit einer großen Wunde am Kopf. Nach Angaben der Reinigungskraft war zu dem Zeitpunkt kein Lebenszeichen feststellbar. Auch der herbeigerufene Notarzt konnte nur den Tod feststellen und informierte die Polizei. Aufgrund der Kopfverletzungen und einem Kantholz, das neben dem Bett gefunden wurde, kann von Fremdverschulden als Todesursache ausgegangen werden. Sein Geld hat der Tote mit dem Verkauf von Klingeltonabbos gemacht. Bevor der Boom abebbte, hat er sein Unternehmen verkauft und das Leben in vollen Zügen genossen. Über ihn wurde häufiger in den Medien berichtet. Mal war er auf seiner Yacht zu sehen, mal an einem noblen Privatstrand in der Karibik, und immer war er umringt von hübschen Frauen.“ „Ist schon traurig. Jetzt kriegt ihn keine mehr“, seufzte die Polizistin. Zufall fiel Kreisch ins Wort. „Darin liegt bestimmt auch das Motiv für die Tat. Wahrscheinlich handelt es sich hier um eine Beziehungstat. Eifersucht, Neid …“ „Chef, wie wird man mit Klingeltönen zum Millionär?“, diese Frage beschäftige die junge Polizistin. „Kreisch, das war doch eine ganz andere Zeit damals. Wir hatten ja alle nicht viel“, begann Zufall seine Erklärung. Kreisch schaute ihren Chef nur verständnislos an. „Es gab für alle nur einen einzigen Klingelton der staatlichen Telefongesellschaft“, führte der Ermittler seine Ausführungen fort. „Der Klingelton wohnte in einem unförmigen Klotz mit großer Wählscheibe. Und dann, das war die Revolution, wurde die Wählscheibe durch ein riesiges Tastenfeld ersetzt. Das kostete natürlich extra. Und alles war an der kurzen Strippe, Festnetz halt....




