Kaiser | Learn to be Still | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 417 Seiten

Kaiser Learn to be Still


2. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7584-6535-2
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 417 Seiten

ISBN: 978-3-7584-6535-2
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



'Wenn sich im Leben eine Türe schließt, sollte man manchmal mit Hammer und Nagel sicherstellen, dass das Ding auch zubleibt.' Diese Erkenntnis muss auch Elifa machen, als sie den smarten Caleb trifft. So sehr sie sich auch von ihm angezogen fühlt, so wenig nachvollziehbar sind seine Handlungen und Reaktionen für sie. In einem Strudel aus Liebe und Leidenschaft versucht sie, die fehlenden Teile zusammenzufügen, nur um dann zu erkennen, dass das Wissen darum besser im Dunkel geblieben wäre. Eine Geschichte über Leidenschaft und große Gefühle, echtes Leben und die Dramen, die es mit sich bringt. Und der Einsicht, dass niemand ein unbeschriebenes Blatt ist.

Tanja Kaiser, Jahrgang 1982, ist eine Autorin aus der Nähe von Koblenz. Ihr Markenzeichen: Echte Liebesgeschichten abseits des Glamours. Tanja erzählt von den ungeschminkten, alltäglichen Momenten des Lebens, die oft im Verborgenen bleiben. Ihre Romane bieten eine frische Perspektive auf Liebe und Beziehungen, fernab der Klischees von Reichtum und Perfektion. Für Tanja, die lange ihren Traum vom Schreiben hinter dem Alltag zurückstellte, ist das Schreiben eine späte, aber umso leidenschaftlichere Berufung. Sie will Geschichten erzählen, die sich echt anfühlen, die ihre Leser:innen bewegen und in denen sich jeder ein Stück weit wiederfinden kann. In ihren Büchern geht es um die Schönheit des Imperfekten, um Liebe in ihrer rohen und wahren Form.
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Kapitel 1:


Ich sah hinaus durch das runde Bullauge auf den Parkplatz und fragte mich ein weiteres Mal, welche Ausgeburt der Hölle die Idee gehabt hatte, in dieses verdammte Büro ein Fenster einzubauen, das man nicht öffnen konnte.

Fenster waren zum Öffnen da, jedes Kind wusste das.

Fenster machten Sinn, jedenfalls in meiner Welt, und EIGENTLICH ja auch in der Welt jedes halbwegs klar denkenden Menschen mit mehr als drei Gehirnzellen.

Aber nein, dieses riesige runde Ding ignorierte diese Tatsache komplett.

Irgendein Architekt hatte vermutlich sogar einen Preis für diese Fensterlösung bekommen, wegen der ich mich mir nun die meiste Zeit wie ein Fisch im Aquarium fühlte.

Das riesige Bullauge mit dem dunklen Rahmen nahm fast die ganze Wand ein, und trotzdem war es in dem Büro immer stickig und im Sommer zu warm.

Die Sonne knallte rein, natürlich hatte man auch auf ein Rollo verzichtet, und zugunsten der Optik konnte man stattdessen unter dem Brennglas vor sich hinkokeln, als sei man ein Bratwürstchen auf dem Grill.

Und so hechelte und kokelte ich also in Sommer vor mich hin, und wünschte mir einfach eine Klimaanlage herbei, für die offenbar im Angesicht des sauteuren Fensters kein Geld mehr übrig gewesen war.

Aktuell war das zwar nicht zu befürchten, der Herbst stand vor der Türe, aber trotzdem hätte ich nichts gegen ein wenig mehr Frischluft gehabt.

Immer wieder hatte ich darüber nachgedacht, dass es in Deutschland für alles Vorschriften gab. Für die Größe von Gurken, Kartoffeln, Toiletten und eigentlich auch allem anderen.

Wieso gab es dann eigentlich keine Vorschrift dafür, wie weit man das Fenster eines Büros öffnen können musste?

Das runde Fenster mochte ja vielleicht von außen sehr modern und zeitgemäß wirken, für denjenigen der dahinter saß, war es jedoch vielmehr der wahr gewordene Wohnalptraum.

Im oberen Teil gab es zwar ein kleines Viertel, welches man kippen konnte (gefühlte 2,5 Zentimeter, also auch komplett überflüssig), dieses brachte allerdings an warmen Tagen auch keine richtige Abkühlung. Geschweige denn, dass die wenigen Zentimeter dazu in der Lage waren, die Sauerstoffzufuhr in angemessener Weise zu gewährleisten.

Traumhafte zustände also, für die mich vermutlich absolut niemand beneiden würde.

So manches Mal hatte ich in den letzten 10 Jahren davon geträumt, bei geöffnetem Fenster auf die ehemals gegenüberliegenden Obstbäume zu schauen. Das wäre schön gewesen, aber auch damit war es nun auch endgültig vorbei, denn diese gab es nicht mehr.

Das Gewerbegebiet, in dem ich jetzt offensichtlich arbeitete, nahm immer größere Züge an, und kürzlich mussten auch meine Obstbäume und Wiesen diesem Fortschritt weichen. Ein Gebäude nach dem anderen entstand, und ich konnte nur dabei zusehen.

Ich kam mir schrecklich alt vor. Die Zeit war gerast und ich hatte es nicht mitbekommen.

Mit Anfang dreißig kam es mir vor, als würde alles an mir vorbeischnellen, und dieser Fleck, an dem ich meine Tage fristete, veränderte sich so schnell, dass ich kaum mitkam.

Diese Art von Veränderungen, mit ihren unfassbaren Geschwindigkeiten, waren mir unangenehm. Ich brauchte keinen Fortschritt, für mich konnte gerne alles auf ewig so weiter laufen, wie es schon immer gewesen war. Warum Veränderung wünschen, wenn doch eigentlich alles gut war?

Als wir hier gebaut hatten, war hier nichts gewesen.

Nichts außer Feldern, Obstbäumen, und hinter unserem Gebäude Wiesen mit Schafen. Fast idyllisch. Aber schon damals war klar, das dies ein Industriegebiet werden würde und wir nicht auf ewig allein.

Darüber nachgedacht hatte ich lange nicht, immerhin war über Jahre auch nichts passiert, aber irgendwann rollten die Bagger, und stille Panik hatte mich ergriffen.

Was würde werden, wenn statt grüner Wiesen plötzlich Fertigbauten meine Aussicht versperrten?

Dass es mich allerdings so treffen würde, wenn die Bäume endgültig verschwanden, damit hatte ich nicht gerechnet. Auch wenn Veränderung mir pauschal zuwider waren, so überraschte mich das Stechen in meiner Brust dann doch. Wie schade um das wenige Grün, wie schade um meine ehemals sensationelle Aussicht.

Für unsere Firma jedoch war das eine tolle Sache, wir hatten damals recht günstig den Boden gekauft, in der Aussicht auf die Dinge, die sich verändern würden.

Jetzt zahlte sich diese Weitsicht eindeutig aus, denn mehr und mehr wurden wir zum Mittelpunkt eines weiter wachsenden Industriegebietes.

In den vergangenen Jahren waren außerdem um mich herum eine Reihe Wohnhäuser gewachsen, da der Baugrund erschwinglich war, und die Verkehrsanbindung eigentlich ganz gut. Für ein Wohnhaus schien es mir äußerst unpassend hier, aber viele andere schien es nicht zu stören, und so hatte der Bau der Wohnhäuser lange vor dem der Industrie begonnen. Geschäfte waren erst vor kurzer Zeit dazu gekommen, mittlerweile war ein reges Treiben um unser Gebäude herum entstanden, und schon in wenigen Jahren würde es hier völlig anders sein.

Das erste Haus, dem meine Obstbäume vor dem Fenster weichen mussten, war modern. Wobei das noch untertrieben war. Fast futuristisch stand es auf der leichten Anhöhe hinter den Firmenparkplätzen, und lachte mich jeden Tag aufs Neue aus.

Es strafte meine Naivität ab, denn lange hatte ich geglaubt, dass genau an diesem Platz sicher nicht gebaut werden würde, und schien die Strafe für jedes Unrecht, dass ich vielleicht mal begangen hatte.

Ich mochte diese Art Bauten nicht, ich mochte Altbau.

Abgenutzt und mit Geschichte, gerne auch etwas schief und krumm. Ein Gebäude wie das vor meinem Fenster, entsprang meinen Alpträumen genauso, wie das runde Fenster in meinem Büro.

Was brachte es, zwar modern, aber ungemütlich und vor allem unpraktisch zu sein?

Kastenbauten und Fischglasfenster brauchte niemand, ich jedenfalls ganz sicher nicht, und auch wenn es dafür vielleicht einen Design-Preis gab: Es sah einfach dämlich aus.

Ein wenig erinnerte es mich an die Zeichnung eines kleinen Kindes, bei denen Häuser einfach nur aufeinandergestapelte Vierecke waren.

Das Haus sah aus wie ein rechteckiger Kasten, auf dem ein kleinerer Kasten obenauf stand, und bestand fast nur aus nicht durchsichtigem Glas.

Das allein wäre für mich schon Grund genug, dort nicht zu wohnen. Ich konnte mir nicht vorstellen, mich dort frei zu bewegen, auch wenn ich wusste, dass die Glasfronten vermutlich nicht wirklich durchsichtig waren.

Trotzdem würde ich mich dort beobachtet fühlen, und was war den überhaupt das Problem mit Wänden? Ich mochte Wände, Fenster die man öffnen, und Türen, die man schließen konnte.

Wo mochte man dort seine Schränke aufbauen, so ganz ohne Außenwände? Stellte man die Schränke einfach vor die Glasfront, und tat, als wäre sie eine Wand?

Machten Glaswände dann überhaupt sinn?

Und wenn es dort keine Schränke gab, wo verstauten die Leute dort dann ihre Sachen?

Ich dachte an all die Dinge, die in meiner kleinen Wohnung standen, und fragte mich, ob andere Leute vielleicht einfach nicht so viele Dinge besaßen, die sie unterbringen mussten.

Es gab ja Menschen, denen Dinge nicht wichtig waren, das war mir klar, aber jeder musste in meinen Augen doch irgendetwas haben, dass ihm wichtig war. Materielle Dinge ohne tatsächlichen Wert, die ihn an etwas erinnerten.

Bilder, Bücher, Geschenke aus der Vergangenheit, Kindheitserinnerungen oder irgendwas dergleichen. Ich selbst hatte davon viele.

Kleine Dinge die mich an Situation, Menschen oder Lebensereignisse erinnerten. Und wann immer ich sie sah, oder berührte, war ich wieder dort. In der Situation, in dem Gefühl, in der Phase in der ich sie bekommen hatte. Oft führte ich diese Gefühle ganz bewusst herbei, wenn ich mir mal wieder meiner Einsamkeit und meines Singledaseins allzu bewusst wurde, zum Beispiel.

Ich kramte dann meine Kiste voll Erinnerungen heraus, und suhlte mich in den Erinnerungen an Zeiten, in denen ich jemanden gehabt hatte. Ich fragte mich, was wohl daraus geworden wäre, wenn die Dinge anders gelaufen wären, oder ich anders gehandelt hätte. In meiner Logik war das ein Lernprozess, um zu wissen, wie man es beim nächsten Mal besser machen konnte.

Ich war mir sicher, dass alle Beziehungen irgendwie nach dem gleichen Muster ablaufen würden. Junge trifft Mädchen, Frau trifft Mann, man lernte sich kennen und verliebte sich, kam zusammen, um dann festzustellen, dass nicht alles rosa-lila ist. Und dann musste man weitermachen oder aufgeben.

Die wenigen Beispiele, die ich kannte (verschwindend wenige), bei denen es auch noch nach Jahren rosa-lila war, konnte ich an einer Hand abzählen.

Und all diese Beziehungen schienen mir todlangweilig und nicht erstrebenswert. Ich wollte Dramen und Leidenschaft, wie in meinen Romanen oder den schnulzigen Liebesfilmen, die ich mir immer wieder ansah.

Da draußen musste doch mehr sein als Alltag. Wie konnte man sich zwischen Abendessen und dem Abendfilm lebendig fühlen?

Ich war mir sicher, dass mein Singledasein dafür die bessere Alternative war. So konnte ich tun und lassen was ich wollte und mir bei Bedarf irgendeine kurzfristige Ablenkung gönnen.

Dass es Menschen gab, die diese Art von Erinnerungen nicht hatten, oder vielleicht nicht brauchten, konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Wie überlebte man, wenn man nicht auf das Gefühl zurückgreifen konnte? Wie überlebte man, wenn man nichts hatte, an das man sich klammern konnte? Keine Fotografie, oder kein Stofftier, das einen an etwas wirklich großes oder intensives erinnerte?

Das Gebäude vor...



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