Kaiser | Die Gesellschaft der Zeitzerstörung | Buch | 978-3-99028-540-4 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, Band Karl Kraus Vorlesungen zur Kulturkritik, Band 7, 64 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 215 mm, Gewicht: 200 g

Reihe: edition seidengasse · Verlag Bibliothek der Provinz

Kaiser

Die Gesellschaft der Zeitzerstörung

Ein Bericht
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-99028-540-4
Verlag: Bibliothek der Provinz

Ein Bericht

Buch, Deutsch, Band Karl Kraus Vorlesungen zur Kulturkritik, Band 7, 64 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 215 mm, Gewicht: 200 g

Reihe: edition seidengasse · Verlag Bibliothek der Provinz

ISBN: 978-3-99028-540-4
Verlag: Bibliothek der Provinz


Ich nenne die Gesellschaft, in der wir leben, die heutige westliche Gesellschaft, eine Gesellschaft der Zeitzerstörung. […] Zeit an sich kann nicht zerstört werden. Sie vergeht ohne unser Zutun, und wir vergehen mit ihr. Sie ist in ein unzerstörbarer Zerstörer. Was ich mit Zeitzerstörung meine, kann sich nur auf die Enteignung, Verschleuderung, falsche Besetzung und Verteilung von Lebenszeiten beziehen. Und von ihr im Ernst zu sprechen, ist erst dann sinnvoll, wenn ein Potential freier Zeit zur Verfügung steht oder stünde, das nicht nur einer Minderheit, die von der Mühe notwendiger Arbeit befreit ist, sondern der großen Mehrheit den selbstbestimmten Gebrauch dieses Potentials erlaubt oder erlauben könnte. […] Wenn ich von Zeitzerstörung spreche, beklage ich nicht das Regime der abstrakten Zeit. Ich fordere nicht die Rückkehr zu einem Gemeinschaftsleben in überschaubaren lokalen Zusammenhängen, in denen die Organisation des Alltags ohne den ständigen Blick auf die Uhr möglich war. Die Gesellschaft der Individuen, der vereinzelten Einzelnen, die nicht von vornherein durch Familienbande, lokale Nähe, gemeinsame Arbeit, Sitten und Gebräuche verbunden sind, bedarf zu ihrer Verabredung, für den Verkehr der Menschen untereinander, für die Organisation der Arbeit einer auf die lineare, gleichförmige und beliebig teilbare Zeit bezogenen Disziplin. Und dies unabhängig davon, ob das Zeitregiment als Unterwerfung unter einen fremden Willen oder als autonome Planung des Individuums erfahren wird.
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Weitere Infos & Material


Kaiser, Leander
Leander Kaiser ist Bildermacher und als solcher durch zahlreiche Ausstellungen und Publikationen bekannt (zuletzt: „derLeander – eine Reise durch das malerische Werk von Leander Kaiser“, Wien 2012). Daneben hat er immer wieder über Künstler und Kunsttheorie publiziert, Symposien organisiert, war Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen und Mitherausgeber von kunsttheoretischen Sammelbänden (zuletzt: „Die ästhetische Gnosis der Moderne“, Wien 2008).
Geboren 1947 in Innsbruck (Zwillingsbruder Konstantin Kaiser), hat er zunächst an der Akademie der bildenden Künste in Wien Malerei, dann an der Universität Wien Philosophie, Soziologie und Kunstgeschichte studiert. Aktivist der 68er-Bewegung, Mitbegründer der „Gruppe Hundsblume“ (mit Robert Schindel, seinem Bruder u.a.), hegelianischer Marxist. Er lebt als freischaffender Künstler und Publizist in Wien.



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